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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 18
Bilder.
(Aufdeckung alter Wandgemälde in Gurk.) Auf
Veranlassung des Fürstbischofs Dr. Hefter wurde im Einvernehmen
mit der staatlichen Kunstbehörde im Dom zu
Gurk eine' Anzahl Wandgemälde von der Tünche befreit.
Die Gemälde gejiören dem 14. bis Anfang des 16. Jahrhunderts
an und stellen Heiligenszenen aus dem Leben Marias und
Allegorien dar. Die Aufdeckungsarbeit hat der bekannte
akademische Maler Hans Viertelberger meisterhaft besorgt.
(Für das Rathaus zu Emden) hat Grete. Waldau ein
dreiteiliges Wandgemälde vollendet, das den Besuch des
Kaisers Wilhelm in Emden darstellt.
Medaillen.
(Medaillensammlung aus dem 16. Jahrhundert.)
Im Anzeiger für schweizerische Altertumskunde (Zürich,
Heft I, 1918), bespricht Dr. Burckhardt, Konservator des
Basler Historischen Museums, die Medaillensammlung des
Ludovic Demoulin de Rochefort (1515—82), Leibarztes
der Königin Margareta von Navarra und des Herzogs Emanuel
Philibert von Savoyen, der sein Leben in Basel beschloß.
Von Rochefort sind drei Medaillen auf ihn selbst vorhanden,
während von einer vierten nur eine Beschreibung vorliegt..
Rochefort brachte eine stattliche Sammlung von Münzen und
Medaillen nach Basel, die 1576 durch Basilius Amerbach
erworben wurde und jetzt im dortigen Museum sich befindet.
Als Anhang macht Burckhardt Mitteilungen über einen Stempel
mit ^ dem Pentagramm, der wahrscheinlich aus Rocheforts
Besitz stammt.
(Schweizerische Militärmedaillen.) Daß die Medaille,
„das Volkslied der Kleinplastik' immer noch diesen
Namen verdient, konnte man kürzlich wieder erfahren, als
bei der schweizerischen Nationalspcnde die Medaille von
Hans Frei in Basel in einer Anzahl von Exemplaren verkauft
wurde, wie dies in der Schweiz überhaupt noch nicht vorgekommen
ist. Das Stück bedeutet einen außerordentlich glücklichen
Wurf; der Wehrmann mit dem Stahlhelm hatte den
Reiz des Neuen, der Einfachheit und schlagenden Kraft zugleich.
Die Schrift auf der Rückseite, die in drei Sprachen
abgefaßt sein mußte, fiel der Ausführlichkeit halber etwas
kleiner und flauer aus, als es der Stil der Vorderseite verlangte.
Auch einzelne Truppenteile der Schweizer Armee haben zur
Erinnerung an die Grenzbesetzung Medaillen schlagen lassen.
So ließ die 10. Festungsartilleriekompagnie eine Medaille von
Milo Martin herstellen, die auf der Vorderseite den streng
stilisierten p alias ähnlichen Kopf der heiligen Barbara, auf der
Rückseite die Kriegsfurie mit einer platzenden Granate zeigt.
Ausgezeichnet beraten war die Sappeurkompagnie II, 5,
welche die Herstellung eines Modells für eine Erinnerungsmedaille
dem bekannten Züricher Bildhauer Hans Markwalder
übertrug. Den Spaten in der Hand, steht in der
Mitte der von seiner Arbeit eben aufschauende Sappeur
und blickt rückwärts nach links, wo eine Infanteriekolonne
mit geschulterten Gewehren und fliegender Fahne vorüberzieht.
Trotz allem Reichtum hat die Komposition einen
monumentalen Zug und dabei die Stimmung eines echten
fröhlichen Soldatenliedes Die Rückseite zeigt eine rassige
Schrift von mustergültigen Verhältnissen. Alle drei Stücke
bedeuten für die schweizerische Medaille eine interessante
Bereicherung.
Numismatik.
(Münzenfund.) Bei Konirn in Kroatien fand ein Bauer
beim Pflügen einen mit 18.000 römischen Kaisermünzen
gefüllten Topf, der dem Museum in Agram übergeben wurde.
Die Kaiser Gallienus und Claudius sind mit etwa 14.000
Stück, Aurelius mit über 800, Salo ni n a mit über 1000
Stück vertreten. Das älteste Stück ist von Caracalla, das
jüngste von Tacitus (276 v. Chr. Geb.).
(Francesco Grecchi.) Der in der Angelegenheit der Flockseide
mehrfach genannte Commendatore Francesco Gnechi
in Meiland ist der verdiente Münzensammler und Kenner, der
die „Rivista Italiana di Numismatica“, in die er zahlreiche
wertvolle Aufsätze geschrieben, geschaffen und durch Preisausschreiben,
populäre Bücher das Interesse für die Münzwissenschaft
in weite Kreise getragen hat. Gnechi ist Besitzer
einer prachtvollen Sammlung altrömischer Münzen; ein
Glanzstück seiner Goldserien ist ein bekanntes Goldmedaillön,
ein Unikum mit dem zeitgenössischen Porträtbildnis des
Gotenkönigs Theodorich. Berühmte Gelehrte, wie Theodor
Mommsen, plegten seine Sammlungen zu studieren. Francesco
Gnecchis Bruder ist Ercole Gnecchi, der sich auf dem Gebiet
der mitteralterlichen italienischen Münzkunde Verdienste erworben
hat; er ist ebenfalls Besitzer einer wertvollen Sammlung.
(Das Rätsel der griechischen Göttin.) Die thronende
Göttin im Berliner Alten Museum, deren Gewinnung mitten
aus Feindesland berechtigtes Aufsehen erregte, ist in ihrei
Herkunft der örtlichen ebensow'ohl wir der zeitlichen, von vielen
Rätseln umgeben. Zur Lösung dieser Fragen führt jetzt der
Direktor des Gothaer Münzkabinetts, Professor B. Pick,
im J ahrbuchdes Deutschen archäologischen Instituts Näh ?res aus.
Es gelang ihm, auf dem Wege über die Münzen Unteritaliens
auf eine Spur zu kommen, die aller Wahrscheinlichkeit nach
richtig ist. In Unteritalien, einer altgriechischen Kolonie,
dort soll ja die Göttin gefunden sein. Nun gibt es unter den
Münzen jener großgriechischen Städte einen Typus, der, wie
bei den Stempelschneidern üblich, ein Kultbild aus älterer
Zeit kopiert. Die Münzen stammen aus Lokroi Epizephyrioi,
aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert. Da ist eine
thronende Göttin wiedergegeben, die mit der Berliner Statue
zwar nicht identisch, aber verwandt ist. Nach dem Mohnkopfszepter
der Münze kann es nur die Unterweltsgöttin Persephone
sein, die Hauptgöttin von Lokroi. Die Münze dürfte
das Kultbild des dortigen Persephonetempels wiedergeben,
das mit dem Tempel selbst gegen Ende des fünften Jahrhunderts
geschaffen zu sein scheint. Dies war offenbar ein archaistisches,
im Anschluß an ein hochverehrtes älteres Kunstwerk biAvußt
stilisierendes Werk. Dagegen ist die Berliner Statue älter,
steht zwischen dem Kultbilde der Münze und einem alten Bilde
der Göttin aus Lokroi, das wir aus Terrakotten, kennen. Nun
findet sich ein dem lokroischen ähnliches Bild der Persephone
in Terrakotten von Tarent, das in Verbindung mit Lokroi
stand. Pick vermutet, daß die Lokroier bei irgendeiner Gelegenheit
ein Bild ihrer Hauptgöttin nach Tarent gestiftet
haben, das dem lokroischen Kultbilde gleich oder ähnlich war.
Wenn danach die Berliner Göttin als archaistische Umbildung
eines älteren Kultbildes der lokroischen Persephone erkannt
ist, so ergibt sich die Möglichkeit, daß sie etwas später entstanden
ist, als man bisher nach ihren altertümlichen Zügen
annahm, nämlich um 470 oder 460. Das ist eine Zeit, wo Tarent
eine besonders kunstfrendige Stadt war.
Verschiedenes.
(Die Stickereien des Lyrikers.) In München sammelt
man jetzt die Stickereien des kürzlich in Java verstorbenen
Dichters Max Dautbendey, der sich während seiner
letzten Münchener Jahre eifrig mit der Nadelkunst beschäftigt
hatte. Diese Stickereien zeigen den gleichen exotisch-phantastisch-farbigen
Stil wie die- Lyrik Dauthendeys, und sie
beweisen die Einheit dieser starken Persönlichkeit, die sich
mit jedem Kunstmaterial gleich blieb. Dauthendey hatte eine
ganz eigene, improvisierende Technik des Stickens. Er besaß
einen großen Stickrahmen aus kostbarem Olivenholz, und arbeitete
nur auf feinster indischer Seide. Seine Frau fädelte ihm
zahllose Nadeln mit kunterbunten Seidenfäden ein, und er
warf dann die Nadeln, kurz zielend, in das Seidentuch. So
entstanden Blumen und Tiere von bizarrster Unwirklichkeit,