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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 14
Häuserfronten machen niemals den Eindruck von mit
Fenstern und Türen bemalten Bretterschablonen, wie
man es auf schlechten Bildern nicht selten zu sehen
bekommt. Man hat immer das Gefühl, daß hinter diesen
alten, trauten Mauern Menschen wohnen und in den.
Stuben mit den oft halbblinden Fensterscheiben sich
Lebensschicksale abspielen, von der Wiege bis zum
Sarge.
Wir finden unseren Maler aber nicht bloß vor den
altersgrauen Barockbauten Meister Hildeprands und
Fischer von Erlachs in den dumpfen Straßen mit seinem
Malgerät an der Arbeit, sondern auch in Gottes freier
Natur. Es sind uns duftige Praterbilder Graners bekannt,
Bilder vom „Lusthaus", die Alleen mit Wagen, Reitern
und Spaziergängern belebt. Als vor einigen Jahren die
deutsche Familienzeitschrift „Über Land und Meer“
aus Anlaß eines Jubiläums Kaiser Franz Josefs eine
eigene, Wien gewidmete Nummer erscheinen ließ, malte
Graner zur farbigen Wiedergabe neben einem effekt
vollen „Stephansplatz“ und einem „Prater"-Bild eine
interessante Ansicht von Schönbrunn im Herbstschmuck
des Parkes. Nämlich, von der Meidlinger Seite aus ge
sehen, jenen Teil des Schlosses, welchen einst Kaiserin
Elisabeth bewohnt hatte, mit schöner Perspektive gegen
die Wienerwaldbergc im Westen. Natürlich sind die
Bilder Graners auch sonst vielfach farbig reproduziert
worden, und zwar nicht bloß durch die übliche Ansichts
karte. Am häufigsten verbreitet findet man sein Bild
vom Stephansplatz mit dem am Riesentor in geschlos
sener Hofequipage vorüberfahrenden alten Kaiser Franz
Josef.
Graners Werke bilden auf dem Kunstmarkt heute
bereits eine Marke, deren Wert sicher noch steigen wird.
Und zwar in dem Maße, als trotz des Protestes aller
Kunstfreunde Altwien immer mehr verschwindet, wo
durch die Blätter Graners Seltenheitswert erlangen.
Man denke nur an die erst vor einigen Jahren ver
schwundene alte Häuserzeile der Herrengasse. Sie bilden
deshalb schon jetzt wertvolle Bestände der Staatsgalerie
und des Wiener Stadtmuseums. Die Architekturmalerei
ist gewiß keine himmelstürmende Kunst, es gibt da
kaum moderne malerische Probleme zu lösen, und doch
werden für die kleinsten Bildchen eines R. v. Alt die
höchsten Preise erzielt. Denn Kenner und Sammler
wissen ihren Wert wohl zu schätzen. Das gleiche gilt
auch, natürlich in gebührendem Abstand, von Graner.
Im Gegensatz zum „Bund der geistig Tätigen“ (welche
Überhebung, sich selbst so zu nennen!), deren duse
ligen Verrücktheiten das Künstlerhaus heuer leider
Unterschlupf gewährt hat, zählt Graner zu der großen
internationalen Gemeinde der Schönheitssucher, die uns
durch ihre herzerfrischenden Darbietungen den jämmer
lichen Alltag erträglicher machen. Wohl auch eines der
Ziele echter Kunst.
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Auflösung der ältesten Münchner Privatsammlung.
Mit der Versteigerung der Sammlung Kuppel
mayr, die in der letzten Juniwoche in der Galerie
Helbing in München stattfand, gelangte die älteste
Münchener Privatsammlung zur Auflösung. (Ein Teil
wurde bereits 1895 versteigert.) Ihr Begründer war
der 1888 verstorbene Baumeister Max Kuppelmayr,
ein begeisterter Altertumsfreund und Mitbegründer
des Münchener Altertums Vereins, der bereits in den
vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in ausge
dehnten Reisen den größten Teil der Sammlung zu
sammengebracht hatte. Sein Augenmerk war auf
den Erwerb alter Waffen gerichtet, und bei der da
mals herrschenden Verständnislosigkeit, die Waffen
aus öffentlichem Besitz teilweise als unnötigen Ballast
zum Eisenpreise zu verkaufen, war es ihm gelungen,
eine Sammlung von über 600 Stück zusammenzu
bringen. Aus den Schlössern in Kärnten und Tirol,
aus dem reichen Kunstschatz des Schlosses Hohen
aschau, aus dem Schloß in Neuburg, wo m<>n altes,
kostbares Erbe verschleuderte, konnte er seine Er
werbungen vornehmen, ebenso wie es ihm damals
noch möglich war, sowohl aus den Arsenalen und Zeug
häusern in München, Wien, Graz, Nürnberg, Burg
hausen, Solothurn, Pisa und Genua wie auch aus den
Rathäusern in Schongau und Schwabach manch sonst
nicht zu erlangendes Stück heimzu bringen. Der noch
heute mustergültige Katalog über die Waffensamm
lung ebenso wie den über den kunstgewerblichen Teil
verfaßte sein Sohn, der Kunstmaler Rudolf Kuppel
mayr, der von frühester Jugend an lebhaften Anteil
genommen hatte an der Sammlung und in aessen
treuer und sachgemäßer Hut die Sammlungen bis zu
seinem Tode gestanden hatten.
Rudolf Kuppelmayr, geboren 1834 zu Kauf
beuren, von Jugend auf zum Maler bestimmt, hatte
unter Anleitung seines Vaters schon früh dem alten
Kunstgewerbe ein besonderes Interesse entgegen
gebracht. In seinen Skizzenbüchern hat er ein getreues
Bild seiner kunstgewerblichen Wanderzüge durch
Deutschland und das Ausland hinterlassen. Da sehen
wir den Liedei auf dem Brunnen zu Traunstein, oder
ein altes noch nicht verschöntes Burgtor in Rothen
burg, die mannigfaltige Welt der Grabdenkmäler auf
dem Peterskirchhof in Salzburg, eine alte Wetterfahne
aus einem Nest im Schwäbischen oder Kunst und
Landschaftliches vom Chiemsee. In Dresden fesseln
ihn die prächtig erhaltenen alten Kostüme der säch
sischen Herrscher; aus Wien, Paris und London finden
sich sorgfältig ausgeführte Skizzen nach Rüstungen,
aus den Handzeichnungen der Ambrosiana in Mailand
die flott ausgeführte Kopie nach einem Renaissance
brünnlein. Und dann wieder bis ins kleinste mit ge
nauer Maßangabe versehene Studien und Aufrisse
nach alten Möbeln, geschmiedeten Fenstern, Türbe
schlägen, Vertäfelungen u. a., die die Grundlage bil
deten für die technisch so exakte Entwicklung des
Münchener Kunstgewerbcs der siebziger und achtziger
Jahre. Von all diesen Reisen brachte er von da und
dort ein altes Stück in seine Heimatstadt München
zurück, wo sein Haus bis zum letzten Winkel mit der
Urväter Hausrat angefüllt ward. So konnte er 1866,
durch den Krieg überrascht, doch noch vorher die
frühen italienischen Ziersteine (Nr. 17 bis 25) aus
Venedig nach Hause bringen, die dann die Kapelle
des Hauses bis zur Jetztzeit zierten. Man wird nicht
ohne ein Gefühl des N ,ides lesen, daß er den großen
Kruzifixus (Nr. 143) in Augsburg um 12 fl. 25 kr. er
werben konnte. Jetzt erzielte er 1700 Mark. Sein auf
vielen Reisen und durch eifriges Studium erworbenes
Wissen hat er selbstlos der Allgemeinheit zur Ver
fügung gestellt, sei es, daß er für Künstlerfeste genaue
historische Kostümblätter entwarf, oder einen großen
Triumphwagen zeichnete, oder daß er sich bei der
Münchener Ausstellung 1876 — Unserer Väter Werke —