Nr. 20
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 173
Albani und Tibaldi hatten die Bologneser Schule
weltberühmt gemacht, und Lodovico Carracci selbst
half dem Mäzen aus dem ehrsamen Handwerkerstande
bei der Auswahl der Bilder, die freilich von den Nach
kommen Risis verkauft wurden und sich jetzt in ver
schiedenen Museen Europas befinden.
Malaguzzi-Valeri war bemüht, festzustellen, wo
jetzt jene Gemälde h ingen, die das Auge des bürger
lichen Kunstfreundes aus dem 17. Jahrhundert mit
liebevollem Kennerblick betrachtet hatte, und weist
nach, daß die folgenden Werke der Sammlung Risis
entstammen:
Agostino Carracci, Landschaft mit Venus und
Adonis, im Fitzwilliam-Museum zu Cambridge.
Annibale Carracci, Landschaft mit mytho
logischer Staffage, im Wiener Hofmuseum.
Tizian, Bildnis eines jungen Mannes mit Hand
schuhen, im Louvre.
Gianbellino, Madonna in Sammlung Morelli
zu Brescia.
Der gelehrte Verfasser beschränkt sich aber nicht
auf das rein Kunsthistorische, sondern gibt zu seiner
interessanten Vei offentlichung ein fesselndes Bild aus
dem gesellschaftlichen Leben des Bologna des 17. Jahr
hunderts.
Chronik.
Bibliophilie.
(Ein teueres Strindberg-Buch.) In Stockholm hat
dieser Tage eine Versteigerung von Bücherseltenheiten statt
gefunden, bei der insgesamt 1039 Bücher mit K 24.536 bezahlt
worden sind. Den höchsten Preis, K 2635 erzielte ein Buch
von Strindberg. Dabei handelt es sich freilich um eine
wirkliche Seltenheit, nämlich ein Exemplar der als Manu
skript gedruckten Komödie „Marodeure“, die 1886 in nur
zehn Exemplaren veröffentlicht worden ist. Dieses Werk hat
Strindberg dann umgearbeitet; 1887 erschien es in neuer
Gestalt und mit dem neuen Titel „Kameraden“. Unter diesem
ist es 1910 zum erstenmal in Schweden und später auch ander
wärts über die Bühne gegangen.
(Bibliothek Hofrat Dr. Schulz von Straßnitzky.)
Die Auktion der Bibliothek Hofrat Dr. Schulz von Straß-
nitzky, die Franz Malota in Wien durchführte, hatte guten
Erfolg, Nennenswerte Preise erzielten: Nr. 23 Barthel, Eu-
morphea K 40—; Nr. 44, Blavatsky,. Die Geheimlehre, K 11 i;
Nr. 20, Contes de Boccace, K 200; Nr. 47, Böhme, Betrachtung
göttlicher Offenbarung, Amsterdam 1682, K 80—; Nr. 60,
Burnett, Plantae utiliores, K 250; Nr. 86, Pages and pictures
from the writings of Cooper, K 60-—; Nr. 102, Dictionarium
chaldaicum, 1527, K 110; Nr. 113, Curtius Rufus, Elzevirana,
1670, K 65—; Nr. 119, Ex libris - Gesellschaft, Österr., vierte
und fünfte Publikation, K 80—; Nr. 148, Goldoni, Drammi
giocosi per musica, Venezia 1794/95, K 84—; Nr. 168, Histoire
amoureu.se, Paris 1820, K 100; Nr. 189, Old Nick et Grandville,
Paris 1843, K 190; Nr. 191, Hamerton, Etching und Eichers,
K 100; Nr. 200, Kleist, Der zerbrochene Krug, mit 30 Illu
strationen und 4 Photographien von A. Menzel, K 80—;
Nr. 213, Ludwig Richter, Deutsches Balladenbuch, K 150;
Nr. 219, Vecellio, Costumes anciens et modernes, K 120;
Nr. 350, Ströckl, Eger und das Egerland, K 75—-; Nr. 465,
Neues Testament Jesu des Gesalbten, zirka 1791, K 100;
Nr. 575, Album der Wohltätigkeit, Wien 1841, K 110; Nr. 680b,
Jahrbuch der Grillparzer-Gesellschaft, I—XXV, K 200;
Nr. 736, Kant, Beobachtungen über das Gefühl des Schönen etc.,
Riga, bey Fr. Hartknoch, 1771, K 100; Nr. 851a, Schiller,
Sämtliche Werke in einem Band, Cotta 1830, K ISO; Nr. 181a,
Shakespeare, Dramatische Werke, 9 Bände, 1825/33, K 100.
(Georg Büchners gesammelte Werke.) Der hand
schriftliche Nachlaß Georg Büchners, unter anderem die
vollständigen Handschriften von „Dantons Tod“ und
„Wozzeck“, ist in den Besitz des Insel-Verlages übergegangen,
der eine kritische Gesamtausgabe der Gesamtwerke Büchners
vorbereitet,
Bilder.
(Ein neuer Rembrandt.) In der Verlassenschaft des
Rentners Janssens in Amsterdam wurde eine wunderbare
„Lucrezia“ von Rembrandt gefunden, für welche ein Stock
holmer Kunsthändler bereits 350.000 holländische Gulden
geboten hat. Holländische Kunstfreunde haben eine Geld-
sammlung veranstaltet, um das Kunstwerk anzukaufen und
cs dem niederländischen Reichsmuseum in Amsterdam zu
schenken.
(Wiederkehr des entführten „Don Juan“.)
Aus Berlin wird was geschrieben : Das bekannte
Slevogtsclie Bild „Der weiße Don Juan“, das den
Sänger d’Andrade in weißer Seide mit erhobenem Cham
pagnerglas darstellt, und das sich im Besitze d’Andrades
befand, war im Sommer dieses Jahres bei einem Einbruch
aus der in der Kaiserallee gelegenen Wohnung des Sängers
gestohlen worden. Die Wohnung war unbewohnt, da d’Andrade
als portugiesischer Staatsangehöriger sich außer Landes be
findet. Die Diebe hatten nur das Slevogtsche Bild, das zu den
besten Werken des Meistens gehört, aus dem Rahmen geschnitten
und entfernt. Vor einigen Tagen wurde dem Inhaber des
Münchner Kunstsalons Neuner, Kürfürstendamm 35, Albert
Neuner, von einem Herrn, der seinen Namen nicht nannte,
ein Slevogtsches Bild zum Kauf angeboten. Als Neuner sich
nach dem Sujet des Bildes erkundigte, wurde ihm gesagt,
daß es sich um ein d’Andradebildnis handle. Der Kunst
händler, dem die Tatsache des Diebstahles bekannt war,
verständigte die Kriminalpolizei. Als zur festgesetzten Zeit
der Verkäufer mit dem Bilde erschien und es sich heraus-
stellte, daß es sich um das gestohlene d’Andradebildnis handelte,
wurde er verhaftet und auf das Polizeipräsidium nach Berlin
übergeführt.
(Reproduktion von Bildern englischer Künstler.)
Während bisher in England die Berner Konvention zum
Schutz geistiger Arbeit geachtet worden zu sein scheint,
kommt jetzt die Nachricht, daß der Berliner Photo
graphischen Gesellschaft und dem Verlag Franz Hanf-
staengl in München Reproduktions- und Verlagsrechtc
genommen werden sollen. Vor dem Patentgericht in
London wurde von der British Art Company ein
/ntrag auf die Lizenz der Reproduktion von Kunstwerken
gestellt, die bisher von Franz Hanfstäengl und der Berliner
Photographischen Gesellschaft ausgeübt wurde. Es handelt
sich um billige Nachahmungen von Bildern englischer Künstler.
Da eine große Nachfrage nach diesen Reproduktionen besteht,
empfiehlt das Patentgerieht die Gewährung von Lizenzen,