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MAK

Full text : Jahrgang 9 (1917) (3)

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Zentralblatt  für  Sammler,  Liebhaber  und  Kunstfreunde.
Herausgeber:  Norbert  Ehrlich.
9.  Jahrgang.  Wien,  1.  Februar  1917.  Nr.  3.

Wie  sollen  Medaillen  und  Münzen  angefasst  werden?
Von  Hofrat  Konstantin  Danhelovsky  (Wien).

Nur  ein  Nichtsammler  wird  es  müßig  finden,  über
diese  Frage  auch  nur  ein  weiteres  Wort  zu  verlieren,
denn  nach  seiner  Ansicht  werden  Medaillen  und  aite
Münzen  als  körperliche  Dinge  zweifellos  nicht  anders
angefaßt,  als  beliebige  andere  Gegenstände.  Nämlich:
an  jeder  zunächst  zugänglichen  Stelle,  wo  eben  der
Daumen  und  die  übrigen  Greifoigane  der  menschlichen
Hand  derlei  Sachen  anzufühlen  und  zu  betasten  pflegen.
Aber  selbst  manche  Sammler  werden  solcher  Ansicht
huldigen,  gar  nicht  zu  reden  von  der  Schar  nicht
sammelnder,  im  übrigen  aber  durchaus  nicht  ungebildeter ­
  Menschen,  die  aber  auch  bei  entschieden  vorhandener ­
  b  einfühligkeit  für  das.  Wesen  interessanter
Sammelobjekte  dennoch  bei  Beantwortung  dieser  Frage
unweigerlich  in  die  Irre  gehen  werden.
Wie  oft  schon  habe  ich  jemand  irgend  eine  hübsche
Medaille  oder  Münze  aus  meiner  Sammlung  zur  Besichtigung ­
  vorgewiesen,  will  sagen,  in  die  Hand  gegeben ­
  und  wie  oft  habe  ich  mich  dabei  schon  im  voraus
an  der  zu  gewärtigerden  plumpen  Art  des  Zugreifens
geweidet!  Zumeist  ward  hiebei  der  armen  Münze  —
hier  wahrhaftig  als  Opfermünze  zu  bezeichnen  •—•
über  die  beiderseitigen  Prägungen  gefahren,  an  ihr
herumgestreichelt  ttnd  herumgepreßt,  als  wollte  man
sie,  einer  Kaisersemmel  gleich  in  der  märchenhaften
Friedenszeit,  auf  ihre  Mürbheit  prüfen.  Auch  diese
zuletzt  genannte  Gewohnheit  ist  ja  bekanntlich,  nebenbei ­
  gesagt,  ganz  außerordentlich  entzückend.  Wahrend
der  Beäugelung  des  Sammelobjektes  nun  entwickelt
sich  dann  in  der  Regel  leicht  ein  kleines  Facbgespräch
über  das  Stück,  das  unterdes  in  den  Händen  des
Besehenden  zurückzu  bleiben  pflegt.  Da  beginnen  nun
die  nicht  immer  in  Unschuld  gewaschenen  Finger  des
hochverehrten  Beschaueis  an  der  Prägung  zu  tändeln,
zu  quetschen  und  zu  schmieren,  als  wäre  diese  nicht
das  Werk  eines  künstlerisch  hochstehenden  Medailleurs,
sondern  ein  in  Porzellan  gebianntes  Kommißrelicf  auf
einer  Aschentasse  oder  ein  vom  Lebzelter  für  Jahrmarktszwecke ­
  gespritzter  Zieiat  auf  einem  prächtigen
Lebkuchenhcizen,  das  der  fesche  Deutschmeisterkorporal ­
  seiner  verschämt  erglühenden  Köchin  schenkt.
Daß  während  des  erwähnten  „handlichen“  Münz-  oder
Medaillen-Gequetsches  der  Besitzer  einem  besorgten
Vater  ähnelt,  der  bei  Mißhandlung  seines  .  geliebten
Kindes  alle  Farben  spielt,  braucht  nicht  besonders
betont  zu  werden.  Denn  gerade  die  Prägung  offenbart

uns  ja  den  in  Erstarrung  übergegangenen  Kunstgedanken, ­
  sic  ist  sozusagen  der  Blütenstaub,  der  einer
edlen  Blume  erst  den  letzten  Zauber  verleiht.  Selbstverständlich ­
  sind  hier  nicht  kurante  Münzen,  sondern
nur  historische  gemeint,  von  Medaillen  aber  alle,  ob
neu  oder  alt,  was  weiters  wohl  keiner  Erläuterung
bedarf,  weil  eine  Medaille  niemals  einen  Wertmesser
für  den  Handels-  und  Geschäftsverkehr  des  Alltags
bildet.  Also  nur  kursierende  Münzen  kann  man  anfassen, ­
  wie  und  wo  man  will,  wie  -es  gar  nicht  anders
denkbar  ist.  Es  ist  nun  einleuchtend,  daß  die  Aversund
  Reversseiten  antiker  Münzen  und  der  Medaillen
insgesamt  der  schonenden  Behandlung  nicht  entiaten
können.  Die  interessanten  Bilder,  Zeichen  und  Aufschriften ­
  auf  ihnen  strömen  ja  eine  solche  Fülle  der
Belehrung  und  Anregung  aus,  daß  ihre  Deutlichkeit
um  keinen  Preis  verloren  gehen  darf.  So  scheint  es
nur  natürlich,  daß  die  Münzen  des  Altertums,  des
Mittelalters  und  zum  Teil  auch  der  Neuzeit,  insofern
diese  bereits  numismatischen  Charakter  erhielten  —-von
  ihrem  geschichtlichen  Werte  abgesehen  —  eben
erst  je  nach  ihrem  Erhaltungsgrade  als  kostbare  oder
minder  kostbare  gelten.  Wenn  also  beispielsweise  eine
Groß  bronzemünze  des  Kaisers  Hadrian  an  und  für
sich  klassische  Zeugenschaft  über  die  Epoche  76  bis  138
nach  Christus  ablegen  wird,  somit  ihren  unbestreitbaren
Altcrstumswert  hat,  so  ist  anderseits  für  den  geschmackvollen ­
  Sammler  neben  dieser  Geschichtlichkeit  doch
auch  der  Umstand  wichtig,  ob  die  Prägung,  dieser
Hadrianmünze  schon  fast  bis  zur  Unkenntlichkeit
verschifften  ward,  oder  ob  sie  noch  schön  erhalten  oder
vielleicht  gar  von  herrlicher  smaragdgrüner  Patina
überzogen  ist,  die  durch  das  „Scheuern“  pietätloser
Finger  nicht  Schaden  gelitten  hat.  Wird  doch  eine
besser  erhaltene  Münztype  dem  Betrachter  eine  viel
deutlichere  Vorstellung  davon  geben,  was  darauf  verzeichnet ­
  ist,  als  etwa  ein  Metällflachklumpen  —  „Münze“
benannt.—,  worauf  nur  Andeutungen  darüber  enthalten
sind,  daß  dort  einmal  ein  römischer  Kaiserkopf,  ein
Schiffskiel,  eine  auf  einen  Felsen  sitzende  Dacia  usw.
ausgeprägt  waren.  Jeder  Münzen-  und  Medaillenkatalog
  belehrt  uns  dessen,  wie  verschieden  die  Preise
ein  und  derselben  Münztype  sind,  wenn  der  Grad
ihrer  Erhaltung  ins  Auge  gefaßt  wird.  Ja,  sogar  die
Seltenheit  allein  macht  in  diesem  Falle  nicht  glücklich.
Auch  der  Reiz  der  Schönheit  muß  sich  zu  ihr  gesellen,
            
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