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Internationale Sammler-Leitung
Nr. is
lesen. Motive aus Wien und seiner Umgebung, aus den
österreichischen Alpenländern, aus Böhmen, Mähren
und Ungarn, Istrien und Dalmatien, wechseln mit
solchen aus Oberitalien, Siena, Rom, Neapel, Sizilien
und sogar aus der Krim ab. Peinlichst ausgeführte
Blätter liegen neben flott mit dem Bleistift vorge
rissenen und nur leicht mit dem Pinsel lavierten.
Pettcnkofen ist bei Lobmeyr ebenso reichhaltig
wie verschiedenartig vertreten- Das Aquarell vom
Beginn der Vierziger Jahre mit dem Klosterneuburger
Hof ist noch ganz unpersönlich, läßt sich lediglich als
Arbeit der Wiener Schule aus dem Vormärz agnoszieren.
Das große Guaschbild mit dem Kapuziner im Kloster-
g'arten aber ist eines der letzten Werke, die der Künstler
geschaffen hat. Das „Russische Biwak“, eine der vielen
Fassungen dieses Themas, verrät die Manieriertheit,
der Pettcnkofen, bevor er 1852 das erste Mal nach
Paris ging, zu verfallen drohte. Den späteren Fünfziger
Jahren gehört der „Ungarische Hirt“ an. Auf diesem
Bild hat Pettenhofen den ursprünglich nur skizzierten
Hund nach einem eigenen Aquarell, das Lobmeyr
gleichfalls besessen hat, auf dessen Bitte ausgeführt.
Die etwas harte Buntheit, die dem Bilde eignet, wech
selte bei Pettenkofen in jener Periode eindringlichsten
und mannigfaltigsten Experimentierens, die für ihn die
letzten Fünziger und die ersten Sechziger Jahre waren,
mit solch lockerer Tonmalerei ab, wie sie zum Beispiel
das „Fuhrwerk auf der Pußta“ zeigt. Auch dieses
Gemälde wurde von Pettenkofen auf Ersuchen Lob-
meyrs überarbeitet. Ursprünglich waren darauf weder
Stränge noch Speichen zu sehen. Das irritierte Lobmeyr
und er drang in Pettenkofen, diese Kleinigkeiten zu
ergänzen. Wie erstaunt war er, als ihm Pettenkofen,
der nur zögernd eingewilligt hatte, nach langer Zeit
das Bild so gut wie neu gemalt zurückgab. Die farbige
„Zigeunerhütte im Walde" und der tonige „Ungarische
Bauernhof mit Bäumen und Strohschobern“, beide
Bilder gleichfalls noch aus den Fünfziger Jahren,
verraten deutlich französischen Einfluß. Aus den
Sechziger Jahren stammen die „Badende“, einer von
Pettenkofen seltenen Akten, und die vielen inter
essanten Zeichnungen von Innenräumen, Köpfen und
Figuren aus Riva, aus den Siebziger Jahren vor allem
die prachtvoll breiten Aquarelle vom Golf von Neapel.
Von Meistern des Vormärz sind bei Lobmeyr unter
andern Waldmüller durch ein Bild „Marktplatz von
Taormina“, Karl Schindler durch Aquarellskizzen,
Eybl durch ein Genrestück, Ranft 1 durch zwei
Aquarelle und Kriehuber durch zwei spätere Arbeiten
vorzüglich vertreten.
neue Straße am Traunsee.
Auch unter den Deutschen, die Lobmeyrs Sammlung
enthält, spielen Klassizisten und Romantiker nur ge
ringe Rollen. Im.m.eihin ist eine nicht uncharakteristi
sche kleine Landschaft Rottmanns und sind zwei
schöne große Zeichnungen Julius Schnorrs von
Carolsfeld vorhanden, die die Einführung des
Christentums in Rußland zum Vorwurf haben. Viel
hat Lobmeyr von Düsseldorfer Künstlern angekauft.
Von Andreas Achenbach sind etliche Ölbilder und
Aquarelle da, die alle durch ihre ungekünstelte, gesunde,
kräftige Art für sich einnehmen. Oswald Achenbach
erinnert namentlich durch die gehäuften Lichteffekte
auf seinem. „Versehgang am Tiber“ ein bißchen an die
Bühne, doch wird sich der Stimmung, die gleichwohl
von dem Bilde ausgeht, kaum, entziehen können, wer
einmal mit offenen Sinnen einen Sommer abend im Bereich
der Peterskuppel erlebt hat-—mag er auch die äußerlichen
Mittel, mit denen der Künstler gearbeitet hat, nicht gut
heißen. Vautier ist durch zw^ei Bilder, das „Kleine
Mädchen imWalde“ und die „Trauerbotschaft“ vertreten.
Fig. 1. Kudolf v. Alt, Die