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MAK

Full text : Jahrgang 10 (1918) (10)

Seite  86

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  10

und  Byzantinern  nicht  gehe  —  und  so  erweiterte  ich
neuerlich,  weniger  mein  Sammelgebiet  als  das  meiner
Interessen.  Ich  sammelte  Beobachtungen,  kann  ich
sagen.
Insbesondere  erregte  die  Tatsache,  daß  man  in
Kärnten  bei  den  Bauern  so  viel  land-  und  reichsfremde
Taler  fand,  mein  Befremden  und  meine  Neugierde.
Das  Vorkommen  von  salzburgischen  Talern  war  bald
erklärt.  Denn  Salzburg  hatte  ja  bis  zu  seiner  Säkularisation ­
  Besitzungen  in  Kärnten,  so  insbesondere
Friesach.  Die  vielen  bayrischen  Taler  wieder  erklärten ­
  sich  zwanglos  aus  der  Darstellung  des  Reverses
mit  der  Madonna  und  dem  Jesukinde.  Das  fromme
Landvolk  sah  hier  weniger  auf  die  Vorderseite  als  auf
die  Darstellung  der  Himmelskönigin.  Schon  die  im
Volke  gebräuchliche  Bezeichnung  Marientaler  zeugt
dafür.  Und  das  Kreuz  auf  den  für  die  österreichischen
Niederlande  geprägten  Taler,  das  ihnen  den  Namen
Kreuztaler  eintrug,  erklärt,  wieso  sie  ihren  Weg  statt
in  die  Niederlande  in  die  Alpenländer  fanden.
Blieben  aber  noch  die  vielen,  vielen  sächsischen
Taler,  dann  die  bayrischen  Taler  ohne  die  Madonna
übrig.  Die  eine  Erklärung,  sie  seien  mit  sächsischen
Kriegsgefangenen  in  das  Land  gekommen,  mußte  bald
als  unmöglich  abgetan  werden.  Ebenso  die  Erzählung ­
  von  sächsischen  Bergleuten  und  dergleichen
mehr.
Schließlich  konnte  ich  folgendes  feststellen:  Bis
zum  Anfang  des  19.  Jahrhunderts,  besonders  aber
um  1860—80  herum,  kamen  viele  Vieheinkäufer  aus
Deutschland  nach  Kärnten,  wo  der  Gebrauch  bestand,
daß  bei  dem  Verkaufe  eines  Stückes  Großviehs  die
Hausfrau,  quasi  als  Anerkennung  für  die  Pflege  des
Tieres,  vom  Käufer  ein  großes  Silberstück  erhielt,  das
dann  in  den  Sparstrumpf  wanderte.  Die  Einkäufer
kamen  aber  bald  darauf,  daß  so  ein  österreichisches
Zweiguldenstück  eigentlich  doch  ein  größeres  Geld
sei,  und  kauften  sich  in  Deutschland  außer  Kurs
gesetzte  Münzen  um  den  Silberwert,  also  um  ungefähr
1  fl.  20  kr.,  wobei  sie  80  kr.  profitierten,  und  gaben
diese  Stücke  den  Bäuerinnen,  denen  ja  nicht  um  die
2  fl.,  sondern  um  den  Taler,  den  Spargroschen  zu  tun
war.  So  kamen  denn  die  sächsischen  und  bayrischen
Taler  in  das  Land  und  geben  Rätsel  auf,  wenn  man
die  Lösung  nicht  kennt.
Ein  anderes  Mal  wieder  rief  mich  das  Gericht  bei
bei  der  Inventur  des  Nachlasses  eines  alten  Weibleins

zu  Hilfe,  in  dessen  Vermögen  ungefähr  240  alte  Silbermünzen ­
  (Zwanzigerl,  Eindrittel-,  halbe  und  ganze
Taler  sowie  2  fl.-Stücke)  sich  vorgefunden  hatten.
Die  Bearbeitung,  die  jetzt  einmal  in  der  Carintia.
(der  Zeitschrift  des  Geschichtsvereins  für  Kärnten)
erscheinen  wird,  ergab,  daß  es  sich  um  einen  Familienschatz ­
  (sit  venia  verbo)  handelt,  der  dadurch  entstanden ­
  war,  daß,  seit  ungefähr  1750  angefangen,  jährlich ­
  zwei  Zwanzigerl  in  den  Strumpf  gekommen  waren.
Manche  Jahre  waren  es  mehr  —  manchmal  sogar  ein
Taler  —  andere  Jahre  weniger.  Die  letzte  Münze  war
ein  früher  Doppelgulden  (ich  glaube  1858)  des  Kaisers
Franz  Josef.
Der  ganze  Bestand  war  numismatisch  recht  wertlos,
familiengeschichtlich,  als  Beitrag  zur  Vermögensbildung*.
aber  recht  interessant;  interessant  auch  durch  seine
Zusammensetzung,  da  auch  in  ihm  allerlei  fremde
Gepräge  vorkamen,  so  Zw-anzigerl  vom  Ausland*
Bayreuth,  Preußen,  Württemberg  usw.  Der  Großteil ­
  war  allerdings  österreichisch.
Interessant  ist  ferner  die  Wahrnehmung,  daß  ich
all  auf  meinen  Kreuz-  und  Querzügen  und  Entdeckungsfahrten ­
  nur  ein  bambergisches  Stück  in  die  Hand
bekam,  und  nur,  inklusive  den  Sammlungen,  ein,  zwei
oder  drei  Silbermünzen  Napoleons  I.,  darunter  ein
Fünf-Franken-Stück  sah.
Von  alten  Regenten  ist  Kaiser  Leopold  I.  häufig
zu  finden.
Mittelalterliche  Münzen  fand  ich  fast  keine  in
Privatbesitz,  trotzdem  Kärnten  im  Mittelalter  mehrere
Münzanstalten  besaß,  so  in  Leiding,  Völkermarkt
(wo  die  Münzgasse  dafür  zeugt),  dann  in  St.  Veit
und  Klagenfurt.  Ob  in  Villach  eine  war,  ist  mir  unbekannt. ­
  Ferner  sei  bemerkt,  daß  in  Kärnten  Ende  des
19.  Jahrhunderts  eine  Gutsverwaltung  eine  Privatmünze ­
  (mit  Wertangabe!)  herausgebracht  hat,  die
jedenfalls  nur  als  Rechenpfennig  oder  Marke  gedacht
war,  durch  die  Wertangabe  aber  eine  ganz  merkwürdige ­
  Rolle  spielt.  Ich  kenne  davon  bloß  drei  Stücke,
von  denen  das  Museum  in  Klagenfurt  zwei  (derselbe
Wert)  und  ich  eines  besitze.
Schließlich  finde  noch  ein  Fund  von  byzantinischen ­
  Goldmünzen,  der  im  Herbst  1914  oder  im
Frühjahr  1915  gemacht  wurde,  Erwähnung.  Sie  sind
bei  einer  Sprengung  auf  dem  Gailberge  an  den  Tag
gekommen.  Es  sollen  acht  Solidi  Justinians  I.  ohne
besonderen  Wert  gewesen  sein,  wenigstens  hat  das-Museum
  auf  ihre  Erwerbung  verzichtet.

Plakatkunst.

Im  Rahmen  der  vom  „Österreichischen  Werkbund“
veranstalteten  erzieherischen  Vorträge  über  Fragen  d.es
modernen  Kunstgewerbes  sprach  kürzlich  unter  Vorführung
von  etwa  200  Originalblättern  aus  seiner  bekannten  Sammlung ­
  Dr.  Ottokar  Mascha  über  Plakatkunst.
Dr.  Mascha  führte  dabei  aus:  Im  buchstäblichen  Sinne
des  Wortes  und  durch  die  Unmittelbarkeit  der  Wirkung  ist
die  Plakatkunst  sowie  die  Baukunst  die  Kunst  der  Straße
und  als  solche  von  ganz  ungeheurem  Einfluß  auf  die  Massen.
Mehr  als  jeder  ändere  Zweig  der  bildenden  Künste  fußt

sie  als  ausgesprochene  Zweckkunst,  als  Bedarfskunst  im  Leben
der  Zeitgenossen,  ist  von  den  Bedürfnissen  der  jeweiligen  Gegenwart ­
  abhängig  und  allen  theoretischen,  ästhetisierend.en  und
akademischen  Kunstregeln  abhold.  Auch  heute,  schon  zu  den
Aller  jüngsten  scheint  sie  ein  Verhältnis,  einen  modus  vivendi
gefunden  zu  haben.  Da  die  Veredlung  jeder  gewerblichen  Arbeit
im  Zusammenwirken  von  Kunst,  Industrie  und.  Handwerk
das  vornehmste  Ziel  des  Österreichischen  Werkbundes  ist,
so  ist  die  intensivste  Beeinflussung  der  heimischen  Plakatkunst ­
  durch  den  österreichischen  Werkbund,  für  zweckbe-
            
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