Nr. 6
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Internationale Sammler-Zeitung
den Ungarn als ein Geschenk wieder. So kehrten sie, leider
neu eingebunden, an ihre alte Stätte zurück. Außer Pest
besitzt die Wiener Hofbibliothek einige echte Corvinische
Handschriften, deren nachweisbare Gesamtzahl Gragger auf
1.16 schätzt, sie kamen durch Cuspinian Dorthin. Einige
Exemplare finden sich ferner in Wolfenbüttel, München;
ein besonders wertvoller Codex im Brüssel. In der dem Vor
trage folgende Besprechung erinnerte Dr. Behrend daran,
daß sich schon Kl opstock bemühte, der im Serail zu Kon
stantinopel ruhenden, märchenhaften Sammlung auf die
Spur zu kommen, und daß diesem Zweck sein letzter noch
erhaltener Brief galt.
Bilder.
(Eine spanische Bildersammlung verbrannt.) In
Madrid ist der Palast des Marquis Cazagno (Camarasa (?),
in dem sich eine der kostbarsten Privatgalerien Spaniens
befand, aus unbekannter Ursache abgebrannt. Das berühmte
Bild vom Grecco ,,Dreifaltigkeit“ ist vernichtet, ferner
mehrere Murillos und Goyas. Der Schaden beträgt zwei
Millionen Pesetas.
(Entdeckung eines Bildnisses von Frans Hals.)
Aus dem Haag wird gemeldet: Der Direktor des Frans Hals-
Museums in Harlem, Gratama, hat bei einer Amsterdamer
Firma ein Männerbildnis entdeckt, das, wie er feststellte,
von der Hand des Frans Hals stammt. Uas Bild ist im Jahre
1631 gemalt und stellt ein Mitglied der Familie Van Bredehoff
dar. Das neu gefundene Bild ist einigermaßen oberflächlich
gemalt und gehört nicht zu den. besten Bildern des Meisters.
Exlibris. ;
(Neue Arbeiten von Sepp Frank.) Im Roland-,
Verlag, München-Pasing, hat der junge Radierer Sepp Frank;
eine zweite Folge mit zehn Exlibris erscheinen lassen. Bedeutete;
schon die erste Mappe eine überraschend starke Talentprobe,
so wird die neue Folge, in der manche frühere barocke Bizar-;
rerien und Einfälle verschwunden sind und in der die reiche
Phantasie des Künstlers in der Üppigkeit der Motiverfindung;
sich etwas gebändigt zeigt, einen weiter gezogenen Kreis von
Liebhabern finden. Die ausschweifend romantischen Elemente,
das Spielen mit den Emblemen des Todes, Schädel und Gerippe,
sind zürückgetreten, das reich ausgebildete Ornamentsw'erk,
das oftmals das ganze Blatt zu überwuchern schien, tritt nicht
mehr beherrschend auf, so daß die Blätter größere Ruhe und
Geschlossenheit bekommen haben und so dem dekorativen
Zweck des Bucheignerzeichens gut entsprechen. Auch die
technischen Mittel schmiegen sich dem leichteren, freieren
Format des Exlibris mehr an, der Strich ist duftig und zart
geworden. Zu den feinsten Blättern gehören das Exlibris Dietz,
eine kauernde weibliche Gestalt, deren ausgebreitetes Gewand
einen sehr vornehmen Rhythmus anschlägt sowie das Blatt
Feuchtwanger, zwei in Felsgestein verkrampfte Hände.
Numismatik.
(Geldmünzen aus Blech.) Die Stadt Pau in Süd
frankreich hatte beschlossen, Soustücke aus Stahl für den
Ortsverkehr hersteilen zu lassen. Aber die Handelskammer in
Bayonne legte Verwahrung gegen die Ausführung des Be
schlusses ein. Die Handelskammer läßt jetzt für das ganze
Departement (es ist das Departement der niederen Pyrenäen)
für eineinhalb Millionen Franken Kleingeld, nämlich Fünf-
und Zehn-Centimes-Stücke — aus Blech hersteilen. Die An
fertigung- geschieht in Arudy.
(Ein Hungertaler aus dem Jahre 1847.) Bei der
Feldarbeit auf einem Acker in Gütersloh wurde ein soge
nannter Hungertaler gefunden, der an die schlimme Zeit
des Jahres 1847 erinnert. Die Münze ist aus Blei verfertigt
und im Durchmesser ungefähr 4-5 cm groß. Auf der Vorder
seite liest man die Überschrift: „Große Teuerung wenig
Nahrung", und darunter befinden sich die Worte: „Unser
täglich Brot gib uns heute“. Zwischen diesen beiden Inschriften
; ist ein Bild geprägt, das eine unter einem verdorrten Baum
verschmachtend zusammengesunkene Frau zeigt, der ein
Engel Speise überreicht. Auf der Rückseite des Hungertalers
liest man: „Im Jahre 1847 galt in Westfalen der Sack oder
zwei Pr. Scheffel Weitzen 12 Rt„ Roggen 12 Rt„ Gerste 8 Rt„
Hafer 8 Rt„ Erbsen 9 Rt„ Kartoffeln 4 2 /VRt.“
Philatelie.
(Keine deutschen Kriegsmarken.) Der vom deutschen
Reichstag zum Beschluß erhobene Vorschlag, dem Reiche
durch den Vertrieb von Kriegsbriefmarken in Form einer
freiwilligen Abgabe Einnahmen zuzuführen, hat, wie man uns
aus Berlin meldet, nicht die Zustimmung des Bundesrats
erfahren, da der Verkauf der Marken eine neue Belastung der
Post bedeutet hätte.
(Umgehung des Einfuhrverbots für ausländi
sche Briefmarken.) Berliner Blätter berichten: Ausländi
sche Briefmarken gehören bekanntlich zu den Gegenständen,
deren Einfuhr verboten ist. Dieses Verbot wird in erheb
lichem Umfärig dadurch umgangen, daß ausländische Brief
markenhändler die Briefmarken auf Briefumschläge oder Post
karten kleben und diese in großer Anzahl ihren Geschäfts
freunden in Deutschland übersenden. Besonders geschieht dies
durch türkische Händler. So haben zwei Leipziger Firmen
an einem Tage von einem Briefmarkenhändler in Konstanti
nopel 35 solcher Briefumschläge im Werte von M 184 und
6 Briefumschläge im Werte von M 25.— erhalten. Die beiden
Posten sind von den Postämtern den Zollstellen vorgelegt
worden. In vielen anderen Fällen haben aber die Postämter
und die militärischen Postüberwachungsstellen solcher
Sendungen den Empfängern ausgehändigt. Auf diese Weise
ist es möglich gewesen, daß ein Leipziger Haus für etwa
M 57.000 und ein anderes für etwa M 2600 aus
ländische Briefmarken dem Einfuhrverbote zuwider
eingeführt hat. Dabei ist von Briefmarkenhändlern die Be
hauptung verbreitet worden, die Einfuhr türkischer Brief
marken sei allgemein zugelassen. Dies trifft natürlich nicht
zu. Man denkt dabei wohl daran, daß der Handel mit Brief
marken aus den Ländern unserer Verbündeten erlaubt ist.
Das Reichsschatzamt hat die sächsischen Zollstellen hiervon
verständigt. Auch ist die Reichs-Postverwaltung auf den
Gegenstand aufmerksam gemacht worden.
Vivatbänder.
(Ein PrachtbancI für die österreichische Gen
darmerie.) In der Ausstellung für Kriegsgraphik in Wien,
die wir erst in der nächsten Nummer würdigen können, fällt
ein prachtvolles Vivatband auf, das zugunsten des Unter
stützungsfonds der österreichischen Gendarmeriemannschaft
hergestellt wurde. Die Idee dazu stammt vom Sektionsrat im
Landesverteidigungsministerium, Oberleutnant i. d.E., Dr.Emil
Edlen von Horrak, der ein Sohn des unvergeßlichen General
inspektors der Gendarmerie, G. d. T. Johann Edlen von
H orrak, damit einen schönen Pietätsakt geübt hat. Die
Ausführung lag in guten Händen. Sie hatte der Kunstmaler
Eduard Adrian Dussek übernommen, cler durch die viel
fachen Ausstellungen des Kriegspressequartiers und durch
die Reproduktionen seiner Bilder aus Serbien und vom Isonzo
aufs vorteilhafteste bekannt ist. Das Vivatband zeigt zwei
Gendarmen, die an den Tiroler Grenzbergen Ausschau nach
dem Feinde halten. In den Blicken und den geballten Fäusten
malt sich der Grimm der wackeren Grenzwächter über die
Treulosigkeit der Welschen. Oberhalb des sehr wirksamen
Bildes ist das Medaillon des verewigten Kaisers Franz Joseph,
unterhalb desselben der Reichsadler angebracht. Die Inschrift
lautet: „Vivat die k. k. Gendarmerie, zugunsten der Unter
stützungskasse für die k. k. Gendarmeriemannschaft. Welt
krieg 1914—-15—16“. Bei Neuausgaben wird wohl auch 17
dazukommen. Das Vivatband kann in weißer oder gelber
Seide zum Preise von einer Krone pro Stück in der Aus
stellung bestellt werden.