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Internationale Sammler-Zeitung
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das, was von ihnen an Erinnerungsstücken vorhanden
ist, pietätvoll sammelt, ordnet und im Stile ihrer
Zeit zu entsprechenden Erinnerungszimmern, zwar
museumsartig, aber in einem die altweimarischen
Wohnräume genau wiedergebenden Milieu vereinigt.
So hat man zunächst Charlotte Krackows ein
faches Empfangszimmer mit den kostbaren Möbeln
und den zahlreichen Bildern — darunter ein solches
vom ehemaligen Kaiser Friedrich aus seinen Knaben
jahren, in denen er in diesem Hause und Garten wieder
holt geweilt — unangetastet gelassen und nur aus
anderen Räumen ergänzt. Der Erinnerungszeichen
sind so manche in einem Hause, in dem während
Weimars klassischer und nachklassischer Zeit neben
den in Weimar ansässigen oder Weimar besuchenden
Fürstlichkeiten die Großen Weimars von Goethe bis
Liszt und Preller ein- und ausgegangen sind. So hat
man Johannes Falk, dem großen Jugenderzieher und
Philanthropen, der unweit des Hauses lange Zeit wohnte
uüd wirkte, ein eigenes Zimmer gewidmet, während
inan ein größeres Nebenzimmer mit Erinnerungs
stücken von Herder — Schreibtisch, Teile der Bücherei
und Bilder — ausgestattet hat. Da dem werdenden
Museum von privater Seite eine ganze Zimmereinrich
tung als Geschenk in Aussicht gestellt ist, dürfte die
Herderabteilung des Museums sehr bald an Reich
haltigkeit die anderen übertreffen. Auch Wielands
Nachlaß beabsichtigt man hier geordnet unterzu
bringen, sobald m.an erst über die nötige Anzahl
Gegenstände zu einem eigenen Zimmer verfügt.
Der von Professor Scheidemantel entworfene und
mit einer Anzahl mit der Materie ebenfalls vertrauter
Fachleute durchgeführte Plan darf als ein überaus
sinniger und dabei praktischer bezeichnet werden,
indem man Einheimische und Fremde an einem, kultur
historisch und lokalgeschichtlich bedeutsamen Ort
einen Blick in Räume tun läßt, wie sie „damals in
Weimar“ (nach Wilhelm Bode) üblich waren, gleich
zeitig aber diese Stätte — sie ist heute Eigentum, der
Stadt Weimar — erhält und sie denjenigen bedeutenden
Männern Weimars als Heimat zuweist, die nach ihrem
Tode obdachlos geworden sind. Hat man doch auch
im Pavillon des anmutigen und geschichtlich ebenfalls
wertvollen Hausgartens die große Sammlung von
Porträts berühmter Weimaraner, die Professor Nissen-
Cöln gezeichnet und der Stadt übereignet hat, unter
gebracht. Auf dieses neue, einzigartige und sicherlich
vorbildlich wirkende Museum, das gegen ein beschei
denes, zur Unterhaltung des Ganzen dienendes Eintritts
geld gleich den anderen Weimarer Erinnerungsstätten
zu besichtigen ist, wird man gelegentlich noch zurück-
kom.men müssen.
Chronik.
Bibliophilie.
(Die Kriegsbibliothek des Kaisers Wilhelm.)
Berliner Zeitungen melden: Im Berliner Schloß besteht als
private Sammlung des Kaisers Wilhelm eine Kriegsbibliothek
in der Königlichen Hausbücherei. Sie umfaßt bereits 10.000
Bände und enthält alle wichtigeren Erscheinungen der Kriegs
literatur des Tn- und Auslandes. Hand in Hand mit ihr geht
auch eine Sammlung aller Photographien, die an unseren
Fronten entstanden oder im Hinterlande im Zusammen-
mit dem Kriege aufgenommen wurden. Eine besondere
Abteilung umfaßt sämtliche Aufnahmen des Kaisers an
der Front. Man kann sich einen Begriff über den E T mfang
dieser interessanten Bildersammlung daraus machen, daß
ihre Zahl bereits im Jänner 1915, also nach einer fünf
monatigen Kriegsdauer, 11.000 betrug.
(Die großherzogliche hessische Hofbibliothek
in Darmstadt) kann Mitte September auf eine hundert
jährige öffentliche Wirksamkeit zurückblicken. Im Zusammen
hang mit dem Ernst der Zeit wird von einer größeren Feier
des Tages abgesehen, an dem Großherzog Ludwig I. die aus
kleinen Anfängen hervorgegangene Bibliothek, die vordem
nur beschränkten Kreisen des Hofes und der Behörden zu
gänglich war, der Allgemeinheit zur Benutzung freigegeben
hat. Es ist jetzt eine Ausstellung von kostbaren Handschriften
mit Miniaturen, alten Drucken usw. geplant. Die Ursprünge
der Hofbibliothek liegen am Ende des sechzehnten Jahrhunderts.
(Erwerbung von Gutenberg-Drucken.) Die König
liche Bibliothek Berlin hat zu ihrem reichen Bestände an
Donatstücken in der ersten ■ Gutenbergtype einige neue be
achtenswerte Stücke erworben: das fast vollständige erste
Blatt eines sieben undzwanzigteiligen Druckes, ferner zwei
Streifen eines dreißigzeiligen Donats, das sich mit Oxforder
Blättern desselben Druckes ergänzt. Professor Voullieme
hat endlich in einem aus Heiligenstadt stammenden Bande
fünf St eifen aufgefunden, die sich mit den schon vorhandenen
Streifen eines dreißigzeiligen Druckes zusammenschließen.
(Die Bibliothek des Germanischen Museums in
Nürnberg) hatte, wie dem soeben ausgegebenen Jahresbericht
für 1916 zu entnehmen ist, sich auch im letzten Jahre eifriger
Förderung von seiten des deutschen Verlagsbuchhandels zu
erfreuen. Daneben stifteten auch Behörden und Private wert
volle Werke, unter denen die prächtigen Exemplare der
Kobergerschen Bibel von 1483 und der Hartmann-Sche-
delschen-Weltchronik von 1493, Geschenke des Herrn
Martin Leich tle in Kempten sowie das höchst seltene
Schriftchen „Catharinae martyrium" (Nürnberg, Paul Kauff-
mann, 1602), das von Prof. Dr. Varnhagen in Erlangen
gestiftet wurde, besonders hervorgehoben zu werden verdienen.
Unter den käuflichen Erwerbungen finden sich diesmal eine
besonders ansehnliche Zahl von Handschriften, unter denen
ein Gebetbüchlein mit 33 Miniaturmalereien, Darstel
lungen aus der Passionsgeschichte und Heiligenlegende, den
ersten Platz einnimmt. Unter den übrigen Handschriften soll
noch besonders auf die ,/Psalmi poenitentiales“ vom Ende
des 15. Jahrhunderts, die ehemals der Bibliothek des Katha
rinenklosters in Nürnberg angehörten, auf ein Waffenkund-
lich wertvolles Manuskript (um 1700) mit zahlreichen
auf das sorgfältigste ausgeführten Zeichnungen von Geschütz
rohren, Kartätschen, Brandkugeln, Granaten, Feuermörsern
usw. und zierlich geschriebenen Anweisungen zur Herstellung
aller dieser Kriegswerkzeuge sowie auf mehrere neuerworbene
Stammbücher hingewiesen sein, von denen das des Gabriel
Schumann (1720 bis 1724), eines Jenenser Studenten (Ein
tragungen von 1737 bis 1.743), des J. F. von Holstein aus
Ballin in Mecklenburg (Eintragungen 1.769 bis 1796), des
Fräulein Dorothea Wilhelmine Charlotte Leddihn aus Span
dau (Eintragungen. 1783 bis 1833), des Dresdeners Nikolaus
Sperling (Eintragungen 1800 bis 1822) u. a. auch durch
mannigfachen künstlerischen Schmuck ausgezeichnet sind.
An seltenen Drucken wurde u. a. eine Anzahl früher anarchisti
scher Zeitschriften, wie „Die Anarchie“, „Die Autonomie“
(acht Jahrgänge 1886 bis 1893, ganz vollständiges Exemplar),
„Der Communist“, „Der Einbrecher“, „Freie Gesellschaft“,