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MAK

Full text : Jahrgang 9 (1917) (9)

Nr.  9

Seite  77

Internationale  Sammler-Zeitung

Eine  Alt-Berliner  Sammlung.

Eine  Altberliner  Sammlung  von  erlesener  Qualität ­
  kommt  in  Rudolph  Lepkes  Kunstauktionshaus
in  Berlin  auf  den  Markt,  eine  reiche  Folge  von  Werken
der  Kleinkunst  aus  Renaissance-  und  Barockzeit  sowie
eine  Anzahl  hervorragender  Stücke  aus  Kunst  und
Kunstgewerbe.
An  erster  Stelle  steht  eine  gewählte  Folge  Bronzen,
in  der  sich  Vorliebe  und  Verständnis  für  die  Erzeugnisse ­
  der  reifen  Zeit  der  italienischen  Hochrenaissance  I
offenbart.  Selten  sind  die  nackten  Götter  des  Gian  !
B  o  1  o  g  n  a  und  Alessandro
Vittoria  in  so  vorzüglichen ­
  Exemplaren  und
mit  so  prachtvoller  alter
schwarzer  Lackpatina  zu
finden.  Die  Erdteile  von
Tacca  und  die  teilweise
vergoldeten  Christus-  und
Marienbüstchen  von  Duquesnoy
  sowie  eine
große  vlämische  Stierjagd ­
  aus  der  Rubenszeit,
aus  15  Einzelfiguren  bestehend, ­
  sind  weitere
Hauptstücke.  Einige'
Reliefs  und  Plaketten
von  Hans  Gar  und
anderen  deutschen  und
italienischen  Meistern
schließen  sich  an.
Aus  einer  abwechslungsreichen ­
  Sammlung
Elfenbeinschnitzereien ­
  besteht  der  zweite
Teil.  Es  befinden  sich  darunter ­
  Putten  von  Duquesnoy,
  ein  Hieronymus ­
  von  Freese,  ein
Landsknecht  an  reich  besetzter ­
  Tafel,  ein  Hauptwerk ­
  von  Troger  sowie
Reliefs,  eine  Kreuzigung  und  ein  Marientod  aus  dem
14.  Jahrhundert,  eine  Ecce  homo  nach  Schongau  er
und  eine  Perseusszene  nach  Cellinis  Goldrelief  im
Berliner  Museum.
Einen  weiteren  Abschnitt  füllen  Buchschnitzereien, ­
  Adam-  und  Evastatuetten  aus  dem  frühen
17.  Jahrhundert  und  eine  stattliche  Reihe  deutscher

Fig.
Schloßplatte  aus  Bronze,

Reliefs;  ein  Jungbrunnen  und  ein  „Memento  mori“
aus  dem  16.  Jahrhundert,  eine  Kreuzigung  und  ein
Martyrium  des  Paulus  aus  dem  17.  und  ein  Wirtshaus
sowie  ein  Straßenszene  aus  dem  späten  18.,  die  drei
letzteren  mit  noch  ungedeuteten  Monogramms  sowie
zwei  Reliefs  von  Schwanthaller,  die  sich  einstmals
im  Besitz  der  Berliner  königlichen  Kunstkammer
befanden.  Von  den  großen  Stücken  sind  als  die  bedeutendsten ­
  hervorzuheben  unter  den  Werken  deutscher
Plastik  etwa  eine  niederbayrische  Madonna  aus  dem
Anfang  des  16.  Jahrhunderts, ­
  zu  der  ein  verwandtes ­
  Stück  sich  im
Kaiser-  Friedrichmuseum
befindet  und  ein  oberdeutscher ­
  Georg  aus  der
gleichen  Zeit.  Das  italienische ­
  Quattrocento  vertritt ­
  ein  sicnischcs  Marmorrelief ­
  der  Madonna
von  Piccolominimeister,
wundervoll  in  der  Feinheit ­
  der  Arbeit  und  der
alten  Tönung  sowie  Werke
von  Antonio  Rosellini,
Desiderio  da  Settignano
  und  Benedetto  da
Majamo.
Den  Abschluß  bilden
kunstgewerbliche  Gegenstände, ­
  wie.  ein  prachtvoller ­
  Satz  Altdeifter
Vasen,  die  große  französische ­
  Empireuhr  „Les
Liseuses“  und  eine  franzödsehe ­
  Empirekrone  mit
Schlängen  bekämpfenden
Vögeln  und  Pfauenfedern
aus  Kristall  sowie  wertvolle ­
  alte  Möbel,  Truhen,
Schränke,  Tische,  Stühle
der  italienischen  und  deutschen  Renaissance  und  der
Folgezeit.
Der  mit  51  Abbildungstafeln  ausgestattetc  Katalog
führt  die  Nr.  1783  und  ist  zum  Preise  von  M  12—
durch  die  Firma  Lepke  zu  beziehen.  Die  Ausstellung
findet  vom  12.  bis  14.  Mai  vormittags  von  10  bis
2  Uhr  statt.

3.

Mailändisch,  um  1500.

Chronik.

Bibliophilie.

(Ein  unbekannter  Druck  des  Volksbuches  vom
ewigen  Juden.)  Prof.  Dr.  Otto  Giemen,  der  die  Schätze
der  Mitauer  Bibliothek  verwaltet,  hat  dort  einen  unbekannten
Druck  des  Volksbuches  vom  ewigen  Juden  gefunden.  Er
stammt  aus  den  ersten  Jahrzehnten,  in  denen  das  Volksbuch
in  Deutschland  verbreitet  wurde,  und  ist  vom  Jahre  1634
datiert,  aus  Reval,  wo  ein  gewisser  Christophorus  Dudeläus
der  Bearbeiter  und  Ergänzer  der  Sage  war.  Das  zweite  Blatt
beginnt:  „Gewisser  Bericht  von  einem  Juden,  gebürtig  von
Jerusalem,  Ahasverus  genannt,  welcher  die  Kreuzigung  unseres

Herrn  und  Heilandes  Jesu  Christi  gesehen  und  noch  am  Leben
ist."  Es  wird  hier  u.  a..  erzählt:  „Dieser  Ahasverus  ist  Anno
1610  zu  Lübeck  gewesen,  auch  nämlich  zu  Reval  in  Liefland
und  zu  Cracau  in  Polen.  Anno  1634  ist  er  auch  in  Moskau
von  vielen  Leuten  gesehen  worden,  die  gleichfalls  mit  ihm
geredet.“  Es  folgt  noch  ein  „Bericht  von  den  zwölf  jüdischen
Stämmen,  was  ein  jeder  Stamm  dem  Herrn  Christo  zuf  Schmach
getan  haben  soll,  und  was  sie  bis  zum  heutigen  Tag  dafür
leiden  müssen",  eine  „Erinnerung  an  den  Christlichen  Leser
von  diesem  Juden"  und  endlich  ein  Gedicht  auf  denselben,
beginnend:  „O  Christlichs  Gemüte,  Du  Gott  ergebenes  Herz,
betrachte  Gottes  Güte  und  denke  hinterwärts."
            
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