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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 20
Die British Art Company wurde gegründet, um den bisher von
deutschen Firmen in England ausgeübten ausgedehnten Kunst
handel zu kapern.
Medaillen.
(Eine Krahuletz-Medaille.) Aus Eggenburg wird
uns geschrieben: Am 3. November d. J. vollendet der hier
wohnhafte, in weiten Kreisen bekannte heimatliche Forscher
Johann Krahuletz, dem sowohl die geologische als die prä
historische Wissenschaft bedeutsame Aufschlüsse verdanken
und der das hervorragende Eggenburger Museum gründete,
sein 70. Lebensjahr. Diesen Anlaß benützte die Krahuletz-
Gesellschaft in Eggenburg, um von der Künstlerhand des Herrn
Josef Prinz eine Plakette ausführen zu lassen. Diese enthält
auf der Vorderseite das wohlgetroffene Bild des Forschers, auf
der Rückseite eine malerische Ansicht der Stadt Eggenburg,
die Widmung und das älteste Stadtsiegel von Eggenburg.
Diese Medaille ist bei der Krahuletz-Gesellschaft in Eggenburg
zum Preise von K 8-— (samt Zusendung) zu beziehen.
Philatelie.
(Briefmarken des Korps Musnicki.) Im „Tygodnik
Ilustrowany“ findet sich eine Notiz über ein überaus inter
essantes Kriegsandenken. Es sind dies Briefmarken des Korps
des Generals Jözef Dowbör-Musnicki, das zur Zeit seiner
administrativen Tätigkeit in Bobrujsk und Umgebung
eigene Post- und Stempelmarken ausgegeben hat. Es sind durch
Überdruck entsprechend geänderte russische Marken. Die
erste Emission dieser Marken umfaßt 11 Arten in verschiedener
Werthöhe. Das äußere Aussehen der russischen Marken wurde
durch polnischen Überdruck oben: „Poczta“ (Post), unten
„Pol. Korpus“ geändert; dazwischen ist der polnische Adler
angebracht. Die zweite Emission umfaßt 4 Marken von ver
schiedener Werthöhe und unterscheidet sich in ihrem Äußeren
von der ersten dadurch, daß am Kopf der Marke der Über
druck „Pol. Korpus“ und unten der Wert in Kopeken ein
geschaltet worden ist. Außerdem wurden auch Postkarten
und Stempel ausgegeben. Da beide Male eine verhältnismäßig
kleine Anzahl dieser Marken, je einige Tausend, zur Ausgabe
gelangt sind, werden sie künftighin seltene Exemplare für die
Sammler bilden.
Porzellan.
(Auktion in Wien.) Vom 7. bis 9. Novemder veranstalten
S. Ken de und Leo Schidlof in Wien in ihren Auktions
lokalitäten in der Rotenturmstraße eine Auktion von wert
vollen Porzellanen. Besonders stark ist Altwien vertreten,
doch finden sich auch Altmeißen, Sevres, Paris sowie böhmisches
Porzellan bester Qualität.
(Altwiener Porzellanausstellung in Brünn.) An
läßlich der vor 200 Jahren erfolgten Begründung der Wiener
Porzellanmanufaktur hat das Brünner Erzherzog Rainer-
Museum eine nicht umfangreiche, aber ungemein gewählte
und an erlesenen Stücken reiche Altwiener Porzellanaus
stellung eröffnet, die vom regierenden Fürsten von Liechten
stein, dem Österreichischen Museum sowie von Brünner
Sammlern beschickt wurde.
Verschiedenes.
(Die Kunstsammlungen des Fürsten von Wagram.)
Bei den letzten mörderischen Kämpfen am Chemin-des-Dames
zeichnete sich, nach französischen Berichten, der Fürst
Alexander Benthin von Wagram durch besondere Tapfer
keit aus, indem er als Chef einer Jägerkompagnie das Fort
Conde mit äußerster Energie verteidigte. Nach den Kämpfen
wurde er vermißt, ohne daß seine Schwestern, die Prinzes
sinnen de Broglie und de La Tour d'Auverane, die sich
durch Vermittlung des Königs von Spanien an die Deutsche
Regierung gewandt hatten, etwas über sein Schicksal in Er
fahrung bringen konnten. Erst jetzt haben sie die Gewißheit
erhalten, daß er unter den Mauern des zusammengeschossenen
Forts tot aufgefunden wurde. Jetzt wird der wichtigste Inhalt
des Testaments des jungen Fürsten, dessen verstorbene Mutter
eine Freiin von Rothschild aus Frankfurt am Main war, in
französischen Blättern mitgeteilt. Der Fürst vermacht sein
prachtvolles Schloß Grosbois bei Paris, ein Geschenk Na
poleons I. an seinen berühmten Vorfahr, den Marschall Benthin
mit samt der darin enthaltenen berühmten Bildergalerie,
dem französischen Staate. Unter den Bildern sind die Gemälde
von Delacroix, je vier von Courbet und Puvis de Cha-
vannes, dreizehn von Renoir, sowie je eines von Cözanne,
Van Gogh und Maurice Denis.
(Geborgene Kunstwerke.) Zu den wertvollen Kunst
werken, die von den Deutschen im besetzten Gebiete geborgen
wurden, gehört die Sammlung des bekannten Politikers Le
Glay und die berühmte Bibliothek desselben Besitzers mit
seltenen Handschriften, die allein einen Wert von über 1 % Mül.
darstellt. Die Schätze wurden im Beisein der Sekretärin des
Besitzers vom französischen Personal verpackt und gingen auf
Lastautos, von der Sekretärin begleitet, nach dem neuen Be
stimmungsort, wo ihr Auspacken von der Sekretärin überwacht
und ein Inhaltsverzeichnis aufgenommen wurde. Auch die
bedeutenden Sammlungen Dr. CouIons aus Cambrai, die
wertvolle archäologische, römische und griechische Ausgrabun
gen enthalten, sind in Sicherheit gebracht worden. Ebenso
wurde eine Auswahl der besten Bilder älterer Porträts, hervor
ragender Gobelins und interessanter Akten aus dem Schlosse
Lewarde geborgen, das an der großen Straße zwischen
Denain und Douai liegt. Am schwierigsten gestaltete sich der
Abtransport der in Valenciennes angehäuften Kunstgegen
stände mit wertvollen Bildern von Rubens, van Dyck usw.,
die alle restlos geborgen wurden. Es sind im ganzen Werte
von über 50 Millionen Mark, die so in kurzer Zeit dem Unter
gang entrissen worden sind.
(Emile Guimet.) In Paris starb dreiundachzigjährig
Emile Guimet, Begründer des berühmten Guimet-Museums
in Paris. Durch die Gründung des Museums hat Guimet Her
vorragendes zum Studium der orientalischen Religionen
(Indien, China, Japan, Ägypten), auch Griechenlands und
Roms beigetragen.
(Ein spanisches Pompeji.) In den Jahren 1917 und
1918 haben in Bolonia an der Stelle des alten römischen Belo
(Provinz Cadix) Ausgrabungen stattgefunden. Es sind statt
liche Reste der alten Stadt zum Vorschein gekommen, so daß
mit einigem Recht von einem spanischen Pompeji gesprochen
werden kann. Die Entdeckungen sind dabei nicht nur vom
archäologischen Standpunkt bemerkenswert, sondern es sind
auch kostbare Bildwerke, Malereien und Schmucksachen
zutage gefördert, die einen hohen künstlerischen Wert haben.
Die Funde werden im französischen Institut in Madrid aufge
stellt, bis sie einen endgültigen Standort in der „Villa Velas-
quez“, die das spanische Seitenstück der „Villa Medicis"
werden soll, finden können. Bei den Ausgrabungen wurde eine
Monumentalstraße mit Säulenhallen und Gängen freigelegt,
die von dem hochgelegenen Platz der alten Stadt ausgeht
und in einer Art prächtiger Wandelbahn am Meeresufer endet.
Zwei große Häuser mit Malereien und Grafitti fallen besonders