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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 10
Weitere Abteilungen umfassen „Österreichische historische
Blätter“, „Österreichische Porträts“, „Österreichische Städte
ansichten“, „Wiener Theater- und Musikerporträts“, „Volks-
Fig. 6. Erzherzog Karl.
typen, Straßenszenen, Wagen und Equipagen“ und „Alt
wiener Ansichten und Historische Blätter“. Unter den Alt
wiener Ansichten ragt Nr. 388 „Hirschvogels Ansicht der
Stadt Wien vom Jahre 1547“ als eine der kostbarsten Selten
heiten und mithin die früheste Ansicht Wiens überhaupt hervor,
ein Blatt, das fast allen Viennensiasammlungen fehlt und seit
1895 überhaupt nie auf den Markt gekommen ist. Gleich
die folgende Nummer 389 ist die kaum weniger seltene Ansicht
Wiens aus der Vogelschau von Houfnag'el aus dem Jahre 1640
in sechs Blättern, von der auch seit 16 Jahren kein Exemplar
im Handel aufgetaucht ist. Auch die übrigen Nummern dieser
starken Abteilung bieten durchwegs seltene und gesuchte
Viennensia.
Den Clou der Auktion werden aber wohl die 82 Stück
Original-Silhouetten von der Meisterhand Franz Deiwels,
des berühmtesten Wiener Slihouetteurs, aus der Zeit von 1800
bis 1810 bilden, die größtenteils Mitglieder der kaiserlichen
Familie und der damals zu Besuch hier weilenden königlichen <
Familie von Bourbon-Neapel und des Hauses Toskana dar
stellen. Sie sind wohl im Aufträge eines kaiserlichen Prinzen
entstanden. Es ist notorisch, wie selten wirklich gute und
echte Originalsilhouetten aus der Blütezeit dieser schönen
Kunst auf den Markt kommen. Hier bietet sich die Gelegen
heit für den Sammler, nicht nur schöne, echte Originalsilhou
etten als stilvolle Dekoration zu erwerben, sondern noch
dazu eine Porträtgalerie markanter Persönlichkeiten aus der
Empirezeit. Da ist ein Jugendporträt des großen Feldherrn
Erzherzog Karl (siehe unsere Abbildung,Figur 6), ein Knaben
bildnis des Erzherzogs Franz Karl, des Vaters des Kaisers
Franz Josef I. (Nr. 245) und vor allem drei Silhouetten-
Porträts der Erzherzogin Marie Louise, Gemahlin
Napoleon I., als Kind und als Mädchen von etwa 10 und
15 Jahren (Fig. 7). Porträts der Marie Louise (auch als
Kaiserin), gehören zu den gesuchten Seltenheiten, Bildnisse
aus ihrer Jugendzeit vor ihrer Heirat sind kaum bekannt.
Andere Silhouetten wiederum sind nicht so sehr wegen der
dargestellten Persönlichkeit als wiegen ihrer feinen Ausführung
und dekorativen Wirkung hervorzuheben, wie zum Beispiel
Nr. 301, Frl. Annoni, Tochter der Kammerfrau Annoni, und
Nr. 308: „Der Sohn des Zuckerbäckers Puliti“. Wir dürfen
gespannt sein, welche Bewertung diese Silhouettensammlung
beim Wiener Publikum findet .
Den Schluß des Kataloges bildet jener Teil der Hillerschen
Sammlung, der die Kostüm- und Uniformwerke des nicht
österreichischen Auslandes umfaßt. Auch hier finden wir eine
Anzahl sehr seltener und kostbarer Werke, verschiedene
Folgen der Uniformwerke von Eckert und Monten, ein
schönes Exemplar von Menzels Werken über die Soldaten
F'riedrichs des Großen, H. Vernets Prachtwerk über die
Uniformen der Napoleonischen Armeen, ein sehr seltenes
Kupferwerk über die Straßenverkäufer in Konstantinopel
(Nr. 685), Moreau le jeunes Monumentdu costume 1789
(Nr. 690), und das rare polnische Trachtenw'erk von
Norblin-Debucourt (Nr. 694—95) in einem schönen
kolorierten Exemplar und nochmals schwarz aber vor aller
Schrift.
F'ig. 7. Die Gemahlin Napoleons I. als Mädchen.
Die Ausstellung beginnt im Lokal der Firma Gilhofer &
Ranschburg, Wien, I., Bognergasse 2, am Dienstag, den 21. Mai
1918 und ist täglich bis Sonntag, den 26. Mai, von 10 Uhr
vormittags bis 7 Uhr abends zu besichtigen.
Chronik.
Autographen.
(Wiener Versteigerungen.) Die in der Literatur bisher
fast unbekannten Autographensammlungen J. F. Weigl
(1795 bis 1864), .und K. E. Bauernschmid (1801 bis 1875),
gelangen am 5. Juni durch das Antiquariat Dr. Schwarz,
Wien, I. Habsburgergasse 3, zur Versteigerung. Die Samm
lungen w r eisen hochinteressante Autographen von Beethoven,
Hay.dn, Mozart, Schubert, Raimund, Krones, Goethe,
Schiller usw. darunter mehrere ungedruckte Briefe, auf.
Im Anschluß an diese Sammlungen ward die aus dem Nach
lasse der Frau Helene Sueß-Rath stammende Autogräphen-
Sammlung mit ebenso interessanten Stücken versteigert.
Eine dritte Abteilung enthält neben wertvollen historischen
Stücken ein prachtvolles Musikstück von Franz Schubert
aus dem Jahre 1814. — Albert Kend e in Wien bringt im