Nr. 19
Internationale Sammler- Zeitung
Seite 159
(Die Vernichtung des Holzwurms.) Die Anwendung
von dem. durch die Chemische Fabrik Flörsheim a. M.
(Dr. H. Nördlinger) hergestellten Antorgan zur Vernichtung
der gemeinhin als „Holzwurm“ bezeichneten Schädlingsklasse
der Holzbohrer hat vielfach zur völligen Abtötung des Holz
wurms geführt. Eingehende Versuche ergeben, daß verschiedene
in Betracht kommende Insektenformen gegen chemische
Mittel außerordentlich wdderstandsfähig sind und daß in
solchen Fällen nur eine wiederholte Behandlung mit einem
besonders zu diesem Zweck hergestellten Antorgan-Präparat
zum Ziele führen kann. Insbesondere wurde festgestellt, daß
die betreffenden Insekten im Larven-(Wurm-) Zustand durch
chemische Mittel, die gleichzeitig dem Holze unschädlich
sind, ungemein schwer abzutöten sind. Dagegen können sie
leicht vernichtet werden, wenn sie, so lange sie sich noch im
Käferstadium befinden, mit Antorgan in Berührung kommen.
Die in einem Holz vorhandenen Larven (Würmer) gehen nicht
alle zur gleichen Zeit, sondern nach und nach, bald etwas
früher, bald etwas später, im Sommer in den Käferzustand
über. Auch läßt sich das Holz beim ein- bis zweimaligen Be
handeln, bezw r . Anstreichen nicht überall gleichmäßig mit der
nötigen Menge Antorgan so durchtränken, daß das Antorgan
alle Stellen erreicht, an denen sich Käfer befinden. Deshalb
ist es notwendig, das vom Wurm befallene Holz während eines
längeren Zeitraumes mehrmals mit Antorgan zu behandeln.
(Uralte Grabdenkmäler.) Bei Molira in Sachsen-
Weimar wurde beim Zufüllen von Gruben ein prähistorisches,
in drei Zeitabschnitten benütztes Gräberfeld aufgefunden.
Die ältesten Begräbnisstätten liegen ] 10 Meter unter der Erde
und sind mit rohen Steinplatten umstellt, darüber mächtige,
fast bis zur Erdoberfläche reichende Hügel aus schweren
Feldsteinen. Als Beigaben fanden sich kleine schwarze Gefäße
in Topf- und Schalenform sowie Ohr- und Fingerringe denk
bar einfachster Form aus Bronzedraht und Bronzeblech. Ein
späterer Volksstamm hat die Bauten dieses Steinkistengrabes
teilweise abgetragen und hat große, grobe Gefäße mit den
Überresten auf Scheiterhaufen verbrannter Toten in dem
Gewölbe beigesetzt. Aus der älteren Eisenzeit stammt das
dritte Skelett, dem hübsch ausgearbeitete Armbänder und
eine Gewandnadel beigegeben waren. Eine Henkelschale und
eine schlankhalsige Vase sind durch die schweren Steine teil
weise zerdrückt worden. Das städtische Museum in Weimar
hat jetzt die Leitung der Ausgrabungen übernommen und
wird die Funde für das Museum heben und präparieren.
(Ein gutes Wort.) Der Pariser Sammler Camonde, der
die schönste Sammlung moderner Bilder besaß, wurde gefragt,
warum er nur neue Bilder kaufe, ob er vielleicht das Alte nicht
liebe. Er antwortete: „O ja, ich liebe die alten Bilder, wenn
sie nicht zu neu sind.“
Museen.
(Aus dem Weimarer Goethe-Haus.) In Weimarer
Privatbesitz wurde eine Handzeichnung Goethes aus dem
Jahre 1792 aufgefunden. Sie konnte für das Goethe-Haus
erworben werden. — Der Großherzog von Weimar schenkte
den Sammlungen eine Brieftasche von Goethes Schwieger
tochter. Mit den Mitteln der Vereinigung der Freunde des
Goethe-Hauses wurde ein alter Goetheschcr Glasschrank
aus Privatbesitz für das Goethe-Haus zurückgekauft.
(Das norwegische Volksmuseum in Christi-
ania) hat ein Bildnis Henrik Ibsens von Prof. Walter
Firle erworben. Das Bild entstand im Jahre 1889 in
Gossensaß, wo Ibsen in jenen Jahren mehrfach weilte.
(Die „Fram“ als Museumsschiff.) In Christiania
ist der Plan aufgetaucht, die „Fram“, das Schiff Nansens
und Amundsens auf ihren berühmten Fahrten in der Arktis
und Antarktis, zu dauernder Erinnerung als Museumsschiff
aufzubewahren. Zu Forschungsreisen ist das Schiff nicht
mehr seetüchtig genug. Amundsen läßt sich für seine Nord
polfahrt, die er auf das Jahr 1918 hat verschieben müssen,
einen neuen Schoner bauen. Der Plan, aus der „Fram“ ein
Museumschiff zu machen, hat in Norwegen allseitig warme
Zustimmung gefunden. Fridtjof Nansen und Roald Amundsen
selbst haben sich damit vollständig einverstanden erklärt.
Allerdings würde auch in diesem Falle eine Wiederherstellung
des wackeren Seeveteranen unumgänglich sein. Zur Aus
stattung des Schiffes, das zu einem schwimmenden Museum
moderner Polarforschung gestaltet werden könnte, werden
zahlreiche Personen und besonders die Nächstbeteiligten,
allerhand interessante Gegenstände beisteuern.
Vom KiiiiStmarkt.
(Die Versteigerung der Sammlung Wilhelm
Gumprecht.) Aus Berlin wird uns geschrieben: Der Auk
tionskalender der Firmen Cassierer-Helbing zeigt neben
der Sammlung R. von Kaufmann, die am 4. Dezember d. J.
versteigert wird, den Verkauf der Sammlung Wilhelm Gum
precht für den Anfang des nächsten Jahres an. Diese Nach
richt ist für Sammlerkreise von hoher Bedeutung, handelt
es sich doch um eine der bedeutendsten Privatsammlungen,
Berlins. Neben den deutschen Fayencen und Porzellanen
sei heute nur auf das durch manche Ausstellung bekannte
Bildnis von Franz Hals, zwei Gemälde von Brouwer, ein
Porträt des Meisters von Flemalle, zwei Bilder von van
Goyen, Werke von Ghirlandaio, Salomon Ruisdael
und Isac van Ostade hingewiesen.
(Auktion moderner Gemälde.) Aus den Nachlässen
Heinrich Ritter von Reder (München), Dr. Eduard Wahl
(München) und anderen gelangt am 16. Oktober eine Sammlung
von Ölgemälden moderner Meister in der Galerie Helbing
in München zur Versteigerung. Heinrich Ritter von Reder
machte s ch schon als Offizier durch seine Landschaften
bekannt. Nach seiner infolge schwerer Verwundung erfolgten
Pensionierung im Jahre 1881 widmete er sich ganz der Malerei
nachdem er durch fleißiges Studium unter Karl Millner
und Reisen nach Spanien, Nordafrika, Dalmatien und Italien
sich so vervollkommt hatte, daß seinen Arbeiten Aner
kennung und Interesse entgegen gebracht wurde. Besonders
war dies bei den Arbeiten der Fall, die der Schilderung
seines engeren deutschen Vaterlandes galten. Dr. Eduard
Wahl, der hochbetagte Musikschriftsteller, schuf sich all
mählich eine seinem künstlerischen Heim würdige kleine
Sammlung, die außer deu Arbeiten seiner talentvollen Frau
noch Werke der verschiedensten Zeiten und Schulen enthält.
Ein Blick in den Katalog zeigt die Namen folgender Meister:
A. Achenbach „Westfälische Mühle“, Hans Borchardt
„Musikstunde“, S. Buchbinder „Kopf eines Pagen“ G. von
Canal „Mühle", Ludwig Dill „italienische Marine“ (hoch
interessant seines kleinen Formates und der vorzüglichen
Qualitäten wegen), Albin Egger-Lienz (drei Gemälde
„Totentanz“, „Skizze“' und „Ruhende Hirten“), Julius
Exter „.Bauern aus Übersee“, „In die Netze gegangen“ und
„Gedeckter Tisch“, O. Gebier „Schafe im Gewitter“,
W. Geffkon „Rokokobild“, Simon Glücklich „Abendlied",
N. Gysis „Kopf eines Popen", Karl Hartmann „.Herbst“,
R. Hirth du Frenes „Mädchen mit rotem Schirm“,
A. Holmberg „Frauenkopf aus dem Jahre 1871" mit Leibi
schen Einschlag, Carl Jutz „Geflügelbild", Hugo Kauff-
mann verschiedene Studien aus der Pariser Zeit, F. A. von
Kaulbach „Damenbildnisse“, Friedrich Kaulbachs „kleine
Halbfigur einer schwarzen Dame“, A. von Keller „Bildnis
seiner Frau“, Gust. Klimt „Zeichnungen rassiger weiblicher
Figuren“, Gotth. Kuehl, fein empfundener toniger Entwurf
zu seinem „Leihhaus“. L. A. Kunz, „Stilleben“, G. Lampe,
weibliche Halbfiguren aus der Pariser Zeit, E. Mauch mit
einem Tryptichon „Das Märchen , G. von Max „Schwamm
d’rüber ', ein ins Mystische hinüberreichendes Motiv, Rud.
Missl „Im Bade“, Charl. Palmier „Landschaft mit Brücke“,
G. Papperitz „Kartoffelschälerin“ in Auffassung der Hol-