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MAK

Full text : Jahrgang 9 (1917) (24)

Internationale
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Zentralblatt  für  Sammler,  Liebhaber  und  Kunstfreunde.
Herausgeber:  Norbert  Ehrlich.
9.  Jahrgang.  Wien,  15.  Dezember  1917.  Nr.  24.

Beclief,  Kelch,  Pokal.
Studie  vom  Hofrate  Pachinger  (Linz  a.  d.  D.)

Prüft  der  ernste,  kritische  Forscher  unsere  Tischund
  Hausgeräte  auf  ihre  Grundform,  so  wird  er  meist
finden,  daß  diese  sowohl,  wie  die  ihr  angefügten  Dekorationen ­
  vorwiegend  Motive  aufweisen,  deren  Vorbilder ­
  der  Natur  entnommen  sind.  So  viele  Wandlungen ­
  derlei  Objekte  in  ihrer  äußeren  Erscheinung
auch  im  Laufe  der  Jahrtausende  durchmachen  mußten,
so  sehr  auch  mitunter  das  dekorative  Element  die
Urform  überwucherte,  fast  immer  ist  letztere  dennoch
einwandfrei  hei  auszuschälen  und  zu  rekonstruieren.
Ein  Beweis  für  diese  Behauptung  ist  unter  vielem
anderem,  das  häufigste  unserer  Tischgeschirre,  der
Becher.
Das  Vorbild  des  profanen  Bechers,  wie  er  in  seiner
Urform  sicher  noch  am  deutlichsten  erhalten  ist,
sehen  wir  am  Rheinweinglas,  dem  „Römer“.  Er  ist
zweifellos  der  Blütenkelch  der  Glockenblume,  das
horizontal  durchschnittene  Ei.  Nun  stand  aber  ein
aus  Ton,  Bein  oder  Metall  gefertigtes,  eiförmiges
Gefäß  nicht  auf  der  Tischplatte  und  Colum.bus  war
noch  nicht  geboren!  —-  Aber  man  wußte  sich  doch
bald  zu  helfen.  Steckte  man  das  amphoraspitzähnliche
Ende  in  den  Sand,  so  wurden  für  die  bei  der  Mahlzeit
benötigten  Gefäße  kleine  stühlohenartige  Ständer  aus
Holz  öder  Metall  angefertigt,  in  die  jene  hinein  gesetzt
wurden.
Aus  Binsen  geflochtene  dünne  Schnüre  wurden
von  der  breiten  unteren  Basis  aufsteigend  und  allmählig
schmäler  werdend,  zusammengefügt,  um  nochmals
mit  einigen  Reifen  nach  aufwärts  breiter  werdend,
so  eine  Mulde  bildend,  in  die  das  Gefäß  eingesetzt
werden  konnte.  Das  gewöhnliche  „Römerglas'“  zeigt
heute  noch  mit  seinen  Fußringen  diesen  originellen,  .
konstruktiven  Aufbau.  Endlich  kam  man  in  späterer
Zeit  dazu,  Fuß  und  Kupa  in  eins  zu  verschmelzen.
Aber  auch  jene  isolierten,  eiförmigen  Becher  aus  Glas
sind  uns  aus  Römerzeit  mehrfach  in  Museen  erhalten.
Der  Becher  kam  bei  Tisch  nur  dem  Hausvater  zu;
er  war  das  Attribut  seiner  Würde  und  so  waren  bei
vornehmen,  fürstlichen  Personen  jene  geschnittenen
oder  gesponnenen,  Glasfiligran  überzogenen  Objekte
in  Gebrauch,  deren  Reste  heute  noch  das  Entzücken
des  Fachmannes  erregen.  Unzerbrochene  derartige  Gefäße, ­
  oft  wahre  Kunststücke,  gehören  zu  den  größten
Seltenheiten  und  werden  mit  Gold  aulgewogen.

Schob  der  Hausherr  seinen  eigenen  Becher  dem
(Tastfreunde  zum  Trünke  zu,  so  galt  dies  als  Zeichen,
daß  er  seh  mit  ihm  zu  Schutz  und  Trutz  verbunden
fühle.  Unterließ  der  Gastgeber  diese  symbolische
Handlung  oder  folgte  der  Gast  dieser  Aufforderung
nicht,  so  deutete  dies  auf  Fehdeankündigurg.  Die
sonstigen  Tischgäste  mußten  sich  der  „Schöpfer“,
kleiner  Schalen  an  einem  Stiele  bedienen.  Für  die
nächsten  Familienangehörigen,  die  Sippe,  kamen  dann
doppellnnkelige,  weitbauchige  Schalenkelche  zur  Verwendung. ­

Diese  ursprünglich  profanen  Gefäße  wurden,  wie
die  Funde  von  Troja,  Mykene  usw.  bezeugen,  in  ihren
Grundformen  nur  unter  Änderung  des  Dekors  für
den  sakralen  Tempeldienst  der  Antike  übernommen.
So  fand  denn  das  aufstrebende,  junge  Christentum
bereits  eine  deraitig  reiche  Musterkollektion  von
Gei  aßformen  für  seinen  Bedarf,  daß  es  wahllos  zugreifen ­
  konnte.  Glas  kam  hiebei  nur  in  den  selteneren
Fällen  in  Betracht.  Der  metallene  Kelch  dominierte.
Die  Bearbeitung  des  Metalles  in  den  verschiedensten
Techniken  hatte  bei  den  antiken  Völkern  bereits  einen
hohen  Grad  der  Vollkommenheit  erreicht.  Auch  die
ornamentalen,  dekorativen  Motive:  Wein-und  Epheublatt,
  Mohnfiucht,  Geisblatt  und  anderes  konnten
ohne  Schwierigkeit  übernommen  werden.  Dazu  gesellten
sich  nun  eine  Menge  symbolischer  Zeichen:  Fisch,
Lamm,  Hirsch,  Kornähre  und  anderes  derartiges.  Die
ganze  dekorative  Aufmachung  ging  noch  bis  zum
Eingreifen  der  nordischen  (irisch-skandinavisch-no:  manischen) ­
  Richtung  von  der  ostchristlich-byzantinischen
aus  und  die  Mönche  vom  Beige  Athos  mit  ihrem
starren  Schematismus  ware/i  hierin  erfindungsreich.
„  Die  anfänglich  wenigen,  persönlich  bildlichen  Darstellungen, ­
  die  der  nachkonstantinrscb.cn  Zeit  entitammen,
  Christus,  die  Evangelisten  und  endlich
die  Madonna,  wurden  zu  Typen,  die  heute  noch  die
:akrale  Kunst  der  orthodox-christlich-oikntalnchen
Kir  che  n  beherrs  eben.
Die  ersten  gottesdienstlichen  Äußerungen  der  jungen
Kirche  waren  nächtliche  Zusammenkünfte  der  engeren
Christengemeinde  in  den  Katakomben,  versteckten
Felshöhlen  und  Wäldern.  Hier  wurden  von  dem  Gemeindeältesten ­
  oder  einem  sonstigen,  von  einem  Apostel ­
  dazu  bestimmten  Mitglie.de  der  Gemeinde  dir 1
            
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