Nr. 17
Internationale Sammler-Leitung
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Einzelfalle zu Bedenken keinen Anlaß gibt. Auf alle Fälle
müßte aber daran festgehalten werden, daß ein Versteigerer
eigene Kunstgegenstände nicht versteigern darf. Hier versagt
aber wiederum die Gesetzgebung, denn nach höchstrichter
lichen Entscheidungen ist die Versteigerung eigener Sachen
keijr Versteigern, sondern ein Verkauf von Sachen an den
Meistbietenden.
Aus dem Bündel von Gesichtspunkten, die bei einer Re
gelung der Kunstversteigerungen zu berücksichtigen sind,
ragt besonders die Frage nach Anfertigung der Kataloge
hervor. Vielfach wird verlangt, daß der Versteigerer dem
Käufer gegenüber die volle Haftung für die Richtigkeit der
Angaben über die zu versteigernden Gegenstände übernimmt,
während die Versteigerer nur bei vorsätzlich oder fahrlässig
falschen Angaben haften wollen. Als eine wesentliche Ver
besserung wird die Aufnahme von Schätzungswerten in die
Kataloge angesehen, die von vereidigten Sachverständigen
ermittelt und vertreten werden sollen. Endlich will man auch
das Verhältnis des Versteigerers zu den Kommissionären, die
im Aufträge Dritter bieten, geregelt wissen. Alles das sind
Fragen von weitgehender Bedeutung, deren Lösung manche
Schwierigkeiten bieten dürfte. Unbedingt nötig erscheint es
aber, daß die beteiligten Bundesstaaten hierbei Hand in Hand
gehen; und noch richtiger wäre es, daß sich das Reich der
Sache annähme, damit einheitliches Recht in Deutschland
besteht und die Kunstversteigerungen nicht aus einem Staat
mit strengeren Vorschriften in einen anderen mit milderer
Regelung abwandern. Nach allem dem erscheint es höchst
unwahrscheinlich, daß den plötzlich hervorgetretenen Ge
rüchten Tatsachen zugrunde liegen. Es ist nicht wohl anzu
nehmen, daß die preußische Regierung hier ihre eigenen Wege
gellen wird, ohne sich mit den andern Bundesstaaten ver
ständigt zu haben; dies um so weniger, als die gesetzlichen
Unterlagen für ein erfolgreiches Vorgehen zurzeit fehlen.
Chronik.
Autographen.
(Die Sammlung des Giafen Schimmelpennick.)
Der kürzlich verstorbene holländische Graf Schimmel
pennick hinterließ der niederländischen Regierung seine
wertvolle Autographensammlung, welche B.iefe der fran
zösischen Könige seit dem Beginn des vierzehnten Jahrhunderts,
ferner Wilhelms des Schweigsamen, Karls V., Philipps II.
von Spanien und anderer berühmter Männer enthält.
Bibliophilie.
(Versteigerung.) Das Wiener Kunstantiquariat Franz
M alota versteigert am 15. Oktober und den folgenden Tagen
die umfangreiche Bibliothek des verstorbenen Hofrates Schulz
von S traßnicky. Sie umfaßt sehr selteneWerke aller Wissens
gebiete, alte Drucke, Kupferwerke, illustrierte Bücher, Werke
über Kostüme und Uniformen, alte Reisen, Austriaca, Vienensia,
Deutsche Literatur und Übersetzungen, Erstausgaben, Al-
manache und Taschenbücher, Volkslieder, Märchen und
Sagen. Der Katalog enthält fast 1000 Nummern.
(Die Bibliothek des Malers Schennis.) Die Bibliothek
des kürzlich verstorbenen Malers Friedrich von Schennis ist
in den Besitz des Verlags und Antiquariats K. W. Hierse-
mann in Leipzig übergegangen. Sie enthält unter anderen
lateinische Manuskripte des Mittelalters, französische Kupfer
stiche berühmter Stecher, Cochin, Morreau, Mariller und
seltene illustrierte Bücher des 19. Jahrhunderts.
Bilder.
(Die Casseler Bilder in der Petersburger Ere
mitage.) Nach den neuen Vereinbarungen zum Brest-Litowsker
Frieden sollen die der Casseler Galerie entstammenden, nach
Petersburg verbrachten Gemälde dem ursprünglichen Eigen
tümer wieder zurückgegeben werden. Mit mehreren Hundert
kostbaren Kunstschätzen teilten diese Bilder das Schicksal,
von Baron De non und seinen Kommissaren im Aufträge
Napoleons nach Paris entführt zu werden. Napoleon machte
von der Casseler Bilderbeute 38 dei besten Stücke der Kaiserin
Josephine zum Geschenk, die sie in ihrem Schlosse zu Mal-
maison aufstellte. 1814 kaufte dann Alexander I. von Ruß
land diese sämtlichen Bilder Josephinen ab, angeblich aus
Ritterlichkeit, weil die Kaiserin in bedrängter finanzieller
Lage war, indes kann man wohl sagen, daß er dabei kein
schlechtes Geschäft machte, denn der Preis von Fr 940.000,
der er der Kaiserin zahlte, war für das, was er erhielt, ein wahrer
_ Pappenstiel. Die Glanzstücke der ganzen Gruppe, ciie nun
in die Eremitage wanderte, bilden die berühmten vier Tages
zeiten von Claude Lorrain, Bilder von stattlichen Abmes
sungen (1-58: 1T3), auf denen der Lothringer Meister Morgen,.
Mittag, Abend und Nacht in seiner majestätischen Formen-
gebung und im vollen Reize seiner Lichtbehandlung mit un
vergleichlichem Stimmungszauber geschildert hat. Noch ein
weiteres Bild von Claude Lorrain, einen Gang nach Emmaus,
hat Alexander I. damals von Josephinen erworben. Ein weiteres
Prachtstück ist die leidenschaftlich beleuchtete. Kreuzabnahme
von Rembrandt, die sich nun zu den vielen berühmten
Rembrandts der Casseler Galerie zurückfinden wird. Andrea
del Sarto ist mit einer schönen heiligen Familie vertreten.
Zumeist aber sind es die Meister der Niederlande, die diese
Gruppe der Casseler Bilder bestreiten. Da ist die stattliche
Antwerpencr Schützengilde von Teniers, drei kräftige Werke
von Paulus Potter, das elegante ,,Glas Limonade“ von Ter-
borch und die miniaturhaft fein durchgeführte ,.Herings
verkäuferin“ von Gerard Dou. Alexander I. hatte seinerzeit
dem Kurfürsten von Hessen die Rückgabe der Bilder gegen
Erstattung des Kaufpreises angeboten; das Rechtsgefühl
des Kurfürsten aber sträubte sich dagegen, einen Preis für die
Bilder zu zahlen, die aus seiner Galerie gestohlen waren.
Werden heute wirklich nach den deutsch-russischen Verein
barungen etwa die von Alexander I. gezahlten Fr. 940.000
zurückeistattet, so würde allein der Wert des Rembrandtbildes
diesen Betrag decken oder vielmehr erheblich übersteigen.
(Ein Wandgemälde von Klinger.) Max Klinger hat
für Chemnitz ein großes Wandgemälde geschaffen, das
Arbeit, Wohlstan 1, Schönheit symbolisieit. Eine Stiftung dea
verstorbenen Geheimrates Vogel, wurde das Werk jüngst in
Anwesenheit des Künstlers dem Stadtverordnetenkollegium
übergeben.
Numismatik.
(Versteigerungen.) Adolph ließ’ Nachf. in Frankfurt
a. M. kündigt zwei Münzversteigerungen an. Am 30. September
und den folgenden Tagen bringt er neben Münzen und Me
daillen aus norddeutschem Besitz die Sammlung des Geheimen
Archivrates G. A. von Mülverstedt in Magdeburg unter
den Hammer, die sich als ungemein re ichhaltige Spezialsammlung
Magdeburger Gepräge darstellt. Dieser Auktion schließt