MAK
Nr. 9 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 79 
Kunst dieses hervorragenden alten Meisters, die bisher i i 
der Galerie nur durch zwei Figurenbilder, die „Bauernhoch 
zeit“ und die „Liederliche Wirtschaft“ vertreten war, weitaus 
vielseitiger zur Anschauung kommt, da das neu angekaufte 
Bild den Künstler von einer ganz anderen Seite zeigt. Während 
die beiden anderen Gemälde Szenen im Innern des Hauses 
vorstellen, führt uns das neue ins Freie und ist gerade durch 
die außerordentlich feine Gestaltung des landschaftlichen 
Teiles von ungewöhnlichem Reiz. Die Szene spielt bei leicht 
dämmeriger Stimmung nach Feierabend vor den Toren der 
Stadt, wo sich das Volk verschiedenen Vergnügungen hingibt. 
Die Hauptgruppe unter den zahlreichen vorzüglich ausge 
führten kleinen Figuren gibt einige Bauern und Handwerker 
beim Kegelspiel wieder. In der merkwürdigen, größtenteils 
Überschneidungen vermeidenden Anordnung der Gestalten 
und in der flächenhaften Ausführung des einheitlichen Gesamt 
bildes steht hier Steen nach seinem großen Vorgänger, der 
gerade in der kaiserlichen Galerie unvergleichlich glänzend 
vertreten ist, dem Bauem-Brcughel, recht nahe, von dessen 
Kunst auch die holländische Bauernmalerei der zweiten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts ihren Ausgang nimmt. — Kürzlich hat 
der regierende Fürst Liechtenstein der Galerie als Widmung 
einen ganz außerordentlich schönen und wertvollen Rahmen 
aus der Zeit der Frührenaissance überwiesen, der nun Raf 
faels „Madonna im Grünen" ziert und durch die feine und 
zarte Art der Dekoration die Wirkung dieses Meisterwerkes 
der Malerei, das früher in einem breiten, gleißenden, modernen 
Goldrahmen steckte, in überraschender Weise erhöht. Man 
kann daran sehen, wie wichtig die Frage der Einrahmung für 
alte Galeriebilder, ist. 
(Eine Neuerwerbung des Berliner Kaiser-Fried- 
rich-Museums.) Wilhelm von Bode behandelt im neuen Heft 
der Amtlichen Berichte der Berliner Museen die Skizze aus 
dem Rubenskreise, die die Gemäldegalerie des Berliner Kaiser- 
Friedrich-Museums auf der Versteigerung der Galerie 
Michel in Mainz vor kurzem erw r orben hat. Es ist das Bild 
einer Jagdbeute, die von drei Dienern von einem Paar Maul 
tieren abgeladen wird. Die prachtvolle farbige Skizze stammt 
offenbar von derselben Hand, wie eine ähnliche Darstellung 
vom tote.1 Wild in der Wiener Akademie-Galerie. Die schlanken, 
reckenhaften Gestalten, die Eilfertigkeit und doch zugleich 
meisterhafte Sicherheit, mit der die Menschen und Tiere aus 
der Erinnerung niedergeschrieben sind, weist nach Bode auf 
die Art des jungen Anton van Dyck. Und zwar käme seine 
Gehilfenzeit 1018 bis 1620 in Frage. Aber totes Wild hat der 
junge Künstler sonst nicht gemalt und auch seinen Meister 
reizte nur das lebendige Tier in stärkster Bewegung. Und als 
van Dyck einmal sich an einem großen Stilleben beteiligte, 
dem „Fischmarkt“ im Wiener Hofmuseum, malte er nur die 
Figuren, während Snyders die Tiere darstellte. Bode kommt 
für den Schöpfer der Neuerwerbungen auf einen jüngeren 
Meister des Rubenskreises, der bisher nur wenig bekannt 
geworden ist, Jan van Boeckhorst. — Auch -eine andere 
neuerworbene farbenprächtige Skizze des Rubenskreises, die 
eine Allegorie der weisen Regierung gibt, ist wohl nicht von 
des Meisters eigener Hand. 
(Fälschungen und Diebstähle in der Eremitage.) 
Was wird bei der gegenwärtigen Umwälzung in Rußland 
aus der berühmten kaiserlichen Kunstsammlung in der Ere 
mitage zu Petersburg werden? Die Vermutung liegt nahe, 
daß die neuen Machthaber sie einfach zu einer nationalen 
erklären werden. Sollte man dabei eine Bestandaufnahme 
für nötig befinden, dann muß sich feststellen lassen, wieviel 
von den eingetragenen Gegenständen unter dem alten Regime 
gestohlen oder auf Nimmerwiedersehen „entlehnt“ worden 
ist. Die Fälschungen in der Sammlung fordern ebenfalls 
eine gründliche Untersuchung heraus. Vor einigen Jahren 
veröffentlichte ein russischer Fürst in der Pariser ,, Revue“ 
Anekdotisches vom Zarenhofe und verriet u. a , daß er eines 
Tages in Petersburg von einem Händler ein mit dem Stempel 
des kaiserlichen Museums der Eremitage versehenes Gemälde 
um — fünf Rubel erstanden habe. Der Konservator der 
Sammlung, dem er erzählte, auf welche Weise er in den Besitz 
des Kunstgegenstandes gekommen war, entgegnete ihm, das 
Museum sei nicht national, sondern kaiserlich. So erkläre es 
sich, daß Großfürsten, Mitglieder der kaiserlichen Familie, 
überhaupt Personen des Hofes und andere hochgestellte 
Persönlichkeiten leicht die Erlaubnis erhielten, aus dem 
Museum zum Schmuck ihrer Salons Gemälde zu entleihen. 
Natürlich fanden diese selten oder nie wieder ihren Weg 
dorthin zurück, wohin sie gehörten. Unter dem Vorwände, 
daß das Museum mit Gemälden ohne besonderen künstleii- 
schen Wert überreichlich beladen sei, wäre überdies eine 
Kommission beauftragt worden, eine gehörige Sichtung vor 
zunehmen. Die Mitglieder seien nicht etwa Sachverständige, 
sondern Beamte irgend eines Ministeriums gewesen, die neben 
manchem Schund auch sehr schöne Sachen in die Rumpel 
kammer verwiesen hätten. Alle ausrangierten Stücke wären 
dann zu den Trödlern gewandert und von ihnen um Spott 
preise weiter verkauft worden. Vielleicht war das nur eine 
Beschönigung der großen Diebstähle, durch die die kaiser 
lichen Sammlungen um Millionen geschädigt worden sind. 
Nicht viel erbaulicher ist das Kapitel der Fälschungen. Bei 
der Reinigung der berühmten byzantinischen Elfenbein 
schnitzereien, die mehrere Millionen gekostet hatten, stellte 
es sich heraus, daß sie zum großen Teil aus Fälschungen 
bestanden. Nikolaus II. befahl dann eine gründliche Revision 
der Kunstschätze, und die ergab ein überraschendes Ergebnis; 
man kam zahllosen weiteren Flaschungen auf die Spur, wert 
volle Bilder alter Meister, darunter ein Reinbrandt, für 
den über eine halbe Million Rubel gezahlt war, erwiesen sich 
als wertlose Nachahmungen. Viele echte Raritäten waren 
entweder verschwunden oder durch täuschende Nachbil 
dungen ersetzt worden. 
Vom Kunstmarkt. 
(Sammlungen Kaven und Dr. Naumann.) Bei dti 
am 22. März dnrcli Rudolph Lepke in Berlin durchgcführtcn 
Auktion der Sammlungen Kaven und Dr. Naumann wurden 
folgende Preise erzielt: 
Sammlung Heinrich Kaven: Nr. 1, Abraham van den 
Tempel, Vornehme Dame im Charakter der Diana, M 950; 
Nr. 2, Pieter Gysels, Landschaft, M 7S0; Nr. 3, Thomas 
Wyck, Der Stapelra.um, M 310; Nr. 4, Horstock, Selbst 
bildnis, M 710; Nr. 5, Aart Claeszoon, Ausstellung Christi, 
M 390; Nr. 6, Pieter Mulier d. Ä., Schiffe auf stark bewegter 
See, M840; Nr, 7, Altniederländisch, um 1500, Leichnam 
Christi, M 500; Nr. 8, Sebastiaen Vrancx, Garten der Pomona, 
M 500; Nr. 9, Van der Poel, Dorfstraße, M 440; Nr. 10, Jan 
teil Compe, Amsterdam, M 1020; Nr. 11, Antonio Mirou, 
Flußlandschaft, M 480; Nr. 12, Nicolaes Molenaer, Nieder! 
Flußlandschaft, M 1330; Nr. 13, Cornelis Mahn, Stilleben, 
M 1250; Nr. 14, Abraham Mignon, Stilleben, M 500; Nr. 15, 
Van de Venne, Ringelreigen, M 1300; Nr. 16, Beeidemaker, 
Jäger mit Hunden, AI 1610; Nr. 17, Jan Brueghel, Land 
schaft, M 2150; Nr. 18, David Vinck-Boons, Taule des 
Mohrenfürsten, M 1040; Nr, 19 und 20, Daniel Seghers, 
Blumenstücke, M 3050; Nr. 21, Karel Fabritius, Ecce homo, 
M 765; Nr. 22, Lorenz Strauch, Halbfigur in schwarzem 
Wams, M 3100; Nr. 23, Ambr. Francken, Tod des h. Antonius, 
M 1450; Nr. 24, Poelenburgh, Anbetung der Könige, M I 100; 
Nr. 25, Clara Peeters, Stilleben, M 1210; Nr. 26, Antonie 
Jansz van Croos, Kanallandschaft, M 1000; Nr. 27, Jan 
Wijnants, Landschaft mit zerfallener Steinbrücke, M 1500; 
Nr. 28, Cornelis Janssens van Ceulen, Junger Edelmann, 
M 1520; Nr. 29, Judith Leyster, Die Flasche, M 990; Nr. 30, 
Lueas Achtschellinck, Landschaft mit großen Bäumen, 
M 1980; Nr. 31, Paulus Lesire, Halbfigur eines Mannes in 
schwarzem Wams, M 990; Nr. 32, Jean Etienne Liotard, 
Weibl. Bildnis, M 5600; Nr. 33, Barend Grae t, Junges, perlen- 
geschmücktes Mädchen, M 4700; Nr. 34, Sebastian Vrancx,
	        
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