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MAK

Full text : Jahrgang 9 (1917) (18)

Seite  148

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  18

Selbstschaffender  ein  lebendiges  Interesse  entgegengebracht ­
  hat.  Daher  ist  sic  auch  wie  kaum  eine  zweite
geeignet,  einen  Überblick  über  die  Entwicklung  der
gesamten  Literatur  der  letzten  Jahrzehnte  zu  geben.
Da  Heymel  als  Mitkämpfer  und  Führer  mitten  in  der
modernen  Literaturbewegung  stand,  so  tragen  viele
Exemplare  seiner  Bibliothek  handschriftliche  Widmungen ­
  ihrer  Verfasser.  Für  diese  Exemplare  wird
natürlich  durch  den  ihnen  anhaftenden  Reiz  des
Intimen  ein  besonders  reges  Interesse  bei  den  Sammlern
sein,  ebenso  wie  für  jene  Luxusausgaben  des  Inselverlages, ­
  die  laut  eingedruckten  Vermerks  über  die
Auflage  hinaus  für  Heymel  gedruckt  worden  sind.
Das  Sammclinteresse  Heymeis  erstreckte  sich  aber  weit
über  die  Tagesliteratur'  hinaus.  Von  seltenen  Erzeugnissen ­
  der  Buchdruckerkunst  findet  man  vier  Inkunabeln, ­
  unter  andern  die  erste  Ausgabe  des  Werkes
des  Renaissancearchitekten  L.  B.  Alberti,  De  re

keit  verdient  das  Werk  des  Worgsweders  Heinrich
Vogeler,  das  in  einer  Reichhaltigkeit  vorhanden  ist,
wie  sie  bisher  nicht  bekannt  gewesen,  und  mit  gänzlich
unbekannten  Probe-  und  Zustands  drucken.
Den  breitesten  Raum  des  Katalogs  nimmt  natürlich
das  Kapitel  „Bücher"  ein.  Man  findet  da:  O.  J.  Bierbaums ­
  Gedichtband  „Irrgarten  der  Liebe“,  in  einer
auf  Bütten  gedruckten  Privatauflage  von  nur  hundert
Exemplaren;  desgleichen  R.  G.  Bindings  Gedichte
in  nur  hundert  Exemplaren  auf  Bütten,  auf  der  Ernst-Ludwig-Presse
  gedruckt,  und  Bindings  Totenrede
auf  seine  Mutter,  die  nür  in  fünfzig  Abzügen  in  den
Handel  kam.  Von  Rudolph  Borchardt  ist  ein  Hundert  -
druck  „Jugendgedichte“  und  die  „Villa“  als  Seltenheit
hervorzuheben.  Sodann  der  Privatdruck  von  Dauthendeys
  „Reliquien“,  zugleich  mit  einer  handschriftlichen ­
  Widmung  versehen.  Dehmel  ist  sehr  reich  in
seltenen  Ausgaben  vorhanden,  darunter  ein  Exemplar

Fig.  3.  Pettenkofen,  Golf  von  Neapel.

aedificatoria  aus  dem  Besitze  und  mit  dem  Namenszug
Georgii  Antonii  Vespuccis,  eines  Onkels  des  Amerigo
Vespucci,  dann  einen  Druck  von  Ciceros  Reden
von  1499,  mit  einem  Bibliothekszeichen  von  W.  Morris.
Einen  Überblick  über  die  Vielseitigkeit  der  Sammlung
verschafft  am  besten  der  von  Graupe  herausgegebene
Katalog.  Die  Einleitung  bildet  ein  größeres,  formvollendetes ­
  Vorwort  des  bekannten  Schriftstellers  Rudolf
Borchardt,  in  dem  er  die  künstlerische  und  menschliche ­
  Bedeutung  des  Verstorbenen  beleuchtet,  so  daß
dieser  Katalog  über  sein  Augenblicksinteresse  hinaus
auch  einen  literarischen  Wert  besitzt.
Es  folgt  sodann  die  Sammlung  der  Graphiken,
Lithographien,  Tuschzeichnungen  und  Holzschnitte,
worunter  sich  die  bedeutendsten  Namen  befinden,  unter
andern  Paul  Baum,  Pierre  Bonnard,  Puvis  de  Chavannes,
  Maurice  Denis,  Charles  Dulac,  Constantin  Guys,
Th.  Th.  Heine,  Ludwig  v.  Hofmann,  Leopold  von
Kalkreuth,  Käte  Kollwitz,  Alfred  Kubin,  Max  Liebermann, ­
  Auguste  Rodin,  Aristide  Maillol,  Hans  Thoma,
Wilhelm  Trübner.  Eine  ganz  besondere  Aufmerksamder

  „Verwandlungen  cler  Venus",  die  als  Manuskript
nur  in  150  Exemplarenj  gedruckt  wurden  und  auf  dem
Titelblatt  einen  mit  der  Hand  geschriebenen  Vers
Heymeis  tragen,  sodann  ist  noch  ein  für  R.  Dehmel
gedrucktes  und  an  Heymel  verschenktes,  nur  in  99  Exemplaren ­
  hergestelltes  Bändchen  von  zwölf  Gedichten
Dehmcls  mit  Zeichnungen  von  Max  Klinger,  gleichfalls ­
  mit  Widmung,  hervorzuheben.  Von  Goethe,  der
sehr  reich  vertreten  ist,  sind  als  besonders  wertvolle
Exemplare  der  Faust  erster  und  zweiter  Teil  zu  nennen,
ein  längst  vergriffener  Druck  der  Dovcs-preß,  sowie
eine  illustrierte  und  prachtvoll  gebundene  Ausgabe
von  Herrmann  und  Dorothea  vom  Jahre  1829.  Als  besonderes ­
  Kuriosum  ist  ein  für  Heymel  im  Jahre  1913
von  Gray  Hevitt  in  London  handgeschriebenes  Exemplar ­
  des  Paria  anzusehen,  Grimmelshausen  Simplizissimus
  in  einer  jetzt  gleichfalls  vergriffenen  Ausgabe ­
  des  Inselverlages,  Hauptmanns  Werke  mit
handschriftlichen  Widmungen  in  verschiedenen  Bänden
werden  ebenfalls  lebhaftes  Interesse  w r ecken.  Heymeis
Lebensarbeit  ist  vollständig,  zumeist  in  Luxusausgaben,
            
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