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Internationale Sammler- Zeitung
Münchener Porzellanauktion.
Man schreibt uns aus München:
Die Sammlung wertvoller Porzellane aus nord
deutschem Privatbesitz, die am 25. September in der
Galerie Helbing zur Versteigerung gelangt, ist das
Werk jahrelanger sorgfältiger Sammeltätigkeit. Der
Besitzer wollte nicht eine zahlreiche Kollektion sein
eigen nennen, der Wert der Sammlung sollte vielmehr
in der Qualität der einzelnen Stücke liegen. Und so
ist es denn eine reine Liebhabersammlung, aber die
eines Liebhabers, der mit einschlägiger Kenntnis, und
wenn man sich die Höchster, Frankenthaler oder
Fürstenberger Prachtstücke vor Aügen hält, mit
seltenem Glücke sammelte.
An erster Stelle sei der Höchster Porzellane ge
dacht, die an Zahl so ziemlich das größte Kontingent
stellen. Das Geschirr tritt, wie auch bei den anderen
Manufakturen, gegenüber den Figuren in den Hinter
grund. Nicht etwa hinsichtlich der künstlerischen
Bedeutung, weil gerade Höchst in dem prachtvoll
dekorierten Kaffeeservice und dem. Rechaud zwei
Weinberger,
Fig. 1.
typische Beispiele aus der besten Zeit der Manufaktur
in den Siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts auf
zuweisen hat. In höherem Maße aber werden den
Sammler die frühen figürlichen Höchster Arbeiten
interessieren. Unter ihnen ist die ziemlich große F’gur
eines.Flußgottes auf einfachem. Sockel mit spärlicher Be
malung, in der noch anfänglichen Art ihrer Modellierung
wohl eines der frühesten Stücke der Höchster Manu
faktur überhaupt. Die ganze Art des Modells erinnert
sehr stark an die Stilistik der „Tugendbilder“, die
Braun zu den ersten figürlichen Versuchen der Löwen-
finckperiode zählt. Ferner besitzt die Kollektion in
dem. „Scaramuz“ eine Arbeit von Feylner, die zu
der zuletzt von Hof mahn zusammengestellten
Höchster Komödien-Fi gm en-Gr uppe gehört. Dieser
Serie steht auch die Figur eines Chinesen nahe, die
sowohl in der Art des hohen Sockels, wie in der Stili
sierung an die Feylnersche Serie gemahnt. Einer
zweiten Gruppe, deren künstlerischer Urheber bis
jetzt nicht festgestellt ist, sind ein Musikant und zwei
Krämerfiguren zuzuweisen. Sämtliche tragen die
eisenrote frühe Marke. Zu gedenken ist endlich der
Wahrsagergruppe mit dem für die Frühzeit. Höchsts
charakteristischen flachen, fein gerillten Sockel. In
der Art der Sockelbehandlung stehen den vorgenannten
Stücken zwei prächtige, 21 cm hohe Figuren aus der
italienischen Komödie nahe, von denen die eine mit
dem. von Scherer (Fürstenberger Porzellan) veröffent
lichten Capitano identisch ist, während die andere, ein
Pierrot, in der Literatur nicht bekannt zu sein scheint.
Beide sind unbedenklich Feylner modelle. Von den
späteren Höchster Modellen der Melchior zeit ragen
der „Türkenkaiser“ und die „Türkenkaiserin“, „Jäger
und Jägerin“, dann die „Türkin mit der Drehleier“
durch ihre prächtige Bemalung hervor. Der unendlich
liebenswürdige Genius Melchiors ist sowohl in seinen
Gruppen wie in den genremäßigen Kinderfiguren und
fahrenden Krämer reichlich vertreten.
Von der Frankenthaler Manufaktur findet, sich
fast jeder der bekannten Modelleure in der Sammlung.
Es genüge hier auf einige Stücke hinzuweisen: Ein
bisher nicht veröffentlichtes Lanzmodell, eine Winter
gruppe aus Modellen von Konrad Link, endlich auf ein
charakteristisches Melchiorm.odell: der „Harlekin als
Kinderschreck“, bezeichnet 1783. Von den übrigen
Frankenthaler Figuren sei außer den Gruppen narnent-
igsmedaille.
Fig. 2.
lieh auf die Holzträgerin von Lanz und die schönen
Götterfiguren von J. Fr. Lücks aufmerksam gemacht.
Unter dem Frankenthaler Geschirr sind zwei Salz
fässer, seltene Stücke der Karl Theodor-Zeit; ein
Rechaud vom Jahre 1787 fällt durch seinen ostasia
tischen Dekor in Meißener Art auf.
Ludwigs bürg ist mit Geschirr und Figürlichem
stark vertreten. Von den Gefäßen gehört das von
Balet dem Modellmeister Trothe zugeschriebene
Tintenzeug zu den ältesten Stücken. Bei den Figuren
ist der vielen reizvollen Figürchen und Gruppen der
Periode um 1760 zu erwähnen. Von den fiühen Tanz
gruppen enthält die Kollektion zwei Exemplare.
Fürstenberger Porzellan ist die prachtvoll be
malte Terrine mit den Soldatenszenen ein Glanz
stück der älteren Fürstenberger Pciiode. Aus der
zweiten Periode der Manufaktur besitzt die Sammlung
die Figur der Ragonde. Ein weiteres Luplau-Modell
nach älterem Vorbild ist ein „Bergmann“. Schließlich
seien die wenigen, aber höchst interessanten Nymphen-
burger Stücke genannt. Der Sammler hat mehrere
Nymphenburger Porzellane mit der frühen Hexa
gramm-Marke (um 1744) zusammengebracht, daraus
sei die Bustelli-Gruppe, „Der stüimische Galan“, die
bisher für diese frühe Zeit nicht vertreten war, hervor
gehoben. Auch verdient „Das lesende Mädchen“ und