MAK
Nr. 17 
Internationale Sammler-Leitung 
Seite 149 
Einzelfalle zu Bedenken keinen Anlaß gibt. Auf alle Fälle 
müßte aber daran festgehalten werden, daß ein Versteigerer 
eigene Kunstgegenstände nicht versteigern darf. Hier versagt 
aber wiederum die Gesetzgebung, denn nach höchstrichter 
lichen Entscheidungen ist die Versteigerung eigener Sachen 
keijr Versteigern, sondern ein Verkauf von Sachen an den 
Meistbietenden. 
Aus dem Bündel von Gesichtspunkten, die bei einer Re 
gelung der Kunstversteigerungen zu berücksichtigen sind, 
ragt besonders die Frage nach Anfertigung der Kataloge 
hervor. Vielfach wird verlangt, daß der Versteigerer dem 
Käufer gegenüber die volle Haftung für die Richtigkeit der 
Angaben über die zu versteigernden Gegenstände übernimmt, 
während die Versteigerer nur bei vorsätzlich oder fahrlässig 
falschen Angaben haften wollen. Als eine wesentliche Ver 
besserung wird die Aufnahme von Schätzungswerten in die 
Kataloge angesehen, die von vereidigten Sachverständigen 
ermittelt und vertreten werden sollen. Endlich will man auch 
das Verhältnis des Versteigerers zu den Kommissionären, die 
im Aufträge Dritter bieten, geregelt wissen. Alles das sind 
Fragen von weitgehender Bedeutung, deren Lösung manche 
Schwierigkeiten bieten dürfte. Unbedingt nötig erscheint es 
aber, daß die beteiligten Bundesstaaten hierbei Hand in Hand 
gehen; und noch richtiger wäre es, daß sich das Reich der 
Sache annähme, damit einheitliches Recht in Deutschland 
besteht und die Kunstversteigerungen nicht aus einem Staat 
mit strengeren Vorschriften in einen anderen mit milderer 
Regelung abwandern. Nach allem dem erscheint es höchst 
unwahrscheinlich, daß den plötzlich hervorgetretenen Ge 
rüchten Tatsachen zugrunde liegen. Es ist nicht wohl anzu 
nehmen, daß die preußische Regierung hier ihre eigenen Wege 
gellen wird, ohne sich mit den andern Bundesstaaten ver 
ständigt zu haben; dies um so weniger, als die gesetzlichen 
Unterlagen für ein erfolgreiches Vorgehen zurzeit fehlen. 
Chronik. 
Autographen. 
(Die Sammlung des Giafen Schimmelpennick.) 
Der kürzlich verstorbene holländische Graf Schimmel 
pennick hinterließ der niederländischen Regierung seine 
wertvolle Autographensammlung, welche B.iefe der fran 
zösischen Könige seit dem Beginn des vierzehnten Jahrhunderts, 
ferner Wilhelms des Schweigsamen, Karls V., Philipps II. 
von Spanien und anderer berühmter Männer enthält. 
Bibliophilie. 
(Versteigerung.) Das Wiener Kunstantiquariat Franz 
M alota versteigert am 15. Oktober und den folgenden Tagen 
die umfangreiche Bibliothek des verstorbenen Hofrates Schulz 
von S traßnicky. Sie umfaßt sehr selteneWerke aller Wissens 
gebiete, alte Drucke, Kupferwerke, illustrierte Bücher, Werke 
über Kostüme und Uniformen, alte Reisen, Austriaca, Vienensia, 
Deutsche Literatur und Übersetzungen, Erstausgaben, Al- 
manache und Taschenbücher, Volkslieder, Märchen und 
Sagen. Der Katalog enthält fast 1000 Nummern. 
(Die Bibliothek des Malers Schennis.) Die Bibliothek 
des kürzlich verstorbenen Malers Friedrich von Schennis ist 
in den Besitz des Verlags und Antiquariats K. W. Hierse- 
mann in Leipzig übergegangen. Sie enthält unter anderen 
lateinische Manuskripte des Mittelalters, französische Kupfer 
stiche berühmter Stecher, Cochin, Morreau, Mariller und 
seltene illustrierte Bücher des 19. Jahrhunderts. 
Bilder. 
(Die Casseler Bilder in der Petersburger Ere 
mitage.) Nach den neuen Vereinbarungen zum Brest-Litowsker 
Frieden sollen die der Casseler Galerie entstammenden, nach 
Petersburg verbrachten Gemälde dem ursprünglichen Eigen 
tümer wieder zurückgegeben werden. Mit mehreren Hundert 
kostbaren Kunstschätzen teilten diese Bilder das Schicksal, 
von Baron De non und seinen Kommissaren im Aufträge 
Napoleons nach Paris entführt zu werden. Napoleon machte 
von der Casseler Bilderbeute 38 dei besten Stücke der Kaiserin 
Josephine zum Geschenk, die sie in ihrem Schlosse zu Mal- 
maison aufstellte. 1814 kaufte dann Alexander I. von Ruß 
land diese sämtlichen Bilder Josephinen ab, angeblich aus 
Ritterlichkeit, weil die Kaiserin in bedrängter finanzieller 
Lage war, indes kann man wohl sagen, daß er dabei kein 
schlechtes Geschäft machte, denn der Preis von Fr 940.000, 
der er der Kaiserin zahlte, war für das, was er erhielt, ein wahrer 
_ Pappenstiel. Die Glanzstücke der ganzen Gruppe, ciie nun 
in die Eremitage wanderte, bilden die berühmten vier Tages 
zeiten von Claude Lorrain, Bilder von stattlichen Abmes 
sungen (1-58: 1T3), auf denen der Lothringer Meister Morgen,. 
Mittag, Abend und Nacht in seiner majestätischen Formen- 
gebung und im vollen Reize seiner Lichtbehandlung mit un 
vergleichlichem Stimmungszauber geschildert hat. Noch ein 
weiteres Bild von Claude Lorrain, einen Gang nach Emmaus, 
hat Alexander I. damals von Josephinen erworben. Ein weiteres 
Prachtstück ist die leidenschaftlich beleuchtete. Kreuzabnahme 
von Rembrandt, die sich nun zu den vielen berühmten 
Rembrandts der Casseler Galerie zurückfinden wird. Andrea 
del Sarto ist mit einer schönen heiligen Familie vertreten. 
Zumeist aber sind es die Meister der Niederlande, die diese 
Gruppe der Casseler Bilder bestreiten. Da ist die stattliche 
Antwerpencr Schützengilde von Teniers, drei kräftige Werke 
von Paulus Potter, das elegante ,,Glas Limonade“ von Ter- 
borch und die miniaturhaft fein durchgeführte ,.Herings 
verkäuferin“ von Gerard Dou. Alexander I. hatte seinerzeit 
dem Kurfürsten von Hessen die Rückgabe der Bilder gegen 
Erstattung des Kaufpreises angeboten; das Rechtsgefühl 
des Kurfürsten aber sträubte sich dagegen, einen Preis für die 
Bilder zu zahlen, die aus seiner Galerie gestohlen waren. 
Werden heute wirklich nach den deutsch-russischen Verein 
barungen etwa die von Alexander I. gezahlten Fr. 940.000 
zurückeistattet, so würde allein der Wert des Rembrandtbildes 
diesen Betrag decken oder vielmehr erheblich übersteigen. 
(Ein Wandgemälde von Klinger.) Max Klinger hat 
für Chemnitz ein großes Wandgemälde geschaffen, das 
Arbeit, Wohlstan 1, Schönheit symbolisieit. Eine Stiftung dea 
verstorbenen Geheimrates Vogel, wurde das Werk jüngst in 
Anwesenheit des Künstlers dem Stadtverordnetenkollegium 
übergeben. 
Numismatik. 
(Versteigerungen.) Adolph ließ’ Nachf. in Frankfurt 
a. M. kündigt zwei Münzversteigerungen an. Am 30. September 
und den folgenden Tagen bringt er neben Münzen und Me 
daillen aus norddeutschem Besitz die Sammlung des Geheimen 
Archivrates G. A. von Mülverstedt in Magdeburg unter 
den Hammer, die sich als ungemein re ichhaltige Spezialsammlung 
Magdeburger Gepräge darstellt. Dieser Auktion schließt
	        
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