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Internationale Sammler -Zeitung
Nr. 19
Werk „The ancient Art Stoneware, London 1892“ aus
dieser Quelle vielfache Beleih ung geholt und zahl
reiche Hauptstücke abgebildet.
Fig. 3. Große Prachtschnelle, Raeren, nach 1584.
Arbeit von Baldems Mennicken.
Man könnte lediglich mit den Beständen dieser
Sammlung sehr wohl die ganze Entwicklung der Stein
zeugtöpferei in ihrer besten Zeit darstellen und er
läutern. Es mag indes der Hinweis genügen, daß hier
gerade diejenigen Meister am stärksten und mit.ganz
charakteristischen Werken vertreten sind, welche die
eigentlichen Träger und Förderer des künstlerischen
Aufschwungs der Krugbäckerei gewesen sind. Das sind
aus Köln die Meister aus der Maximinenstraße und vom
Eigelstein, die ihr Handwerk aus der Spätgotik zuerst
in die Formenwelt der Frührenaissance hinübergeführt
haben; aus der Siegburger Gilde der noch den Kölnern
nahestehende Anno Knütgen und der beste Ver
treter der Hochrenaissance Christian Knütgen. In
Raeren eröffnet den Kunstbetrieb Jan Emens aus
dem Geschlecht der Mennicken, alle seine Genossen
an künstlerischer Begabung weit überragend; neben
ihm. gleichstrebend, aber weniger erfindungsreich,
Baldems Mennicken der Alte und als Leiter des
größten Betriebes der Spätrenaissance, sein Sohn Jan
Baldems Mennicken, dem sich Tilman Wolff mit
selbständigen Formgefühl anreiht. Aus dem Wester
wald sind am zahlreichsten die Renaissancekrüge der
von Siegburg nach Höhr übersiedelten Knütgen und
der aus Raeren eingewanderten Meister in die Samm
lung von Oppenheim aufgenommen worden. Die Gruppe
der Kreussener Krüge des 17. Jahrhunderts ist weniger
umfangreich als die rheinische, aber mit demselben
sorgsam wählenden Oualitätsgefühl zusammengcstellt.
Unter den süddeutschen Arbeiten steht der große Krug
des Paulus Breuning von Nürnberg an erster Stelle,
ein Meisterstück, das wie wenig andere die Vorzüge
dieser farbenstarken Gattung veranschaulicht.
Die weiteren Bestände der Sammlung Oppenheim
enthalten keine so abgerundeten und in sich ge
schlossenen Gruppen wie die Keramik. Für ihre Aus
wahl waren im wesentlichen die dekorativen Absichten
und Wünsche eines Kunstfreundes maßgebend, der
allen Räumen seines Hauses eine angemessene Aus
stattung mit Kunstwerken zukommen lassen wollte.
Daher vereinigt die umfangreiche Skulpturensammlung
Bronzen, Terrakotten, Elfenbeinwerke, Stein- und
Holzarbeiten von der Gotik bis zum 18. Jahrhundert
und von verschiedenster Herkunft, aus Italien, den
Niederlanden, Frankreich, aus dem Rheinland, Bayern
und Franken. Während unter italienischen Skulpturen
die bemalte Florentiner Terrakottagruppe der Madonna
(Katalog Nr. 172) an erster Stelle steht, ist von den
deutschen Bildhauerwerken neben der bayrischen Kreu
zigungsgruppe (Katalog Nr. 177) vor allem die nürn-
bergische Birnholzgrappe der heiligen Anna Selbdritt
(Katalog Nr. 184) aus dem. Kunstkreis Dürers hervor
zuheben. Die Antwerpener Schnitzschulc ist durch
eine Gruppe (Katalog Nr. 176) gut vertreten, Frankreich
durch die Figur des heiligen Eligius (Katalog Nr. 182).
Die Kölnischen Hauskapellenfenster (Katalog Nr. 158)
sind in der Fachliteratur von Oidtmann (Rheini
sche Glasmalerei I) und H. Schmitz (Die G-lasgemäldc
des Königl. Kunstgewerbemuseums I, Seite 22) schon
wiederholt als nahe verwandt mit dem Dreikönigs-
fenstcr des Kölner Doms und den Sakristeifenstern der
Gereonskirche gewürdigt worden. Von diesem früh
gotischen Denkmal abgesehen, überwiegen unter den
Glasmalereien zwar die niederländischen und schweize
rischen Scheiben der Spätzeit, doch fehlt es den letzteren
nicht an einem ausgezeichneten Hauptstück, einer
Renaissancescheibe (Katalog Nr. 159) des Züricher
Meisters Karl von Aegeri vom Jahre 1548.
Ein Höllenbrief Luthers.
Eine bisher unbekannte Urkunde zur Lutherliteratur
veröffentlicht der Wiener Kirchenhistoriker Professor Georg
Löesche in der bei Friedrich Andreas Perthes in Gotha
erscheinenden „Zeitschrift für Kirchengeschichte", die ihr
neuestes Doppelheft als eine Festgabe zum vierhundert
jährigen Gedächtnisse der deutschen Reformation ausge
staltet hat. Es handelt sich um eine Handschrift, die sich
schon seit mehr als zwei Jahrhunderten im Besitze der Familie
des Advokaten Herrn Dr. Joseph Giebisch in Gablonz a. N.
befindet und die einen „Sendbrief Luthers a.us der Hölle“
enthält. Die Untersuchung der Handschrift ergab, daß sie
aus dem Wiener Gebiet um 1688 stammt: Der Inhalt des Send
briefes ist der, daß Luther seinen Anhängern Nachricht
geben will, die über seinen Zustand im Jenseits gewiß Kunde
haben möchten, auch sich wundern dürften, daß an seinem
Grabe nicht wie an solchen eines Heiligen Wunder geschähen.
Und nun erzählt Luther, wie er sich nach seinem Tode in den
Himmel geschwungen habe, um unter den Patriarchen und
Propheten, den Aposteln und Evangelisten seinen Platz
einzunehmen, was ihm mißglückte. Erst nach heftigem Klopfen