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Inter nationale Sammler- Zeitung
Nr. 21
bilden die Textilien mit einer farbigen Schweizer Woll
stickerei von 1604 und einem flandrischen Gobelin des
16. Jahrhunderts.
Von den alten Gemälden erwähnen wir aus der
altdeutschen Schule zwei prächtige Stücke von Lucas
Cranach d. Ä., von denen eines der bekannten Samm
lung Weber (Hamburg) entstammt, woher auch ein
Hauptwerk von Schäuffelein ,,Die Anbetung des
Lammes“ und zwei miniaturmäßig ausgeführte Täfelchen
aus der deutschen Schule „Heilige Katharina" und
„Heilige Klara“ kommen. Ganz hervorragend sind die
Niederländer vertreten, so Adr. van Ostade mit
einer „Ländlichen Unterhaltung", Tenders mit einer
„Baucrnkirmiß“ aus der Sammlung Weber; Jakob
jordaens mit einem „Faunskopf“ aus der gleichen
Sammlung, ferner Bioemen, Craesbeeck, Cornelis
Dusart, Willem Kalf mit einer seltenen „Landschaft
mit Stilleben"; Jan van Kessel mit einer „Schmiede
des Vulkan“, Metsu, Anthonis Palamedesz, J. S.
Ruysdael, W. van de Velde und Phil. Wouwerman.
In gleich vorzüglicher Weise sind die Italiener ver
treten, hier ist das Hauptwerk die „Vision des heiligen
Rochus" von Annibale Carracci, dazu kommen
charakteristische Arbeiten der beiden Canaletto,
Zucarrelli und ein dem. Tintoretto nahestehendes
Männer porträt.
Die Sammlung der modernen Bilder enthält nur
eine kleine, aber gewählte Anzahl der Werke, in erster
Linie Gemälde aus dem Münchner. Künstlerkreis.
So von Defregger ein seltenes Frühwerk aus dem
Jahre 1869 und ein Spätwerk von 1906. Von Eduard
Grützner gleichfalls eines seiner Fiühwerke „Wein
probe“, das vielleicht noch Ende der sechziger Jahre
entstanden ist. Auch von Wilhelm Trübner ist eine
fiühe Arbeit „Idyll in Arkadien“ vorhanden, Anselm
Feuerbach, der Trübner so nahe gestanden, ist
durch eine breit gemalte Rubens-Kopie vertreten.
Von Wilhelm von Diez ist ein toniges „Tierstück“ von
weiteren Münchner Künstlern Lenbach durch ein
„Selbstporträt“ aus den achtziger Jahren, Adolf hier
durch eine Landschaft und Fr. Aug. von Kaulbach
durch eine Venus vertreten. Es fehlt auch nicht der
„Feinkostmaler“ der eingesessenen Münchner Künstler,
Karl Spitz weg, mit einem bisher unbekannten Bilde
„Der Hagestolz“. Außer Münchner Malern sei Thomas
Gemälde „Landmädchen und Faun“ aus der Frank
furter Zeit und eine kleine Zeichnung „Spielende
Faune" aus den neunziger Jahren erwähnt. Endlich
graphische Arbeiten von Menzel und Whistler
und eine Karikatur Rowlandsons.
Die von Dr. Bucheit verfaßten Kataloge sind in
drei Ausgaben (I. Teil Antiquitäten, mit 40 Tafeln,
Preis M 6—, II. Teil alte Gemälde, mit 21 Tafeln,
Preis M 3—, III. Teil, moderne Gemälde, mit 11 Tafeln,
M 2—) durch die Galerie Helbing in München zu
beziehen.
Chronik.
Bibliophilie.
(Versteigerung der Bibliothek des Barons Kiel-
mansegg.) Mitte Jänner 1918 versteigert das Wiener Buch-
und Kunstantiquariat Malota die wertvolle Bibliothek des
Barons Kielmansegg, die zahlreiche prachtvoll erhaltene
alte Kupferwerke, wie Merians, Theatrum europaenm, Vischers
und Merians Topographien, sehr viele Austriaca, wie Kheven-
hüllers, Annales, Scliweickhards Topographien, Wisgrills, Adel,
seltene Viennensia, alte Wappen- und Kostümwerke, ältere
deutsche, französische und englische Literatur enthält. —
Im Anschlüsse an die Bibliothek gelangen Ölgemälde, Hand
zeichnungen und Stiche zur Versteigerung.
(Publikationen der „Gesellschaft der Bibliophilen"
in Weimar.) Die „Gesellschaft der Bibliophilen" in Weimar
plant für das Jahr 1917 folgende Publikationen herauszugeben:
1. Faksimileneudruck von Luthers Schrift „Von der Freiheit
eines Christenmenschen", herausgegeben von Oberbibliothekar
Geheimrat Professor Dr. Ehwald (Gotha); 2. Gue, „Masuren“,
herausgegeben von Schiuldekopf (f) und Gloeb; 3. Heinrich
Heine, „Der Doktor Faust, ein Tanzpoem", Originaldruck
aus den Beständen des Verlages, mit einem Nachwort ver
sehen von Geheimrat Prof. Dr. Walze (Dresden). Als Sonder-
publikation für das laufende Jahr wird weiterhin Goethes
„Clavigo" mit Illustrationen von Steiner (Prag) erscheinen.
Bilder.
(Die Altargemälde der Antwerpener Kathedrale.)
In der Antwerpener Kathedrale sind die beiden großen Altar
gemälde der Kreuzaufrichtung und der Kreuzabnahme von
Rubens wieder an ihren alten Plätzen im Querschiff aufge
stellt worden. Vor drei Jahren hatte man sie bei der Beschießung
der Stadl abgehängt und in die Kellerräume des Museums
gebracht. Erst jetzt scheint sich das Vertrauen der Stadtväter
in die Uneigennützigkeit der deutschen Verwaltung, die
übrigens von Anfang an die Sorge für die Kunstschätze den
belgischen Behörden überlassen hatte, soweit gefestigt zu
haben, daß sie die verborgenen Schätze wieder ans Licht
ziehen und. der Nation ihre Heiligtümer zurückgeben.
(Ein neues Goethe-Bild.) Dr. Rudolf Payer von
Thurn, der Direktor der Fideikommißbibliothek in Wien,
hat in der unendlich reichen Porträtsammlung der kaiserlichen
Privatbibliothek ein bisher unbenanntes Bild auf Grund
genauer Feststellungen und Forschungen unbezweifelbar als
ein Bildnis des jungen Goethe feststellen können. Künstlerisch
hervorragend und trefflich konserviert stellt es eine ganz
besondere Bereicherung der Goethe-Konographie dar. Seine
erste Publikation wird in der Zeitschrift des Wiener Goethe-
Vereins erfolgen.
Uhren.
(Versteigerung einer Sammlung aus süddeutschem
Besitz.) Am 22. November gelangt eine Uhrensammlung aus
süddeutschem Privatbesitz in der Galerie Helbing in München
zur Versteigerung. Professor Bassermann (München), der
einen mit zirka 100 Abbildungen ausgestatteten Katalog
verfaßt hat, schreibt über diese Kollektion unter anderem:
Die Uhrensammlung gibt einen Überblick über die gesamte
Geschichte der tragbaren Räderuhr. Den Anfang machen die
in Augsburg ums Jahr 1570 hergestellten runden dosenförmigen
Halsuhren, die ihre Verwandtschaft mit dem an starker Zier
kette getragenen Gnadenpfennig nicht verleugnen, dieselben
Uhren wohl, auf die sich schon Paul von Stettens Notiz
zum Jahre 1558 bezieht, daß elegante junge Herren in Augs
burg kleine runde Schlaguhren vorne auf der Brust hängend