Internationale
$ammler-2eifunß
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde.
Herausgeber: Norbert Ehrlich.
10. Jahrgang. Wien, 15. April 1918. Nr. 8.
Die Galerie Johannes Stumpf.
Am 7. Mai kommt in Rudolph Lcpkes Kunst
auktionshaus in Berlin die Sammlung niederlän
discher Gemälde des Geheimen Regierungsrates Doktor
Johannes Stumpf
zur Versteigerung.
Mit dieser Kol
lektion gelangt eine
der in sich abge
schlosst nsten und
feinsten Berliner
Sammlungen auf
den Markt. Von ge
ringen Ausnahmen
abgesehen, enthält
die zirka 100 Bilder
umfassende Samm
lung nur nieder
ländische Werke
des 17. Jahrhun
derts, die sich alle
durch Qualität und
Güte der Erhaltung
auszeichne n und in
ihrer Gesamtheit
einen guten Über
blick über die
niederländischen
Malerschu len bieten.
Die Soldatenm.a-
ler Cod.de (Fig. 1),
Duck, Palame-
desz und Duyster sind ebenso mit charakteri
stischen Wachtstuben vertreten, wie man die italicni-
sierenden Landschafter Berchem, Both, Pynacker,
Dujardin und Thomas Wyck an bezeichnenden
Proben ihrer Kunst kennen lernen kann. Aber auch
die nationale Richtung der großen holländischen
Landschaftsmalerei kommt in der Sammlung Stumpf
hervorragend zur Geltung. Von Jacob van Ruysdael
ist ein stimmungsvolles Frühwerk da, von Salomon
Ruysdael sieht man eine seiner duftigen Kanal
landschaften und einen kraftvoll behandelten „Strand
von Scheveningm“ (Fig. 2). Jan van Goijen ist
mit einem meisterhaft behandelten Marinebild und
einer schönen Kanallandschaft aus der reifsten Zeit
vertreten. Aert van der Neer, Roelof van Vries,
Cornelis Decker, Egbert van der Poel geben mit
ihren Werken des weiteren Beispiele von der Viel
seitigkeit der altholländischen Landschaftsmalerei. Als
besondere Kostbarkeit muß eine schöne Waldlancl.-
schaft von Hak-
kaert hervorge
hoben werden, ein
Werk, das sich im
Charakter und in
der Qualität des
Meisters weltbe
rühmten Amster
damer Bilde „Die
Ebereschenallee“
würdig zur Seite
stellt.
Jan Steen (Fig.3),
die beiden Ostade,
J. M. Molenacr,
Pieter de Bloot
und andere ver
treten in der Samm
lung Stumpf in aus
gezeichneter Weise
das Bauernstück.
Die übrigen Dar
stellungsgebiete der
niederländischen
Kunst, das Marine
stück, das Architck-
turbild,das Stilleben
das Tierbild und das
Bildnis, kann man in charakteristischen Proben hier
ebenfalls finden. So ist von Emanuel de Witte ein
bedeutendes und originelles Kircheninterieur da,
M. d’Hondecoeter ist durch zwei große Tierbilder
repräsentiert und Pieter Clasz, CI. Heda und Wcenix
reihen sich der Sammlung durch malerische Stilleben ein.
Unter den Flamen ragt Teniers mit vier Land
schaften und Interieurs hervor. Von van Dyck ent
hält die Galerie Stumpf ein großes dekoratives Herren
bildnis (Fig. 4) sowie eine seiner geistreich, n Grisaille-
studien für die „Ikonographie“. Erwähnt man schließ
lich noch von den deutschen Werken eine „Madonna“
von Lukas Cranach, so sind damit die wichtigeren
Gemälde der Sammlung Stumpf angeführt, deren
Versteigerung sich gewiß zu einem Ereignis auf dem
Kunstmarkte gestalten wird,
Fig. 1. Pieter Codde, Wachtstube.
Galerie Stumpf, Berlin.