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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 13
Einschläge: diese also sind^es, die sich der Gunst der Käufer
vor allem erfreuen. Erst jetzt erscheint Rembrandt, dessen
,,Frühstück" 83 mal kopiert worden ist. Dann folgt das welt
bekannte „Schokoladenmädchen" von Liotard, das 80 mal
abgemalt worden ist, und der Feklherrnnit roter Binde von
van Dyck, von dem 75 Kopien angefertigt wurden. Beinahe
ebenso oft, nämlich 74 mal, ist von van Delfts köstliches
lesendes Mädchen kopiert worden; aber neben dieser erfreulichen
Tatsache ist wieder gleich die niederschlagende zu setzen, daß
der blasse akademische Jesusknabe im Tempel von Heinrich
Hof mann 57 mal den Kopisten zum Vorbild gedient hat.
Den Beschluß der liste machen die Sixtinische Madonna mit
53, Tizians „Zinsgroschen“ und die Söhne des Meisters
von C. L. Vogel mit 51 und die heilige Agnes von Ribeira
mit 42 Kopien, während als Allerletzter bescheidentlich noch
einmal Rembrandt erscheint, dessen „Saskia als Mädchen"
33 Liebhaber unter den Kopisten gefunden hat.
Philatelie.
(Ausgabe von ,, Karl-Fonds-Marken“ in Bosnien
und der Herzegowina.) In der Zeit vom 20. bis einschließ
lich 23. Juli 1. J. gelangen bei allen Militärpostämtern in Bosnien
und der Herzegowina zugunsten des Kaiser- und König-Kari-
Fürsorgefonds besondere Frankomarken zu 10 h, 15 h und 40 h
zur Ausgabe, die während dieser vier Tage zur Frankierung
von Postsendungen innerhalb Bosniens und der Herzegowina,
nach Österreich, nach Ungarn und nach den von der k. u. k.
Wehrmacht besetzten Gebieten in Polen, Serbien, Montenegro,
Albanien und Italien verwendet werden können. Diese Marken
werden während dieser vier Tage am Postschalter mit einem
Zuschlag von 10 h per Stück abgegeben. Diese Wertzeichen sind
von der Hol- und Staatsdruckerei in Wien in Kupferdruck
hergestellt; die 10h- und 40h-Werte tragen das Bild des Kaisers
Karl, die 15 h-Marke das Bild der Kaiserin Zita. Die Marken
bilder sind von Alfred Coßmann nach den letzten photo
graphischen Aufnahmen der beiden Majestäten (Hofphotograph
Kosel) in Stahlstich hergestellt; die Rahmenzeichnung ist
von Dr. Rudolf Junk. Jede Marke trägt oben die Aufschrift:
,, K. u. k. Militärpost“ und unten „Karl-Fonds". Mehr als zehn
Stück einzelner Werte oder mehr als zehn Sätze dieser Marken
werden von den Militärpostämtern an einzelne Käufer nicht
abgegeben. Bestellungen an größeren Mengen sind an den
„.Kaiser- und König-Karl-Fürsorgefonds“ in Sarajewo zu richten
und werden von diesem, soweit der Vorrat reicht, effektuiert.
Die Militärpostämter befassen sich nicht mit dem Verkaufe
nach auswärts.
Verschiedenes.
(Originalaquarelle von August Neilreich,) Bota
nikern ist die „Flora“ von Dr. August Neilrei ch wohlbekannt,
für die der Gelehrte in einem Zeitraum von ungefähr
50 Jahren Aquarelle geschaffen hat, die das Reizendste sind,
das sich denken läßt; Neilreich mußte sich es beim damaligen
Stande der Reproduktionstechnik versagen, in seinem Werke
die Pflanzen in den natürlichen Farben, wie er sie ausgeführt
hatte, auch wiederzugeben; erst nach Jahren, als der Drei
farbendruck im Buchdruck praktische Erfolge erzielt hatte,
ging der Ödenburger Druckereibesitzer Gustav Röttig, ein
Mann von feinstem künstlerischen Geschmack, daran, das
Versäumte nachzuholen, indem er die Pflanzen getreu nach
den Originalen Neilreichs herausgab. Es entstand ein Pracht
werk, das nicht allein von Botanikern geschätzt wird. Kauf
angebote auf die Originale lehnte Herr Röttig beharrlich ab,
so lockend sie auch waren. Nun aber werden die lieblichen
Blätter zum Kaufe ausgeboten und wir möchten namentlich
Bibliotheken auf die Gelegenheit aufmerksam machen, die
ihnen das im Ankündigungsteile dieser Nummer befindliche
Inserat bietet.
(Die Weimarer Karl-Alexander-Gedächtnisaus
stellung.) Aus Weimar wird berichtet: Die Karl-Alexander-
Gedächtnisausstellung im Großherzoglichen, (sogenannten alten)
Museum darf zu den weitaus bedeutendsten Erscheinungen
auf diesem Gebiet gerechnet werden. Auf Anregung des Groß
herzoglichen Hofmarschallamtes haben der Direktor der Groß
herzoglichen Hochschule für bildende Kunst, Professor
Mackensen, der Direktor der Großherzoglichen Bibliothek,
Professor Dr. D e r t j e n, der Leiter des Geheimen Staatsarchives,
Dr. Tille, sowie der Generalintendant des Großherzoglichen
Hoftheaters, von Schi rach, eine Sammlung von Gegenständen
der Kunst, Wissenschaft und des Lebens zusammengebracht,
die unmittelbar zu der Persönlichkeit des Großherzogs in Ver
bindung stehen. Eine Fülle von wertvollem, einzigartigem Er
innerungsmaterial füllt zwei große Oberlichtsäle, die große
Prellergalerie, den oberen Teil des Treppenhauses sowie sechs
geräumige Gelasse des Oberstocks des Monumentalbaues aus.
Beim Betreten des einen Oberlichtsaales erblickt man kostbare
Ölgemälde des Großherzogs, seiner Gemahlin Sophie und Töchter
—■ durchweg Meisterwerke der Bildnismalerei von Fechner,
Thumann, Plockhorst. Lauchert, Verlat und (mit einer kleinen
Einschränkung bezüglich des Werkes) von Laszlo. Der zweite
große Oberlichtsaal birgt eine große Anzahl überaus wertvoller
Werke der Bildnis- und Landschaftsmalerei, so unter anderem
drei herrliche Landschaften Theodor Hägens, eine Reihe treff
licher großer Landschaften von Otto Fröhlich (Weimar),
Friethjof Smith (Weimar), Thcdy, Hildebrandt, Brendel,
Liebermann usw.; zwei berühmte Lenbachs, ein Meisterwerk
Marns. Eine Fülle von Erinnerungen tauchen beim Durch
wandern des nächsten Raumes bei dem mit der nachklasischen
Zeit Weimars vertrauten Besucher auf. Durch Bilder, Plaketten
Büsten und Statuetten steigt das silberne Zeitalter der Goethe
stadt : die Periode Karl Alexanders vor dem Auge empor. Eine
weitere Abteilung enthält Briefe bedeutender Männer an den
Fürsten; zwar sind neben den bedeutendsten Professoren an
der Landesuniversität Jena in alter und neuerer Zeit fast
sämtliche hervorragenden Schriftsteller, Maler, Bühnenkünstler,
Musiker, Dramatiker, Bildhauer, Politiker und Militärs ver
treten und unter den letzteren mit schönen Briefen Bismarck,
Moltke und Caprivi. In demselben Raume befindet sieb auch ein
studentisches Heiligtum: die Fahne der alten Jenenser Burschen
schaft, die hier um so mehr GegenwartsberecMigung genießt,
als bekanntlich die Burschenschaft als Taufpate am Tauffest
des Prinzen im September 1818 in corpore teilnahm. Ein be
sonderes Zimmer ist der Wartburg gewidmet und enthält
unter anderem das Modell Rictzcns zur Restaurierung der Burg.
Vier Zwischenzimmer sind schließlich den Malern Weimars
aus der Zeit Karl Alexanders, sämtlich einstige Schüler der
jetzigen Hochschule, Vorbehalten. Die Prellergalerie endlich
enthält die Ausstellung des Großherzoglichen Iloitheaters, die
jedoch noch nicht fertiggestellt ist.
Museen.
(Neues aus den Berliner Museen.) In die Sammlungen
des Berliner Kunstgewerbemuseums gelangte jetzt durch An
kauf eine Porzellanfigur, die nach dem Modell des großen Ber
liner Bildhauers Gottfried Schadow im Jahre 1815 .im An
schluß an die siegreichen Kämpfe in Frankreich entstanden
ist. Das Werk, das aus Biskuitporzellan besteht, soll den Fluß
gott der Sambre darstellen. Eine der größten Kostbarkeiten
des Kunstgewerbemuseums, das Reliquiar aus Enger in
Sachsen, veröffentlicht Geheimrat Marc Rosenberg, der
-hervorragende Karlsruher Kenner der alten Goldschmiedekunst,