MAK
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Nr. 19 
Internationale Sammler-Zeitung 
gegenwärtig :m Dresdener Kunstgewerbe-Museum 
(Sammlung des Gesandten Dr. Stübel) zü sehen. 
Den Stücken mit Malerei auf unglasiertem-Po-Aellän 
dürften in bezug auf den Wert jene mit rouge-d’or- 
Grund zunächst stehen. Im fürstlich Dietrichstein- 
Mensdorfschen Fideikommjßbesitze ist ein Satz von 
Deckeltöpfen und Kornetts mit rouge-d’or-Grund (Kata 
log der Orientalisch-keramischen Ausstellung Nr. 883 
bis 887), der fast die ganz gleiche Ausstattung hat, 
wie der in Gorcr and Blacker ,,Chin. Porcelaine and 
Hard Stones“, Volume II, plate 201, abgebildete Satz, 
nur daß die ausgesparten weißen Medaillons nicht auch 
Hähne, sondern lediglich Pflanzenmotive aufweisen. 
Ein weiterer Satz von Dcclceltöpfen, Kornetts und 
Schüsseln mit rouge-d’or-Grund derselben Nuance ist 
im fürstlich Schwarzenbergschen Fideikommiß- 
besitze (Katalog Nr. 586 bis 590). Diese Stücke werden 
im Kataloge der Orientalisch-keramischen Ausstellung 
als von „einzigartiger Schönheit und als die Perlen der 
Ausstellung“ bezeichnet. Die Deckeltöpfe tragen auf 
der Ausbauchung drei Blumenkörbchen in zartesten 
Tönen, umrahmt von der aus dem roten Grunde sehr 
breit ausgesparten weißen Glasur. (Gleiche Stücke sind 
in Gorer and Blacker, Volume II, plate 203, abge 
bildet.) 
Dem Sammler kann der Umstand Enttäuschung 
bereiten, daß die Stücke der Blüteperioden der chinesi 
schen Pörzellankunst später sowohl in der kaiserlichen 
Fabrik als auch den Privatfabriken mehr oder weniger 
gut nachgebildet und von letzteren auch unbedenklich 
mit den Nienhao (Kaisermarken) der bezüglichen alten 
Perioden versehen worden sind. Es ist deshalb gerade 
bei den so hoch bewerteten Stücken der „feinen Periode“ 
(1662 bis 1795) für den weniger Informierten oft schwer, 
spätere Nachbildungen als solche zu erkennen, weil uns 
diese Periode zeitlich nahe liegt und ihre Stücke daher 
im geringeren Maße gewisse, bei Stücken älterer Perioden 
schon dem Auge des Laien bemerkbare Alterskenn 
zeichen (Abnützung, atmosphärische Einflüsse usw.) 
auf weisen. Solche Alterskcnnzeichen haben allerdings 
für die Zeitbestimmung der Porzellane nur einen 
relativen Wert. So sieht zum Beispiel der größte 
Teil der chinesischen Porzellane des Dresdener 
Johanneums — obwohl nachweisbar mehr als 200 
Jahre alt — eigentlich so frisch, wie neu hergestellt, 
aus, was wohl daher kommt, daß die Stücke seiner 
zeit auf Bestellung angefertigt und sodann ohne wei 
teren Verkehr in die schützenden Vitrinen des Muse 
ums gelangt sind. 
Der erfahrene Sammler wird daher bei Porzellanen, 
die der „feinen Periode“ angehören sollen, vor allem 
an dem glasurfreien Fußrande der Vasen, bei Deckel 
töpfen auch an der glasurfreien Unterseite des Deckels 
Feinheit der Porzellanmasse und Sauberkeit der Arbeit,, 
ferner an den Emails den Charakter der Farben und 
die Qualität der Zeichnung einschätzen und auf diese 
Weise zu einem sicheren Urteil gelangen. (Vergleiche 
Hobson: „Porcelaine oriental“, 1906, Seite 4 ff.) 
Schließlich könnte die Beantwortung der Frage 
interessieren, wie es denn gegenwärtig im Ursprungs 
lande des chinesischen Porzellans hinsichtlich der 
Quantität und Qualität der vorhandenen alten Erzeug 
nisse aussicht. Während der vielen Revolutionen und 
Kriege wurden in China große Mengen Porzellan ver 
nichtet und selbst die Paläste des Kaisers söwie die 
Sammlungen in den Ahnentempeln geplündert, ferner 
haben die hohen Preisanbote amerikanischer und euro 
päischer Liebhaber bedeutende Mengen bester Ware 
ins Ausland entführt, so daß jetzt gute Stücke nur 
spärlich im Handel Vorkommen sollen. Und was die 
Qualität der im öffentlichen und privaten Besitz ver 
bliebenen Stücke betrifft, so zeigt das Werk von 
A. W. Bahr „Old Chinese Porcelain and Works of 
Art in China, being Description and Ilustrations of 
Articles selected from an Exhibition held in Shanghai“, 
November 1908 — da in demselben zumeist Porzellane 
aus dem Besitze hervorragender chinesischer Sammler 
abgebildet sind — daß diese keine anderen und besseren 
Stücke zu besitzen scheinen als wir. 
Hiernach kann jetzt China an Quantität und Qualität 
seiner so berühmten alten Porzellane sogar weniger be 
sitzen, als sich in Amerika und Europa befindet, und da 
China Museen nach imseren Begriffen nicht hat, so 
könnte es sich in späterer Zeit, wie gegenwärtig J apan, 
veranlaßt sehen, überhaupt seine nationalen Werke der 
Kunst und Kunstindustrie vom Auslande zurückzu 
kaufen. Übrigens wurde, wenn ich nicht irre, aus dieser 
Rücksicht bereits in der ersten Zeit der Präsidentschaft 
Yuanshikkais ein Ausfuhrverbot für Antiken 
erlassen oder wenigstens angekündigt. 
Die Keramiksammlung des Freiherrn von Oppenheim. 
So seltene und kostbare Stücke die Sammlung des 
vor zwei Jahren verstorbenen Freiherrn Albert von 
Oppenheim unter ihren Glasgemälden und Skulp 
turen enthält, so liegt doch ihr alter Ruf und ihre 
besondere Bedeutung vor allem in der keramischen 
Abteilung, namentlich in der glänzenden Folge erlesener 
Meisterwerke des rheinischen Steinzeugs begründet. 
Es ist nun schon ungefähr ein halbes Jahrhundert 
verflossen, seit Baron Albert von Oppenheim die 
ersten Grundlagen für diese berühmte „Krugsammlung“ 
legte, der er neben seiner Gemäldegalerie das nach 
haltigste Interesse und den lebhaftesten Sammeleifer 
zeitlebens gewidmet hat. 
Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts waren die 
Steinzeugkrüge der Renaissance nach einer Zeit der 
Vergessenheit wieder zu Ehren gekommen, zuerst bei 
einigen Kunstfreunden der Niederlande, die in ihrer 
Heimat, dem nächsten Absatzgebiet der alten Krug 
bäckergilden von Siegburg, Raeren und vom Wester 
wald, noch reiche Bestände dieser stattlichen Schenk 
kannen und vielgestaltigen Krüge vorfanden. Damals 
entstand als eine der ersten die Sammlung Joan 
d’Huyvetter, die, schon 1829 in einem Tafelwerk 
unter dem Titel „Zeldzaamheden" veröffentlicht, nach 
ihrer Versteigerung den Grundstock für die höchst 
ansehnlichen Steinzeugsammlungen der Museen von 
Brüssel und South Kensington bildete. Es folgten 
die Sammlungen Weckherlin im Haag, Renesse, 
Ch. Minard van Hoorebeke in Gent, aus deren spä 
terer Auktion manche hervorragenden Hauptstücke, 
wie die seltenen Doppelringkrüge, in die Sammlung 
Albert von Oppenheim übergegangen sind. 
Von der wirklichen Herkunft und den Meistern der 
Renaissancekrüge war in jener Zeit fast nichts mehr 
bekannt: in Siegburg, Köln, Frechen, Raeren waren 
die Krugöfen längst erloschen, und der dem haupt-
	        
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