Nr. 18
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Internationale Sammler-Zeitung
spiele fürs deutsche Theater“ Originalausgaben ver
einen. Aus den Goethe-Prachtwerken ragen das „Rö
mische Carneval" (1789),. ein Desideratum von Goethes
eigener Bibliothek, da er sein letztes Exemplar fort
schenken mußte (hier dazu noch durch einen schönen
Ganzlederband der Zeit und den Namenszug der
Herzogin Dorothea von Kurland ausgezeichnet) und
das „Taschenbuch für 1798“ mit dem ersten Druck
von „Hermann und Dorothea“ hervor. Die beiden Ab
züge, die die Sammlung besitzt, sind in ihrer kost
barsten Ausstattung vorhanden, die nur ganz wenigen
Exemplaren zuteil wurde, im gewirkten, von dem
Dichter selbst gerühmten Seidenbande. Aus den ephe
meren Goetheanis mag wenigstens der „Prolog zu den
neuesten Offenbarungen Gottes" (1774) hervorgehoben
werden.
Daß die erste Ausgabe der „Räuber“, die Schiller
1781 als Selbstverleger veranstaltete und deren Ver
öffentlichung Anlaß zur Flucht, dem ersten Markstein
seines Lebensweges gab, in einer Sammlung wie dieser
nicht fehlen durfte, ist beinahe selbstverständlich. An
sie schließen sich die meisten der ersten Schillerdrucke
an, unter ihnen der „Don Carlos“ (1787) und „Die
Verschwörung des Fiesko“ (1783).
Besonders hervorzuheben ist die von Schiller noch
selbst begonnene Gesamtausgabe seines Theaters
(1805—1807), in einem Abzüge auf Schreibpapier
mit den Kupfern, dessen Einbände Chr. Fr. Nicolais
Buchkeichen tragen, die sie. zu einer literarischen
Provenienz besonderer Art machen.
Lessing ist durch die „Schriften“ (1753—55),
der von Lachmann und Maltzahn herausgegebenen
„Sämtliche Schriften“ (1838—40) und (1853—57),
sowie durch hübsche Einzelausgaben vertreten, Wie
land unter anderem durch die Gesamtausgabe
seiner Werke in Quart (1794—98), die schönste
Gesamtausgabe, die sich ein deutscher Klassiker selbst
schaffen durfte, und durch ein fast vollständiges Exem
plar seines „deutschen Merkur" in hübschen Halb
franzbänden aus der Zeit jener Zeitschrift, deren Be
deutung als Qucllenwerk für die Geistesgeschichtc
der klassischen deutschen Literatur nicht hoch genug
einges'chätzt werden kann. Daß auch die anderen
bibliographischen Repräsentanten aus den frühen und
mittleren Jahren des Goetheschen Zeitalters der deut
schen Dichtung nicht fehlen, versteht sich von selbst.
Die Stürmer und Dränger mit ihren einst von den
Lesern und jetzt wenigstens noch von den Sammlern
so heiß umstrittenen Schriften, eröffenen den Bücher
reigen, der von der Epoche der Klassiker in die der
älteren Romantiker hinüberführt. Da ist die erste
ungemein seltene Ausgabe von Bürgers Gedichten
(Göttingen, Dietrich, 1778), da sind die sämtlichen
Werke des „Wandsbecker Boten“ von Matthias Clau
dius (Hamburg 1775 ff.), die in ihrer ehrlichen Schlicht
heit zu den schönsten deutschen Büchern des 18. Jahr
hunderts gehören, da sind Lavaters „Physiognomische
Fragmente“, dessen Mitarbeiter, auch Goethe war, in
der Originalausgabe, diese Sammlung der hervor
ragendsten Köpfe ihrer Zeit, die als Ikonographie
noch immer ein unvergleichliches Standwerk ist, da
sind noch viele andere kleine Köstlichkeiten und große
Schätze, die die Literaturgeschichte nennt.
Wenn den älteren Romantikern die Achtung, so
gehört den jüngeren die Begeisterung unserer Buch
freunde. In ihren Schriften spüren sie schon den Puls
schlag der neuen Zeit, der sie selbst angehören. Als die
Hauptwerke der „Schule“ gelten mit Recht zwei
Sammlungen, „Des Knaben Wunderhorn“, das Arnim
und Brentano in drei Bänden 1806—1808 herausgaben
und die von Arnim 1808 geleitete Zeitschrift für
Einsiedler „Trösteinsamkeit“, an der fast alle ihr
nahestehenden Dichter mitarbeiteten, beide, besonders
das letztgenannte, jetzt sehr selten. Ein bibliophiler
Ruhm, der ihnen einige Einzelschriften Brentanos,
der „Godwi" (1801/02), der „Uhrmacher Bogs“ (1807),
der „Philister“ (1811), streitig machen, deren wenige
bekannte Exemplare allmählich ganz und gar aus dem
Handel zu verschwinden scheinen. Auch die wunder
schöne Erstausgabe des Märchens von „Gockel, Hinke],
Gakäleja“ (Frankfurt 1838), die sich mit ihnen an
Seltenheit freilich nicht messen kann und hier sogar
in zwei Abzügen vorhanden ist, darf die Bezeichnung
einer Cimelic für sich in Anspruch nehmen. Das eine
Beispiel mag genügen, um kurz auf den Reichtum der
Sammlung an begehrten Erstdrucken des 19. Jahr
hunderts hinzuweisen und nur die Quartausgabe von
E. T. A. Hoffmanns „Olimpia“ (Berlin 1821) in einem
prächtigen Ganzlederbande sei noch abschließend er
wähnt, weil sie wohl fast allen vollständigen Hoffmann-
Sammlungen fehlen dürfte.
Die berühmten deutschen Illustratoren des 18. und
19. Jahrhunderts sind mit ihren Hauptmeistern in
deren Hauptwerken ebenfalls glänzend vertreten. Cho-
dow-iecki, Ludwig Richter, Menzel (von, dem ein
fast unbeschnittenes, vorzüglich erhaltenes Exemplar
der Erstausgabe von Kuglcrs Geschichte Friedrichs
des Großen vorhanden ist) und andere bekannte Namen
noch fehlen ebensowenig wie einige Glanzleistungen
der französischen Buchkunst des 18. Jahrhunderts, die
der deutschen ein unmittelbares Vorbild war. Da sind
die Baisers Doras in einem außerordentlich frischen
Abzüge der Ausgabe auf holländischem Papier, die
Bände von Boccacios Decamerone und manches andere
Buch noch, das die Herzen der Kenner und Liebhaber
schneller schlagen läßt. Eine Sondergruppe für sich
bilden die Schattenrißsammlungen und Stamm
bücher, die als Zeugnisse der empfindsamen Zeit
nicht nur den Handschriftenfreund reizen mögen, der
auf ihren kostbaren Blättern Bildnisse von Goethe,
Lavater, Jacobi, Kotzebue, Hölty, Lessing, Chodo-
wdecki und vielen anderen, Eintragungen von Goethe,
Herder, Wieland, Lessing, Kästner, Käthchen Schön
kopf und anderen findet.
Fast mit Bedauern sieht der Buchfreund auch
diese kostbare Sammlung dem Schicksale der meisten
Privatbibliotheken, der Auflösung, entgegengehen. Ein
Schicksal, über das ihn der Gedanke trösten mag,
daß solches Schicksal noch immer die besten Gele
genheiten zur Bereicherung eigenen Besitzes schafft.
Die Zettlersche Sammlung antiker Gläser.
Der Öffentlichkeit sehr wenig, um so vorteilhafter
aber der Fachwissenschaft bekannt, ist die Sammlung
syrischer Gläser, die der Gründer der k. b. Hof
glasmalerei gleichen Namens, der verstorbene Kom
merzienrat F. H. Zettler in München, in den neun
ziger Jahren zusarr, menge bracht hat. Fast dritthalb