MAK
Nr. 16 17 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 139 
das, was von ihnen an Erinnerungsstücken vorhanden 
ist, pietätvoll sammelt, ordnet und im Stile ihrer 
Zeit zu entsprechenden Erinnerungszimmern, zwar 
museumsartig, aber in einem die altweimarischen 
Wohnräume genau wiedergebenden Milieu vereinigt. 
So hat man zunächst Charlotte Krackows ein 
faches Empfangszimmer mit den kostbaren Möbeln 
und den zahlreichen Bildern — darunter ein solches 
vom ehemaligen Kaiser Friedrich aus seinen Knaben 
jahren, in denen er in diesem Hause und Garten wieder 
holt geweilt — unangetastet gelassen und nur aus 
anderen Räumen ergänzt. Der Erinnerungszeichen 
sind so manche in einem Hause, in dem während 
Weimars klassischer und nachklassischer Zeit neben 
den in Weimar ansässigen oder Weimar besuchenden 
Fürstlichkeiten die Großen Weimars von Goethe bis 
Liszt und Preller ein- und ausgegangen sind. So hat 
man Johannes Falk, dem großen Jugenderzieher und 
Philanthropen, der unweit des Hauses lange Zeit wohnte 
uüd wirkte, ein eigenes Zimmer gewidmet, während 
inan ein größeres Nebenzimmer mit Erinnerungs 
stücken von Herder — Schreibtisch, Teile der Bücherei 
und Bilder — ausgestattet hat. Da dem werdenden 
Museum von privater Seite eine ganze Zimmereinrich 
tung als Geschenk in Aussicht gestellt ist, dürfte die 
Herderabteilung des Museums sehr bald an Reich 
haltigkeit die anderen übertreffen. Auch Wielands 
Nachlaß beabsichtigt man hier geordnet unterzu 
bringen, sobald m.an erst über die nötige Anzahl 
Gegenstände zu einem eigenen Zimmer verfügt. 
Der von Professor Scheidemantel entworfene und 
mit einer Anzahl mit der Materie ebenfalls vertrauter 
Fachleute durchgeführte Plan darf als ein überaus 
sinniger und dabei praktischer bezeichnet werden, 
indem man Einheimische und Fremde an einem, kultur 
historisch und lokalgeschichtlich bedeutsamen Ort 
einen Blick in Räume tun läßt, wie sie „damals in 
Weimar“ (nach Wilhelm Bode) üblich waren, gleich 
zeitig aber diese Stätte — sie ist heute Eigentum, der 
Stadt Weimar — erhält und sie denjenigen bedeutenden 
Männern Weimars als Heimat zuweist, die nach ihrem 
Tode obdachlos geworden sind. Hat man doch auch 
im Pavillon des anmutigen und geschichtlich ebenfalls 
wertvollen Hausgartens die große Sammlung von 
Porträts berühmter Weimaraner, die Professor Nissen- 
Cöln gezeichnet und der Stadt übereignet hat, unter 
gebracht. Auf dieses neue, einzigartige und sicherlich 
vorbildlich wirkende Museum, das gegen ein beschei 
denes, zur Unterhaltung des Ganzen dienendes Eintritts 
geld gleich den anderen Weimarer Erinnerungsstätten 
zu besichtigen ist, wird man gelegentlich noch zurück- 
kom.men müssen. 
Chronik. 
Bibliophilie. 
(Die Kriegsbibliothek des Kaisers Wilhelm.) 
Berliner Zeitungen melden: Im Berliner Schloß besteht als 
private Sammlung des Kaisers Wilhelm eine Kriegsbibliothek 
in der Königlichen Hausbücherei. Sie umfaßt bereits 10.000 
Bände und enthält alle wichtigeren Erscheinungen der Kriegs 
literatur des Tn- und Auslandes. Hand in Hand mit ihr geht 
auch eine Sammlung aller Photographien, die an unseren 
Fronten entstanden oder im Hinterlande im Zusammen- 
mit dem Kriege aufgenommen wurden. Eine besondere 
Abteilung umfaßt sämtliche Aufnahmen des Kaisers an 
der Front. Man kann sich einen Begriff über den E T mfang 
dieser interessanten Bildersammlung daraus machen, daß 
ihre Zahl bereits im Jänner 1915, also nach einer fünf 
monatigen Kriegsdauer, 11.000 betrug. 
(Die großherzogliche hessische Hofbibliothek 
in Darmstadt) kann Mitte September auf eine hundert 
jährige öffentliche Wirksamkeit zurückblicken. Im Zusammen 
hang mit dem Ernst der Zeit wird von einer größeren Feier 
des Tages abgesehen, an dem Großherzog Ludwig I. die aus 
kleinen Anfängen hervorgegangene Bibliothek, die vordem 
nur beschränkten Kreisen des Hofes und der Behörden zu 
gänglich war, der Allgemeinheit zur Benutzung freigegeben 
hat. Es ist jetzt eine Ausstellung von kostbaren Handschriften 
mit Miniaturen, alten Drucken usw. geplant. Die Ursprünge 
der Hofbibliothek liegen am Ende des sechzehnten Jahrhunderts. 
(Erwerbung von Gutenberg-Drucken.) Die König 
liche Bibliothek Berlin hat zu ihrem reichen Bestände an 
Donatstücken in der ersten ■ Gutenbergtype einige neue be 
achtenswerte Stücke erworben: das fast vollständige erste 
Blatt eines sieben undzwanzigteiligen Druckes, ferner zwei 
Streifen eines dreißigzeiligen Donats, das sich mit Oxforder 
Blättern desselben Druckes ergänzt. Professor Voullieme 
hat endlich in einem aus Heiligenstadt stammenden Bande 
fünf St eifen aufgefunden, die sich mit den schon vorhandenen 
Streifen eines dreißigzeiligen Druckes zusammenschließen. 
(Die Bibliothek des Germanischen Museums in 
Nürnberg) hatte, wie dem soeben ausgegebenen Jahresbericht 
für 1916 zu entnehmen ist, sich auch im letzten Jahre eifriger 
Förderung von seiten des deutschen Verlagsbuchhandels zu 
erfreuen. Daneben stifteten auch Behörden und Private wert 
volle Werke, unter denen die prächtigen Exemplare der 
Kobergerschen Bibel von 1483 und der Hartmann-Sche- 
delschen-Weltchronik von 1493, Geschenke des Herrn 
Martin Leich tle in Kempten sowie das höchst seltene 
Schriftchen „Catharinae martyrium" (Nürnberg, Paul Kauff- 
mann, 1602), das von Prof. Dr. Varnhagen in Erlangen 
gestiftet wurde, besonders hervorgehoben zu werden verdienen. 
Unter den käuflichen Erwerbungen finden sich diesmal eine 
besonders ansehnliche Zahl von Handschriften, unter denen 
ein Gebetbüchlein mit 33 Miniaturmalereien, Darstel 
lungen aus der Passionsgeschichte und Heiligenlegende, den 
ersten Platz einnimmt. Unter den übrigen Handschriften soll 
noch besonders auf die ,/Psalmi poenitentiales“ vom Ende 
des 15. Jahrhunderts, die ehemals der Bibliothek des Katha 
rinenklosters in Nürnberg angehörten, auf ein Waffenkund- 
lich wertvolles Manuskript (um 1700) mit zahlreichen 
auf das sorgfältigste ausgeführten Zeichnungen von Geschütz 
rohren, Kartätschen, Brandkugeln, Granaten, Feuermörsern 
usw. und zierlich geschriebenen Anweisungen zur Herstellung 
aller dieser Kriegswerkzeuge sowie auf mehrere neuerworbene 
Stammbücher hingewiesen sein, von denen das des Gabriel 
Schumann (1720 bis 1724), eines Jenenser Studenten (Ein 
tragungen von 1737 bis 1.743), des J. F. von Holstein aus 
Ballin in Mecklenburg (Eintragungen 1.769 bis 1796), des 
Fräulein Dorothea Wilhelmine Charlotte Leddihn aus Span 
dau (Eintragungen. 1783 bis 1833), des Dresdeners Nikolaus 
Sperling (Eintragungen 1800 bis 1822) u. a. auch durch 
mannigfachen künstlerischen Schmuck ausgezeichnet sind. 
An seltenen Drucken wurde u. a. eine Anzahl früher anarchisti 
scher Zeitschriften, wie „Die Anarchie“, „Die Autonomie“ 
(acht Jahrgänge 1886 bis 1893, ganz vollständiges Exemplar), 
„Der Communist“, „Der Einbrecher“, „Freie Gesellschaft“,
	        
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