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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. <i 
Die Bibliothek des Hofrates König. 
Am 27. April werden es zwei Jahre, daß einer unserer 
größten Baukünstler Karl König, von Schauplatze seiner 
segensreichen Tätigkeit abberufen wurde. Königs Namen 
ist mit der modernen Architekturgeschichte Wiens auf 
das innigste verknüpft. Eine Reihe von Prachtbauten 
(die Frucht- und Mehlbörse, das Indusfriehaus, der 
Philipphof, das Herbersteinpalais u. a.) sind Meister 
werke seiner Konzeption, monumentale Erinnerungen 
an den großen Baukünstler Karl König, der die Tradi 
tion der alten österreichischen barocken Baukunst mit einer 
geheiligten Pietät, dabei in ungebundener, rein persönlicher 
Auffassung hochhielt. 
Der Geschmack, mit dem König seine Werke geschaffen 
hat, spiegelt sich auch in seiner am 23. und 24. d. M. 
durch Gilhofer & Ranschburg zur Versteigerung ge 
langenden Bibliothek wieder. Jedes seiner Bücher, möge er 
es als Werkzeugsapparat für seine Tätigkeit afs Baumeister 
und Lehrer oder zur Befriedigung seiner Lernbegierde 
auf allen Gebieten der Kunst und der Wissenschaften 
erworben haben, erinnert an den feingcbildeten Künstler. 
Ein Aufsatz aus der Feder des bekannten Architekten Doktor ; 
Stefan Fayans aus Anlaß seines 70. Geburtstages sagte von 
ihm mit vollem Recht: „Sein tiefes, konkretes Wissen erstreckt 
sich nicht allein auf Gebiete der Baukunst. Die Kunstge 
schichte aller Völker und Länder ist ihm ein offenes Buch. 
Er vereinigt in sich die Vorzüge eines Baukünstlers des Cin 
quecento, der mit allen Schwesterkünsten wohl vertraut war.“ 
Die Hauptwerke der Baukunst, wie sie die Weltliteratur hervor 
gebracht hat, die reich mit Stichen versehenen Erzeugnisse ; 
deutscher, österreichischer, französischer, italienischer und 
englischer Autoren, das Gesamtgebiet der bildenden Künste 
und der Kunstgeschichte umfassende Werke vereinigen sich j 
in der Bibliothek Königs mit einer Reihe von Seltenheiten » 
der allgemeinen Literatur zu einem Bilde eines Bücherfreundes ( 
ersten Ranges. 
Außer den gesuchten Werken der schönen und gefälligen 
französischen Ornamentkunst des 17. und 18. Jahrhunderts 
(wie zum Beispiel Blondel, Boffranrl, Choffard, Cuvillies, 
Delafosse, Le Pautre, Marot, Neufforge usw.-j finden wir 
in der Bibliothek Königs eine große Serie von seltenen 
Ansichtenwerken französischer, englischer, holländischer, ita 
lienischer, deutscher und österreichischer Provenienz. Die 
Abteilung „Kunst und Kunstgeschichte“ enthält eine große 
Anzahl von Monographien über Künstler und ihre Arbeiten, 
die Abteilung „Altertumskunde“ eine Reihe von seltenen 
einschlägigen Werken. 
Eine im Kataloge unter dem Schlagwort „Verschiedene 
Seltenheiten. Alte Drucke“ verzeichnete Abteilung weist 
eine Anzahl von Merkwürdigkeiten, wie zum Beispiel 
das Ritterstandsdiplom des Dichters Alxinger, eine bisher 
nicht beschriebene Variante des sogenannten Faustschen 
Höllenzwanges, eine sehr seltene Boccaccio-Ausgabe aus dem 
Jahre 1527, zahlreiche Raritäten aus dem Gebiete der Austriaca 
und Viennensia, Reisewerke aus dem 17. und 18. Jahrhundert 
und anderes auf. 
Am Schlüsse des Kataloges befinden sich die, nur 
als Ganzes zum Verkaufe gelangende Sammlung von 
Versteigerungs-, Ausstellungs- und Galerie-Katalogen von 
etwa 1500 Nummern, der berühmte Königsche Katalog 
apparat, der von den Kunsthistorikern des öfteren benützt 
(so zum Beispiel von Frimmel für sein Lexikon der Wiener 
Gemäldesammlungen), in seinem für die Kunstgeschichte 
hochwichtigen Inhalt jedoch noch nicht erschöpfend be 
handelt wurde. Die Sammlung beginnt mit dem Jahre 1744 
und ist nach Orten und innerhalb derselben chronologisch 
geordnet. Es wäre wünschenswert, daß diese wertvolle Samm 
lung einer öffentlich zugänglichen Bibliothek einverleibt 
: werde. 
Die Firma Gilhofer & Ranschburg kündigt gleichzeitig 
; für den Monat April auch die Versteigerung des zweiten 
Teiles der Sammlung König, enthaltend Ölgemälde des 
15. bis 19. Jahrhunderts, Handzeichnungen und Anti 
quitäten, an. 
Chronik. 
Autographen. 
(Autogramme von Hindenburg.) Der Adjutant des 
Generalfeldmarschalls von Hindenburg hat an den Bürger 
meister von Wien, Dr. Weiskirchner, nachstehendes Schreiben 
gerichtet: „Es läuft täglich eine gewisse Zahl Bittgesuche 
von Schülern der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien ein 
um Übersendung von Autogrammen des Generalfeldmarschalls 
von Hindenburg, die grundsätzlich keine Berücksichtigung 
finden können. Euer Exzellenz bittet Unterzeichneter sehr 
ergebenst, im Hinblick auf die Nutzlosigkeit dieser Schreiben 
und in Rücksichtnahme auf überflüssige Belastung beider 
seitiger Postanstalten die dortigen Schulbehörden darauf 
aufmerksam machen zu wollen, daß Seine Exzellenz der Herr 
Chef bei der überaus großen Inanspruchnahme seiner Zeit 
leider nicht in der Lage ist, auf die Wünsche der Schüler 
einzugehen," 
Bibliophilie. 
(Die Bibliotheca Corvina.) Aus Berlin wird uns 
geschrieben: Auf dem letzten Bibliophilenabend hielt Professor 
Dr. Gragger, der Inhaber des neuerrichteten Lehrstuhls 
für Ungarisch an unserer Universität, einen sehr interessanten 
Vortrag über die Bibliotheca Corvina. Dr. Gragger zeichnete 
lebensvoll die Persönlichkeit Matthias Corvinus, eines echten 
Renaissancefrießen, und seiner künstlerischen und wissen 
schaftlichen Helfer. Unter den Bibliothekaren der kostbaren, 
mit höchstem Aufwand zustande gebrachten Haupt- 
schriften-Sammlung, deren Größe Gragger mit kritischer 
Vorsicht nicht über 2000 ansetzen möchte, findet sich auch 
ein berühmter deutscher Johann Regiomontanus. Dem 
künstlerischen Wert der Handschriften, bei denen die ersten 
Italiener mitwirkten, entspricht der Wert der Texte nicht: 
ließ doch der König gut lesbare, nicht aber besonders alte Texte 
abschreiben. Die traurige Zersplitterung der Bibliothek, die 
später durch Schenkungen, Diebstahl, Plünderungen in alle 
Winde verweht wurde, könnte die Meinung erwecken, als ob 
Matthias Corvinus nur ein Meteor gewesen sei; dem widerspricht 
Uragger, er weist mit Recht darauf hin, daß Conrad Celtes, 
der berühmte Humanist, noch nach dem Tode des großen 
Königs eine literarische Gesellschaft in der ungarischer 
Krönungsstadt gründen konnte. Ein nicht unwesentlicher 
Teil der Corvina war bei der Eroberung Ofens durch die Türken 
nach Konstantinopel verschleppt worden; was sich von diesen 
Schätzen noch vorfand, gab der Sultan Abdul Harnid 1877
	        
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