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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 16
Chronik.
Bibliophilie.
(Die nächste Weihnachtsgabe der Goethege
sellschaft) in Weimar wird die erste Ansgabe der bisher unbe
kannten Zeichnungen und Gemälde Heinrich Meyers (Kunst
meyer) sein, die Hans Wahl (Weimar) mit einem erläuternden
Text versehen wird. Diese Veröffentlichung bildet eine reiz
volle Ergänzung zu dem von Max Hecker herausgegebenen
Briefwechsel zwischen Goethe und Meyer, dessen erster
Band im vorigen Jahre gleichfalls als Weihnachtsgabe den
Mitgliedern der Goethegesellschaft zugestellt worden ist.
(Eine Bibliographie der dänischen Geschichte.)
Auf Kosten des Carlsberg-Fonds in Kopenhagen, erscheint seit
dem vorigen Jahre eine allgemeine Bibliographie der däni
schen Geschichte, mit der ein überaus wertvolles Hilfsmittel
für alle den Norden betreffenden geschichtlichen Studien ge
schaffen wird, zumal da ja die Geschichte Norwegens jahr
hundertelang im wesentlichen mit der dänischen zusammen
fällt. Die Herausgeber sind B. Erichsen und Alfred Krarup.
Bereits im vorigen Jahre erschien der dritte Band des großen
Unternehmens, der die Personalgeschichte umfaßte. Nunmehr
sind die Arbeiten soweit fortgeschritten, daß von dem ersten
Bande, der die Zeitgeschichte behandelt, das erste, bis zum Jahic
1808 führende Heft veröffentlicht werden konnte. Um Neujahr
soll das zweite, bis 1912 reichende Heft erscheinen, während
das Schlußheft erst für 1920 in Aussicht genommen ist und die
Bibliographie über Dänemarks Kirchen-, Kunst-, Kultur-
und Literaturgeschichte bringen wird. Der dann noch aus
stehende zweite Band behandelt die Ortsgeschichte und wird
auch die Bibliographie für die GescbichtevonSchleswig-Holstein
unter dänischer Herrschaft enthalten.
Bilder.
(Verkauf der Galerie Miller von Aichholz.) Nach
Zeitungsmeldungen hat der Wiener Sammler, Herr Eugen
Miller von Aichholz, sein Palais in der Prinz Eugen-Gasse
samt der prächtigen Bildergalerie an den Generaldirektor
Castiglione verkauft. Die Galerie Miller von Aichholz ist
besonders durch die große Anzahl trefflicher Pettenkofen
bekannt.
(Bilderdiebstähle.) Aus München wird uns geschrieben:
In der Kunstausstellung des Glaspalastes ist ein Gemälde des
Malers Wild gestohlen worden. Das Bild stellt die Tochter
des Künstlers dar. — Einer amtlichen Meldung aus Zürich
zufolge, ist in einem Saale des neuen Kunsthauses ein Gemälde
des kürzlich verstorbenenMalersFerdinandHodler, darstellend
einen Stabschnitzer, entwendet worden. Das Bild ist mit
10.000 Francs bewertet.
Medaillen.
(Eine neue Wilczekmedaille.) Anläßlich des 80. Ge
burtstages des Grafen Hans Wilczek, des bekannten Wiener
Kunstmäzens, hat Josef Tau tenhayn eine Medaille des Grafen
geschaffen, die alle Vorzüge der Kunst Tautenhayns aufweist.
Der Avers zeigt den wohlgelungenen Kopf Wilczeks, mit
der Umschrift: Hans Graf Wilczek. Aetatis LXXX.MCMXVII.
Der Revers veranschaulicht die berühmte Burg Kreuzenstein,
die von Wilczek mit großen Mitteln neuhergestcllt wurde. Auf
beiden Seiten ist der Name des Künstlers eingeprägt. Ein
Exemplar ist in Silber, die übrigen in Hartblei ausgeführt
worden.
Numismatik.
(Tschecho-slowakisches Geld.) Aus verschiedenen
Gegenden Böhmens wird berichtet, daß dort bereits Gold- und
Silbermünzen des neuen tschecho-slowmkischen Staates fran
zösischer Herkunft, im Umlauf sind. Die Goldstücke, in der
Größe französischer Louisdore, tragen als Prägung auf der
einen Seite das Bild des Prager Ilradschins, auf der anderen
Seite zwei Sokols, die sich die Hand reichen, und darüber den
Falken, Ihr Wert ist 20 „Sokols", der offenbar den Wert
eines Franken bedeutet. Auch einzelne Sokolstücke sowie
goldene Zehnsokolstücke soll es bereits geben. Alle Geld
stücke tragen auf der einen Seite die tschechische Inschrift
vom tschecho-slowakischen Staate, auf der anderen Seite
eine französiche Inschrift.
Porzellan.
(Kunstmalcrei auf Porzellan.) Die Porzellanfabrik
Th. Rosenthal in Selb beabsichtigt, in dem Dorfe Lauscha
eine Künstlerkolonie anzusicdcln, die Kunstmalerei auf Por
zellan betreiben soll. Dieser Zweig des Kunstgewerbes wurde
früher in Lauscha sehr gepflegt, ist aber später gänzlich ver
nachlässigt rvorden.
Verschiedenes.
(Böse Beispiele.) Die Handlungsweise der Colmarer
Rembrandtverkäufer scheint Nachahmung zu finden. Ein
Stift in Sigmaringen steht im Begriffe, eine ausgezeichnete,
ihm durch Vermächtnis zugefallene deutsche mittelalterliche
Skulptur ins Ausland zu verkaufen. Ein hohes Gebot des
Landesfürsten lehnt die Verwaltung ab. Sie verlangt volle
100.000 M.
(Nenn herrenlose Crcmoneser Geigen.) Vor einigen
Tagen kamen zwei junge Mädchen in ein Wiener Geschäft und
boten neun Cremoneser Geigen von hohem Werte zum Kaufe
an. Als sie sahen, daß man in sie Mißtrauen setze, entfernten
sie sich unter Rücklass ung der Geigen, die offenbar von einem
Diebstahl herrühren.
(Eine Ausstellung vorgeschichtlicher Kunst.)
Aus Stuttgart wird uns berichtet: Der hiesige Orts verein
der Allgemeinen deutschen Kunstgenossenschaft Stutt
gart bereitet unter der Leitung von Professor Schmidt
(Tübingen) eine Sonderausstellung vorgeschichtlicher Bild
werke vor. Die Ausstellung soll unter anderem erstmals eine
große Reihe getreuer Nachbildungen von Bildwerken a\js der
Dilluvialzeit entwicklungsgeschichtlichzusammengestellt zeigen.
Diese werden künftig die Zierde eines urgeschichtlichen
Instituts sein, das die Universität Tübingen ins Leben zu
rufen gedenkt.
(Zur Geschichte der Gabel.) Ein italienischer Pro
fessor, Giovanni Lumbroso, hat eine kleine, aber sehr in
teressante Studie über die Geschichte dieses notwendigen
Instrumentes veröffentlicht, eine Studie, die von den ein
gehendsten Forschungen Zeugnis ablegt. Lumbroso veeist
zunächst nach, daß im klassischen Altertum die Gabel nicht
im Gebrauch war. Ei führt die Schriftsteller an, welche ausführ
liche Vorschriften gaben über das zierliche und delikate Er
fassen der Speisen — mit den Fingern. Vor etwa 1000 Jahren
taucht dann die Forchetta (Gabel) auf, und zwar in der venetia-