MAK
Nr. 16 17 
Seite 137 
Internationale Sammler- Zeitung 
Münchener Porzellanauktion. 
Man schreibt uns aus München: 
Die Sammlung wertvoller Porzellane aus nord 
deutschem Privatbesitz, die am 25. September in der 
Galerie Helbing zur Versteigerung gelangt, ist das 
Werk jahrelanger sorgfältiger Sammeltätigkeit. Der 
Besitzer wollte nicht eine zahlreiche Kollektion sein 
eigen nennen, der Wert der Sammlung sollte vielmehr 
in der Qualität der einzelnen Stücke liegen. Und so 
ist es denn eine reine Liebhabersammlung, aber die 
eines Liebhabers, der mit einschlägiger Kenntnis, und 
wenn man sich die Höchster, Frankenthaler oder 
Fürstenberger Prachtstücke vor Aügen hält, mit 
seltenem Glücke sammelte. 
An erster Stelle sei der Höchster Porzellane ge 
dacht, die an Zahl so ziemlich das größte Kontingent 
stellen. Das Geschirr tritt, wie auch bei den anderen 
Manufakturen, gegenüber den Figuren in den Hinter 
grund. Nicht etwa hinsichtlich der künstlerischen 
Bedeutung, weil gerade Höchst in dem prachtvoll 
dekorierten Kaffeeservice und dem. Rechaud zwei 
Weinberger, 
Fig. 1. 
typische Beispiele aus der besten Zeit der Manufaktur 
in den Siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts auf 
zuweisen hat. In höherem Maße aber werden den 
Sammler die frühen figürlichen Höchster Arbeiten 
interessieren. Unter ihnen ist die ziemlich große F’gur 
eines.Flußgottes auf einfachem. Sockel mit spärlicher Be 
malung, in der noch anfänglichen Art ihrer Modellierung 
wohl eines der frühesten Stücke der Höchster Manu 
faktur überhaupt. Die ganze Art des Modells erinnert 
sehr stark an die Stilistik der „Tugendbilder“, die 
Braun zu den ersten figürlichen Versuchen der Löwen- 
finckperiode zählt. Ferner besitzt die Kollektion in 
dem. „Scaramuz“ eine Arbeit von Feylner, die zu 
der zuletzt von Hof mahn zusammengestellten 
Höchster Komödien-Fi gm en-Gr uppe gehört. Dieser 
Serie steht auch die Figur eines Chinesen nahe, die 
sowohl in der Art des hohen Sockels, wie in der Stili 
sierung an die Feylnersche Serie gemahnt. Einer 
zweiten Gruppe, deren künstlerischer Urheber bis 
jetzt nicht festgestellt ist, sind ein Musikant und zwei 
Krämerfiguren zuzuweisen. Sämtliche tragen die 
eisenrote frühe Marke. Zu gedenken ist endlich der 
Wahrsagergruppe mit dem für die Frühzeit. Höchsts 
charakteristischen flachen, fein gerillten Sockel. In 
der Art der Sockelbehandlung stehen den vorgenannten 
Stücken zwei prächtige, 21 cm hohe Figuren aus der 
italienischen Komödie nahe, von denen die eine mit 
dem. von Scherer (Fürstenberger Porzellan) veröffent 
lichten Capitano identisch ist, während die andere, ein 
Pierrot, in der Literatur nicht bekannt zu sein scheint. 
Beide sind unbedenklich Feylner modelle. Von den 
späteren Höchster Modellen der Melchior zeit ragen 
der „Türkenkaiser“ und die „Türkenkaiserin“, „Jäger 
und Jägerin“, dann die „Türkin mit der Drehleier“ 
durch ihre prächtige Bemalung hervor. Der unendlich 
liebenswürdige Genius Melchiors ist sowohl in seinen 
Gruppen wie in den genremäßigen Kinderfiguren und 
fahrenden Krämer reichlich vertreten. 
Von der Frankenthaler Manufaktur findet, sich 
fast jeder der bekannten Modelleure in der Sammlung. 
Es genüge hier auf einige Stücke hinzuweisen: Ein 
bisher nicht veröffentlichtes Lanzmodell, eine Winter 
gruppe aus Modellen von Konrad Link, endlich auf ein 
charakteristisches Melchiorm.odell: der „Harlekin als 
Kinderschreck“, bezeichnet 1783. Von den übrigen 
Frankenthaler Figuren sei außer den Gruppen narnent- 
igsmedaille. 
Fig. 2. 
lieh auf die Holzträgerin von Lanz und die schönen 
Götterfiguren von J. Fr. Lücks aufmerksam gemacht. 
Unter dem Frankenthaler Geschirr sind zwei Salz 
fässer, seltene Stücke der Karl Theodor-Zeit; ein 
Rechaud vom Jahre 1787 fällt durch seinen ostasia 
tischen Dekor in Meißener Art auf. 
Ludwigs bürg ist mit Geschirr und Figürlichem 
stark vertreten. Von den Gefäßen gehört das von 
Balet dem Modellmeister Trothe zugeschriebene 
Tintenzeug zu den ältesten Stücken. Bei den Figuren 
ist der vielen reizvollen Figürchen und Gruppen der 
Periode um 1760 zu erwähnen. Von den fiühen Tanz 
gruppen enthält die Kollektion zwei Exemplare. 
Fürstenberger Porzellan ist die prachtvoll be 
malte Terrine mit den Soldatenszenen ein Glanz 
stück der älteren Fürstenberger Pciiode. Aus der 
zweiten Periode der Manufaktur besitzt die Sammlung 
die Figur der Ragonde. Ein weiteres Luplau-Modell 
nach älterem Vorbild ist ein „Bergmann“. Schließlich 
seien die wenigen, aber höchst interessanten Nymphen- 
burger Stücke genannt. Der Sammler hat mehrere 
Nymphenburger Porzellane mit der frühen Hexa 
gramm-Marke (um 1744) zusammengebracht, daraus 
sei die Bustelli-Gruppe, „Der stüimische Galan“, die 
bisher für diese frühe Zeit nicht vertreten war, hervor 
gehoben. Auch verdient „Das lesende Mädchen“ und
	        
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