Nr. 9
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Internationale Sammler-Zeitung
Eine Alt-Berliner Sammlung.
Eine Altberliner Sammlung von erlesener Qualität
kommt in Rudolph Lepkes Kunstauktionshaus
in Berlin auf den Markt, eine reiche Folge von Werken
der Kleinkunst aus Renaissance- und Barockzeit sowie
eine Anzahl hervorragender Stücke aus Kunst und
Kunstgewerbe.
An erster Stelle steht eine gewählte Folge Bronzen,
in der sich Vorliebe und Verständnis für die Erzeugnisse
der reifen Zeit der italienischen Hochrenaissance I
offenbart. Selten sind die nackten Götter des Gian !
B o 1 o g n a und Alessandro
Vittoria in so vorzüglichen
Exemplaren und
mit so prachtvoller alter
schwarzer Lackpatina zu
finden. Die Erdteile von
Tacca und die teilweise
vergoldeten Christus- und
Marienbüstchen von Duquesnoy
sowie eine
große vlämische Stierjagd
aus der Rubenszeit,
aus 15 Einzelfiguren bestehend,
sind weitere
Hauptstücke. Einige'
Reliefs und Plaketten
von Hans Gar und
anderen deutschen und
italienischen Meistern
schließen sich an.
Aus einer abwechslungsreichen
Sammlung
Elfenbeinschnitzereien
besteht der zweite
Teil. Es befinden sich darunter
Putten von Duquesnoy,
ein Hieronymus
von Freese, ein
Landsknecht an reich besetzter
Tafel, ein Hauptwerk
von Troger sowie
Reliefs, eine Kreuzigung und ein Marientod aus dem
14. Jahrhundert, eine Ecce homo nach Schongau er
und eine Perseusszene nach Cellinis Goldrelief im
Berliner Museum.
Einen weiteren Abschnitt füllen Buchschnitzereien,
Adam- und Evastatuetten aus dem frühen
17. Jahrhundert und eine stattliche Reihe deutscher
Fig.
Schloßplatte aus Bronze,
Reliefs; ein Jungbrunnen und ein „Memento mori“
aus dem 16. Jahrhundert, eine Kreuzigung und ein
Martyrium des Paulus aus dem 17. und ein Wirtshaus
sowie ein Straßenszene aus dem späten 18., die drei
letzteren mit noch ungedeuteten Monogramms sowie
zwei Reliefs von Schwanthaller, die sich einstmals
im Besitz der Berliner königlichen Kunstkammer
befanden. Von den großen Stücken sind als die bedeutendsten
hervorzuheben unter den Werken deutscher
Plastik etwa eine niederbayrische Madonna aus dem
Anfang des 16. Jahrhunderts,
zu der ein verwandtes
Stück sich im
Kaiser- Friedrichmuseum
befindet und ein oberdeutscher
Georg aus der
gleichen Zeit. Das italienische
Quattrocento vertritt
ein sicnischcs Marmorrelief
der Madonna
von Piccolominimeister,
wundervoll in der Feinheit
der Arbeit und der
alten Tönung sowie Werke
von Antonio Rosellini,
Desiderio da Settignano
und Benedetto da
Majamo.
Den Abschluß bilden
kunstgewerbliche Gegenstände,
wie. ein prachtvoller
Satz Altdeifter
Vasen, die große französische
Empireuhr „Les
Liseuses“ und eine franzödsehe
Empirekrone mit
Schlängen bekämpfenden
Vögeln und Pfauenfedern
aus Kristall sowie wertvolle
alte Möbel, Truhen,
Schränke, Tische, Stühle
der italienischen und deutschen Renaissance und der
Folgezeit.
Der mit 51 Abbildungstafeln ausgestattetc Katalog
führt die Nr. 1783 und ist zum Preise von M 12—
durch die Firma Lepke zu beziehen. Die Ausstellung
findet vom 12. bis 14. Mai vormittags von 10 bis
2 Uhr statt.
3.
Mailändisch, um 1500.
Chronik.
Bibliophilie.
(Ein unbekannter Druck des Volksbuches vom
ewigen Juden.) Prof. Dr. Otto Giemen, der die Schätze
der Mitauer Bibliothek verwaltet, hat dort einen unbekannten
Druck des Volksbuches vom ewigen Juden gefunden. Er
stammt aus den ersten Jahrzehnten, in denen das Volksbuch
in Deutschland verbreitet wurde, und ist vom Jahre 1634
datiert, aus Reval, wo ein gewisser Christophorus Dudeläus
der Bearbeiter und Ergänzer der Sage war. Das zweite Blatt
beginnt: „Gewisser Bericht von einem Juden, gebürtig von
Jerusalem, Ahasverus genannt, welcher die Kreuzigung unseres
Herrn und Heilandes Jesu Christi gesehen und noch am Leben
ist." Es wird hier u. a.. erzählt: „Dieser Ahasverus ist Anno
1610 zu Lübeck gewesen, auch nämlich zu Reval in Liefland
und zu Cracau in Polen. Anno 1634 ist er auch in Moskau
von vielen Leuten gesehen worden, die gleichfalls mit ihm
geredet.“ Es folgt noch ein „Bericht von den zwölf jüdischen
Stämmen, was ein jeder Stamm dem Herrn Christo zuf Schmach
getan haben soll, und was sie bis zum heutigen Tag dafür
leiden müssen", eine „Erinnerung an den Christlichen Leser
von diesem Juden" und endlich ein Gedicht auf denselben,
beginnend: „O Christlichs Gemüte, Du Gott ergebenes Herz,
betrachte Gottes Güte und denke hinterwärts."