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Internationale Sammler- Zeitung
Nr. 7
Vom Kunstmarkt.
(Der Nachlaß des Professors von Wierusz-Ivo-
walski.) Man schreibt uns aus München: Es wird den Mün
chenern bald Gelegenheit geboten werden, den künstlerischen
Nachlaß des Prof, von Wierusz-Kowalski bei Hugo Hel
bing zu sehen. Seit dem 1916 erfolgten Tode des Künstlers
herrschte die regste Nachfrage nach dessen Werken und
wurden aus dem freien Handel sowohl, wie aus Privatbcsitz
zu bedeutenden Preisen Kowalskische Bilder erstanden.
Der Nachlaß umfaßt in der Hauptsache Gemälde und Studien,
die bisher der Allgemeinheit nicht bekannt geworden sind, da
sie der Künstler eigentlich für sich und seine Familie geschaffen
hat. Der Tod hat nun auch hier mit rauher Hand eingegriffen
und die Auflösung des Ateliers bedingt. Kowalski befaßte sich
hauptsächlich mit der Schilderung des Lebens des polnischen
Bauern Volkes; seine Hochzeitsfahrten zeigen uns die Pferde
in vollster Bewegung und lassen die Buntheit der polnischen
Tracht so recht zur Geltung kommen. Einen interessanten
historischen Moment hat der Künstler in der „Flucht Napo
leons in der Troika“ festgehalten. Finsteren Blickes sitzt der
Welteroberer in dem ärmlichen Gefährt. „Raufende Wölfe“
und „Wolf auf der Lauer“ legen Zeugnis von dem genauen
Studium der Steppenbewohner ab. Die „Diana mit Hunden“
und das Bild ,,Tm Parke“ weichen von der gewohnten Art
des Künstlers ab und lehren ihn uns von einer neuen Seite
kennen. Die arabischen Motive „Arabischer Scheik“, ,,Bedu
inenattacke“ und „Arabische Frauen“ sind das Ergebnis
einer eingehenden Studienreise nach Afrika. — Die gleich
zeitig mit dem Nachlaß Wierusz-Kowalski zur Ausstellung
gelangende Sammlung „Moderne Gemälde“ wird ebenfalls
großes Interesse erregen, sind in ihr doch die bedeutendsten
Künstler nicht nur dem Namen nach, sondern auch in Qualität
auf das vorteilhafteste vertreten. Wenn hier die Namen wie
Andreas und Oswald Achenbach, L. Dill, C. Ebert, Julius
Adam, Theod. Alt, Anton Benger, Lovis Corinth, A. Defregger,
W. von Diez, A. Gebier, A. Kodier, Hugo Kauffmann, W. von
Kaulbach, A. von Keller, A. Lier, L. von Lefft, G. von Max,
A. Oberländer, Ed. Schleich sr., August Seidel, C. Seiler,
O. Stäbli, Hans Thoma, W. Trübner, J. Wenglein genannt
werden, so ist damit schon ein ungefähres Bild des zu Erwar
tenden gegeben. Die Ausstellung der beiden Sammlungen
findet in der Galerie Helbing am 25., 26. und 27. April statt.
Die Versteigerung reiht sich am 28. April in der Weise an,
daß der Nachlaß Kowalski vormittags von 10 Uhr ab und die
Sammlung „Moderner Gemälde“ nachmittags von 3 Uhr ab
versteigert wird. Der Katalog mit II Tafeln ist zum Preise
von M 3—• durch die Galerie Helbing in München zu be
ziehen.
(Versteigerung der Sammlung Moll.) Aus Berlin
wird uns geschrieben: Die Versteigerung der Sammlung Karl
Moll (Wien) brachte insoferne eine Überraschung, als die
Primitiven unerwartet hohe Preise erzielten, wogegen die
späteren italienischen Namen in der Schätzung einigermaßen
gesunken zu sein schienen. Das Hauptstück der Sammlung,
die Madonna von Bellini (Kat.-Nr. 15) wurde von einem
Kunsthändler um M 240.000 erstanden. In weitem Abstand
davon blieb die große „Kreuztragung“ des Tintore.tto
(Nr. 29), die Richard Strauß um M 56.000 erwarb. Die dem
Cor regio zugeschriebene „Pieta“ (Nr. 25) brachte M 50.000.
Ein ziemlich flaues Bild eines jungen Ritters, das auf den
Namen Giorgione geht (Nr. 20), erzielte M 37.000, die „Ver
lobung der heiligen Katharina“ des Gualdo (Nr. 14) M 25.000,
ein „Johannes" von Boltraffio (Nr. 17) M 24.000, eine
Madonna des Montagna (Nr. 18) M 20.000,. ein kleiner Tie-
polo „Kopf eines Priesters“ (Nr. 36) M 18.500. Verhältnis
mäßig billig ^war ein in der Farbgebung feines Stück: ein
„Christus am Brunnen“ (Nr. 32), der als Veronese gilt. Er
wurde mit M 21.000 zugeschlagen. DasBerlinerKaiser-Friedrich-
Museum erwarb für M 17.000 eine „Darstellung im Tempel“
von Civerchio da Crema (Nr. 12). Eine an kapriziösen Eigen
arten reiche „Madonna“ des Meisters der Pala Sforzesca (Nr. 10)
ging für M 16.500 in Frankfurter Privatbesitz über. Taddeo
Gaddis „Darstellung im Tempel“ (Nr. 3) erbrachte M 16.500.
Alegretto Nuzzis „Madonna“ (Nr. 4) M 10.000, eine Madonna
der umbrischen Schule des 15. Jahrh. (Nr. 5) M 14.100, Neri di
Biccis „Madonna mit Engeln“ (Nr. 6) M 9000 und Rosello
Franchis „Madonna“ M 18.000. Das Gesamtergebnis für die
nur 37 Bilder umfassende Sammlung betrug etwas über
M 750.000.
(Die Auktion Dr. Köhler.) Bei der Auktion Dr. Köhler
in Wien (siehe Nr. 5 und 0) wurden weiters folgende Preise
erzielt: Nr. 219, Brustbild eines protest. Geistlichen, K 90--—p
Nr. 220, Bischof mit goldenem Bischofskreuz: und Orden,
K 220; Nr. 221, Brustbild eines Herrn, K 180; Nr. 222, Profil
brustbild einer Dame, K 390; Nr. 223, Brustbilder eines Ehe
paares, K 100; Nr. 224, Porträt eines Kardinals, K 220;
Nr. 225, Porträt des Nie. Jos. de Jaquin, K 90-—; Nr. 228,
Brustbild eines Mannes, K 90—; Nr. 227, Brustbild einer
Frau, K 100; Nr. 228, Kaiser Franz von Österreich, K 110;
Nr. 229, Die Kaiser Josef II. und Franz, K 80-—; Nr. 230,
Fanny Elßler, K 260; Nr. 231, Hofburgschauspieler Josef
Lange, K 80—; Nr. 232, Geistlicher auf der Kanzel, K 360;
Nr. 233, Die heilige Katharina, K 130; Nr. 234, Hüftbild
einer Dame, K 220; Nr. 235, Hüftbild eines Herrn, K 140;
Nr. 236, Joh. v. Nepomuk, K 110; Nr. 237, Brustbild eines
Herrn in Rokokotracht, K 80’ —; Nr. 238, Brustbild eines
Herrn, K 110; Nr. 239, Pfarrer Querin von cler Ignatiuskirche
in Mainz, K 360; Nr. 240, Brustbild eines älteren Herrn,
K 120; Nr. 241, Geistlicher, K 130; Nr. 242, Derselbe, Iv 80-—;
Nr. 243, Hüftbild der Kaiserin Maria Theresia, K 330; Nr. 244
bis 260, zusammen K 800; Nr. 261, Erzherzog Maximilian von
Österreich, K 100; Nr. 262, Die 12 Apostel, K 300; Nr. 283,
Georg IV. von England in antikisierendem Panzer, K 310;
Nr. 264, Friedrich Freiherr von Schweibehard, K 150; Nr. 265,
Hüftbild einer Dame, K 130; Nr. 266, Geistlicher in rotem
Käppi, K 60-—; Nr. 267, Friedrich der Große und Nr. 268,
Elisabeth Christine, Gemahlin Friedrichs, K 1000; Nr. 269,
Erzherzog Johann, K 150; Nr. 270, Junge Bäuerin, K200;
Nr. 271, Vornehmer Herr, K 80—; Nr. 272, Bartloser Mann,
K 200; Nr. 273, Kirchenfürst, K 300; Nr. 274, Brustbild
eines Knaben, K 150; Nr. 275, Friedrich VI. von Dänemark,
K 120; Nr. 276, Brustbild einer Dame, K 120; Nr. 277, Herzog
von Wellington, K 90- —; Nr. 278, Kronprinz von Schweden
(Bernadotte), K 100; Nr. 279, Hoher Geistlicher, K 70—;
Nr. 280, Alte Frau, K 200; Nr. 281, Hüftbild einer Dame,
Iv 80—; Nr. 282, Charlotte Corday, K 180; Nr. 283, Marat,
K 370; Nr. 284, Hüftbild eines Knaben, K 160; Nr. 285,
Brustbild des gefesselten Heilands, K 60—; Nr. 286, Gustav
Freytag, K 170; Nr. 287, Hüftbild eines Bischofs, K 70—;
Nr. 288, Herr mit Backenbart, K 130; Nr. 289, Glattrasierter
Herr, K 130; Nr. 290, Brustbild einer Dame, K 80 —; Nr. 291,
Hüftbild eines Knaben, K 200; Nr. 292, Brustbild eines Herrn,
K160; Nr. 293, Brustbild eines vornehmen Herrn, K 580;
Nr. 294, Brustbild des jungen Mozart, und Nr. 295, Schwester
Mozarts (Nanette), Iv 450; Nr. 296, Newton, K 1000; Nr. 297,
Brustbild eines bartlosen Herrn, K 50-- ; Nr. 298, Genre
szene, K 700; Nr. 299, Apostel Johannes, Iv 50- -; Nr. 300,
Nacktes, sitzendes Kind, K 30—; Nr. 301, Alter, bartloser
Herr, K 70 —; Nr. 302, Josef Haydn, K 400; Nr. 303, Alle
gorie, K 230; Nr. 304, Herr mit schwarzem Backenbart, K 60-—;
Nr. 305, Alter, bartloser Herr, K 90-—; Nr. 306, Geliert,
K 200; Kr. 307, Der mit dem Tode ringende Gelehrte, K 530;
Nr. 308, Domkapitular, F. B. Weigl, K 90—; Nr. 309, Brust
bild eines Ehepaares, K 480; Nr. 310, Porträtfiguren des
Ehepaares Dreher aus München, K 440; Nr. 311, Amalia von
Drais, K 300; Nr. 312, Der Schwarzkünstler, K 360; Nr. 313,
Graf Adam Philippe von Custine, Iv 330; Nr. 314, Brustbild
einer Dame, Iv 21.0; Nr. 315, Der Schmerz, K 060; Nr. 316,
Wickelkind im Steckkissen, K 90 —; Nr. 317, Fürst von
Schrattenbach, K 300; Nr. 318, Weiblicher Porträtkopf, K 600;
Nr. 319, Franz von Assissi, Iv 50-—; Nr. 320, Kopf eines Mannes,