Nr. 20
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 163
Der Nachlass des Professors Ludwig Knaus.
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Maler sind fast immer Sammler, die Schriftstellerin
Hermione von Preuschen, selbst eine Meisterin des
Pinsels, ging sogar so weit, zu behaupten, daß ein
Künstler, der nicht sammelt, gar kein wirklicher
Künstler ist. Gewöhnlich bewegt sich das Sammeln
der Maler in der Richtung ihrer speziellen Betätigung,
wenige legen Galerien an oder wenden sich anderen,
abseits von ihrer Kunst gelegenen Sam.melgebieten zu.
Professor Ludwig Knaus, dessen Nachlaß, wie schon
von uns gemeldet, am 30. Oktober bei Rudolph Lepke
in Berlin unter den Hammer gelangt, hat sich darauf
beschränkt, Kunstwerke zu erwerben, die seiner eigenen
Kunst verwandt wmen. Er brachte nur einige dreißig
Gemälde und kaum die doppelte Zahl von Zeichnungen
zusammen, aber sie sind, wie Bode im Vorwort des
Katalogs hervorhebt, „mit der ihm eigenen Liebe
und seinem, feinen künstlerischen Geschmack gewählt,
eine Sammlung, wie sie bisher in Deutschland kein
Künstler zusammengestellt hat“.
Unter diesen dreißig Bildern stehen obenan zwei
Meisterwerke von Frans Hals: eines aus seiner Frühzeit,
das Porträt eines jugendlichen Stutzers, das
andere die Köpfe zweier lachenden Buben, aus der
gleichen Serie wie die beiden berühmten Kinderköpfe
aus der Sammlung Oppenheim. Ein dem Berliner
Porträt des Jean van Ghindertalen an Qualität kaum
nachstehendes Profilbrustbild eines alten Herrn von
Rubens, ein Herrenporträt in ganzer Figur des Thomas
de Keyser, ein hervorragender Jordaens, „Der
Satyr beim. Bauer", ein ausgezeichneter Ostacle,
prachtvolle Porträts von Bartholomäus Bruyn, Lukas
Cranach und Moreelse. Ferner die berühmten,
ebenso wie die vorher genannten Bilder von mannigfachen
Ausstellungen der Allgemeinheit schon bekannten
Stilleben von Snyders, Beyeren, de Heem,
Seghers und ein früher dem Fyt zugeschriebenes von lesne, Markgram von ayieuti.
Pieter Boel.
Fig. 3.
Beyeren, Stilleben.
Unter den nicht dem niederländisch-vlämischen
Kunstkreis entstammenden Gemälden der Sammlung
Knaus seien noch erwähnt das wahrscheinlich die
Markgräfin von Bayreuth darstellende Prinzessinnenbildnis
von Pesne, ein schönes Seestück des Magnasco,
das Friedrichs-Porträt C u n n igharn s,ein großer Ri be r a
und eine schöne Kirchenansicht des Guardi und
anderes mehr.
Unter den Handzeichnungen finden sich Blätter von
Boucher, Watte au, Chodo wie cki und Jacob de Wit.