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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. II
Aquarell „Bettelkinder“ wurde vom Kaiser Franz
Josef I. der Königin Viktoria von England zum Ge
schenke gemacht. Das Bild „Wein, Weib und Gesang“
ist im Augartenpalais in Wien, ein Bildnis des Grafen
Paris ist in Koburg. Im Geiersberger Schloß sind
die Bildnisse der Grafen Nimtsch aus dem Jahre 1849
als Gardist und Cavriani vom Jahre 1849, ferner eine
heilige Maria als Kind dargcstellt, welches von seiner
Mutter, der heiligen Anna, lesen lernt, und eine heilige
Maria mit dem Jesuskinde am Arm, unten stehend
der heilige Johannes der Täufer, sowie andere Bilder
von Ignaz Umlauf. Die beiden Brüder Umlauf fanden
in der Familie der Grafen Stubenberg in Geiersberg
eifrige Förderer ihrer Kunstbestrebungen.
Ein Selbstbildnis und das Porträt seines Bruders
Johann und zwei sehr schöne Aquarelle „Mädchen vor
der Kapelle“ und „Neapolitanerin“ sind Eigentum
des Prof. Johann Netolickv in Brünn. Die „Kellnerin“
ist Eigentum des Ingenieurs Wenzel Knezek. Drei
Skizzen zu Genrebildern sind im Besitze des Verfassers.
Ignaz Umlauf hatte auch einen Schüler in der
Person seines Bruders Johann, welcher sich als Bildnis
maler mit gutem Erfolge betätigte und auch viele
Kirchen und Kreuzwege mit Heiligenbildern schmückte.
Johann Umlauf war in Hoflenz am 21. Mai 1825
geboren und beschäftigte sich in seiner Jugend mit
Vergolderarbeiten, die er im Vereine mit seinem Vater
in den Kirchen der Umgebung von Hoflenz und Geiers
berg durchführte. SeineAbsicht, an der Wiener Akademie
seine Kunststudien aufzunehmen, mußte er infolge
eingetretener Kurzsichtigkeit aufgeben und er begann
daher unter der Anleitung seines Bruders in Wien seine
Tätigkeit als Maler. Nach der Erkrankung desselben
begab er sich in den fünfziger Jahren nach Geiersberg
in Böhmen, wo er fortan seine Tätigkeit bis an sein
Lebensende entfaltete. Er starb daselbst am 5. Jänner
1916 in seinem 91. Lebensjahre. Trotz seiner Kurz
sichtigkeit und Schwäche in seiner Sehkraft, welche im
höheren Alter zur vollständigen Erblindung führte,
hat Johann eine ganz bedeutende Tätigkeit in seinem
Fache als Bildnis- und Kirchenmaler entfaltet, was
nur durch seinen unermüdlichen Fleiß möglich war.
Er bestehen von ihm in Böhmen und Mähren bei
400 Porträts, gegen 300 größere Altarbilder und zwanzig
Kreuzwege mit je 14 Bildern, ferner befinden sich drei
Altarbilder in der tschechischen Kirche in La Grasse
in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Das
Hauptwerk seines Lebens war die Ausmalung der Wall
fahrtskirche am heiligen Berg bei Pribram, wo er in
Sechsundsechzig Bildern das Leben der Jungfrau
Maria, teils nach Führich, teils nach eigenen Kom
positionen in Wachstechnik darstellte.
Auch sind in der Dechanatskirche in Pribram fünf
Kuppel-, 2 Bogen- und zwei Seitengemälde von ihm.
In der St. Ignatiuskirche in Prag hat Johann 5 Bilder,
das Gleichnis vom verlorenen Sohn darstellend, gemalt.
Tm Senftenberger Bezirk sind in den Kirchen von
15 Gemeinden und außerhalb dieses Bezirkes in 40 Ge
meinden Altarbilder von Johann zu finden. In der
tschechischen Zeitschrift,,Vestnik“ Nr.13 vom Jahrel916
sind die einzelnen Gemeinden und viele Altarbilder
angefiihrt.
Johann Umlauf war ein überaus bescheidener
Künstler, er sprach nie von seinen Leistungen und war
nicht zu bewegen, einen Entwurf zu einem Gemälde
oder eine Skizze aus der Hand zu geben und wenn auch
sein Talent an jenes seines Bruders Ignaz nicht heran
reichte und sich infolge seiner Augenschwäche nicht
entfalten konnte, so sind seine Arbeiten immerhin ganz
beachtenswert.
Johann Nejebse.
Johann Nejebse, Porträtmaler, geboren zu Bud-
nian-Karlstcin in Böhmen im Jahre 1810 als Sohn
eines Schullehrers. Budnian liegt in unmittelbarer
Nähe des Kalkberges, auf welchem Kaiser Karl IV.
im Jahre 1348 die berühmte Burg Karlstcin erbauen
ließ. Sie ist eine der interessantesten Burgen, in welcher
sich die Könige Böhmens einen Teil des Jahres auf
hielten und wo bis nach der Schlacht am Weißen Berge
die böhmischen Reichskleinodien, die Staatsurkunden
und heiligen Reliquien aufbewahrt wurden. Kaiser
Franz I. ließ die Burg seinerzeit renovieren. Der geistig
aufgeweckte Knabe fand an der Burg viel Gefallen und
besuchte dieselbe, so oft ihm seine freie Zeit dies ge
stattete, wodurch sein Sinn für Kunst viele Förderung
fand. Da er schon im Alter von 15 Jahren eine besondere
Begabung für zeichnerische Darstellung zeigte, so
ließ ihn sein um 14 Jahre älterer Bruder Wenzel, nach
maliger kaiserlicher Rat und Kassendirektor in Wien
(einer der Gründer des Wiener Männergesangvereines),
im Jahre 1826 nach Wien kommen und brachte ihn
daselbst an die Akademie der bildenden Künste. Hier
bildete er sich unter den Professoren Josef Redel und
Johann Endei zum Bildnismaler aus. Er erhielt auch
mehrere Preise an der Akademie. Seine Bildnisse
zeichnen sich durch sprechende Ähnlichkeit, richtige
Zeichnung und ungemein frische Farbengebung, welche
jedenfalls dem Einflüsse Johann Endcrs zuzuschreiben
ist, aus. Er war zumeist in Wien tätig und starb am
14. April 1846 in Baden bei Wien in der Villa des Baron
Kutschera im 46. Lebensjahre.
Von seinen Bildnissen, welche zumeist in Wiener
Privatbesitz sind, wurden auch einige lithographiert.
Wurzbach nennt in seinem Biographischen Le
xikon (Band 20, Seite 162) folgende Werke: Franz
X. Hofer, Domkapellmeister in Fünfkirchen, Dr. Au
gust Schmidt, der Gründer des Wiener Männergesang
vereines, Hofrat Albert Graf Gyulai. Eine Madonna
und ein Christuskopf sind in der Galerie des Erzherzogs
Albrecht in Wien, eine unbefleckte Empfängnis war
im Besitze der Baronin Kraus, Witwe des ehemaligen
Finanzministers Kraus.
Außerdem sind noch zu erwähnen ein sehr schönes
Marienbild in der Schloßkirche St. Nikolaus auf Burg
Karlstein. Ein Bildnis des Landschaftsmalers Alexander
Sack und ein Bild seiner Schwester Leopoldine in
kleinem Formate waren in der historischen Kunst
ausstellung der Akademie der bildenden Künste im
Jahre 1877 ausgestellt und fanden vielen Beifall. Diese
beiden Bilder sowie noch mehrere Porträts und ein
leider unvollendetes Selbstbildnis sind im Besitze des
Schreibers dieser Zeilen. Eines seiner besten Bilder,
ein Mädchen, welches einen Früchtenkorb hochhält,
in Naturgröße, ist im Besitze des Geheimrates Professor
Dr. Karl Dolezalek in Berlin.
Schließlich sei noch bemerkt, daß der Name dieses
Künstlers in den Kunstkatalogen sehr häufig unrichtig
angegeben wird. Man findet ihn als Nejebes oder Nejbse
angeführt (so wird auch häufig der Name des Alt-
wiener Porträtmalers Johann Frankenberger als
hrankenburger angeführt). Durch diese unrichtigen
Namensangaben wird die Arbeit des Kunstforschers
sehr erschwert, abgesehen davon, daß es auch dem Samm
ler nicht gleichgültig sein kann, ob er ein Kunstwerk
mit richtiger oder unrichtiger Namensangabe ersteht.
Richtig und fachgemäß zusammengestellteKünstkataloge
bilden einen wichtigen Behelf für die Kunstforschung
und Zusammenstellung der Biographie eines Künstlers.
Es wäre daher sehr erwünscht, den Namensangaben in
den Katalogen die nötige Aufmerksamkeitzu widmen.