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Nr. I
Besetzungsbehörden eingestellt. Auch die deutschen Post
karten für das Generalgouvernement Warschau wurden nun
mit dem selben schwarzen Aufdruck versehen wie diese Marken.
Gleichfalls verändert wurden die drei Marken, die als Fcldpost-
ausgabc für den Karlfonds heuer im Sommer in Bosnien aus-
gegeben wurden. Man hat ihnen in einem Kreisrahmen den
polnischen Adler und „Poczta Polska" aufgedruckt und ver
wendet diese geringen Vorräte.
In Ungarn wurden auch die Marken mit dem Schnittcr-
bild mit dem Aufdruck ,, Köztarsasäg“ versehen.
Chronik.
Ansichtskarten.
(Die ersten republikanischen Neujahrskarten in
Wien.) Die Ansichtskartenindiistrie, namentlich die Neujahrs
karte, ist durch den politischen Wechsel zu einer neuen Note
gekommen. Die ersten repubhkanischen Neujahrskarten in
Wien stellen eine Kindergruppe dar, die, Fahnen und Kränze
in rot-weiß-roter Ausschmückung schwingend, fröhlich daher
zieht; die Parole lautet: „Hoch die Republik Dcutschöster-
reieh". Die Karten veranschaulichen gewiß unzweideutig den
Umschwung, der gegen das vorige Neujahr eingetreten ist.
Autographen.
(Briefe des Exkaisers Wilhelm.) Aus Berlin wird
uns geschrieben: Privatakten des Exkaisers Wilhelm TI.
wurden einem bekannten Berliner Maler von einem angeblichen
Ingenieur zum Kauf angeboten. Der Besitzer der wichtigen
Dokumente verlangte für die Briefe, die er zu „Sammel
zwecken“ verkaufen wollte, 1000 Mark. Die Kriminalpolizei
erhielt Kenntnis von diesem eigenartigen Geschäft, suchte
den Verkäufer, der in einem Pensionat in der Königgrätzer
Straße wohnte, auf und fand hier neben den Briefschaften des
Kaisers auch noch verschiedene Waffen, Revolver, Pistolen
und Karabiner vor, die sie mit den Aktenstücken beschlag
nahmte. Der angebliche Ingenieur, gegen den eine Untersuchung
eingeleitet wurde, gibt an, sie von einem Matrosen aus dem
Schlosse gekauft zu haben. Es handelt sich auch um Schrift
stücke, die zweifellos aus den Aktenschränken des Oberhof
marschallamts gestohlen worden sind. Auch in dieser Richtung
ist ein Untersuehungsverfahren eingeleitet worden.
Bibliophilie.
(Die Auktion bei Graupe in Berlin.) Die am US. und
14. Dezember bei Paul Graupe in Berlin abgehaltenc Auktion
von moderner Literatur und Kunst verlief sehr befriedigend.
Es notierten: Nr. 1, Abrantes,, Memoires, M 45- --; Nr. 2,
Ariost, Orlando furioso Venezia 1772 bis 17711, M 125; Nr. 3,
Atlas compendiarius, Norimbergae 1752, M 80‘—; Nr. 4,
Lallemand, Le paysans badois, M 31' Nr. 7, Die Bibel,
übersetzt von M. Luther, Zürich 1536, M 48-—; Nr. 8, Bibel,
1569, M 40'—; Nr. 10, Bocaccio, 11 decameron, Vcnetia 1602,
M 42' —; Nr. 12, B ant, Narrenschiff, Berlin 1872, M 42' —;
Nr. 14, Nicolai, Leben und Meinungen des Herrn Mag. Sebal-
dus Nothankcr, mit Bildern von C.hodowiecki, M 90' —; Nr. 15,
Conde, Memoires, M 25’—; Nr. 21, Duranti, Rime, M 51'- ;
Nr. 22, Breviarium juxta morem, 1546, M 45'—; Nr. 23, Mis-
sale, Vevetiis 1596, M 75' ; Nr. 24, Roderich, Übungen
christl. Tugenden, M 50'—■; Nr. 27, Zingreff, Emblematum
ethicum politicorum centuria, M 36- —; Nr. 35, Graimberg,
Antiquitäten des Heidelberger Schlosses, M 60- Nr. 36,
Die über alle Tugenden triumphierende Tugend der Beständig
keit, wie dieselbe... Februarii 1684 auf dem churpfälzischen
Residenzschloß zu Heydelberg vorgestellt und präsentiert
worden, M 180; Nr. 37, Eie ine, Sämtliche Werke, Hoffmann
und Campe 1867/68, M 55- — ; Nr. 39, Le anticliita di Ercolano
esposte, M 50' —; Nr. 40, Homers Werke von j. H. Voß, 1840,
M 22- —; Nr. 42, Avenarius, Historischer Festzug, M 40'—;
Nr. 49, Erzherzog Ludwig' Salvator, Parga, M 135; Nr. 50,
Ders., Versuch einer Geschichte von Parga, M 50'—; Nr. 55,
Merian, Topographia Alsatiae, M 145; Nr. 56, Topographia.
Archiepiescopatuum Mogutinensii, Frank'. Main 1654, M 175;
Nr. 57, Topographia Franconiae 1648, M 185; Nr. 58, Memoires
sur Mirabeau, M 100; Nr. 59, Moliöre, Oeuvres, Paris 1804,
M 150; Nr. 60, Münster, 6 Bücher der Cosmography, Basel
1598 (?), M 85.- ; Nr. 61, Musenalmanach von Boie,
Voß, 2t Bde., M 330; Nr. 62, Müsset, Oeuvres, Paris
1867, M 40'—; Nr. 65, Ovid, Los metamorphoses, Am
sterdam 1732, M 260; Nr. 67, Persische Manuskripte,
M 600; Nr. 68, Hafiz, Diwan, etwa 1780, M 500; Nr. 74,
Sachsenspiegel, Leipzigk bey Vögelin 1561, M 75 p —; Nr. 76
Schiller, Don Kariös, Leipzig 1802, M 70'—; Nr. 83, Shake
speare, Works, London 1787 bis 1791, M 160; Nr. 85, Ders.,
Dramatische Werke, übersetzt von Schlegel und Tieck, Berlin
1825 bis 1833, M 170; Nr. 86, Fürst, Neues Modellbuch,
Nürnberg 1676, M 90' — ; Nr. 87, Stumpff, Chronik 1548,
M 95'—; Nr. 88, Tabeinaemontanus, Kräuterbuch, M 70'- ;
Nr. 90, Tausend und eine Nacht, Pforzheim, M 70'- ; Nr. 91,
Adelsbrief Karls V. für Luys de la Fuentes, M 100.
Moderne Bücher: Nr. 103, Alsen, Die Mode der galanten
Zeit, M 45'—; Nr. 106, Adrian, Gedichte, M 90' —; Nr. 115,
Le martyre de Saint Sebastian, M 105; Nr. 122, Ariost, Ge
samtausgabe von Keißner, M 70' — ; Nr. 127, Ars amandi,
herausgegeben von Nordhausen, M 105; Nr. 138, Balzac, La
comedie humaine, Paris, Conard 1912 bis 1914. M 605; Nr. 139,
Ders., Die 30 sehr drolligen Geschichten, M 170; Nr. 141,
Tiers., Die menschliche Komödie, M 440; Nr. 142, Dcsgl.,
M 400; Nr 152, Basile, Pas Märchen aller Märchen, mit
16 Bilderboilagen von Bayros, M 185; Nr. 154, Bierbaum,
Das schöne Mädchen von Tao, M 210; Nr. 155, Dass., M 190;
(Schluß in der nächsten Nummer.)
(Bücher aus dem Besitze des heiligen Bonifa-
cius.) Aus den Lebensgeschichten des heiligen Bonifacius,
des „Apostels der Deutschen“, wissen wir, daß er ein großer
Bücherfreund war, dem die Beschaffung von Büchern für sein
Kloster Fulda sehr am Herzen lag. Auch führte er stets eine
Anzahl Bücher bei sich. Als ihn die Friesen erschlagen hatten,
fanden sie in den Kästen, die er mit sich führte, nicht die
erwarteten Kostbarkeiten, sondern nur Schriftrollen. Diese
Bücher wurden später wieder unverletzt aufgefunden und von
den Findern nach Fulda, zurückg'eschickt. Aus einer anderen
Quelle kennen wir die Aussage einer alten Frau, die beim Tode
des Heiligen zugegen gewesen, zu sein versichert hat und die
gesehen haben will, wie er „ein heiliges Buch der Evangelien
auf sein Haupt gelegt und unter ihm den Schwertstreich des
Mörders empfangen habe“. Noch Otloh, der im 11. Jahr
hundert das Leben des Heiligen beschrieben bat, bemerkt, mail
könne das in der Mitte gespaltene Buch des heiligen Evange
liums, das Bonifacius in seiner Todesstunde sich vors Haupt
gehalten habe, noch sehen. Es ist nun durch die Untersuchungen