MAK
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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 12 
disclien Kunstkreisen erlegte der Katalcg —denn die Sammlung 
selbst befindet sich derzeit noch in Peking — in kompetenten 
Kunstkreisen Bewunderung. Der Kaufschilling betrug 100.000 
Pfund Sterling, eine Summe, die teils durch die schwedische 
Regierung, teils durch eine Gesellschaft von Kunstfreunden, die 
große Beträge für den patriotischen Zweck beisteuerten, auf 
gebracht wurde. 
(Eine. Zinnausstellung in Genf.) Wir lesen in der 
„Neuen Züricher Zeitung“: Eine rundweg prächtige Schau ist 
die Zinn-Ausstellung im Genfer Museum. Diesmal haben 
einige Zinnsammler sich zusammengetan, die ihrer Neigung 
offenbar mit großer Kennerschaft nachgehen. Wir merken uns 
die Namen Audeoud, Hantz, Kündig, Naef, Thomas, Viollier, 
Weber. „Zinn“ weckt im allgemeinen die Vorstellungen Teller, 
Schüssel, Kanne. Die Ausstellung belehrt den Neuling nicht nur 
eines bessern. Die Anwendungen des Metalls sind zahllos. 
Wir geben eine nur eben annähernde Idee von der Vielheit der 
Gegenstände, wenn wir die Dreiheit so ergänzen: Münzen, 
Tintenfässer, Kerzenhalter, Becher, Kruzifixe, Weihwasser 
behälter, Bestecke, Schmuck. Es ist lautere Freude, den For 
men nachzugehen, die Zweck und Laune in Zinn gegossen 
haben. Sie auch nur allgemein zu fassen, ist mehr, als man 
verlangen darf. Einzelne Stücke herauszugreifen, geht erst 
recht nicht an. Nur ein Eindruck vom Rundgang: auf einer 
heiteren Tafel ist gedeckt. Weißer Flieder duftet aus den 
Kelchen. Was aber ganz unglaublich wirkt, ist, in anderem 
Gefäß, blauer Enziaxr. Das gibt zusammen ein Märchen. 
Man findet unter Glas ein schönes altes Buch, wie man sie 
im 17. und 18. Jahrhundert schrieb und druckte: klar und 
freundlich illustriert. Es führt uns das Handwerk in der Arbeit 
vor. Es heißt: „L’Art du Pottier d’Etain", und M. Salmon, 
Zinnhändler in Chartres, hat es im Jahre 1788 noch geschrieben. 
Anderswo liegt eine Probe zu einem neuen Werk, das erst er 
scheinen wird, und worauf man noch bis in den nächsten Monat 
unterzeichnen kann. Einer der Aussteller, Herr E. Naef, ge 
denkt die edle Kunst der Zinngießerei und ihre schönsten Er 
zeugnisse in der Schweiz und namentlich in Genf aus reicher 
Erfahrung als Sammler zu beleuchten. Und so wird der Zirkel 
rund. 
(Der Kunstsalon der Königinnen.) Eine eigenartige 
Ausstellung wurde dieser Tage in Paris eröffnet. Der Rein 
ertrag soll jenen Belgiern zugute kommen, die durch den 
Krieg ihr Hab und Gut verloren haben. Die Ausstellung ent 
hält nur Werke, die von Frauen aus königlichem Geblüt gemalt 
oder modelliert worden sind. Als das schönste Bild der Samm 
lung nennt die Pariser Presse, vielleicht nur um einer hohen 
„ Bundesgenosse'‘ gehörig zu schmeicheln, ein von der Königin 
Alexandra von England ausgestelltes Gemälde, das das 
Schloß Windsor im hellsten Sonnenschein darstellt. Interessante 
Bildnisse haben zwei Prinzessinnen, gleichfalls Mitglieder des 
englischen Königshauses, zur Ausstellung gesandt: es handelt 
sich um die Bilder der Herzoginnen von Somerset und West- 
minster sowie um das Bildnis der Eady Fenton, der Gattin 
des im Laufe des Krieges sehr häufig genannten britischen 
Admirals. Man versichert, daß auch diese Bilder durchaus 
nicht dUlettantisch gemalt seien. Hübsch und geschmackvoll 
soll ein von der Königin Mary von Rumänien gemaltes 
Bild sein. Es stellt einen von rosa und weißen Blüten über 
säten Baum, der ein wenig beschneit ist, dar. Nach dem 
Ausstellungsschluß in -Paris soll der „Salon der Königinnen“ 
nach Amerika gebracht und in allen großen Städten der Ver 
einigten Staaten gezeigt werden. Vielleicht werden die Milliar- 
därinnen dadurch angeregt, demnächst in Europa eine Aus 
stellung von Werken der Stahl-, Petroleum- und Büchsen 
fleischköniginnen zu veranstalten 1 
(Neue Kunst Hans Goltz, München.) Die Galerie 
eröffnete soeben eine Ausstellung des gesamten malerischen 
und graphischen Werkes von Albert Bloch. Ein illustrierter 
Katalog ist gleichzeitig erschienen. Im Juli zeigt diese Galerie 
eine Ausstellung von Gemälden und Graphik von George 
Grosz, von Plastik und Zeichnungen von Joachim Karsch. 
Für August ist eine Gesamtausstellung von Georg Schrimpf 
geplant. Gleichzeitig wird das graphische Werk von Ach- 
m a n n vorgeführt. 
(Carl Heinsch.) In Camenz in Schlesien verschied der in 
Sammlerkreisen sehr bekannte Antiquitätenhändler Carl 
Heinsch im 73. Lebensjahre. 
(Die nächste Große Düsseldorfer Kunstaus 
stellung.) Im Jahre 1920 wird wiederum eine Große Düssel 
dorfer Kunstausstellung im dortigen Kunstpalast stattfinden, 
aber diesmal ohne Mitwirkung der Berliner Künstlerschaft. 
Da die Mittel des Vereines zur Veranstaltung von Kunstaus 
stellungen nicht ausreichen, beschloß man, die Stadt Düssel 
dorf um einen Vorschuß von 150.000 Mark zu bitten. 
(Schenkung an den anhaitischen Staat.) Das herzog 
liche Haus Anhalt schenkte dem anhaitischen Staat die be 
rühmten Wörlitzer Kunstanlagen und Kunstschätze, darunter 
das 'Wörlitzer Schloß mit Gemälden im Werte von vielen 
Millionen, die herzogliche Hofbibliothek, das Archiv, einen Teil 
der herzoglichen Kunstsammlungen und das Dessauer Landes 
museum. Ferner überwies es dem Staat Domänen im Werte von 
20 Millionen Mark, aus deren Zinsen die Kunstschätze und 
Kunststätten erhalten werden können. 
Museen. 
(Eine Stiftung moderner Graphik.) Karl v. d. Heydt, 
der Elberfelder Sammler, der eine der schönsten Sammlungen 
moderner Kunst in seinem Hause vereinigt, hat jetzt dem 
Kupferstichkabinett der Berliner Museen eine große Anzahl 
von graphischen Blättern junger deutscher Künstler zum 
Geschenk gemacht. Darin sind mit Holzschnitten, Stein 
drucken und Radierungen vertreten: Max Beckmann, Erich 
Hcckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Lange, Oskar Kokoschka, 
Max Pechstein, Emil Molde, Hans Purrmann, Otto Müller, 
Christian Rohlfs. Da gleichzeitig das Kabinett weitere Arbeiten 
dieser Künstlergeneration durch Kauf erwarb — außer den 
genannten auch solche von Heinrich Nauen, Theo v. Brock 
hausen, Rudolf Großmann, Waldemar Rösler und Wolf 
Röhricht;—• ist jetzt der Besitz des Berliner Museums an den 
Arbeiten der jungen Graphik besonders reichhaltig. Auch 
einige der illustrierten Bücher dieser Künstler wurden er 
worben : so Stern heims Posinsky mit den Steindrucken von 
Großmann, die Fürstin von Edschmid mit den Radierungen 
von Beckmann, Jamm.es’ Hasenroman, den Seewald mit 
Steindrucken geschmückt hat. 
(Die Moderne Galerie in Darmstadt) erwarb durch 
die Vermittlung der Galerie „Neue Kunst“ Hans Goltz in 
München ein großes Gemälde von Joseph Eberz (München),, 
betitelt „Artistin“. 
(Eine Schenkung Bonnats.) Pariser Blättern ent 
nehmen wir, daß Leon Bonnat dem besten Teil seiner großen 
Sammlung von Rembrandtzeichnungen, insgesamt 90 
Blätter, dem Louvre zum Geschenk gemacht hat. 
Vom Kunstmarkt. 
(Auktion im Wiener „Dorotheum“.) Der Sammlung 
Pocttick-Petenegg läßt das Wiener Dorotheum am 17. Juni 
bereits eine neue Versteigerung folgen, die für vier Tage an 
beraumt ist und ebenfalls sehr reichhaltig ist. Den Anfang 
machen Gemälde alter und neuer Meister, unter denen wir 
einen Ost ade (Bauer mit Krug und Glas vor einem Tische 
sitzend), eine Landschaft von Alsloot, ein Zigeunermädchen 
von Pettenhofen, ein Porträt von Eybl, zwei Kriehuber 
(Bildnis des Ifofschauspielers Korn und Bildnis des Erzherzogs 
Johann) hervorheben möchten. In der Abteilung „Graphica“ 
sind Hans Markart mit einer Heliogravüre („Gretchcn vor 
der Mater Dolorosa“), Boucher, Grassi, Eleonore Doelter
	        
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