MAK
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 5 
Seite 40 
nicht so schwer, ein Solches Porträt anzufertigen und 
er habe den lebhaften Wunsch, nun einmal seinerseits 
Frans Hals zu malen. Dieser, der glaubte, es mit einem 
anmaßenden, vornehmen Dilettanten zu tun zu 
haben, ging nur ungern auf den Wunsch des Fremden 
ein. Aber schon die Art und Weise, wie sein unbe 
kannter Gast die Malwerkzeuge handhabte, machte 
ihn stutzig. Immerhin glaubte er nur an einen Scherz. 
Als ihn aber der vermeintliche Dilettant schon nach 
kurzer Zeit aufforderte, sich sein Werk anzusehen, da 
brach er nach einem Blick auf die Leinwand in die Worte 
aus:„Ihr seid Van Dyk, denn kein andrer Mensch auf 
der Welt kann so malen!“ 
Dies Bild nun, daß der große Fläme von dem großen 
Holländer malte, ist eine der Zierden der 'Galerie 
Oppenheim. Es stellt Frans Hals vor der Staffelei dar, 
wie er mit einem Spachtel die Farben auf der Palette 
in seiner Linken mischt. Der derbe Maler heller Lebens 
lust ist unter den Händen des höfischen Künstlers 
selbst zum Elegant geworden. 
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Meine erste Auktion. 
Von Dr. Ignaz Schwarz (Wien). 
Meine erste Versteigerung, als Beginn einer selb 
ständigen Auktionstätigkeit, gilt den schönen Wiener 
Ansichten aus dem Zeitalter des Rokokos, deren Ent 
stehungsgeschichte und Entwicklungsgang ich in mei- 
lungen der schönen Ansichten von Schütz, Ziegler 
und Janscha fast gar nicht auf den Markt gelangten. 
Hauptsächlich gilt dies von den ersten Zuständen 
dieser Blätter, mit der reinen Rokokostaffage und den 
Fig- 2. Fig. 3. 
Th. de Keyser, Männliches Bildnis. Th. de Keyser, Weibliches Bildnis. 
(Sammlung Oppenheim). 
nem 1914 erschienenen Buche*) niedergelegt habe. 
Die Eigebnisse dieser Arbeit haben nicht nur für den 
Sammler eine . Reihe von bhher unbekannt gewesenen 
Details zu läge gefördert; auch das große Publikum 
wurde auf diese reizenden Erzeugnisse einer graziösen 
Zeit aufmerksam, gemacht. 
Das steigende Interesse für diese Blätter hatte zur 
Folge, daß in den letzten Jahren geschlossene Samm- 
*) Wiener Straßenbilder im Zeitalter des Rokoko. Die 
Wiener Ansichten von Schütz, Ziegler, Janscha 1779 — 1798. 
Beschreibendes Verzeichnis. Eingeleitet und bearbeitet von 
Dr. Ignaz Schwarz. Mit einem Prolog von Rudolf Hans 
Bartsch. Mit 51 schwarzen, 6 farbigen Heliogravüren und 
?50 1 extillustrationen. Wien 1914. Groß-Quart. 
sonstigen charakteristischen Merkmalen derselben 
(Papier, große Nummer u. a.). 
Die vor liegerde Sammlung, das Ergebnis einer in 
den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahr 
hunderts betriebenen eifrigen Sammeltätigkeit, zeichnet 
sich in erster Reihe durch die absolute Tadellosigkeit 
und das einwandfreie Kolorit der Blätter aus; Vor 
züge, die nicht nur für den Sammler, der Lücken in 
seinen Mappen auszufüllen beabsichtigt, sondern 
auch für den gelegentlichen Interessenten, der die 
schönen Blätter als Wandschmuck zu verwenden 
gedenkt, voll nicht zu unterschätzender Bedeutung 
sein mögen.
	        
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