Nr. 7
Internationale S a m m 1 e r - Z e i t u n g
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Der Abschnitt „Plastik“ zählt verschiedene spätgotische
Figuren auf, unter denen eine Madonna der mainfränkisch
rheinischen Grenzzone (Aschaffenburger Gebiet) sowie ein
wahrscheinlich rheinländisches Relief des heiligen Michael,
ferner eine Madonnenfigur der oberitalienischen Renaissance
auf fallen. Unter den kleinplastischen Arbeiten seien mehrere
Kruzifix- und Heiligenfiguren des 18. Jahrhunderts genannt.
In der Rubrik „Dekorationsplastik“ werden mehrere gute
Bilderrahmen Münchener Provenienz beschrieben.
Von den Uhren ist die große Kaetenuhr des frühen 18. Jahr
hunderts, ein Werk eines Amsterdamer Meisters, ein Glanzstück
der Möbelfurniertechnik. Erwähnt sei ferner eine Pariser
Taschenuhr um 1750 bis 1760 mit emailliertem Goldgehäuse.
Das Mobiliar hat nach zwei Seiten größere Auswahl
aufzuweisen: Italienische Renaissance und Barock und Aachcn-
Lütticher Rokoko. Unter den ersteren seien mehrere Truhen-
bänke, ein Schreibtisch und Stühle, unter letzteren die pracht
voll geschnitzten Vitrinen genannt. '
An der Spitze der Textilien stehen acht Gobelins. Der
älteste mit Passionsszene ist eine ausgezeichnete flandrische
Arbeit um 1500. Er zeigt die feine, abgestimmte Tönung mit
den kräftigen Granatapfelmustern der südbelgischen Manu
fakturen. Die anderen, wie zum Beispiel Fig. 4, mit den be
kannten malerischen Baumgruppen in vorwiegend gelbgrüner
Tönung, gehören dem 17. Jahrhundert an. Genannt seien
ferner mehrere Knüpfteppiche, gestickte Decken und kleinere
Handarbeiten.
Eine originelle Sammlung stellt die Kollektion bayrischer
Volkstrachten dar. Vertreten sind oberbayrische und ober
pfälzische Kostüme, Trachtenteile aus Franken und Schwaben
und schöne seidene Hals- und Umschlagtücher.
Den Beschluß bilden mehrere Miniaturen sowie einige
Farbstiche. Der Katalog mit 50 Tafeln ist zum Preise von
M 8— durch die Galerie Helbing, München, zu beziehen.
Die Gemäldekoliektion des Dr. Wilhelm Schmidt, der
als feiner Kenner bekannt war, enthält gute, alte Meister.
Tm besonderen sei verwiesen auf Lorenzo Lotto, „Bildnis
eines vornehmen Mannes", (in Lebensgröße), auf ein Lukretia
bildnis von Dosso Dossi, ein von Schmidt als Moroni
bezeichnetes Brustbild der Tochter Karl V., Margareta von
Parma. Ein englisches Damenbildnis von prächtigen, maleri
schen Qualitäten dürfte dem Kreise nm Gainsborough
zuzuweisen sein. J. Careno de Mirando, Valasquez Schüler,
ist in der Sammlung mit einem vorzüglichen Hundebild,
einer Dalmatiner Dogge, vertreten. Von Niederländern sei
besonders auf Genrebilder von Philips Konninck hinge
wiesen.
Die Sammlung Schmidt enthält des weiteren Namen und
Werke von Pieter Lastmann, Thyssen, van der Heist, Hendrik
Fig. 3.
Herkules und Omphale. Ludwigsburg, 1765.
de Meyer, Weenix, Landschaften von Rombouts, Salvator Rosa,
Constable und John Crome.
Der Katalog mit 17 Tafeln ist zum Preise von M 3— zu
beziehen.
Die Wiener Kriegsgraphik-Ausstellung.
Von Dr, Richard Hoisel (Wien).
Es ist ohne weiters klar, daß der Krieg Werte schafft,
die den typischen Charakter des Sammelobjektes
haben. Schon heute heben sich von ihnen historische
Umrisse ab, Zeugnis gebend für die durch den Krieg
bewirkte Schnellebigkeit. Ihr einprägsamster Charakter
zug ist jedoch der kulturelleEinschlag. Der künstlerische,
der sich in einzelnen Fällen stärker zu äußern wagt,
manchmal sogar zur beherrschenden Stellung sich auf
schwingt, ist lediglich ein individualistischer Zufall.
Doch gerade ihm gehört das regste Interesse des Be
trachters, der, sei es als Laie, sei es als Sammler oder
als Kunstfreund allgemeiner und spezieller Prägung,
das Werturteil in erster Linie von der künstlerischen
Qualität des Objektes bestimmt sein läßt.
Der Krieg macht die Organisation künstlerischer
Betätigung in zunftfreier Weise zum erstenmal zum
Ereignis. Allgemach wurde die Graphik, weil sie rein
äußerlich das schnellste, das tauglichste Mittel war,
der bedeutendste Zweig der Kriegskunst und sic ist
auch in ihrer Ausschließlichkeit imstande, ein Zciten-
spiegel der Kriegsereignisse zu sein. Die österreichischen
offiziellen' Stellen, in deren Händen die Fäden der
erwähnten Organisation zusammen laufen, folgten der
Anregung des Kriegshilfsbureaus vom Ministerium des
Innern und machten mit diesem zusammen im Öster
reichischen Museum für Kunst und Industrie die
„Ausstellung von Kriegsgraphik". Außerdem be
teiligen sich private Sammler daran, vor allem der
den Lesern dieses Blattes bestens bekannte Dr. Ottokar
Mascha und Regierungsrat Rudolf R. v. Hoefken.
Beide unter der künstlerischen Diktion ihres regen
Sammeleifers stehend und darum zu individueller
Verschiedenheit gelangend, wohingegen. über den Ab
teilungen der offiziellen Aussteller, ohne die Gefahr
einer fatalen Verwechslung, die Namen ausgetauscht
werden könnten, gleichgültig, ob es sich um das Kriegs-