MAK
Nr. 1 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 7 
erscheinen, den Lazarus Goldschmidt hiefür wortgetreu 
aus dem Urtexte übertragen hat. Den Druck — in der neu 
geschnittenen Delitsch-Antiqua — besorgt Julius Klinkhardt 
in Leipzig. Dieser deutsche Koran stellt einen stattlichen 
Folianten von 214 Seiten dar. 
(Englische Nachdruck-Ausgaben.) Die Aufhebung 
der Berner Literatur-Konvention deutschen Büchern gegen 
über durch England, „eine elende Handlung, die für immer 
Großbritannien zur Unehre gereichen wird“, wie dasHauptblatt 
des englischen Buchhandels, „Publishers Circuler“, sagt, dürfte 
eine ohnehin schon sehr umfangreiche Gruppe englischer Aus 
gaben, die der Nachdruck- und der Neuausgaben, mit einer 
neuen Art vermehren. Die Entwicklung des literarischen 
Eigentums in England einerseits, die gegenüber der kontinen 
talen manche Absonderlichkeiten zeigt, die Weltverbreitung 
der englischen Sprache anderseits haben neben den berech 
tigten Originalausgaben auch den Nachdrucken allerlei Schlupf 
winkel offen gehalten. In ihnen konnten sie trotz der etwa 
schon bestehenden Nachdruckverbote wenigstens Raubaus 
gaben veranstalten, eigenmächtige Zusammenstellungen von 
bisher in Buchform noch nicht gesammelten, in Zeitschriften 
und Zeitungen veröffentlichten kürzeren Schriften. 
(Verlagsbuchhändler Georg Müller.) Einer der 
namhaftesten deutschen Verleger Georg Müller in München, 
ist, wie uns aus München gemeldet wird, am 29. Dezember, 
an seinem 40. Geburtstag, gestorben. 1903 begründete Georg 
Müller, der aus Mainz stammte und in Leipzig, München 
und Paris den Buchhandel praktisch erlernt hatte, seinen 
Verlag mit dem Grundstück des Berliner Verlages Georg 
Heinrich Meyer. Er wurde mit anderen führend auf dem Ge 
biet der künstlerisch aüsgestatteten Neudrucke von histo 
rischer und schöngeistiger Literatur. Zu den bedeutendsten 
Leistungen, die ihm zu danken sind, gehören seine großen, 
nach dem chronologischen Prinzip angeordneten Klassikeraus 
gaben, die Propyläen-Ausgabe der Werke Goethes, die Hören- 
Ausgabe von Schillers Werken. Seine Spezialität war die von 
ihm geschaffene Bibliothek von Memoiren und Briefen, zu 
der Liselotte von der Pfalz, Casanova, Lauzun, Maria Theresia, 
Castelli und andere gehören. Mit Bierbaum als Herausgeber 
begründete er die „Bücher der Abtei Thelem", eine für Bib 
liophile bestimmte Reihe erlesener Seltenheiten. Von den 
musterhaften Gesamtausgaben neuerer Dichter sind Gogol 
und Turgenjew, Strindberg und Wedekind zu erwähnen. 
Bilder. 
(Eine Fabrik von „Ölgemälden“.) In Warschau fiel 
auf, daß in letzter Zeit das Angebot von Ölgemälden guter 
alter polnischer Meister, die von reichgewordenen Spekulanten 
sehr gesucht weiden, so gestiegen war, daß die rege Nachfrage 
gedeckt wurde. Nunmehr wurde eine Fabrik von „Original 
gemälden" entdeckt, in der die „echten“ Meister „fabrizieit“ 
wurden. 
(Was stellt Rembrandts „Nachtwache“ dar?) 
Diese alte Frage zu lösen, unternimmt jetzt der Direktor des 
Rotterdamer Museums, F. Schmidt-Degener, in geistvollen 
Ausführungen, die er in der holländischen Zeitschrift „Onze 
Kunst“ veröffentlicht. Von einer Nachtwache in dem Sinne, 
daß hier die zu einer nächtlichen Bewachung des Rathauses 
i oder Stadttores ausziehende Schützenmannschaft dargestellt 
sei, kann ja nicht die Rede sein. Denn was man für ein Nacht 
stück hielt, ist nur der etwas trübe gewordene Goldton Rem 
brandts. Überdies wird in einem authentischen Dokument 
über das Bild im Jahre 1658 von zwei der Porträtierten selbst 
das Werk nicht mit dem kurzen Worte „Nachtwache“ genannt, 
sondern „Abbildung von sechzehn Personen aus ihrer Kom 
pagnie und Korporalschaft“, und ein Album ihres Anführers, 
des Hauptmanns Banning Coq, das eine Skizze nach dem Ge 
mälde enthält, umschreibt das Werk als das Bild, in dem der | 
Kapitän seinem Leutnant befiehlt, die Kompagnie ausrücken 
zu lassen, und hier setzen nun Schmidt-Degeners Hypothesen 
ein. Sechzehn Mitgliedei der Schützengenossenschaft haben sich 
vön Rembrandt malen lassen und haben dafür jeder ungefähr 
hundert Gulden bezahlt; außerdem dann noch der Hauptmann, 
der sich von Rembrandt zu der Hauptperson hat stempeln 
lassen und den Rembrandt auch gern als solche verwendet hat, 
da seine Eitelkeit Rembrandts künstlerischen Absichten ent 
gegen kam. Aber 34 Figuren, wenn man den den Trommler 
anbellenden Hund mitzählt, sind dargestellt, also gerade die 
doppelte Anzahl. Nur die eine Hälfte sind also Porträts, die 
andere besteht aus Figuranten, die Rembrandt aus künstlerischen 
Gründen angebracht hat. Das Tor, das auf dem Gemälde den 
düsteren Hintergrund abgibt, gehört nicht dem Schützenhanse 
an, sondern muß als ein Stadttor angesehen werden, das mit 
den zu ihm führenden Wegen und Brücken eine Zickzacklinie 
bildete. Das Dunkel, in das der Hintergrund gehüllt ist, und 
den hohen Lichteinfall erklärt sich Schmidt-Degener durch eine 
links vorgebaute hohe Bastion, wie sie häufig Stadttore schützend 
flankierten. Ist nun der Ort, wo wir uns die Kompagnie denken 
müssen, deutlich — durch verschiedene von Schmidt-Degener 
konstruierte Grundrisse und eine von dem Rotterdamer Aka 
demieprofessor Luns entworfene genaue Skizze des Auszuges 
wird die ganze Situation besonders anschaulich gemacht — 
so bliebe noch die Frage: Was ist das Ziel dieses Auszuges ? 
Der festliche Empfang der Maria de Medicis im Jahre 1638, 
über den ein in klassischem Latein von dem gelehrten van Baerle 
verfaßtes, mit zahlreichen Stichen geschmücktes Prachtwerk 
publiziert war, und das noch 1642, dem Jahre der Vollendung 
der „Nachtwache“, in aller Erinnerung sein mußte, hat das 
Motiv zu dieser Darstellung geliefert. Ein Kupfer in der „Medicea 
Hospes“ zeigt uns die Amsterdamer Schützen auf der Straße 
und den Brücken vor Amsterdams schiefster Toranlage, dem 
Haarlemer Tor, spalierbildend zum Empfang der Königin auf 
gestellt. Diese Aufstellung läßt ausgeführt sehen, was der Haupt 
mann soeben befohlen hat; es ist wie eine Probe auf das Exempel. 
(Der Messer maler.) Daß Maler sich zur Erreichung 
größerer oder neuci Ausdrucksmöglichkeiten an Stelle des 
Pinsels anderer Weikzeuge bedienen, ist zu verschiedenen 
Zeiten beobachtet worden. Am originellsten war in dieser Hin 
sicht zweifellos Luca Giordano, der einfach mit den Fingern 
malte. Die neueste Erfindung stammt aber von einem modernen 
Italiener, der jetzt in Paris ausstellt, nämlich von Italo Gior- 
dani. Wie die Pariser Presse begeistert mitteilt, sind sämtliche 
Gemälde dieses Künstlers nicht mit Pinseln und auch nicht mit 
Fingern, sondern mit -— Messern gemalt. Die Bilder soll man 
wegen der besonderen Technik aber womöglich nur aus größerer 
Entfernung betrachten. 
Numismatik. 
(Die Sammlung Deahna.) Aus Stuttgart wird uns 
berichtet, daß die vom Geheimen Rat Dr. Deahna hinter- 
lassene Sammlung Henneberger Münzen von dessen Witwe 
dem königlichen Münzkabinett geschenkt wurde. 
(Goldmünzen aus der Zeit Alexanders des Großen.) 
An der mazedonischen Front wurde von Soldaten ein Gefäß 
mit 400 Goldmünzen aus der Zeit Alexanders des Großen 
gefunden. Die Münzen wurden dem Bulgarischen National 
museum überwiesen. 
(Münzenfund.) Wie uns aus Linz gemeldet wird, fand 
der Bauer Alois Jacob bei Orth im Inn viertel beim Aus 
graben eines Baumes 2000 Kupfermünzen und einige Silber 
münzen. Das KupfergekT stammt aus den Jahren 1790, 1796, 
1800 und 1807, also einer Zeit ähnlich der jetzigen, wo man 
sogar Kupfer vergrub.
	        
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