Nr. 14
Internationale Sammler-Zeitung
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und mannigfaltiger Ausstattung gefunden worden, aber Gräber
\-on dem bezeichn eten Typus und Aschenurnen waren bis
her von dort noch nicht bekannt. Im ganzen lassen die Funde
darauf schließen, daß das letzterwähnte Grab dem Ausgange
der republikanischen oder aber der frühesten Kaiserzeit an
gehöre.
(Von Malern und ihren Modellen.) Maler und Modell
sind in der ganzen Kunstgeschichte zwei Gegner, die sich
wohl oder übel auf ein erträgliches Zusammenarbeiten ein
richten müssen, obwohl sie meist so manches aneinander aus
zusetzen haben. Zahlreiche Anekdoten von großen Meistern
erzählen davon, wie sehr sie unter dem Unverstand ihrer
Kunden zu leiden hatten. Sie griffen manchmal zu drastischen
Mitteln, um mit den Ansprüchen ihrer Modelle fertig zu werden.
So wird von Reynolds erzählt, daß ein Herr, der sich bei
ihm hatte malen lassen, ihm einst das Bildnis zurückschickte,
mit der Erklärung, der Dargestellte sei nicht er, sondern ein
anderes häßliches Wesen. Darauf antwortete ihm der Meister
in einem artigen Briefchen, in dem er mitteilte, wenige Pinsel
striche würden hinreichen, um aus dem Porträt einen Affen
zu machen, und da er gerade den Auftrag habe, für jemanden
ein solches Tier zu malen, so frage er hiernit höflichst an, ob
er es auf diese Weise verwerten solle. Das wirkte. Das Gemälde
wurde angenommen und bezahlt, aber — verbrannt. Ein
ähnliches Schicksal erlitt ein Werk von Hogarth, der eben
falls in seinen Porträts nicht schmeichelte. Einen Edelmann
hatte er so naturgetreu dargestellt, daß dieser sich dadurch
beleidigt fühlte und das Gemälde nicht bezahlen wollte.
„Wenn Sie mir das Bild nicht in drei Tagen bezahlt haben,"
erklärte der Maler, „so male ich ihm noch einen Schwanz
und verkaufe es als die Darstellung eines haarigen Tiermen
schen." Daraufhin erhielt er sein Geld. Aber der eitle Besteller
vernichtete sein Bildnis. Doch auch wenn sie ihren Modellen
schmeicheln, haben die Künstler nicht immer Glück. So hatte
Reynolds einmal die Leerheit und Dummheit in dem Ge
sicht eines Mannes, den er zu malen hatte, nach Möglichkeit
gemildert. Das Bild fand aber durchaus keinen Beifall; alle
Welt erklärte es für unähnlich. Resigniert sagte der Meister:
„Nun habe ich einen Schein von Ausdruck in das Gesicht
dieses Mannes gelegt, und da erkennen ihn selbst seine Freunde
nicht wieder." Die gleiche Erfahrung machte ein anderer
berühmter, englischer Porträtist, Godfrey Kneller. Er hatte
für einen hohen Herrn das Bildnis seines Sohnes gemalt. Als
es fertig war, kam der Vater mit einigen Freunden, um das
Porträt seines Sprößlings zu beaugenscheinigen. Beim Eintritt
in das Atelier sah er sich überall um und fragte dann den
Maler: „Wo ist das Porträt meines Sohnes?" Da das Bild
direkt vor ihm stand, wurde Kneller ärgerlich und sagte laut:
„Mein Gott, ich habe noch nie ein ähnlicheres Porträt geschaffen,
als das dieses jungen Kavaliers. Aber ich habe etwas Geist in
sein Gesicht gelegt, und nun erkennt ihn sein eigener Vater
nicht mehr!" Der französische Maler Hyacinthe Rigaud,
der Porträtist der Schönen am H ofe Ludwigs XIV., wußte
den Wünschen seiner Modelle durch boshafte Antworten zu
begegnen. Einst malte er eine außerordentlich stark ge
schminkte Dame. Diese erklärte ihm im Verlauf der Sitzungen
mit einer Art Vorwurf, seine Farben seien nicht lebhaft genug.
„Ich glaube, Sie tun mir Unrecht", erwiderte Rigaud, „ich
kaufe doch meine Farben von demselben Händler, von dem
Sie Ihre auch nehmen." Ein andermal porträtierte er eine
Dame, die die Lippen stets fest zusammenzog, um sich einen
möglichst kleinen Mund zu machen. „Seien Sie unbesorgt,“
sagte er zu ihr, „wenn Sie wollen, male ich Ihnen auch ■— gar
keinen Mund.“
Museen.
(Sonder ausstellungen im Oesterreichische n
Museum.) Im Saale IV des Oesterreichischen Museums in
Wien sind gegenwärtig die besten Vorderasiat ischen Kn iipf-
teppiche des Instituts zu einer Ausstellung vereinigt. Der
Bestand, der das Museum in die erste Reihe aller Teppich
sammlungen stellt, ermöglicht eine geschlossene Darbietung
der H auptgattungen aller orientalischen Teppiche an aus
gezeichneten Beispielen. Zum Teil gehören diese zu den her
vorragendsten, die sich aus alter Zeit erhalten haben; sie
kennzeichnen Höhepunkte eines klassischen, technisch und
künstlerisch sehr verfeinerten Teppichstils. Zu dem alten
Museumbestand sind einzelne Neuerwerbungen der letzten
Jahre hinzugekommen, interessante, bisher noch nicht zur
Schau gestellte Fragmente und ganze Stücke. Außerdem
sind noch andere Textilarbeiten (Gewebe und Sticke
reien), zum Teil aus der Blütezeit der Kunst Persiens, ferner
einige spä+ere persische und indische Metallarbeiten,
sowie auf das Jahr 1296 zu datierende H olzschnitzereien
aus Kairo zur Schau gestellt. Diese Zusammenfassung,
in Verbindung mit der vorderhand wegen Raummangels
noch in der allgemeinen Abteilung der Keramik belassenen
islamischen Keramik, läßt erkennen, wie wichtige Anfänge
bereits für eine ganz hervorragende Sammlung osmanischer
Kunst, die gewiß in Wien am Platze wäre, vorhanden sind.
Ihr Ausbau und entsprechende Darbietung wird eine Haupt
sorge des Oesterreichischen Museums sein müssen. Im
Säulenhof sind bedruckte Stoffe ausgestellt, reizvolle
Musterbeispiele altösterreichischer Manufakturen aus der
großen vor kurzem vom Oesterreichischen Museum über
nommenen Sammlung, welche seinerzeitzum Nationalfabriks-
produktenkabinett der Technischen Hochschule gehörte.
(Professor Alois Hauser) der bekannte Restaurator
der Berliner Museen, ist im Aitel von 63 Jahren gestorben.
Hauser war seit langem als Bodes Mitarbeiter an den preußi
schen Sammlungen tätig; die meisten Neuerwerbungen sind,
bevor das Publikum sie zu Gesicht bekam, erst durch seine
Hände gegangen, und manche behaupten, daß viele der alten
Meister des Kaiser Friedrich-Museums mehr von Hauser als
von dem Maler herstammen, dem sie zugeschrieben werden.
Hauser gehörte jener Generation von Restauratoren an, die
etwa den Architekten entsprach, die alle unfertigen gotischen
Tüime durchaus vollenden und ausbauen mußten. Man kann
die verschiedenen Ideale, die sich diese Maler von den alten
Meistern gebildet hatten, an dem verschiedenen Aussehen
der Werke eines und desselben Meisters in den verschiedenen
Galerien Europas sehr lebendig rekonstruieren: Rubens in
Antwerpen, in Berlin und Florenz zum Beispiel bietet ein
hübsches Beispiel dafür. Das bekannteste Beispiel für Hauser3
Mitarbeit an den alten Bildern ist Terbochs Konzert, auf dem
im Urzustand von der Dame im Hintergrund nicht mehr
viel vorhanden war, während sie jetzt wieder in voller Pracht
dasitzt; daneben die Übermalung des vom Rahmen bedeckt
gewesenen oberen Mittelstücks des großen van der Goes.
Hauser vertrat die Ideale einer für uns versunkenen Zeit: daß
er daneben von seiner Auffassung aus auch Vortreffliches
und Dankenswertes durch Reinigen, Entfernen von Über
malungen, Wiederaufhellen usw. geleistet har, bleibt bestehen.
Er besaß aus langer Erfahrung eine umfassende Kenntnis
des Technischen und der Methoden der alten Meister; aus
diesem Wissen und aus der Einstellung einer vergangenen
Zeit ergab sich neben dem Positiven auch das N egative seiner
Tätigkeit.
Vom Kunstmarkt.
(Die erste Auktion bei Glückselig und
Wärndorfer.) Die neue Wiener Auktionsfirma Glück
selig & Wärndorfur kündigt bereits ihre erste Ver
steigerung an. Sie wird vom 28. bis 30. Oktober statt-