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Nr. 1 
Internationale Sammler-Zeitung 
Niehl ich um technische Mittel handelte, die < irxr Flach 
dekoration günstig waren, während das klassische Alter 
tum alle diese Dekorationsmittel neben der plastischen 
Form weniger zur Ausbildung bringen konnte und wollte. 
Was nun die erhaltenen Möbel anbelangt, ist deren 
Zahl eine sehr geringe, das wenige Vorhandene oder 
aus Abbildungen in den Mosaikbildern der Kirchen 
Bekannte beschränkte sich eben fast nur auf die Ein 
richtung der Gotteshäuser selbst. Der Stuhl, der 
Bischofssitz, wurde in der ersten Zeit nach der mehr 
architektonischen Form des römischen Sessels mit 
steifen Lehnen und Beinen gebildet und erhielt in 
dieser Zeit nicht selten eine Ausschmückung mit ein 
gelegten Elfenbeinplättchen mit plastisch-figürlichen 
Darstellungen. Ein kostbares Möbel dieser Art ist 
der Bischofssitz des Maximian in der von diesem 
Bischöfe 547eingeweihten Kirche S. Vitalein Ravenna. 
Er unterscheidet sich noch wesentlich von den späteren 
Sitzen im eigentlich byzantinischen Charakter, welche, 
soviel aus Abbildungen ersichtlich, gewöhnlich sich 
über einem Podium mit vier zylindrischen oder prisma 
tischen Beinen erheben. Das Sitzbrett selbst war 
nicht selten halbkreisförmig gebildet, so daß die Rück 
lehne auch dieser Form im Grundrisse folgte, auch war 
sie außerdem nach oben hin abgerundet, entweder in 
einer Kreiskurve oder in mehreren aneinander gereihten 
Segmentstücken. Das Ganze war aus edlem Metall 
gefertigt, auch noch weiters mit eingelegter Ornamen- 
tierung versehen, und es fügte sich zur Vollendung 
von Reichtum an Material und Farbenpracht noch ein 
mächtiges Polster, das auf den Sitzrahmen gelegt wurde, 
hinzu. Von einem der Form nach vollendeten Möbel 
kann hier nicht im entferntesten die Rede sein, denn 
es entspricht wohl in keiner Weise den Anforderungen 
der Bequemlichkeit. Nicht viel günstiger wird sich 
die Gestalt des Kaiserthrones entwickelt haben, es 
wird vielmehr, dem ganzen Aufwand von Stoffpracht 
nach, das Bestreben besonders phantastischer und 
imponierender Wirkung vorhanden gewesen sein. 
Es kann uns daher auch nicht weiter Wunder 
nehmen, daß das erste Möbel des Privatgemaches, 
der Stuhl, in allen Fällen, wo cs sich nur um seinen 
Zweck handelte, die allerdürftigste Form annahm 
und ein architektonisch steifes Wesen hatte, der Haupt 
sache nach in ähnlicher Weise sich darstellte wie die 
würfelförmigen Sitze einfachster Art der alten Ägypter. 
Größeren Reichtum erhielt dieses Möbel höchstens 
durch Uberbreiten eines den ganzen Stuhl bedeckenden 
Teppichs, wie dies schon bei den Orientalen gebräuch 
lich war und auch hier bald mit der Entwicklung der 
Stoffabrikation zu hohem Luxus führte; war es doch 
jetzt, um 550 n.Chr., daß von zwei griechischen Mön 
chen der Seidenwurm aus Serinda am oberen Indus 
und mit ihm der weiße Maulbeerbaum nach Konstan 
tinopel verpflanzt wurde, was weiter zur Folge hatte, 
daß in Athen, Theben, Korinth und anderen Orten 
Manufakturen entstanden, die zur allgemeineren Ver 
breitung der Seidenstoffe beitrugen. 
Im allgemeinen müssen wir uns das Wohnzimmer 
der Orientalen mit sehr wenigen Möbeln eingerichtet 
denken, es wird sich insoferne noch viel einfacher ge 
staltet haben, als das der Griechen und Römer. Der 
Diwan bildet das Hauptmöbel, und man kann zugleich 
sagen das einzige Möbel des orientalischen Zimmers, 
denn es fehlt hier fast ausnahmslos an Tischen, Kästen 
und Stühlen. Dafür spielt der Teppich für Fußboden, 
Wand und Diwan die größte Rolle; wo es sich um 
reichere Ausstattungen gehandelt haben wird, kommen 
nicht eigentliche Kunstwerke, sondern vielmehr Spiele 
reien hinzu. 
Außer dem Diwan mit seiner unplastischen Form 
war kein eigentliches Möbel im Zimmer, denn selbst 
auch beim Schreiben hat der Orientale kein solches 
nötig, da er das Papier in der Hand, das Tintenzeug 
im Gürtel hält. Nur ein kleiner Untersatz, das Kursi, 
bestimmt zur Aufstellung der Schüsseln beim Mahle, 
erscheint häufig und mehr oder weniger reich ausge 
bildet. Die Höhe dieses Untersatzes erreicht noch nicht 
die unserer Stühle, sondern bleibt gewöhnlich unter 
einem halben Meter. Die ganze Konstruktion ist 
mit der des ägyptischen Stabgerüstes zu vergleichen. 
Auch hier sind es durchaus dünne und kantige Stäbe, 
welche durch Querstäbe und, wie dort, durch eine 
feste Dreiecks Verbindung in unverrückbaren Zu 
sammenhang gebracht sind. Die Hauptform ist die 
des Achtecks, und die sämtlichen Flächen des Stab 
gerüstes erscheinen mit Perlmutter in geometrischen 
Mustern eingelegt. Durchaus erkennen wir also hier 
die Verwandtschaft des ältesten ägyptischen mit dem 
orientalischen Möbel, bevor noch der Einfluß Griechen 
lands das ägyptische Möbel zu der vollendeten Form 
umgestaltete. 
Überblicken wir das orientalische und das byzan 
tinische Möbel, so werden wir sagen müssen, daß an 
beiden für uns nicht viel zu lernen war; das orienta 
lische Möbel opfert der Befriedigung eines Übermaßes 
von Bequemlichkeit die ganze Form, es ist geradezu 
formlos, das byzantinische Möbel dagegen verbindet 
mit einer sehr steifen Struktur und reichen Form in 
der Flachdekoration die größte Unbequemlichkeit. 
Wie für das letzte Möbel der Byzantiner, fehlt es nun 
auch für die kommenden Jahrhunderte des Mittel 
alters, etwa bis zum 12. Jahrhundert, an irgend be 
deutenden Beispielen, aus denen die Wohnungsein 
richtung sich wiederaufbauen ließe. Die römischen 
Formen nehmen immer mehr ein rein konstruktives 
Wesen an, das sich hauptsächlich bei den Bischofs 
sitzen und Kanzeln der Kirchen zu erkennen gibt, 
auch selbst das Material ist Stein und zum Teil mit 
Mosaiken eingelegt, während hölzerne Chorstühle, 
welche sich aus den neben dem Bischofssitze hinzie 
henden Steinbänken entwickelten, vor dem 11. Jahr 
hundert nicht Vorkommen. 
Alle Kunst und Kunstindustrie dient übrigens in 
dieser Zeit der Kirche, und hauptsächlich ist die Archi 
tektur, welche nun immer mehr die selbständige Ent 
wicklung der übrigen Künste hintanhält, von dieser 
begünstigt; die Malerei und Bildhauerei mußten der 
gotischen Architektur nicht wohl gesinnt sein, denn 
sie überläßt ihnen nur dürftige Plätzchen für ihre Ent 
wicklung, ebenso mußte auch die Kunstindustrie 
schließlich eine Architektur im kleinen werden, wozu 
ein allerdings noch am ehesten berechtigter Anfang 
in der Einrichtung der Kirche bestand. Dort konnte 
wohl auch das Möbel sich in den strengen architek 
tonischen Rahmen fügen und die Formen des Bau 
werkes als etwas fast Ünmobiles, mit diesem Verwach 
senes annehmen. 
Aber dieses ganze Prinzip wurde aus der Kirche 
auch in die Wohnung übertragen. Das Möbel ist jetzt 
nicht mehr wie im antiken Hause etwas von der festen 
Architektur des Raumes Getrenntes, sondern vielmehr 
mit ihm eng Verwachsenes. Jedes Einrichtungsstück 
hat nun seinen bestimmt angewiesenen Platz und ge 
hört als ein Stück Architektur in den Bau des ganzen 
Zimmers. 
Wenn wir in Gedanken ein solches Zimmer des 
13. oder 14. Jahrhunderts betreten, wild, uns fürs erste 
ein mächtiger Kamin mit offenem Feuer daran er 
innern, daß wir uns nicht mehr im von Beheizung -
	        
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