Seite ÖO0
Internationale Sammler-Zeitung
Nr. äd-Verschiedenes.
(Die Sammlungen des Fürsten Radolin.) Aus
Posen wird uns gemeldet; Das Schloß des Fürsten Radolin
in Jarotschin wurde ein Raub der Flammen; nur der vor
etwa zehn Jahren neu erbaute östliche Flügel konnte erhalten
werden. Das Schloß barg viele Kunstwerke und Kostbarkeiten,
Bildnisse der Mitglieder der Familie Radolinski vom
17. Jahrhundert an, eine reiche Waffensammlung, eine große
Sammlung altchinesischen Porzellans, eine nach Tausenden
von Werken zählende Bücherei, die sehr viel wervolle polnische
Werke enthielt, und eine große Sammlung anderer Altertümer,
die der Botschafter Fürst von Radolin zusammengetragen
hatte. Die Bücherei ist vollständig vernichtet, ebenso der
größte Teil der kostbaren Gemälde, Altertümer, Waffensammlung,
des alten Porzellans und des Mobiliars. Von den geretteten
Gegenständen ist ebenfalls sehr viel beschädigt worden.
(Goethes Gesicht.) Hat Schadow Goethes Gesicht
abgegossen ? Diese F'rage, die bisher von Goethe- und Kunstforschern
bejaht worden ist, hat jetzt ein hervorragender
deutscher Bildhauer endgültig verneint. Wie zunächst Georg
Bötticher in der „Kunstchronik“ fcststellt, hat der Meister
des Rostocker Blücherdenkmals bei seinem Aufenthalt 1816
in Weimar Goethes Gesicht nicht abgeformt, sondern sich
einer älteren, Weißserschen Abformung bedient, um Goethes
Wunsch, sein Profil in Wachs zu modellieren, zu erfüllen.
Professor Karl Seffner in Leipzig, einer unserer bedeutendsten
Porträtbildner, ist seit längerem damit beschäftigt, auf Grund
der Weißerschen Originalmaske Goethes — also des einzigen
Materials, das die Züge des Dichters ganz getreu aufbewahrt
— eine Büste anzufertigen, von der er absichtlich alles Stilisieren,
alles Verschönern und überhaupt Verändern in den
durch Weißer festgehaltenen Zügen femhalten will. Seffner
war hei seiner Arbeit an der Goethebüste, bei Vergleichung
der Weißerschen ersten Maske mit der sogenannten Schadowschen
schon immer die völlige Gleichheit der beiden aufgefallen,
die sich auf kleinste Gesichtsfältchen, wie auch auf
jedes F'ältchen der das Haar deckenden Kopfbinde erstreckt.
Muß es nicht ganz unmöglich erscheinen, daß ein Gesicht
innerhalb neun Jahren auch ganz im geringsten Detail keinerlei
Veränderung erlitten haben sollte ? Und ist es denkbar, das
eine Kopfbinde von Schadow genau die auf den Millimeter
an der gleichen Stelle und in den völlig gleichen Falten wie
auf der AVeißerschen Maske gelegt werden konnte ? Vergleichungen
beider Masken, die Seffner auch unter Herbeiziehung
kunstverständiger Freunde anstellte, brachten ihn zu der
Überzeugung: hier liegt ein und dieselbe Maske vor,
und Schadow hatte lediglich die Abgußform Weißers von
.jieuem abgießen lassen. — Wir haben aber noch ein indirektes
Zeugnis von Goethe selbst dafür, daß er sich nur einmal, eben
durch Weißer, das Gesicht abformen ließ. Im Jahre 1820
wandte sich Sulpiz Boisseree, im Auftrag einer Frankfurter
Gesellschaft von Goetheverehrem, an den Dichter mit
der Bitte, Dan nec leer einige Sitzungen zur Anfertigung seiner
Statue zu gewähren. Goethe antwortete ihm hierauf am 27. Februar
1820; „Wegen der Reise unseres trefflichen Danneckers
hieher sind mir diese Zeit über Zweifel aufgestiegen... Es
sind wohl sechs und mehr Jahre, daß ich Gail zuliebe, der bei
uns einsprach, meine Maske abformen ließ, sie ist wohl geraten;
Weißer hat sie nachher aufgesetzt und die Augen geöffnet,
sollte es nicht hinlänglich sein, wenn ich beides hinsendete ?. ..
Die Formen sind hier ganz genau, Geist, Leben und Liebe
muß ja ohnehin der Künstler hineinstiften.. "
(Wertvolle Altertumsfunde.) Auf der Gemarkung
des Gutes Hammersdorf über eine Viertelmeile von Braunsberg
sind schon früher wertvolle Altertumsfunde gemacht
worden: so Reste von Silberschalen und zwei goldene Armringe,
die für M 7000 an das Berliner Museum für Völkerkunde
verkault wurden. Kürzlich fand man nun dort eine goldene
Gewandnadel mit Kette, ein goldenes Medaillon mit dem
| Bilde Kaiser Konstantins des Jüngeren und zwei Berlocken,
von denen eine Lider an einem Juwelier verkauft und eingeschmolzen
wurde. Der Fund, der einer fürstlichen Bestattung
entstammen dürfte, ist zum großen Teil im Museum der
Königsberger Altertumsgesellschaft Prussia geborgen. Die
Gewandnadel stammt aus Pannonien und ist wohl aus der
Zeit um 450 n. C-hr. angefertigt worden.
Museen.
(Deutsches Museum für Buchwesen und Schrifttum.)
Wider alles Erwarten ist es gelungen, mitten im Weltkriege
eine festgefügte .weitverzweigte Organisation zu schaffen,
die es ermöglicht, die kulturellen Werte der Internationalen
Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, die so jäh durch den
Weltkrieg gestört worden ist, in einem großzügigen „Deutschen
Museum für Buchwesen und Schrifttum“ zu Leipzig der
Nachwelt zu erhalten. Über tausend Männer der Wissenschaft,
der Kunst, des Handels und des Gewerbes haben sich zusammengefunden
und werden am 16. Dezember in Leipzig zur Gründung
eines Deutschen Vereines für Buchwesen und Schrifttum
schreiten, dessen Hauptaufgabe der Bau des Museums ist,
das all die zahlreichen, überaus wertvollen Schätze bergen wird.
(Ein holländisches Pressemuseum) ist in Amsterdam
eröffnet worden. Die Sammlung ist durch die Vereinigung
der Amsterdamer Presse von dem Begründer van Waalwyk
übernommen.
(Deutsches Museum in München.) Der deutsche
Flugzeugkonstrukteur und Pilot Hans G - a d e, Inhaber der
Hans-Grade-Flugwerke in Bork in der Mark, dessen Flüge
in den Jahren 1909 und 1.91.0 heute noch weiten Kreisen
in Erinnerung sein dürften, hat dem Deutschen Museum
als Eiinnerung an die ersten Erfolge der deutschen Flugtechnik
das Original des von ihm erbauten ersten Sportflugzeuges
des Grade Typs als Geschenk gemacht. Mit
diesem Flugzeug, dessen Motor ebenfalls eine eigene Konstruktion
des Erfinders darstellt, gewann der Erbauer im
Oktober 1909 den von der Firma Heinrich I. a n z in
Mannheim ausgeschriebenen „Lanz-Preis der Lüfte“ in der
überhaupt ersten deutschen großen Flugzeugkonkurrenz.
Vom Kunstmarkt.
(Die dritte Auktion bei S. Ken.de und Schidlof.)
Der zweiten Auktion, die ebenso gut verlief, wie ihre Vorgängerin,
lassen S. Kende und Leo Schidlof in Wien, am
17. Dezember eine dritte folgen, die Ölgemälde, Aquarelle,
Miniaturen erster Meister sowie Antiquitäten aus altadeligem
und anderem Privatbesitz umfaßt. Unter den Ölgemälden
finden wir drei Porträts von Eybl, ein Waldinneres von Gauermann,
zwei Bilder von Ranftl („Bauernpaar“ und „Porträt
eines Mönches“), Emil Jakob Schindler („Motiv aus
Lacroma"), Schmitson („Die Tränke“ und „Spielende
Kinder“), unter den Miniaturen und Aquarellporträts Arbeiten
von Barabas („Porträt eines ungarischen Aristokraten“),
Daffinger (Porträt eines Grafen Wenckheim und Porträt
eines Herrn und einer Frau von Hoffmannsthal), Johann
Ender (drei Porträts), Kriehuber (Porträt einer jungen
Dame) und Bildnis eines Knaben), Friedrich Lieder sen.
(Bildnis einer jungen Dame), Carl von Saar, Adalbert Suchy,
Adolf, Albert und Robert The er, Vieth, Zumsande u. a.
Unter den Antiquitäten befindet sich eine große Altwiener
Prunkvase, ein Renaissance-Speisezimmer, altorientalische
Palmenkübel, ein Fächer auf Schwanenhaut mit reich verziertem
und durchbrochenem Gestell aus Perlmutter mit
figuralischeu Goldauflagen.
(Weihnachtsausstellung.) Unter den Wiener Weihnachtsaussteilungenbeansprucht
die von Gilhofer & Ran sch-