MAK
Seite 14 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 2 
die ja nach Vasaris Beschreibung des Originals von 
ganz besonders starker Wirkung waren. 
Das wissenschaftliche Resultat von Sarasins 
Arbeit ist die Feststellung der verloren geglaubten 
Komposition des Verkiindigungsengcls aus Leonardos 
Mailänderzeit, das künstlerische aber die Befreiung 
des Basler Bildes von störender Übermalung; 
das Gemälde hat durch die glückliche Restauration 
nicht nur ein paar große anatomische Fehler 
verloren, die von einer schwachem Hand her- 
iührten, als das übrige Bild, sondern es ist in allen Teilen 
voller, reicher und einheitlicher geworden und hat an 
Glanz und heller Leuchtkraft der Farben bedeutend 
gewonnen. Dieses schöne Resultat, für das wir dem 
Autor und dem geschickten Helfer dankbar sind, 
spricht gewiß stark für den künstlerischen Wert des 
Basler Verkündigungsengels; aber die Frage nach der 
Eigenhändigkeit Leonardos läßt sich heute kaum, mehr 
entscheiden; denn auch dieses Werk hat im Laufe 
der Zeiten außerordentlich gelitten. Wir sind skeptischer 
geworden als die Kunst gelehrten vor fünfzig Jahren 
und haben die Begeisterung verloren, mit der einst 
Jakob Burckhardt das Basler Bild als Leonardo 
ansprach. Aber die Leonardoforschung wird sich 
künftighin wieder ernstlich mit dem Sarasinschen 
Verkündungsengel zu befassen haben. 
Auf der Rückseite des Basler Bildes befinden sich 
drei Eigentumsvermerke (Tafel XI); der älteste besteht 
aus einem dreimal ins Holz eingepreßten Stempel 
mit der Lilie des französischen Königshauses; dem. Stil 
nach gehört diese heraldische Figur in die erste Hälfte 
des .16. Jahrhunderts, wie die zu gleicher Zeit einge 
preßte Schrift in lateinischen Majuskeln „Leonardu(s) 
Vincus“, also in die Zeit Franz I. oder seines Nach 
folgers Heinrich II.; da der Angelo den Vasari beim 
Herzog Cosimo gesehen hatte, nach Seidlitz (Leonardo I. 
Kap. III, Anm. 11) im Inventar der Guardaroba des 
Herzogs von 1553 nicht mehr aufgeführt wird, so 
ist anzunehmen, daß das Bild schon zu jener Zeit 
in französischem. Besitze w'ar, wie der Jean Baptiste 
des Louvre, den Leonardo für Franz I. von Frank 
reich gemalt hat. 
Künstlerische Nachlässe. 
Zum, zweiten Male innerhalb kurzer Frist kann das 
Wiener Dorotheum Künstlernachlässe auf den Markt 
bringen. Der reichhaltigste ist diesmal der Adolf 
Kaufmanns, von dem wir nicht weniger als 130 Land 
schaften finden. Wenn man sich vor Augen hält, 
daß es kaum ein vornehmes Bürgerhaus in Wien gibt, 
das nicht irgendein Bild von der Hand Kaufmanns 
aufzuweisen hätte, wird man über die Fülle des Nach 
lasses nicht genug staunen. Und dabei hat die Leichtig 
keit der Produktion Kaufmann hie zur Flüchtigkeit 
verleitet. Ausgenommen etwa die Bilder aus seiner 
Pariser Zeit, da er als „Monsieur Guyot“ die Be 
wunderung weiter Gesellschaftskreise als Schnellen aler 
erregte. Er malte damals ein Landschaftsbild, noch 
lieber eine Marine in 20 bis 30 Minuten vor einer ihn 
umringenden Zuschauerschaft. Wiederholt lud ihn 
Fürstin Pauline Metternich, die Gattin des Öster 
reichisch-ungarischen Botschafters, zu ihren Soireen, 
wo er Gelegenheit fand, sein Können den vornehmsten 
Kreisen zu zeigen; gelegentlich wurde er auch dem 
Kaiser Napoleon III. vorgestellt. Aus dieser Zeit, 
über die Kaufmann später selbst zu lachen pflegte, 
ist übrigens im Nachlaß nichts vorhanden, •wohl aber 
gute Landschaften von seinen vielen Reisen in 
Konstantinopel, Dänemark, Holland, Serbien oder 
Bilder aus Wien und dessen Umgebung. 
Neben eigenen Bildern kommen aus dem Besitze 
Adolf Kaufmanns Werke verschiedener Künstler zum 
Verkaufe, so ein Waldmüller (Laubwald), ein Petten- 
koffen (Pferdekopf), ein Calame (Studie aus San 
Martino), ein Eduard Vcith (Liebeszene), Ferraris 
(Bildnis eines Mädchens), Adalbert Franz Selig mann 
(Studie eines sitzenden Mannes) u. a. 
Dem Nachlasse Adolf Kaufmanns schließt sich 
der Hans Wilts an, der am 29. März vorigen Jahres, 
gerade an seinem 50. Geburtstage, in Wien einem 
Lungenlciden erlag. Wilt, in Wien geboren, besuchte 
hier die Akademie der bildenden Künste, wo Eduard 
von Lichtenfels sein Lehrer war. Mit dem Rompreis 
ausgezeichnet, verbrachte er zwei Jahre mit ernsten 
Studien in Italien; nach Wien zurückgekehrt, wurde 
er Mitglied der Künstlergenossenschaft, der er mit 
Unterbrechung durch einen zeitweiligen Übertritt zum 
Hagenbund bis zu seinem Tode angehört hat. Ein 
talentvoller Künstler hat er insbesondere als Land 
schafter durch seine aller Unnatürlichkeit aus dem Wege 
gehende, von hoher Auffassung zeugende Schaffens 
art, sich nicht nur bei Fachgenossen, sondern auch 
bei Kunstkennern einen geachteten Namen erworben. 
Wie die meisten seiner Kollegen war auch Wilt 
Sammler, seine Spezialität bildeten Biedermeiermöbel 
und Holzschnitzereien, wovon viele jetzt mit seinen 
Bildern im Dorotheum unter den Hammer gelangen. 
Ein Prachtstück ist eine Kommode aus poliertem Nuß 
baumholz mit drei Schubladen, die als Umrahmung 
der getriebenen Messinghandhaben Felder mit Ein 
lagen aus lichterem Holz und bunten Blumen zeigen. 
Die obere Platte enthält auf einem intarsierten Grunde 
mit perspektivischem Schachbrettmuster zwei quadrati 
sche Felder mit dem Monogramm Mariä und Christi 
in grünen Blattkränzen, ferner eingelegt Jahreszahl 
1806 und Initialen M. P. 
Die Bilder aus dem Nachlasse Professor Hans 
Dvoraks bieten eine Art Tageburh seiner Reisen; 
die interessantesten Punkte derselben sind da vom 
Künstler festgehalten worden. Hervorzuheben wären: 
„Die Seemauer von- Spitzberg gesehen“, „Einsiedel“, 
„Klippen von Green River in Kentucky“, „Motiv 
aus der Großen Picenza in Krain“, „Ansicht von 
Amalfi“ usw. 
Aus dem Nachlasse Karl Kargers stammen im 
ganzen acht Skizzen, es sind aber darunter die 
Entwürfe zu den im Burgtheater in Wien befind 
lichen Gemälden: „Vorstellung im Bauerntheater“ 
und „Vorstellung im Burgtheater“. Sammler finden 
da auch einige wertvolle Textilien.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.