MAK
Nr. 1 
Internationale Sammler- Zeitung 
Seite 3 
Gegner, Serben und Montenegriner machten in Frie 
denszeiten bei Professor Schwarte künstlerische An 
leihen und prägten ihre Münze nach seinen Ent 
würfen*). Die Anzahl der von Schwartz geschaffenen 
Münzen und Medaillen ist Legion und ich verweise — 
um nur eine der populärsten zu nennen — auf seine 
prächtige Schillergedenkmünze, die anläßlich der Wiener 
Schillerfeier im Jahre 1904 an viele Tausende von 
Schulkindern zur Verteilung gelangte. 
Der Medailleure gibt es viele, wenn sie auch in 
der Ausführung ihrer Arbeit an unseren Meister nicht 
heranreichen — aber in einer bestimmten Technik 
der Medaillenkunst hat Stefan Schwartz keinen Kon 
kurrenten. Es ist das ausschließlich von ihm geübte 
Verfahren, Porträts nach der Natur in Silber getrieben 
ohne Anwendung eines Zwischenmateriales herzu 
stellen. 
Die Bilder werden, wie mir Schwartz erzählt, mit 
dem Hammer aus dem Silber direkt herausgeschlagen 
und erreichen eine wunderbare Ähnlichkeit. Die Schwie 
rigkeit dieser Technik erhellt aus dem. Umstande, daß 
ein einziger Fehlschlag genügen würde, das ganze 
Bild zu ruinieren. Diese Technik sprang allerdings 
nicht fertig wie Pallas Athene aus dem Haupte ihres 
Erzeugers. Sie kostete sechsjährige fleißige Studien, 
doch der Erfolg lohnte sich derart, daß, während 
anfangs für jedes Porträt wenigstens dreißig Sitzungen 
nötig waren, nunmehr sechs Sitzungen zur Vollendung 
der Arbeit völlig genügen. Die Jury der Pariser Welt 
ausstellung hat diese eigenartige Kunst durch Ver 
leihung der goldenen Medaille entsprechend gewürdigt. 
Viele herrliche Porträts hat Schwartz in dieser Technik 
geschaffen. Kaiser Karl und Kaiserin Zita, — damals 
noch Brautpaar •— ein freudiges Lächeln gleitet über 
die Züge des Meisters, als er der ungezwungen frohen 
Sitzungen gedenkt, die ihm das hohe Paar in Schwarzau 
gewährte •— sowie viele Persönlichkeiten der Aristo 
kratie, Gelehrten- und Finanz weit sind auf diese Weise 
im Bilde festgehalten. 
Beim Durchwandern des Schwartzschen Ateliers 
fällt mir unter anderem eine prachtvolle Bronze, be- 
*) Die großen, wolilvcrsclilossenen Glaskästen des Professors 
enthalten eine ganze numismatische Sammlung. 
titelt „Der Besiegte“ — die Darstellung eines 
sterbenden Gladiators — auf. Zu diesem Werk er 
zählt mir der Professor eine kleine politische Pikanterie. 
Die Arbeit war kurz vor Kriegsbeginn in Rom aus 
gestellt. Nach Rückerhalt entdeckte Schwartz an 
seinem Besiegten mehrere Stiche, die der Bronze nur 
mit einem äußerst scharfen Instrument höchst gewalt 
sam beigebracht worden sein konnten. Ein Beweis, 
wie wenig freundschaftlich gewisse Elemente schon 
damals der österreichischen Kunst gegenüberstanden. 
Ich wende mich friedlicheren Bildern zu. Ein 
Relief „Das Kind an der Mutter Brust“. So unmittelbar 
und lebendig erscheint alles, als ob die beiden Menschen 
atmen würden. Und nun Musik in Bronze: Elegie, 
Adagio, Rondo. Aber das sind keine zu Plastik er 
starrten Töne. So bewegt ist der Ausdruck dieser 
Genien, so beflügelt erscheinen diese Amoretten, daß 
man vermeint, sie müßten jeden Augenblick zu den 
himmlischen Sphären entschweben. Und dann ein 
Bild überwältigender Kraftfüllc: Der Sturm als Jüng 
ling, der die stolzesten Bäume nieder zwingt.. Die Kraft 
entfaltung vollzieht sich hier in großangelegtem edlen 
und freien Rhythmus. 
Schwartz ist in des Wortes bestem Sinne Natu 
ralist. Er huldigt zugleich auch der Ästhetik im Sinne 
der gesunden und natürlichen Freude an allem Schönen. 
Dies zeigen seine in strenger Klassizität und harmo 
nischer Lienienführung gehaltenen drei Grazien — 
das Original befindet sich im Dumba-Palais —■ ebenso 
das frisch und übermütig-keck hingestellte rassige 
Wiener Wäschermädl. Diese Figur ist mit froher 
Impression durch schöne Wirklichkeit geschaffen und 
wird hoffentlich bald aus der Enge des Ateliers heraus 
tretend das Wiener Publikum erfreuen. 
Soll ich noch bei jenem entzückenden, Professor 
Angeli zur silbernen Hochzeit gewidmeten Tafel 
aufsatz verweilen :— eine Makartsche Farbensymphonie 
scheint hier ins Plastische transponiert — oder bei 
tausend anderen köstlichen Dingen ? Nein, es gilt 
Abschied zu nehmen von dem liebenswürdigen Haus 
herrn und Meister, dessen Wesen wie seine Kunst ist: 
Frei von Dissonanzen in reinem Streben nach Wahrem 
und Schönem. 
Unbekannte holländische Meisterwerke. 
Ein Kunsthändler in Amsterdam hat dieser 
Tage das Glück gehabt, kurz nacheinander zwei bisher 
unbekannte Meisterwerke holländischer Maler, einen 
Hobbema und einen Rembrandt, zu entdecken 
und zu erwerben. Der Hobbema kommt aus Berlin, 
der Rembrandt aus London. Das Gemälde von 
Hobbema stellt eine Waldlandschaft mit der Wasser 
mühle dar, wie er sie unzählige Male gezeichnet und 
gemalt hat. Das berühmteste Bild dieser Art befindet 
sich im Wallace-Museum zu London, zwei andere 
sind im Amstet dam- chen Reichsmuseum zu sehen. 
Das Werk, das der Kunsthändler jetzt erworben hat, 
weist genau dieselbe Größe auf wie diese beiden letzteren 
nämlich 62X85 cm., zeigt aber eine ganz andere Auf 
fassung des Vorwurfes. Die Mühle ist mehr in die Mitte 
gerückt, vor ihr dehnt sich der Mühlteich aus. Das 
Wasser fließt nicht über das Mühlrad, sondern stürzt 
gleich einem kleinen Wasserfall in den Weiher. Das 
grellrote Ziegeldach bildet einen anmutigen Gegensatz 
zum Laub des Waldes, das all die bunten Farben 
schattierungen des Herbstes aufweist. Die Blätter 
sind größtenteils bereits braun oder gelb. Davon 
stechen die bläulichen Äste zweier Kopfweiden im 
Vordergründe scharf ab. Sie stehen am Rande eines 
Kiesweges, der vom Vordergründe über den Mühl 
bach nach rechts zu dem Hintergründe an einem Hause 
vorbei führt, das halb versteckt zwischen den Bäumen 
liegt. Auf dem Wege erblickt man zwei Erwachsene 
und em Kind, die miteinander sprechen. Am Teich 
sitzt ein Angler. Die Farbentöne der Kleider dieser 
Personen erhöhen den lebendigen Eindruck des Ganzen. 
Der Himmel ist leicht bewölkt. Am unteren Rande 
links steht das volle Handzeichen Hobbemas. Es 
ist sicherlich ein selten vorkommender Glücks 
fall, auf ein Gemälde von solchem Umfange und 
solcher Qualität das einen so sehr gesuchten Meister 
zum Urheber hat, die Hand zu legen. Der Zustand, 
in dem sich das Bild befindet, läßt nichts zu wünschen 
übrig. 
Noch bedeutender ist der Apostel Paulus von 
Rembrandt, ein Paneol von 94X18 cm Größe. Nach 
der Überlieferung ist es noch im 17. Jahrhundert von
	        
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