Nr. 13
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 119
im neuen Hefte des Jahrbuchs der preußischen Kunstsamm
lungen. Das Stück gehört zu einer Gruppe von kirchlichen
Altertümern, die schon von Alters her als Reliquien des Sachsen
führers Widukind, des Gegners Karls des Großen, bekannt
sind. 785 empfing Widukind in Attingny in der Champagne
die Taufe, und damals überreichte ihm Karl der Große Paten
geschenke. Schon alte Quellen bringen diese mit dem Schatz
in Zusammenhang, der sich in Enger, einer Gründung Kaiser
Ottos I., befand. Das Reliquiar, das nur 16 Zentimeter hoch ist,
zeigt nun einen Holzkern in der ungefähren Gestalt einer Hand
tasche mit Bügel und ist auf drei Seiten mit vergoldetem
Silber, auf einer Breitseite mit Goldblech beschlagen. Auf
diesen Seiten erscheinen, mit dem Treibhammer gearbeitet,
Figuren. Da sieht man den segnenden Heiland, Maria mit dem
Kinde, Apostel, Engel. Rosenberg führt an Hand der Zellen
schmelzornamente, die das Stück farbenprächtig umgeben,
den Nachweis, daß diese Kostbarkeit in karolingischer Zeit im
burgundisch-alemannischen Gebiet entstand. Danach kann es
sehr wohl ein Geschenk für Widukind bei seiner Taufe
gewesen sein.
(Die Kopenhagener Gemäldegalerie) ist in jüngster
Zeit um mehrere Reihen wertvoller Bilder bereichert worden.
Eines der kostbarsten Stücke darunter verdankt sie dem
dänischen Kunstgewerbeverein. Es handelt sich dabei um einen
Ruysdael, einen Eichenwald darstellend. Das Werk, das
aus den jüngeren Jahren des Meisters stammt, wird als ganz
hervorragend geschildert. Bisher hatte die Kopenhagener
Sammlung keinen Ruysdael von Bedeutung. Von Tocquet
hat die Gemäldesammlung ein Porträt erworben, nämlich eine
Darstellung des Adeligen Frederik de Berregaard, der in der
Mitte des XVIII. Jahrhunderts in Paris als Diplomat tätig
war. Aus der Versteigerung Kauffmann in Berlin hat die
Kopenhagener Sammlung einen alten Spanier aus dem Jahre
1740 erworben, ein vortreffliches Bild, das Paulus und Jakob
darstellt; als Geschenk aus Berlin hat sie eine Landschaft von
Esaias van den Velde bekommen. Weiter sind gegenwärtig in
der Gemäldesammlung ein paar neue Bilder ausgestellt, die sie
als Leihgaben aus der Privatsammlung des Direktors Heilbuht
erhalten hat. Das hervorragendste Stück darunter ist ein
Rembrandt, ein Studienkopf zu einem der Richter auf dem
Susannenbilde aus dem Jahre 1647, das in Berlin hängt. Weiter
gehören zu diesen Leihgaben zwei Werke von Frans Hals.
Das eine davon ist ein in kleinen Maßen, aber hervorragend
ausgeführtes Porträt eines Mannes, der wie ein Priester aus
sieht, und stammt aus der Versteigerung der Gumprecht-
schen Sammlung in Berlin. Das andere, gleichfalls ein männ
liches Bildnis, ist in Amsterdam erworben worden.
Vom Kunstmarkt.
(Sammlung Dr. Georg Hirth, München.) Der
am 9. Juli zur Versteigerung kommende dritte Teil der Samm
lung Dr. Georg Hirth bietet in erster Linie eine überaus reich
haltige Sammlung Möbel aller Art, so Truhen, Schränke,
Sekretäre, Kommoden, Stühle, Bänke, Tische, Konsoltische,
ferner ganze Vertäfelungen und Zimmereinrichtungen mit
Spiegeln, Wandleuchtern und Konsolen in einer Mannigfaltig
keit und Qualität, wie sie wohl kaum noch in einer deutschen
Privatsammlung anzutreffen sind. Ans dieser reichen Abteilung
seien nun besonders hervorgehoben eine reich eingelegte Ver
täfelung nebst Truhen und Stühlen aus der bekannten schwäbi
schen Abtei Ochsenhausen, eine vollständige Empiregarnitur
mit reichen Bronzebeschläg aus einem Schloß in Schleswig-
Holstein und holzgeschnitztc vergoldete Vertäfelungen des
Rokoko und des Klassizismus. Eingelegte Re naissancekästchen,
süddeutsche Truhen, rheinische Stollenschränke, gewaltige
süddeutsche Architckturschiänke mit mannigfaltigen Einlege
arbeiten und Schnitzereien, sowie bayerische und fränkische
Schränke vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zum Ausgang des
18. Jahrhunderts, dazu Sekretäre, Vitrinen und Tische mit
Einlegearbeit in den verschiedensten Materialien bezeugen die
Mannigfaltigkeit der Sammlung. Eine Ausnahmestellung
nehmen die zahlreichen Konsoltische, Wandvertäfelungen,
Konsolen, Spiegeln und Türen des süddeutschen Rokoko ein,
das sich an die Namen Effner und Cuvillees knüpft, Werke, die
Daniel Burckhardt bei Besichtigung der Residenz in München
das herrlichste Rokoko nannte, das auf Erden vorhanden sei.
Demgegenüber tritt die Abteilung „Keramik", die den
Glanzpunkt der früheren Versteigerung Hirth bildete, zurück.
Meißen, Höchst und Nymphenburg sind immerhin mit einigen
guten Stücken vertreten, ebenso ostasiatisches Porzellan. Fünf
große Öfen vollständig erhalten, Renaissance und Rokoko,
geben auch dieser Abteilung eine besondere Note. Das Gebiet
der Plastik zählt nur wenige, darunter aber einige ganz
hervorragende Stücke, so zwei antike Marmorbüsten und vom
Anfang des 16. Jahrhunderts das Relief eines jugendlichen
Reiteis sowie zwei knieende Engel, holzgcschnitzt in alter
Fassung, beides norditalische Arbeiten. Von anderen Ab
teilungen erwähnen wir unter den Gemälden, fast alle in
Originalrahmen, nur die Namen Jakob Bassano, Arnold von
Boonen, Daniel Caffe, Wilhelm von Kau Ibach, Peter
Lely. Hauptwerke von Georg de Mar6es, Oefele, Schenau,
Lorenz Strauch, Bernardo Strozzi, ein Selbstporträt von
Johann Heinrich Tischbein, Vivien und Januarius Zick
mit drei vorzüglichen Arbeiten. Miniaturen, englische und
französische Farbstiche schließen sich an. Den Beschluß bilden
die Textilien, darunter unter den Gobelins ein flandrischer von
außerordentlicher Schönheit, leider zertrennt, dann die be
kannten Teppiche aus der Schottenkirche zu Regensburg, eine
große Anzahl sehr gut erhaltener orientalischer Teppiche, meist
des 18. und 19. Jahrhunderts, und eine reichhaltige Auswahl von
Stoffen und Kissen. Der von Dr. Buch heit verfaßte Katalog
mit 120 Lichtdrucktafeln ist zum Preise von M 30.—* durch die
Galerie Helbing in München zu beziehen.
(Zur Sitten- und Kostümgeschichte Altwiens
und Altösterreichs.) Bei der schon gemeldeten Auktion
(siehe Nr. 12) wurden weiters folgende Preise erzielt:
Österreichische historische Blätter. Nr. 127, Die
stürmende Eroberung von Türkisch-Sabatz, K 120; Nr. 128,
Prospekt von Kayserlich und Türkisch-Dubicza, K 500; Nr. 132,
Schlacht bey Martinestie, K 100; Nr. 134, Josef des II. letzte
Rede, K 330; Nr. 140, Leopold II. im Zirkel seiner Familie,
K 230; Nr. 141, Die Damen umgürten die Ritter vor dem
Caroussel usw., K360; Nr. 142, DasCaroussel,Löschenkohl 1791,
K 320; Nr. 143, Der Friedenskongreß in Szisztow, 1< 310;
Nr. 149, Schlacht bei Aspern, F. v. Habermann, del. Pucherna sc,
K 220; Nr. 150, Erstürmung des Kirchhofes von Aspern,
Pucherna sc., K 215; Nr. 157, Schraubenmedaille auf die
Alliierten, K 100; Nr. 160, Erinnerungsblätter and ie Krönung
in Preßburg, K 230; Nr. 161, Erinnerungsblatt, Fundion am
Königsberg, K 240; Nr. 162, Eidesleistung am Barmherzigcn-
platz, K 250; Nr. 165, Winterkampagne des Graf Schlickschen
Armeekorps, in Oberungarn, K 200; Nr. 166, Armeebulletins
aus dem ungarischen Feldzuge, 1848/49, K 290; Nr. 169,
Biwak nach dem Gefechte bei Schwechat. K 225.
Österreichische Porträts. Nr. 178, Christine Fürstin
Golloredo-Mansfeld, K 220; Nr. 181, Gabriele Fürstin Dietrieh-
stein, K 150; Nr. 182, Anton Paul Fürst Esterhazy, K 110;
Nr. 190, Heinrich Füger, K 290; Nr. 191, Josepha Füger, K 300;
Nr. 196, Erzherzog Johann von Österreich, K 105; Nr. 200,
Erzherzog Karl, K 210; Nr. 201, Ders., K 230; Nr. 204, Gräfin
Therese Kinsky, K 210; Nr. 208, Laudon, K 270; Nr. 209,,
Kaiser Leopold II., K 110; Nr. 210, Ders., K 105; Nr. 211,
Fürst Alois Josef Liechtenstein, K 330; Nr. 214, Erzherzogin
Marie Klementine, K 250; Nr. 215, Erzherzogin Maria Theresia,.