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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 3
1871 von Richard Simpson vermutungsweise Shakespeare
zugeschrieben worden — eine Konjektur, die vom gelehrten
Biographen Bacons, Spedding, übernommen wurde. Sir
Edward Maunde Thompson hat es nun unternommen, diese
Vermutung nach den Methoden wissenschaftlicher Hand
schriftenkunde zu prüfen. Er verglich die Handschrift des
Manuskripts mit den sechs bekannten Unterschriften Shakes
peares, von denen sich drei auf legalen Urkunden, drei auf
seinem Testament befinden. Sein Urteil lautet für die An
nahme bestätigend. Eine seltsam aktuelle Stelle des Manus
kripts lautet:
Denkt nur, sie wären fortgejagt, ihr hättet
In Grund gekeift die Majestät von England —
Und stellt euch weiter vor, ihr säht die Schar
Der Fremdlinge, die Kindlein auf den Rücken,
Ihr elendes Gepäck kläglich zum Hafen schleppen —
Euch selbst, gleich Königen in Wünschen thronend,
Stumm das Gesetz betäubt von eurem Toben.
Und ihr, im Prunkkleid eurer Meinung prangend —
Was hättet ihr erreicht? Ich sag’ es euch:
Ihr wähntet, Frechheit und Gewalttat herrsche,
Ordnung erliege — doch, bei solchem Vorbild,
Niemand von euch erlebte Mannesreife.
Denn andere Strolche, wenn die Laune triebe,
Und mit denselben Händen, Gründen, Rechten
Beraubten euch und gleich gefräß’gen Fischen
Füttert’ ein Mensch den andern.
Die dichterische Kraft der Stelle unterstützt die subtile
Beweisführung Sir Thompsons für die Identität der Hand
schrift. Man darf also in der Tat annehmen, daß das British
Museum das erste Manuskript birgt, das, von den Unter
schriften abgesehen, Shakespeare zugeschrieben werden kann.
Numismatik.
(Notgeld.) Die Stadt Schneidemühl hat Notgeld aus
Metall prägen lassen. —Die Ger aer Stadtverwaltung ist mit
der dortigen Straßenbahngesellschaft wegen leihweiser Über
lassung ihrer aus Metall bestehenden Fahrmarken in Verbindung
getreten, die als Zehnpfennigstücke Verwendung finden sollen. —
Die Rosenheimer Stadtverwaltung hat beschlossen, für
IS.000 Mark Notgeld in Fünf- Zehn- und Fünfzigpfennig-
stücken prägen zu lassen. Der Rosenheimer Geschäftswelt
soll dieses Geld gegen 1 % Agio überlassen werden.
(Münzenfund.) Aus Pilsen wird uns berichtet: In der
Gemeinde Hrdzen -war vor einiger Zeit ein Haus nieder
gebrannt. Ais man mit dem Baue des neuen Hauses begann,
stießen die Maurer auf ein Gefäß mit einer ganzen Menge
alter Silbermünzen; in einem anderen Teile wurde ein ganz
vermoderter Ärmel einer Frauenjacke gefunden, der gleich
falls mit verschiedenen Münzen aus der Zeit Kaiser Karls IV.
und der Kaiserin Maria Theresia ausgefüllt war. Man
nimmt an, daß die Münzen während der unruhigen Zeiten im
18. Jahrhundert versteckt worden waren.
Philatelie.
(Neue Marken von Liechtenstein.) In den nächsten
Tagen kommen neue Briefmarken von Liechtenstein in
Verkehr. Das Postregal wird in Liechtenstein bekanntlich
durch Österreich ausgeübt und die Portqerhöhung mußte
natürlich auch hier durchgeführt werden. Es werden zwei
neue Freimarkenwerte herausgegeben, eine 3 Heller-Märke
und eine 15 Heller-Marke, die in der Farbentönung den ent
sprechenden Werten der österreichischen Briefmarken gleichen.
Die violette 3 Heller-Marke wird das Wappenschild des Fürsten
tums tragen (Geviert mit unten eingepfropfter Spitze und
Herzschild mit den sechs Wappen von Liechtenstein, Schlesien,
Khuenring, Herzogtum Troppau, Ostfreisland und Jägern-
dorf), während die rote 15 Heller-Marke das Bildnis des re
gierenden Fürsten Johann II. zeigt. Die neuen Marken wurden
in der Wiener Hof- und Staatsdruckerei hergestellt.
(Regimentsbriefmarken.) Eine interessante Brief
markenneuigkeit wird aus Frankreich gemeldet: Die fran
zösische Postverwaltung hat allen im Felde stehenden
Regimentern das Recht verliehen, für Soldatenbriefe be
sondere, von den gewöhnlichen Postwertzeichen verschiedene
Briefmarken zu verwenden; jedes Regiment läßt sich eigene
Briefmarken hersteilen, deren Wert von 5 Centimes bis zu
2 Francs geht. Da diese Briefmarken nur während des gegen
wärtigen Krieges benützt werden dürfen, so werden sie zweifel
los zu Seltenheiten werden, weshalb sie schon jetzt großen
Absatz erzielen. Da es aber mehrere hundert französische
Regimenter gibt, so werden die Markensammler alle Hände
voll zu tun haben, um sich die vollständige Sammlung dieser
französischen Regimentsbriefmarken zu verschaffen.
(Auktion in London.) Aus Amsterdam wird berichtet:
Die Londoner Briefmarkenfirma Puttich and Simpson, die
bedeutendste in England, wird demnächst eine Briefmarken
auktion von ausschließlich seltenen, nur in wenigen Exem
plaren vorhandenen Briefmarken veranstalten. Den inter
essantesten Verkaufsgegenstand wird ein einziges Exemplar
der orangefarbenen 20 Cent-Marke des Staates fasmania
vom Jahre 1853 bilden, wovon nur in den fünf oder sechs
reichsten Sammlungen ein Exemplar zu finden ist. Die Marke
ist gänzlich unbeschädigt und man zweifelt nicht daran, daß
sie einen ähnlich hohen Preis erzielen wird, wie die 10 Cent-Insel
Maurituis-Marke vom Jahre 1851, die beim Verkaufe der
genannten Londoner Firma im Jahre 1904 um nicht weniger
als 1450 Pfund Sterling (37.500 K) vom damaligen König
Eduard VII. erstanden wurde, um sie seiner fast vollständigen
Briefmarkensammlung einzuverleiben.
Verschiedenes.
(Die Ausstellung von Kriegsgraphik in Wien)
wird am 10. Februar durch Kaiser Karl eröffnet werden.
(Ein Bronzez ei t fund in der Altmark.) Ein bronze
zeitliches Gräberfeld aus der ältesten Bronzezeit ist jetzt
auf dem Weinberge bei Möser im Kreise Jerichow gefunden
worden. Es enthält Tongefäße und einen Depotfund von
sieben Ringen. Die Stücke wurden der vorgeschichtlichen
Abteilung des Berliner Museums für Völkerkunde überwiesen.
(Ausstellung „Deutsche Luftkriegsbeute".) Aus
Berlin wird uns geschrieben: Die Ausstellung „Deutsche
Luftkriegsbeute", die Mitte Februar in der Ausstellungs
halle am Zoo eröffnet wird, soll der Öffentlichkeit ein Bild
davon geben, was unsere Flieger und Luftschiffer in diesem
Kriege geleistet und inwieweit sie sich die Vorherrschaft im
Luftkriege über unsere Gegner errungen haben. Deutsche
Flugapparate werden aus militärischen Gründen nicht aus
gestellt werden, dagegen eine große Anzahl von herabge
schossenen englischen, französischen und russischen Flug
apparaten aller Typen. Wie wir hören, werden auch die Gondel
des französischen Luftschiffes „Alsace“ und ein russischer
Fesselballon zur Ausstellung gelangen. Ein reichhaltiges Bilder
material wird dem Besucher einen Überblick sowohl in wissen
schaftlicher wie technischer Hinsicht über den Stand der
deutschen Luftfahrt geben.
(Gemäldediebstahl.) ln der Nacht zum 29. Dezember
ist in das Atelier des verstorbenen Professors Dü eher in der
Königlichen Kunstakademie in Düsseldorf eingebrochen
worden. Es wurden 16 wertvolle Gemälde gestohlen: 1. Nord
seelandschaft, Abendstimmung, 2. Heidelandschaft mit Heide
kraut, 3. Boote am Watt, 4. Sonnenbeschienenes Watt,
5. Fischerboot am Strande in Katwijk (Holland), 6. Boot mit
Pferden, 7. Schäfer mit Schafen auf dem Landungssteg einer
Fähre, 8. Waldlandschaft an der Ostsee, 9. Ostseestrand, Düne
mit überhängendem Baum, 10. Baum in der Heide, II. Dünen
landschaft, 12. Baumgruppe, 13. Strand mit Steinen, 14. Baum
gruppe aul der Insel, 15, Dorfstraße und 16, Ostseestrand mit
Steinen. Die Bilder waren sämtlich mit dem Namen des Malers