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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 19 
wenigstens einige alte Stücke zu erwerben. Die Fälscher 
werden geradezu zur Erzeugung „uralter“ Möbel 
herausgefordert, denn für diese werden Preise gezahlt, 
die den einstigen Neuwert um das tausendfache über 
steigen. Wer antike Möbel zu angemessenen Preisen 
verkaufen wollte, würde beim Käufer nur Zweifel 
erwecken. Was sich auf redliche Weise nicht erlangen 
läßt, sucht man auf unlauterem Wege zu beschaffen. 
Aus bestimmten Epochen gibt es so viel echte Möbel, 
daß man sich f agen muß, wie die Kunsttischler und 
Schnitzer mit den primitiven Hilfsmitteln jener Zeit 
imstande waren, solche Unmengen von Möbeln zu 
erzeugen, zumal diese doch nur den Ansprüchen ihrer 
Zeit und ihrer Kundschaft zu genügen hatten. 
Die Herstellung alter Möbel ist heute eine blühende 
Industrie, die wahre Künstler beschäftigt. Von den 
im Privatbesitz befindlichen alten Möbeln aus dem 
Mittelalter und noch älteren Zeiten sind mindestens 
95°/o gefälscht und trotzdem wird selbst in Kenner 
kreisen manch bittere Fehde über den Wert oder Un 
wert eines antiken Möbels ausgefochten. Die Spesen 
der Kreis- oder Bandsäge lernt man bei sorgfältigem 
Vergleichen bald von den mit alten Schneidewerk 
zeugen hergestellten Arbeiten unterscheiden. Dünne 
Holzteile sind bei einzelnen Objekten mindestens ver 
dächtig, denn mit dem Holze pflegte man früher nicht 
zu sparen. Selbst Zinken waren in früheren Jahr 
hunderten unbekannt. Die Teile wurden nicht geleimt, 
sondern mittels Holzzapfen zusammengeschlagen. Auch 
der allzu reichliche Gebrauch rostiger Nägel läßt auf 
Täuschungsabsicht schließen. Am besten erkennt der 
Holzarbeiter die Nachahmung,: wenn er sich mit der 
Technik der Berufsgenossen jener-Zeitalter näher be 
schäftigt. Wer sich die notorisch echten Möbel der 
Museen genauer ansieht, findet bald die Unterschiede 
der Arbeitsweise. Die modernen .Werkzeuge hinter 
lassen ganz andere Spuren als die unvollkommenen 
Hilfsmittel jener Zeiten. 
Rauchmäntel. 
Der Rauch- oder Vespermantel heißt im Lateinischen 
Pluviale, weil er ursprünglich bei öffentlichen Prozessionen 
und Bittgängen zum Schutze gegen die Witterung (pluvier) 
getragen wurde. Heutzutage gebraucht man ihn bei allen 
Funktionen, bei denen sich der Priester des Rauchfasses be 
dient, also besonders bei dem nachmittägigen Gottesdienste, 
der Vesper, bei Trauer- und Beerdigungsfeierlichkeiten/ bei 
Prozessionen usw. 
Die Träger waren in frühester Zeit nicht die Priester allein, 
sondern auch die Ministranten und Sänger; später, als ihn die 
Sänger und Ministranten nicht mehr trugen, mußten den 
Mantel die Priester und Bischöfe mit den Königen und Kaisern 
bei deren Krönung teilen. Von da an beginnt erst die reichere 
und künstlerische Ausschmückung dieses Kultuskleidungs 
stückes, etwa mit dem 10. Jahrhundert. Von dieser Zeit an 
war der Rauchmantel der Form und dem Schnitte nach noch 
nicht beständig. Das Wesentliche war, daß er ein mantel 
förmiges, vorne geöffnetes Gewand bildete, das den Ober 
körper bis über die Knie bedeckte. Hinten war eine Kapuze 
(cappa, caputium) zur Bedeckung des Kopfes angebracht. 
Diese gab dem Kleide ebenfalls einen Namen, es hieß nach ihr 
cappa choralis. Die Kapuze nahm seit dem 13. Jahrhundert 
immer mehr ab, wahrscheinlich aus Reinlichkeitsrücksichten. 
Aber was früher zum Schutze des Kopfes gediente hatte, ver 
blieb noch in den folgenden Jahrhunderten in Form eines 
kleinen Schildes an der Rückseite des Mantels, gewöhnlich 
in Uestalt eines Dreiecks mit reichen Stickereien. Je kleiner 
dieses Schildchen ist und je mehr es mit der ursprünglichen 
Dreieckform der Kapuze übereinstimmt, um so älter ist das 
betreffende Stück. 
Der Überreste von Pluvialen sind nicht so viele, wie jener 
von Meßgewändern, den Kasein. Äußerst selten sind solche 
aus der früheren Zeit. Zahlreicher sind schon die Vespermäntel 
des 15. Jahrhunderts; in den verschiedenen Domschätzen hat 
sich eine ziemliche Anzahl schön erhaltener Rauchmäntel 
bewahrt. Im Beginne des eben genannten Jahrhunderts war 
das an Stelle der ehemaligen Kapuze gesetzte Schildchen noch 
ganz klein und endigte meistens in der Spitzbogenform. Es 
war bestimmt, in Stickerei das Bild des Kirchenpatrons oder 
den Namensheiligen des Trägers aufzunehmen. Auch das 
Wappen des adeligen oder fürstlichen Geschenkgebers sieht 
man hie und da auf diesem Clipeus. Waren die Pluvialen reicher 
ausgestattet, so fehlt im 15. Jahrhundert selten an dem Schild 
chen eine längere Quaste von verschiedenfarbigen Seidenfäden. 
Wir betrachten bisher die Kapuze und was sich daraus 
im Laufe der Zeit entwickelt als ein Merkmal für die Be 
stimmung des Alters. Aber auch der untere Saum dos Rauch 
mantels um die beiden Streifen, welche der Öffnung entlang 
herunterlaufen, sind von Wichtigkeit. Was zunächst den Saum 
anbelangt, so ist es bekannt, daß im 13. und 14. Jahrhundert 
kleine Glöckchen von Silber ohne Schwengel daran waren, 
die einen melodischen Klang gaben, so oft sie aneinander 
schlugen. Statt dieser Glöckchen findet man auch Ornament 
stickereien. Im 15. Jahrhundert aber bilden dichte Seiden- 
fransen den Abschluß. 
Hinsichtlich der Besatzstücke zu beiden Seiten des offenen 
Mantels oder der Aurifrisien, wie sie auch genannt werden, 
ist zu merken, daß sie ursprünglich ganz schmal sind, höchstens 
von der Breite einer Hand. Darauf kamen gestickte Ornamente, 
zuweilen auch Heiligenbilder, natürlich auch in Mosaikmalerei. 
Als aber gegen Schluß des 15. und mit dem Beginne des 16. Jahr 
hunderts die Tafelmalerei jenen gewaltigen Aufschwung nahm 
und die Meister der verschiedenen Malerschulen ihren Einfluß 
auch auf die Bildstickerei ausdehnten, da wurden jene engen 
Besätze zu beiden Seiten der Pluvialen zur Anbringung kunst 
reich gestickter Bilder verschiedener Heiligen immer breiter. 
Ja, wir treffen bald umfangreichere Darstellungen aus dem 
Leben des Heilandes und der Himmelskönigin. Und wie die 
Aurifrisien (oder braetextae) sich mehr und mehr ausdehnten, 
so erweiterte sich auch der Schild (clipeus) hinten, um hier 
größeren Darstellungen Raum zu bieten. Es ist das die Zeit, 
wo die flandrischen Künstler durch ihre meisterhafte Technik 
sich einen Weltruhm verschafften. 
Um diese Zeit verbindet sich mit der Stickerei auch die 
Goldschmiedekunst, einmal hinsichtlich der Schließe (fibula) 
sowie hinsichtlich des schon oft erwähnten Schildchens (clipeus). 
Dieses schildförmige Ornament an Stelle der früheren Kapuze 
ward häufig versehen mit in Gold und Silber gehämmerten 
und mit vielfarbigen Schmelzen verzierten Ornamenten. Diese 
Verzierung war oft so reich, daß das Ganze den Eindruck eines 
metallenen Schildes machte. Und in der Tat kam man bald 
darauf, besonde'rs in England, das Schildchen für sich bestehend
	        
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