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Seite 14 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 2 
zahlt, dafür, daß eine ganze Kompagnie beteilt werden 
kann. 
Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 
in England haben die englischen Wcrbeplakate natür 
lich aufgehört, denn es trat der gesetzliche Zwang an 
die Stelle der bisherigen Überredungskünste und Ver 
lockungen. Diese Blätter sind jetzt schon sehr selten 
geworden und bilden für die Zukunft wichtige kultur 
geschichtliche Dokumente für die letzten Tage der 
englischen sogenannten Freiheit. 
Wie man sieht, ist nicht nur der Krieg in gigantische, 
nie geahnte Verhältnisse emporgewachsen, er hat auch 
auf dem Gebiete der graphischen Künste, speziell auch 
in der Plakatkunst, neue Formen ausgelöst. Die Kriegs 
plakate werden in der Zukunft nicht nur monumental, 
sondern in gewisser Richtung auch befruchtend wirken. 
Denn die Kriegsplakate haben eine ganz neue Spezies 
von graphischen Blättern gezeitigt, die in früheren 
Kriegen noch unbekannt geblieben war, eine Reise 
des Kriegsgottes in das Gebiet der graphischen Reklame. 
Für die Entwicklung der graphischen Künste in Öster 
reich ist es aber geradezu ein Glücksfall, daß unmittel 
bar nach dem allerhöchsten Kriegsherrn das höchste 
Militärkommando in den Händen des Erzherzogs 
Friedrich liegt, des beneidenswerten Besitzers der 
in der ganzen Welt berühmten Kunstsammlung „Al 
bertina“ und daß die Zuteilung eines großen und er 
lesenen Stabes von militärpflichtigen Künstlern zum 
k. und k. Kriegspressequartier eine ideale Kunst 
fürsorge im Kriege gewährleistet. Mit vollem Recht 
hat schon bei Gelegenheit der eisten Kriegsbilder 
ausstellung des Kriegspressequai tiers im Wiener Künst 
lerhause im Oktober 1915 der Kommandant desselben, 
Generalmajor Max Ritter von Hoen in den ein 
leitenden Worten des Kataloges gesagt: „Das Bild wirkt 
besser auf die Vcrstelhingsgabe als die anschaulichste 
und breiteste schriftliche Schilderung, es ist das beste 
Mittel, Interesse zu wecken und zu erhalten. Das 
Interesse am Kriege aber darf nicht erlahmen und 
erkalten. Es muß auch die Seelen jener füllen und 
heben, die nicht vor dem Feinde stehen und dennoch 
Träger des einen, allen gemeinsamen Gedankens, des 
unbeugsamen Willens zum Siege, sein sollen. Denn das 
heutige Ringen wird nicht allein auf dem Schlachtfelde 
entschieden.“ 
Aber noch ein anderer Faktor im österreichischen 
Kunstleben hat auf die Erhöhung des Niveaus in der 
österreichischen Plakatkunst im Kriege, langsamen, 
aber schon sichtbaren Einfluß ausgeübt, nämlich die 
Tätigkeit des Österreichischen Werkbunds, der seinen 
obersten Grundsatz „Veredlung der gewerblichen Arbeit 
im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Hand 
werk“ immer eindringlicher geltend zu machen und 
durchzusetzen weiß, der, eingedenk der ungeheuren 
Bedeutung des Konsumenten für die Schicksale der 
Produktion, die Erziehung des Konsumentenpublikums 
für eine höhere Wertschätzung, ja für das direkte 
Verlangen einer veredelten Arbeit, des Qualitätswertes 
auch auf dem Gebiete der Plakatkunst beharrlich 
anstrebt. Und müssen nicht nach dem Krieg Plakat und 
Reklame überhaupt zu einer noch nie dagewesenen 
Bedeutung gelangen, wenn es sich darum handeln 
wird, die ungeheuren Schäden des Krieges wieder gut 
zu machen, also die Erzeugung neuer Werte wieder zu 
beleben, die Produktion und Steueikr?ft bei allen 
Nationen gewaltig zu heben? Und wer braucht Plakat 
urd Reklame mehr', als gerade die produzierenden 
Kreise ? 
Eine Ausstellung von Kriegsgraphik in Wien. 
Das Kriegshilfsbureau des Ministeriums des Innern in 
Wien teilt uns mit: 
Zugunsten der offiziellen Kriegsfürsorge veranstaltet das 
Kriegslfiifsbureau des Ministeriums des Innern in der 
Zeit vom 1. Februar bis 30. März 1917 in den Räumen des 
k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie in 
Wien eine Ausstellung von Kriegsgraphik. 
Bildliche Darstellungen, die mit dem Weltkriege im Zu 
sammenhänge stehen und in größeren Auflagen gedruckt 
wurden, sind als Ausstellungsobjekte bestimmt, ln dieser 
einzigartigen Veranstaltung wird dem Publikum zum ersten 
Male Gelegenheit geboten sein, die stattliche Sammlung der 
in der Kriegszeit geschaffenen Gedenkblätter in Augen 
schein zu nehmen. Hier werden die Gedenkblätter für deko 
rierte oder gefallenen Soldaten, die Erinnerungsblätter an 
unsere großen Heerführer und einzelne Episoden des Welt 
krieges sowie graphische Kunstblätter aller Art, die teils von 
öffentlichen Stellen, teils von privater Seite anläßlich der 
Kriegsanleihen und anderer Anlässe herausgegeben wurden, 
zur . Ausstellung gelangen. Daran schließen sich die Kriegs 
kunstblätter, die verschiedenen Skizzenbücher, Kriegswappen 
und Kriegsb riderbogen an. 
Einen breiten Raum nehmen die zugunsten der offiziellen 
oder privaten Kriegsfürsorge erschienenen graphischen Erzeug 
nisse ein. Eine sehr interessante Unterabteilung werden die 
bildlichen Kriegs-, und Lagerzeitungen und das Not- und 
Lagergeld, die in verschiedenen Kriegs- und Gefangenen 
lagern entstanden sind, umfassen. 
Die nächste Gruppe umfaßt Karikaturen des Inlandes und 
der Verbündeten sowie der neutralen und feindlichen Staaten. 
liier werden auch die satyrischen Landkarten, die 
Kriegskalender und Alben gezeigt werden. Auch die 
Kriegsplakate österreichischer, ungarischer und deutscher 
Herkunft und solche der neutralen und feindlichen Länder, 
ferner die Kriegs-Kleingraphik, wie Vexierbilder, Schatten 
risse, Vivatbänder und Kriegsfürsorge-Postkarten 
wird man in der Ausstellung nicht missen. Eine kleine histo 
rische Gruppe dürfte geeignet sein, eine besondere Anziehungs 
kraft der Ausstellung zu werden, ln diesem Teile werden die 
französischen Karikaturen aus dem Kriege 1870/71, 
japanische Kriegsbilderbogen aus dem chinesischen und 
russischen Kriege, englische Karikaturen aus den napo- 
leonischen Kriegen und italienische offizielle Regiments- 
marken, wie andere historische Graphika zur Auss ellung 
gelangen. 
Das Ausstellungs-Arrangement wird von einem Komitee 
unter \ orsitz des Leiters des Kriegshilfsburaus Hofrat Doktor 
Eduard Prinz von und zu Liechtenstein durchgeführt. 
Diesem Komitee gehöre i von Seite des Museums der 
Diiektor Hofrat Dr. Eduard Leisching und Regierungsrat 
hranz Ritter, vom Kriegshilfsbu eau kaiserlicher Rat 
Rosenbaum, Direktor der Gesellschaft für graphische Indu- 
stiie, endlich der bekannte Sammler und Kunstforscher 
Dr. Ottokar Mascha an. Architekt Professor Karl Witz- 
mann wurde für die künstlerische Anordnung gewonnen. Die 
Ausstellungsgegenstände sind an die Direktion des k. k. Öster 
reichischen Museum; für Kunst und Industrie, Wien, I., 
Stubenring 5, Zuschriften an das Kriegshilfsbureau des Mini 
steriums d:s Innern, Wien, L, Hoher Markt 5, zu 
richten.
	        
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