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MAK

Full text : Jahrgang 9 (1917) (4)

Seite  34

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  4

Alte  Wiener  Gläser.

Das  Interesse  der  Wiener  Sammler  hat  sich  in  der
letzten  Zeit  den  Arbeiten  der  Wiener  Hohlglasmaler
zugewendet,  was  naturgemäß  eine  erhebliche  Preissteigerung ­
  der  immer  begehrteren  und  immer  seltener
werdenden  besseren  Stücke  zur  Folge  haben  mußte.
Daß  die  geforderten  und  auch  angenommenen  Preise
jedoch  eine  derartige  oft  schwer  begreifliche  Höhe
erreichen  würden,  wie  letzthin  auf  den  großen  hiesigen
Versteigerungen,  hat  selbst  genaue  Kenner  der  einschlägigen ­
  Verhältnisse  überrascht.  Auf  der  Auktion
Dr.  Köhler,  von  der  noch  die  Rede  sein  wird,  erreichten
die  wertvolleren  Wiener  Gläser  Höchstpreise,  wie
solche  vorher  auch  nicht  einmal  annähernd  gezahlt
worden  waren.  Das  „Mildner“-Glas  (Kat.-Nr.  673)  mit
dem  Porträt  des  Josef  von  Fürnberg  wurde  mit  K  3700
bezahlt.  Es  trug  die  Inschrift:  „Verfertiget  zu  Gutenbrunn ­
  im  Fürnberg-Großen  Weinspergwakl  1790.  Von
Mildner."  Josef  von  Fürnberg  errichtete  die  unweit
seines  Schlosses  Lubereck  gelegene  Gutenbrunner  Glashütte, ­
  in  der  Mildner  arbeitete.  Ein  anderes  „Mildner“-Glas
  (Kat.-Nr.  694)  mit  Medaillon,  „Soldat  und  Mädchen“, ­
  und  der  Inschrift:  „Soldaten  die  Lieben  aufrichtig ­
  und  frey,  drum  wann  Sie  mich  lieben  will,
Say  sie  es  frey,  mein  Freyes  Herz  Schänke  ich  ihr.
1790"  wurde  mit  K  2850  erstanden.  Ein  drittes,  beschädigtes ­
  (Kat.-Nr.  697)  mit  dem  Bilde  des  heiligen

Franziskus  Xaverius  war  schon  für  K  500  zu  haben.
Ein  viertes,  kleineres,  ganz  einfaches,  nur  mit  den
verschlungenen  Buchstaben  „E.  W.“  geziertes  von
1792  erreichte  —  K  2800.
Aber  nicht  allein  die  Mildner-Gläser,  auch  die  des
alten  Wieners  Anton  Kothgasser  (geboren  Wien
1796)  erzielten  hohe  Preise;  so  dessen  Glas  in  Empireform ­
  mit  dem  auf  dem  Regenbogen  schreitenden
Engel  (Kat.-Nr.  730)  K  1300  und  ein  anderes  (Kat.-Nr.
  734)  mit  einer  Darstellung  der  Hoffnung  K  1400.
Die  sogenannten  „Moh  n“-Gläser  (Gottlob  Samuel
Mohn,  Glasmaler,  geboren  1789  zu  Weißenfels,  gestorben ­
  1825  zu  Laxenburg,  wo  er  lange  gearbeitet
hatte),  wurden  auch  sehr  hoch  gewertet.  Sein  Glaspokal, ­
  Fuß  durch  Bronze  ersetzt,  mit  Ansicht  des
Schlosses  Fevstritz,  signiert  „Mohn  pxt.  1815“,  wurde
bis  auf  K  1800  gesteigert  und  ein  Trinkglas  von  1812
mit  der  Ansicht  des  St.  Stephans-Doms  (Kat.-Nr.  692)
erreichte  K  1400.  Das  sind  Preise,  von  denen  Mildner,
Kothgasser  und  Mohn  in  ihren  kühnsten  Träumen
nichts  ahnten.  Waren  doch  noch  vor  wenigen  Jahren
derartige,  jetzt  so  hoch  hinaufgetriebene  Arbeiten  der
alten  Wiener  Glasschleifer  und  -Maler  für  ganz  bescheidene ­
  kleine  Preise  zu  haben  und  jedem  kleinen.
Sammler  leicht  erreichbar.  Nun  können  häufig  nicht
einmal  die  großen  öffentlichen  Museen  mehr  mit.

Chronik.

Bibliophilie.
(Die  Deutsche  Bücherei  in  Belgien.)  Im  Gebäude
der  Bildungszentrale  in  Brüssel  ist  jetzt  die  „Deutsche
Bücherei  in  Belgien“  eröffnet  worden.  Sie  ist  auf  vielfältige
Anregungen,  die  von  den  Besatzungstruppen  und  von  der
Deutschen  Kolonie  geäußert  wurden,  gegründet  worden,
und  soll  ebenso  den  Angehörigen  des  Heeres  und  der  Zivih
verwaltung  wie  den  in  Belgien  wohnenden  Deutschen  dienen,
die  zum  Unterschied  von  den  beamteten  Benutzern  eine
kleine  Leihgebühr  zu  zahlen  haben.  6000  Bücher  sind  vorläufig ­
  da,  zur  Hälfte  schöngeistige,  zur  anderen  Hälfte  belehrende ­
  Werke.  In  der  ersten  Gruppe  hat  die  vlämische
Literatur  einen  ehrenvollen  Platz.  Die  Klassiker,  aber  auch  die
Neuesten  und  Allerneuesten  sind  reich  vertreten,  nicht  nur
die  deutschen,  sondern  auch  die  großen  des  Auslandes,  natürlich
auch  des  feindlichen.  In  der  belehrenden  Abteilung  kann  man
aus  allen  hauptsächlichen  Wissenschaftsgebieten  und  Techniken
Werke  finden.
Bilder,
(Aus  Böcklins  Nachlaß.)  Die  Familie  Böcklin  hat
im  Züricher  Kunsthaus  eine  stattliche  Anzahl  nachgelassener, ­
  zumeist  bisher  noch  nicht  ausgestellter  Bilder  und
Zeichnungen  des  Meisters  hinterlegt,  die  Einblicke  in  Böcklins
Schaffensart  gestatten.  Krokis,  Skizzen,  Entwürfe,  halb  und
ganz  vollendete  Bilder  —  alle  Studien  des  Werdeprozesses
sind  vertreten.  Unter  den  Bildern  fallen  zunächst  einige  Porträte ­
  auf:  ein  in  der  Komposition  an  Veronese  sich  anlehnendes
Selbstporträt  aus  der  Weimarer  Zeit,  zwei  kleine  gokltonige
Bildnisse  der  Frau  Böcklin,  ein  winziges!,.  fein,  empfundenes
und.  ergreifendes  Bildchen  der  Töchter  Bianca,  ein  anderes
des  Sohnes  Arnold,  lebensvoll,  in  leichten  Tönen,  rosig,  zart,
auf  bfaßblauem  Grund,  das  feinabgetönte  prächtige  Porträt

der  Tochter  Lucia,  ein  scharmantes  kleines  Bildnis  cks  Sohnes
Federigo  (1858),  zwei  edle  unvollendete  Bildnisse  der  Tochter
Klara  (Frau  Bruckmann)  aus  den  Münchner  und  Florentiner
Jahren,  von  denen  das  kleinere  von  seltsam  melancholischer
Stimmung  erfüllt  ist.  Aufschlußreich  für  Böcklins  Technik
sind  eine  unfertige  „Kalypso“,  eine  stark  dekorative  „Melpo'mene“,
  die  leider  gleichfalls  Fragment  geblieben  ist,  und
eine  Zeichnung  zur  Zürcher  Fassung  des  „Krieges“.
Exlibris.
(Exlibris  Karl  von  Mueller.)  Professor  Friedrich
von  Kall  morgen  hat  für  Karl  von  Mueller,  den
berühmten  Führer  der  „Emden“  ein  geschmackvolles
Exlibris  radiert,  das  auch  Sammlern  zugänglich  ist.  Abdrücke
sind  zum  Preise  von  M  3.—  von  der  Kunsthandlung
Jungklaus  und  S  t  r  e  e  f  e  in  Blankenburg  am  Harz
zu  beziehen.
Medaillen.
(Eine  Luther-  und  Reformationsmedaille)  gibt  das
thüringer  Museum  in  Eisenach  zur  vierten  Jahrhundertfeier ­
  der  Reformation  heraus.  Die  in  Eisen  gegossene  Medaille
ist  von  Prof.  Georg  Römer  in  München.  Die  Vorderseite  zeigt
ein  Lutherbildnis  mit  dem  umlaufenden  Wahlspruch:  „Gottes
Wort  bleibt  in  Ewigkeit“.  Die  Rückseite  weist  die  Wappen
aller  Lutherstätten  (Eislebeii,  Eisenach,  Erfurt,  Wittenberg,
Worms,  Koburg)  auf.  Im  Mittelgrund  ragt  die  Wartburg.
Der  Durchmesser  der  Jubiläumsmedaille  beträgt  70  mm,  das
Hochprofil  Luthers  erhebt  sich  auf  9  mm.  Die  Stadtwappen
sind  nach  Entwurf  des  Prof,  A.  M.  Hildebrand  in  Berlin
in  Pla.chprofil  gehalten.  Die  Jahreszahlen  1517  und  1917
deuten  auf  die  Jubiläumsfeier  hin.
            
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