MAK
Nr. 2 
Inte r u a t io n a I S ain m 1 e r-Zo11 u ng 
Seite 17 
wie in der plastischen, völlig der Fläche untergeord 
neten Formengebung zum Ausdruck. Das Motiv des 
Hradschin steht im Vordergründe des sich davon 
abhebenden, reich mit Wölkchen und Sternen be 
deckten Nachthimmels. Embleme in den Ecken —i 
der Merkurstab mit der Mütze und der mit Flügeln 
versehene Federhalter ■—■ deuten die Tätigkeit des 
Absenders an. Der gut kontrastierende Raum in der 
Mitte ist weiß ausgespart für den Text 
„Glück 
und 
Frieden 
für 
1917“, 
der geschickt arrangiert und von stilisierten Palmen 
blättern umgeben ist. 
Die Karte ist als ein gelungenes Stück graphischer 
Kleinkunst anzusprechen. 
Chronik. 
Bibliophilie. 
(Die Bibliothek des Literarhistorikers : Novati.) 
Zur Erinnerung an den bekannten italienischen Literar 
historiker Francesco Novati, der vor etwa, einem Jahre 
gestorben ist, vermachte dessen Bruder die gesamte Bibliothek 
und Korrespondenz des Verstorbenen der Brer.a-Bibliothek 
in Mailand. Die Sammlung enthält 4293 geschichtliche, lite 
rarische, archäologische und künstlerische Werke, 9870 Mono 
graphien aus dem Gebiete der verschiedenen Literaturen, 
160 selten gewordene Texte aus der Volksdichtung, 438 Auto- 
grapheri von Persönlichkeiten des 17. bis 19. Jahrhunderts 
und mehrere kleinere Kollektionen, wofunter 21 Kupferstiche 
von Bloemaert. 
Bilder. 
(Ein unbekannter Dürer in deutschem Besitz.) 
Aus Berlin wird uns geschrieben: Ein bisher unbekannter 
Dürer, der durch den Kunsthändler Blumenreich aus Por 
tugal zu uns gelangte ist von dem bekannten Sammler Di. von 
Schwabach, dem Mitinhaber Bleichröders, um eine halbe 
Million Mark gekauft worden. Es handelt sich um eine 
„Heilige Familie“, die auf Lindenholz gemalt ist. Die 
Signatur lautet: 
Albertus Dürer 
Norimbergsnsis 
faciebat post 
Virginis partum 
1509 
Das Werk ist also drei Jahre nach Dürers venezianischem 
Aufenthalt entstanden. Die Komposition geht auf Bellini 
zurück. Wie bei den Tafeln dieses Meisters ist der heilige 
Josef als die dunkle Farbenkomponente links mit der Maria 
als helle Farbenkomponente rechts kontrastiert, und zwischen 
ihnen blickt vom unteren Tafelrande der vertrauensvolle 
Krauskopf des heiligen Kindes als farbige Vermittlung zu 
den Eltern empor. Die in Brustbildern gehaltene Gruppe 
hat die volle Frische des noch nicht verblaßten italienischen 
Farbenempfindens — das prachtvolle Rot in der Kleidung 
des heiligen Josef — links der kräftige Mann, Josef, braun, 
rechts die helle überaus liebliche und ganz italienisch zarte 
und weiche Frau mit gesenkten Augenlidern, zwischen ihnen 
das völlig venezianisch gesehene Kind. 
(Zerstörte kostbare Gemälde.) In Santander zer 
störte eine Feuersbrunst eine Gemäldesaustellung. Bilder von 
Velas-quez, Murillö, van Dyck und da Vinci sowie eine 
reiche Sammlung von seltenen Büchern von großem 
Werte wurden vernichtet. 
(Interessanter Bilderfund.) Am 9. Juli 1903 ver 
schwanden aus der berühmten Kirche S. Maria della 
Gliiaja in Verona 40 riesengroße Ölgemälde, welche teils 
an der Decke, teils hoch oben an den Wänden der Kirche 
angebracht waren, s'girierte Werke des Malers Francesco 
Barbicri il Legnago, genannt Sfrisato, gemalt in den 
Jahren 1678 bis 1680. Die Kirche, schon seit Jahrzehnten 
Privateigentum der Familie Brasavola, war seit 1858 nicht 
mehr in Gebrauch gewesen, diente als Getreideschuppen und 
Warenlager und war schon längst ihrer einst prunkvollen 
Einrichtung beraubt worden, bis auf die erwähnten 40 Gemälde 
des Barbieri, die zum Teil das Leben der heiligen Maria von 
der Geburt an bis zur Krönung im Himmel schildern, teils 
allegorische Darstellungen der heiligen Jungfrau als Himmels 
königin, als Regina Apostolorum, Regina Patriarchanrm 
usw. bringen. Der Besitzer der Kirche hatte diesen letzten 
Schmuck an einen ausländischen Kunstfreund verkauft, 
und zwar, wie in einigen entrüsteten italienischen Zeitungs 
berichten aus jenen Tagen zu lesen war, weit unter ihrem Wert. 
Allein da war alles Klagen umsonst. Die Bilder waren und 
blieben verschwunden und auch der Käufer konnte nicht aus 
findig gemacht werden.- Nur so viel war festzustellen, daß die 
Kunstwerke nach Ungarn gebracht worden waren, wie auch 
ein diesbezüglicher Vermerk in dem großen „Allgemeinen 
Künstlerlexikon“ von Thicme unter „Francesco Barbieri il 
Legnago“ besagt, wo freilich nur von einem Deckenbild 
gesprochen wird, indes es eine ganze Anzahl war. Nun ist durch 
einen sonderbaren Zufall der ganze Schatz wieder ans Licht 
gekommen. Auf einer seiner „Entdeckungsreisen“ nach alten 
Kunstwerken hat Herr Max Schmidt, der Inhaber der Wiener 
und Budapester Firma F. O. Schmidt, in einem Gartenhause 
an der äußersten Nordgrenze der Vorstadt von Budapest, 
in einer riesenhaften Kiste verpackt, die 40 signierten Bilder 
aufgerollt gefunden. Die meisten sind an fünf Meter breit und 
über zwei Meter hoch, die kleineren in mehr quadratischem 
Format, doch auch so, daß die Figuren stark überlebensgroß 
gehalten sind. Einige Bilder waren mehr oder minder beschädigt, 
der größte Teil ist erstaunlich gut erhalten. Herr Schmidt hat 
diesen Fund käuflich erworben und beabsichtigt, ihn restau 
rieren zu lassen und in dem ihm gehörigen Kisczeller Kastell 
in Alt-Ofen bei 1 Budapest aufzustellen.'! Die Gemälde sind 
in der robusten Art der italienischen Barocke gehalten, sämt 
lich von ausgezeichneter dekorativer Wirkung sowohl in der 
kühnen Komposition, bei der fast durchwegs die Frosch 
perspektive angewendet erscheint, als auch in der zum Teil 
merkwürdig gut erhaltenen, tiefen, aber brillanten Farbe; 
sie weisen ihier Manier nach mehr auf Tintoretto und Paolo 
Veronese hin, als auf die späteren Barockmaler; hie und da 
fühlt man sich auch an. Guido.Reni erinnert. Einzelne Figuren 
und Köpfe, die der Meister mit besonderer Sorgfalt behandelt 
hat, sind von-großem Reiz, so die mit einem weißen Mantel 
bekleidete und mit einer großen Krone geschmückte Figur 
der Himmelsjungfrau. 
(Ein gestohlenes Bild Charlemonts.) Die auf dem 
Maximilianplatz in Wien wohnende Frau Hollitzer, Schwieger 
mutter der Hofschauspielerin Tini Send ers, hatte auf dem 
Boden eine reichhaltige Sammlung wertvoller Gemälde.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.