Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Jahrgang 10 (1918) (21)

Nr.  21

Internationale  Sammler-Zeitung

Seite  183

anstaltende  Erzherzog  Rainer-Museumselbst  konnte  einiges
von  Niedermayer  —  die  kleine  Büste  Franz  I.  und  die  Bezähmung ­
  des  kretischen  Stieres  •—  feine  Rokokofiguren  (die
Ballspielerin,  das  Mädchen  mit  dem  Uhrgehäuse  usw.),  eine
bezeichnete  Arbeit  des  „Korporals  Schneider”,  die  Büsten
der  Erzherzoge  Carl  und  Josef  von  Elias  Hütter  beisteuern,
während  die  Wiener  Altertumshandlung  Glückselig  &  Sohn
aus  ihrer  großen  Sammlung  der  späteren  Figuren  das  beste:
den  Nestroy,  Radetzky  zu  Pferde,  das  auf  die  Gräfinnen
Waldstein  getaufte  anmutige  Tänzerinnenpaar,  die  Kunstreiterin
Pauline  Cuzent,  Straßenverkäuferin  und  anderes  überließ.  Aus
den  Mappen  des  Wiener  Museums  für  Kunst  und  Industrie
bilden  die  Blumenstudien  und  farbigen  Entwürfe  der  Manufaktur ­
  eine  willkommene  Ergänzung  der  ungemein  stark  besuchten ­
  Ausstellung.

Verschiedenes.
(Die  Archive  von  Pille.)  ln  der  letzten  Sitzung  der
Pariser  Akademie  der  Inschriften  teilte  der  Generaldirektor
der  französischen  Archive,  Panglois,  mit,  daß  er  von  dem
Archivisten  Bruchet  die  Nachricht  erhalten  habe,  daß  die
Archive  von  Pille  während  der  deutschen  Besetzung
keinen  Schaden  erlitten  haben,  ebensowenig  wie  die  Manuskripte ­
  und  kostbaren  Bücher  der  Stadt.
(Feuersbrunst  in  der  Nikolaus-Kirche  zu  Calcar.)
Die  spätgotische  St.  Nikolaus-Pfarrkirche  zu  Calcar  bildet
einen  Juwelenschrcin  niederrheinischer  Kunst,  da  sie  die  bekannten ­
  unschätzbaren  Schnitzaltäre  der  niederrheinischen
Schule  und  die  Altargemälde  Jan  Joests  in  ihren  Mauern
birgt.  Dieses  Gotteshaus  hat  nun  kürzlich  in  größter  Gefahr
geschwebt.  Eine  Feuersbrunst,  die  infolge  Kurzschluß  im  Turme
des  Bauwerkes  ausbrach,  drohte  die  ganze  Kirche  in  Asche
zu  legen.  Es  gelang  noch  rechtzeitig  den  Brand  zu  löschen,
doch  stürzte  der  schöne  Turm  brennend  in  sich  zusammen  und
die  nördliche  Kapelle  ist  völlig  ausgebrannt.
(Die  Petersburger  Kunstzustände.)  Die  beunruhigenden ­
  Gerüchte  über  die  Kunstzustände  in  Petersburg,
die  auch  in  der  deutschen  Öffentlichkeit  laut  geworden  sind,  bestätigen ­
  sich  nicht.  Wie  Dr.  Eduard  Plietzsch  vom  Berliner ­
  Kaiser  Friedrich-Museum  in  einem  Petersburger  Brief  der
„Kunstchronik“  feststellt,  wird  dort  auch  von  den  erbittertsten
Gegnern  der  Revolution  zugegeben,  daß  unter  Kerenski  wie
unter  Lenin  und  Trotzki  für  die  Kunstwerke  in  Petersburg
relativ  gute  Fürsorge  getroffen  worden  ist.  Dem  Schicksal  der
Eremitage-Sammlung,  die  geschlossen  ist  und  deren  Bestände
zum  Teil  nach  Amerika  verkauft  worden  sein  sollen,  gilt  die
erste  besorgte  Frage.  Kunsthistoriker  und  Sammler,  die  der
Verwaltung  der  Galerie  angehören  oder  zu  ihr  enge  Beziehungen
unterhalten,  versichern,  daß  auch  nicht  ein  Stück  abhanden
gekommen  sein  soll.  Dis  Hauptwerke  wurden  nach  Moskau
übergeführt,  als  man  eine  Beschießung  Petersburgs  befürchtete,
und  weniger  kostbare  Bestände,  wie  etwa  die  kunsthistorisch
interessanten  Bilder  der  Sammlung  Semenooff  befinden  sich
verpackt  in  Petersburg.  Man  spricht  sogar  von  einer  baldigen
Wiedereröffnung  der  Galerie,  und  es  wird  sich  dann  zeigen,
ob  nicht  doch  bei  dem  Wegtransport  der  großen  Sammlung
in  einer  so  unruhigen  Zeit  kleinere  Objekte,  wie  etwa  Bronzen
oder  kleine  Bilder,  abhanden  gekommen  sind.  Die  großen
Privatsammlungen  —•  :  Stroganoff,  Schuwakoff,  Herzog  von
Oldenburg  usw.  —  sind  verstaatlicht  worden.  Viele  vornehme
Häuser,  die  keine  Privatgalerie,  aber  reichen  Schmuck  an
Bildern,  Skulpturen  und  kunstgewerblichen  Dingen  enthalten,
wurden  als  Ganzes  unberührt  gelassen  und  als  Museen  eröffnet.
Ähnlich  verfährt  man  mit  den  Zaren  schlossern.
(Die  Ausstellung  „Deutsche  Malerei  im  19.  Jahrhundert”) ­
  in  der  Galerie  Arnold  in  Dresden,  welche  als  ein
Unternehmen  von  großem  wissenschaftlichen  und  künstlerischen

Werte  anerkannt  worden  ist,  konnte  dank  dem  Entgegenkommen ­
  der  Museen  und  der  Privatbesitzer  bis  zum  24.  November ­
  verlängert  werden.

Museen.
(Im  Berliner  Neuen  Museum)  wird  in  den  nächsten
Tagen  im  Zusammenhang  mit  der  Papyrusausstellung  eine
Ausstellung  der  kostbaren  Altertümer  eröffnet  werden,  die  die
Berliner  Museen  der  planmäßigen  Aufdeckung  der  alfägyptischen
  Stadtruinen  bei  Teil  el-Amarna  aus  der  Zeit  Amenophis
  des  IV.  verdanken,  und  die  sonst  in  den  eng  gefüllten  und
etwas  dunklen  Räumen  der  ägyptischen  Abteilung  nicht  zu
der  Geltung  kommen,  die  ihrem  einzigartigen  Werte  entspricht.
(Neues  vom  Scheffel-Museum  in  Karlsruhe.)
In  dem  Bodenseebuch  für  1919,  das  soeben  bei  Reuß  &  Itta
in  Konstanz  erscheint,  macht  Dr.  W.  E.  Oeftering  wertvolle ­
  neue  Mitteilungen  über  die  Schätze,  die  das  Scheffel-Museum
  in  Karlsruhe  einstweilen  noch  hinter  geschlossenen
Archivtüren  birgt.  Es  besitzt  unter  anderen  die  erste  Niederschrift ­
  vom  „Trompeter“  und  die  früheste,  mehrfach  durchkorrigierte ­
  Fassung  des  Liedes  „Alt-Heidelberg”,  datiert
aus  Weinheim  Juli  1852.  Zu  seinen  wertvollsten  Stücken
vollends  gehört  das  Ekkehard-Manuskript,  das  knapp  und
schiagwortartig  die  Entwurfskizzen  enthält.  Da  heißt  es  zum
Beispiel:  „Gesang  I:  Die  Herzogin  auf  Hohentwiel.  Langeweile
der  jungen  Witwe.  Sie  denkt  an  allerlei.  Die  Geschichte  vom
1.  Bräutigam,  dem  Griechenprinzen...  Sic  beschließt,  nach
St.  Gallen  zu  reisen.  Ankunft  dort,  Ekkehard  trägt  die  Herzogin
ins  Refektorium.  Vergleich  mit  dem  heiligen  Christoph.  Witz:
es  ist  der  Beruf  der  Kirche,  den  Staat  zu  heben  und  zu  tragen.”
Zu  diesen  Haupthandschriften  gesellen  sich  des  weiteren  die
allen  bekannten  und  veröffentlichten  Werken  des  Dichters,
davon  einzelne  in  frühester  Fassung,  außerdem  aber  die  Entwurfsskizzen ­
  der  im  Nachlaß  aufgefundenen  unvollendeten  und
geplanten  Romane.  Dahin  gehört  der  Nibelungen-Roman
von  „Meister  Konrad”,  aus  dem  die  „Bergpsalmen“  herauswuchsen, ­
  dann  das  Roman-Bruchstück  „Irene  von  Spielberg",
dessen  Vollendung  Scheffels  Erschütterung  über  den  Tod  seiner
Schwester  Marie  verhinderte,  und  endlich  der  geplante  Wartburgroman, ­
  zu  dem  der  Dichter  zahlreiche  Studien  gemacht
hat.  Dies  Material  wird  durch  eine  Fülle  von  weiteren  Aufzeichnungen ­
  Scheffels,  von  Briefen  von  ihm  und  an  ihn,  von
Zeichnungen  seiner  Hand  und  solchen  zu  seinen  Werken  ergänzt. ­


Vom  Kunstmarkt.
(Verschobene  Versteigerungen.)  Die  in  der.  vorigen
Nummer  angekündigten  Auktionen  des  Ernst-Museums  in
Budapest  sind  bis  auf  weiteres  verschoben  worden.  •—  Die
Kunsthandlung  C.  J.  Wawra  in  Wien  teilt  uns  mit,  daß  sie
die  Versteigerung  zugunsten  des  Wiederaufbaues  Galiziens
fallen  gelassen  habe;  die  Auktion  Strnischtie  und  Gisyczi
wird  an  einem  späteren  als  dem  angegebenen  Termin  abgehalten ­
  werden.
(Der  künstlerische  Nachlaß  des  Malers  Max
Kuxweil.)  Bei  der  am  16.  Oktober  im  Auktionssaale  der
Kunsthandlung  C.  J.  Wawra  in  Wien  abgehaltenen  Versteigerung ­
  des  künstlerischen  Nachlasses  des  Malers  Max
Kurzweil  wurden  folgende  nennenswerte  Preise  erreicht:
Nr.  12,  Im  Quarnero,  K  1050;  Nr.  27,  Bauernhaus  in  Concarncau,
  K  700;  Nr.  33,  Abend  auf  Deck,  K  800;  Nr.  42,  Concarneau,
  Stadtbild,  K  2200;  Nr.  86,  Bildnis,  K  1200;  Nr,  87,
Pesgl.,  K  2500;  Nr.  88,  Bildnis  im  Freien,  K  1200;  Nr.  90,
In  memoriam,  K  IGOO;  Nr.  93,  Der  blinde  Musikant,  K,  2700;
Nr.  96,  Parkeingang,  Florenz,  .K  2100;  Nr.  102,  Flußmündung
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.