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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 2
Als die Familie vor einiger Zeit nach der Reichsratsstraße
zu übersiedeln gedachte, wurden die Bilder einer Musterung
unterzogen und man vermißte ein Gemälde Charlemonts,
e'n Stilleben. Dem Verschwinden wurde in der Hast des Über-
siedelns weniger Beachtung geschenkt, da man glaubt^, das
Gemälde werde wieder zum Vorschein kommen; aber es blieb
verschwunden. Kürzlich hat nun ein Mitglied der Familie das
Bild in der Auslage eines Wiener Altertumshändlers bemerkt
und nach der Herkunft gefragt. Es stellte , sich heraus, daß
der Händler das Bild schon im Jahre 1911 gekauft hat. An
den Verkäufer konnte sich der Händler nach 5 Jahren nicht
erinnern. Frau Tini Senders erstattete die polizeiliche Anzeige,
und die Behörde ist nun bemüht, den Dieb ausfindig zu machen.
Philatelie.
(Die ungarischen Krönungsmarken.) Aus Budapest
wird uns geschrieben: Zur bleibenden Erinnerung an die
Krönung des Königs Karl hat, rvie von der „Internationalen
Sammlerzeitung“ schon gemeldet, das ungarische Postamt
Krönungsmarken zu 10 und 15 Hellern ausgegeben. Die Marke
zu 10 Heller trägt das Bild der Kaiserin Zita, die Marke zu
15 Heller jenes des Kaisers Karl. Die Marken wurden nur
am Tage der Krönung (30. Dezember) verwendet. Schon vor
6 Uhr früh standen Tausende von Personen bei den Tabak
trafiken, um auf die Ausgabe der Marken zu warten. Die
Tore des Postdirektionsgebäudes mußten zeitig gesperrt
werden, so daß die Beamten, die Dienst hatten, gar nicht ins
Gebäude gelangen konnten. Die Menschenmenge war so groß,
daß sie nur mit Mühe in Schranken gehalten werden konnte.
Nur die wenigsten Personen vermochten wegen des starken
Andranges Krönungsmarken zu erhalten und die Postdirektion
verfügte, daß diese Marken nur zu 20 Stück verkauft werden
durften. Jene Markensammler, die nicht ins Gebäude gelangen
konnten, bezahlten unglaublich hohe Preise. Besonders ab
gestempelte Exemplare hatten einen hohen Wert. Zuerst
wurden K 2-— bis K 5-— bezahlt, einzelne Sammler zahlten
sogar K 10-— bis K 20— für die Marken.
(Das Einfuhrverbot für Briefmarken.) Von dem
in der vorigen Nummer besprochenen österreichischen Einfuhr
verbot sind auch die Briefmarkeir betroffen worden. Auf
unsere Anfrage, welchen Einfluß diese behördliche Maßnahme
auf die Philatelie haben wird, schreibt uns der bekannte
Briefmarkenhändler, Herr Rudolf Friedl in Wien: „In
Beantwortung Ihres Werten teile ich Ihnen höflichst mit,
daß die Einfuhr ebenso wie die Ausfuhr von Briefmarken eine
ziemlich große ist und daß durch das Einfuhrverbot unsere
Liebhaberei eine schwere Einbuße erleidet. Eine Statistik
über Ein- und Ausfuhr von Briefmarken existiert nicht, doch
beträgt diese jährlich viele Hunderttausende. Wie Sie wissen
werden, war die Einfuhr von Kriegsmarken feindlicher Staaten
schon lange bei uns verboten, nun wird durch das Verbot der
Einfuhr sämtlicher Marken (als Luxusartikel), der Tausch und
Handelsverkehr selbst unter den verbündeten Staaten ganz
unterbunden. Man wird nun trachten müssen, den Bedarf
an Briefmarken im Inland zu decken, und ist eigentlich in
sofern das Verbot für die Händler günstiger als für
die, Sammler.. Hochachtungsvoll Rudolf Friedl“.
Verschiedenes.
(Heiteres Angebot.) Die in Laienkreisen vielfach
verbreitete Meinung, daß jedes ältere Buch eine Kostbarkeit
darstelle, kommt zu heiterem Ausdrucke in einem Inserat,
das wir dieser Tage in einem Wiener Blatte fanden und das,
wie folgt lautete;
An Seltenheits-Lieb
haber, die es sich leisten können, ist
um K 10.000, eine 127 Jahre alte
Bibel, „Das alte Testament", zu ver
kaufen. 1448 Seihen. Sehr reali
stische Schreibweise. Anträge
unter „Biblia Sacra 165.036“ an die
Expedition.
Der Inserent wird wohl vergeblich auf den Liebhaber
warten, der für ein Buch, das bei sehr guter Erhaltung K 50—-
wert ist, K 10.000 zu zahlen geneigt ist. Oder sollte der Hinweis
auf die „sehr realistische Schreibweise“ der Bibel solch ein
Wunder bewirken ?
(Eine kriegstechnische Sammlung.) Das Pro
fessorenkollegium der Deutschen Franz Joseph-Technischen
Hochschule in Brünn hat auf Anregung des Rektors Professors
Dr. Löschner beschlossen, die Schaffung einer kriegstech
nischen Sammlung an dieser Hochschule in Aussicht zu nehmen.
Demgemäß werden die im Felde stehenden Angehörigen und
Freunde der genannten Hochschule eingeladen, geeignete Kriegs
erinnerungen zu sammeln und an das Rektorat einzusenden.
In erster Linie wird hiebei auf Gegenstände der angewandten
Technik zu sehen sein, bezw. auf alles, was mit dem auf den
Schulen technischer Richtung vorgeführten Lehrstoff in irgend
welcher Beziehung steht. Dazu gehören unter anderem Licht
bilder und Schilderungen über alle mit dem Kriege zusammen
hängenden Bauarbeiten, aber auch über das Leben unserer
Kriegsteilnehmer sowde über Land und Leute fremder Länder
und Gegenden. In einem eigenen Gedenkraum soll dann nicht
nur das schon im Herbst 1914 in Aussicht genommene Ehren
buch mit den Lichtbildern der im Felde dahingegangenen,
der verwundeten und der im Felde ausgezeichneten Ange
hörigen der genannten Hochschule aufzulegen sein, sondern
überdies eine vollständige Lichtbildersammlung aller den Krieg
überlebenden Kriegsteilnehmer, welche jetzt der Deutschen
Hochschule in Brünn angehören oder ihr früher einmal ange
hört haben. In Anbetracht dessen werden schon jetzt Licht
bilder aus dem Felde erbeten. Auch Schilderungen über Kriegs
erlebnisse, Lebenserfahrungen und Gedanken von der Hoch
schule nahestehenden Kriegsteilnehmern sollen aufgenommen
werden; cs sind auch mittelbare Nachrichten durch Eltern
oder sonstige Verwandte gefallener Helden erwünscht.
(Ein Botticelli als Gobelin.) Im Botticelli-Saal der
Gemäldegalerie des Berliner Kaiser-Friedrich-Museums in
Berlin entsteht seit einiger Zeit ein einzigartiges Kunstwerk.
Die größte Kostbarkeit des Raumes, das herrliche Rundbild
Botticellis aus derRaczinskyschen Sammlung, die Maria mit
dem Kinde und den Lilien tragenden Engeln, wird von einer
Künstlerin in der alten Technik der Gobelin-Stickerei kopiert.
Das ist eine Arbeit von fast unglaublicher Geduld und Fähigkeit
des künstlerischen Nachempfindens. Die Künstlerin, Frau
von R ent he -Fink, widmet sich ihrer Aufgabe schon seit
einer Reihe von Jahren. Und doch ist der Rahmen, auf dem
sie das Gemälde des alten Italieners überträgt, kaum zur
Hälfte mit Stickerei gefüllt. Die Künstlerin hat sich für diesen
Zweck eine eigene Technik erfunden. Sie nimmt mehrere
farbige Fäden gleichzeitig in die Nadel, um aus ihrer Mischung
einen Farbwert zu erzielen, der dem des Originals gleicht.
Museen.
(Die Sammlung Johannes Reimers.) Die bekannte
Antikensammlung des 1913 verstorbenen Herrn Johannes
Reimers in Hamburg, die hervorragende italienische und
griechische kunstgewerbliche Altertümer enthält, ist in den
Besitz des Hamburgischen Museums für Kunst und Gewerbe
übergegangen. Trotz der Kriegszeit wurde die bedeutende
Kaufsumme von Freunden des Museums aufgebracht und
damit ein. für Hamburg wichtiges Kulturwerk geleistet.
(Ein rheinisches Nationalmuseum.).Das Ernst-Moiitz-
Arndt-Museum in Godesberg a. Rh. plant eine Erweiterung
und Ausgestaltung zu einem rheinischen Nationalmuseum als
dauernde Erinnerungsstätte an das Schaffen und Wirken der
Großen des Volkes auf allen Gebieten von Literatur,
Kunst und Wissenschaft, Bildung und Erziehung, Heer-,
Staatsw'esen und Technik.