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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 16 17
die seltene „Mater dolorosa“, beides Bustelli-Modclle,
besondere Beachtung. Den gleichen Meister wild
man als Urheber des „Papagei“ ansehen dürfen,
wohl einer der ersten keramischen Versuche der
Manufaktur. Ein ganz seltenes und bisher durch
verwandte Arbeiten nicht zu belegendes Stück stellt
eine Zierente dar, die mit der Buntschildmarke
signiert ist.
Neben - den genannten Manufakturen weist die
Kollektion einige schöne Thüringer Arbeiten, ver
schiedene Fuldaer Geschirrstücke, eine Aurora-
Figur, die ganz in der Art der Ansbacher Manufaktur
modelliert und bemalt ist, auf. Von der Züricher
Manufaktur besitzt die Sammlung ein feines Figürchen
„Mädchen in Rokokotracht“ in der eigentümlich
lebhaften Bemalung der Schweizer Figuren aus der
Zeit um 1770/80.
Der mit 26 Lichtdrucktafeln ausgestattete Katalog
ist durch die Galerie Helbing in München zum
Preise von M 5‘— zu beziehen.
Die Kriegsmarken der Vierverbandsländer.
Briefmarkensammlungen sind in gewissem Sinne Auszüge
aus der Weltgeschichte, und in der Zukunft wird man aus
Briefmarkensammlungen, die die Marken der Gegenwart
enthalten, den Verlauf des Weltkrieges in groben Umrissen
ablesen können. Ein Aufsatz, den Douglas B. Arnistrong
in „Chambers Journal“ veröffentlicht, zeigt dies an der Hand
von Marken der Vierverbandsländer. Den Kriegsanfang freilich
zeigen am deutlichsten die deutschen Briefmarken mit dem
Überdruck Belgien. Da ihre Einfuhr in England sowohl wie
in den Ländern seiner Bundesgenossen verboten ist, sind diese
Marken bei Sammlern besonders geschätzt.
In der letzten Zeit der belgischen Herrschaft in Antwerpen
hat auf Veranlassung der Königin Elisabeth die belgische
Regierung zwei Marken drucken lassen, die außerordentlich
selten sind. Diese Belagerungsmarken, deren Ertrag für das
Rote Kreuz bestimmt war, stellen die Verteidigung der
Flagge durch den Grafen von Merode im Jahre 1830
und den König Albert dar. Sie wurden während der
Belagerung gedruckt. Als die Regierung nach Ostende
flüchtete, wurden alle erreichbaren Marken wie auch die
Platten vernichtet.
Als .die Neuseeländer sich Samoas bemächtigt hatten,
übernahmen sie die deutschen Samoamarkten, die mit dem
Überdrucke G. R. I. und dem neuen Werte versehen wurden;
dann gingen sie an die Ausgabe neuer, eigener Marken, die ein
chinesisch-samoanischer Beamter herstellte; wegen seiner
mangelhaften Kenntnisse kamen die unglaublichsten Fehler
vor, und das hatte die Folge, daß diese Marken wieder abge
schafft wurden. Soweit sie in Umlauf gelangt sind, haben sich
die Sammler ihrer natürlich bemächtigt, so daß sie jetzt zu
den größten Seltenheiten unter den Kriegsbriefmarken ge
hören. Etwas Ähnliches spielte sich in Togo ab; nach der
Eroberung benutzten die Engländer zuerst Marken der be
nachbarten britischen Küste; dann wurden deutsche Togo-
Marken entdeckt und mit dem Überdrucke „Togo Anglo-
French-Occupation“ und dem gleichen Texte in französischer
Sprache in Verkehr gebracht; die Sammler brachten es bald
dahin, daß der geringe Vorrat erschöpft war, und darauf
wurden wieder die Marken der Goldküste benutzt. Auch in
Neu-Guinea fielen den Engländern nur wenige deutsche
Marken in die Hände; sie erhielten den Überdruck G. R. 1.,
der Verkauf wurde beschränkt, und von Amts wegen erhielten
König Georg, einzelne Mitglieder der Regierung und einige
Museen in Australien vollständige Sätze überwiesen. Jetzt
sind in „Neubritannien“, wie die Engländer die eroberten
Südseegebiete zu nennen belieben, Australiens Marken
mit dem Überdruck ,,N. W. Pacific Islands“ im Gebrauch.
Die Teilnahme der Völker Indiens am Weltkriege findet
sich in den Kriegsbriefmarken dadurch aufgezeichnet, daß aus
Indien übernommene Marken den Überdruck I. E. F. erhalten
haben, was „Indian Expeditionary Force“ bedeutet. Auch
Japan hat eigene Kriegsbriefmarken herausgegeben, nämlich
die gewöhnlichen Drei-Sen-Marken mit Überdruck, der über
setzt „Kriegsdienst“ bedeutet. Diese Marken werden kaum zu
Seltenheiten werden, da jeder japanische Kriegsteilnehmer
davon allmonatlich zwei erhält.
Die belgische Regierung hat nach ihrer Flucht nach Frank
reich neue Briefmarken hersteilen lassen. Die in St. Adresse
bei Havre gedruckten belgischen Marken zeigen König Alberts
Bildnis; andere, die in Furnes gedruckt sind, stellen belgische
Denkmäler dar.
Die Italiener haben eine ganze Reihe von Kriegsbrief
marken geschaffen. Die zunächst für das Rote Kreuz bestimmten
Wertzeichen haben einen amtlichen Aufdruck erhalten und
sind in Lybien, in der Eritrea, im Somalilande, auf den ägäi-
schen Inseln sowie in Albanien benutzt worden.
Vielleicht die merkwürdigsten Kriegsbriefmarken sind in
Kamerun zustandegekommen. Die Engländer fanden dort
keine Marken vor, es waren auch keine englischen Marken zu
beschaffen, und so wurden an Stelle einer richtigen Marke die
Briefe mit einem Aufdruck versehen, der dies mit den Worten
„No stamps available' mitteilt.
Ein Museum ,
In Weimar ist ein Museum „Alt-Weimar“
eröffnet worden. Kein monumentaler und nach mu
seumstechnischen Prinzipien geschaffener Neubau ist
dem Oberbürgermeister Dr. Donndorf durch das
Komitee übergeben worden, sondern in den restau
rierten anmutenden Räumen des berühmten alten
Krackowschen Hauses in der Jakobstraße ist es,
wo man der „Letzten aus Alt-Weimar", der im vorigen
Jahre verstorbenen Charlotte Krackow, der Enkelin
von Goethes Mitarbeiter in der Theaterleitung, Hofrat
, Alt-Weimar“.
Kirms, in ihrem ehemaligen Hause und in dem Milieu,
in dem sie bis an ihr Ende gelebt und in dem sie heim
gegangen, eine Erinnerungsstätte bereitet. Vor allem
aber hat man nach dem Vorschläge und den Plänen
des auf kulturgeschichtlichem und speziell altwei-
marischem Gebiete außerordentlich versierten Pro
fessors Dr. Scheidemantel allen denjenigen ehe
maligen großen Weimaranern, die bezüglich ihrer
verschiedenartigen Hinterlassenschaften in Weimar
heimatlos, waren, eine Stätte bereitet, wo man alles