Nr. 21
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 171
zurück. Die ein wenig gesunkene Stimmung erhöhte
sich aber sofort wieder bei den Schweizer Scheiben zu
ganz beträchtlichen Geboten von M 3000 bis 5000,
die schöne süddeutsche Scheibe aus der Mitte des
16. Jahrhunderts erwarb das Kunstgewerbemuseum
für M 3800 (es kaufte überhaupt manches von den
Scheiben).
Die richtigen Preise für die „Auktionstiger" stellten
sich dann wieder bei der Abteilung Plastik und
Möbel ein: M 10.000 für ein Paar großer rheinländischer
Steinvasen mit Marmorsockel und reicher plastischer
Arbeit aus dem Jahre 1714, M 20.600 (nicht teuer)
für die dem Majano zugeschriebene Mariengruppe in
Terrakotta. Als dann das Holz herankam, zeigte sich
die Leidenschaft der Sammler in den außerordentlichen
Preisen: M 21.500 für die vorzügliche kleine Eichenholz
begegnung der Marie mit der Elisabeth von einem
Antwerpener Bildschnitzer des 15. Jahrhunderts;
M 20.200 für die französische Nußholzfigur des heiligen
Eligius vom Anfang des 10. Jahrhunderts, M 50.700
für die dem Dürerkreis nahestehende Nürnberger Anna
selbstdritt in Birnholz um 1500 (Rosenbaum, Frank
furt). Von den Möbeln erzielten eine Eichenholzbank
mit kölnischen Bestandteilen aus der ersten Hälfte des
14. Jahrhunderts M 20.000, eine fünfteilige, nieder
ländische Stickerei um 1500 M 21.300 (die Boehler,
München, bezahlte), M 22.500 für einen italienischen
Faltstuhl um 1500.
Luthers Wappen.
Von Dr. Stephan Kekule von Stradonitz (Berlin).
Die Möhraer Familie Luther, aus der der Refor
mator stammte, führte von jeher ein Wappen, das im
Schild eine von der Seite gesehene, aufrechte Armbrust,
davor zwei übeieinander stehende Rosen und auf dem
Helme zwei Büffelhörner zeigt. Es findet sich im
Rundbogen über der Eingangspforte des Hauses zu
Mansfeld, das Luthers Vater und Bruder bewohnt
haben, und ist auch unter dem Bilde Johann Martin
Luthers auf Hohburg, des Urenkels des Reformators,
zu sehen, das Christian Svetner gemalt und Johann
Dürr 1669 in Kupfer gestochen hat.
1570 hat Kaiser Maximilian II. einem Matthias
Luther — dem Gliede eines mit den Möhraer Luther
verwandten Geschlechtes gleichen Namens, das zu
Nordhausen nachgewiesen ist — ein Wappen verliehen.
Fs zeigt die Rosenblüte im Schild in einer aufsteigenden
„Spitze“, die rechts und links von einem Apfel oder
Quitte mit Stengel und zwei Blättchen begleitet wird,
während sich auf dem Helm als Helmschmuck ein
„wachsender“, bekleideter Mann befindet, der in der
Rechten einen Rosenzweig, in der Linken den Quitten -
oder Apfelzweig hält. Dieses Wappen hat auch Gabriel
Luther, ein Urenkel des Heinz Luther, also ein
Vatersbruders-Urenkel des Reformators, geführt. Es
findet sich auf einem, von J. Sandrart gestochenen
Bildnisse des Gabriel Luther. Die von vorn gesehene,
wappenmäßig gestaltete, nicht etwa „natürliche“ Rose
war nach diesem Befunde das Llauptbild des Luther-
Wappens. Hieran hat der Reformator angeknüpft, als
er vor 400 Jahren sein Wappen selbst angenommen
hat. Aber was hat er daraus gemacht! Er hat Herz,
Kreuz und Ring eingefügt, das heißt sich ein Petschaft
anfertigen lassen, auf dem die wesentlich vergrößerte
Rose in ihrem Mittelpunkt ein Herz enthält, auf das
ein Kreuz gelegt ist, während die Rose von einem
Ringe umschlossen wird. Das Kreuz ist bald ein
christliches Kreuz mit einem Querbalken, bald ein
sogenanntes „Patriarchenkreuz“' mit zwei Querbalken.
Seine Farbe ist schwarz. Das Herz ist naturgemäß
rot, die Rose weiß, der sie umschlingende Ring ist
golden, alle Bilder in einem blauen Felde.
Eine prächtige Darstellung hat dieses Wappen auf
einem Kupferstich von 1617 gefunden, der Luthers
Bildnis nach einer Cranachschen Vorlage darstellt.
Die Linke des Reformators stützt sich auf den Wappen
schild, die Rechte weist auf einen unter dem Bildnis
abgedruckten Brief Luthers, mit dem es folgende
Bewandtnis hat: Als Luther 1530 auf der Coburg
weilte, ließ der Kurprinz Johann Friedrich für ihn
in Nürnberg einen Siegelring mit Wappen anfertigen.
Luthers Freund, der Nürnberger Ratsschreiber Lazarus
Spengler, hatte dann bei Luther angefragt, ob das
Petschaft „recht getroffen sei“. Luther antwortete
darauf am 8. Juli 1530, er wolle ihm seihe „ersten
Gedanken" anzeigen, die er „auf sein Petschaft wollte
fassen als in ein Merkzeichen seiner Theologie“: „Das
Erste sollte ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das
seine natürliche (das heißt rote) Farbe hätte, damit
ich mir selbst Erinnerung gäbe, daß der Glaube an
den Gekreuzigten uns selig macht. Denn so man von
Herzeü glaubt, wird man gerechL Ob. es nun wohl
ein schwarzes Kreuz ist, mortifiziert und soll auch
wehe tun, noch läßt es das Herz in seiner Farbe, verderbt
die Natur nicht, das ist: es tötet nicht, sondern behält
lebendig. Justus enim fide vivet, sed fide crucifixi“
(das heißt der Gerechte wird durch den Glauben leben,
aber durch den Glauben an den Gekreuzigten). „Solch
ein Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen,
um anzuzeigen, daß der Glaube Freude, Trost und
Friede gibt, und kurz in eine weiße, fröhliche Rose
setzt, nicht, wie die Welt Friede und Freude gibt,
darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn
weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe.
Solche Rose stehet im himmelfarbenen Felde, daß
solche Freude in Geist und Glauben ein Anfang ist
der himmlischen Freude zukünftig, jetzt wohl schon
darinnen begriffen und durch Hoffnung gefaßt, aber
noch nicht offenbar. Und in ein solches Feld einen
goldenen Ring, daß solche Seligkeit im Himmel ewig
währt und kein Ende hat und auch köstlich über alle
Freude und Güter, wie das Gold das höchste, köst
lichste Erz ist.“
Das also ist Luthers Auslegung der von ihm ge
wählten Wappenbildcr. Es ergibt sich aus ihr, daß
auch der Ring wesentlich ist und nicht, wie es meist
geschieht, weggelassen werden darf. Es ist sogar ein
sehr wichtiges Sinnbild, dasjenige der Ewigkeit. Es
bedeutet also in Luthers Wappen das Kreuz den
Glauben, die Rose den Frieden und die Freude, der
Ring die Ewigkeit und die blaue Farbe des Schild-
feldes die Hoffnung.