MAK
Nr. 18/16 
Internationale Sa mm ler - Z e i t. un g 
Seite 119 
(Notgeld,) Einzelne Sätze der von der Stadtgemeinde 
Kempten ausgegebenen Kriegsnotgeldscheine können, 
nunmehr entwertet, zum Preise von 3 Mark für den Satz er 
worben werden. Der Satz bestellt aus je einem Stück zu 5, 
10, 20 und 50 Mark und kann durch die Stadtkasse bezogen 
werden. 
(5000-Kronen-Noten.) In der Banknotendruckerei der 
österreichisch-ungarischen Bank in Wien werden gegenwärtig 
tschechoslowakische 5000 Kronen-Noten gedruckt. 
Philatelie. 
(Die seltenste aller französischen Briefmarken) 
die 1-Frank-Marke der französischen Republik in Zinnoberrot, 
wurde in Paris in zwei Exemplaren für 11.640 Mark verkauft. 
Die Marke zeigt das Haupt der Ceres und wurde am 1. Januar 
1849 ausgegeben; bereits am 1. Dezember 1840 wurde aber die 
Marke in der zinnoberroten Farbe eingezogen und durch eine 
Ausgabe in rotbrauner Färbung ersetzt. Die riesige Preis 
steigerung dieser Marke geht aus der Tatsache hervor, daß sie 
1865 10 Frank und 1902 250 Frank notierte. Im letzten franzö 
sischen Briefmarkenkatalog wurde sie in ungebrauchtem Zu 
stand mit 7500 Mark, in abgestempeltem mit 2500 Mark be 
wertet. 
(Bosnischen Emissionen!) Die bosnischen Beamten 
haben in der letzten Zeit eine originelle Teuerungszulage er 
halten : eine eigene Briefmarkenserie. Bekanntlich ist die 
bosnische Postverwaltung von jeher am fleißigsten in der Aus 
nützung der Sammlerleidenschaft der Philatelisten gewesen. 
Zahllos sind die Emissionen der bosnischen Briefmarken, und 
seit dem Umsturz hat die Sarajewoer Postverwaltung fast in 
jedem Monat eine neue Serie von Briefmarken ausgegeben. 
Es handelte sich da fast immer um Restbestände älterer Aus 
gaben, die in verschiedenen Variationen den „S H S-Aufdruck", 
das Kennzeichen des Königreiches der Serben, Kroaten und 
Slowenen erhielten. Nun ist vor einigen Wochen eine neue Aus 
gabe aus drei Werten erschienen, die als Wohlf ahrtsmarken 
mit einem Aufschlag von 10 und 15 h verkauft werden 
sollen. Es handelt sich um die Werte 10-1—10, 20 -10 und 
40—15 h. Dijsc* drei Marken sollten am PosiSchalter in 
Sarajewo K 105 kosten. Wir sagen ,,sollten“ aber in Wirklich 
keit waren diese Marken am Postschalter überhaupt nicht zu 
bekommen. Nur die Beamten in Bosnien erhielten die neuen 
Briefmarken zu dem angegebenen Betrage. Jeder verheiratete 
Beamte bekam 10 Serien, die ledigen erhielten 5 Serien. Wie es 
heißt, sollen auch die Beamten außerhalb Sarajewos d’ese 
Marken bekommen haben. D ; e Verteilung nahm ein Depar 
tementchef vor, der dabei mit einer derartigen Gewissenhaftig 
keit vorgegangen ist, daß auch nicht ein einziger Nichtbeamter 
von ihm einen Satz dieser gesuchten Marken erhielt. Selbst 
verständlich waren aber schon die neuen Marken am Tage der 
Ausgabe in Sarajewo in nichtamtlichen Händen. Jeder Beamte 
hatte nämlich die Erlaubnis erhalten, diese Marken so gut als 
möglich zu verkaufen. Die drei Werte kosteten am Tage der 
Ausgabe in Sarajewo 25 bis 30 K, wurden aber auch von vielen 
Beamten nicht verkauft, sondern aus Spekulationsgründen auf 
gehoben. Auf Briefe wird wohl niemand diese Marken geklebt 
haben, denn die Gefahr, daß der Brief mit den so kostbaren 
und so gesuchten Marken untenvegs verschwinden könnte, war 
ja zu groß. 
(Die Ausgabe dei bayerischen Kriegstürsorge 
marken) zugunsten der Kriegsbeschädigten wird voraus 
sichtlich am 25. August beginnen. Fis erscheinen, analog zu 
den Marken der Reichspost, nur zwei Werte, zu 10 und 15 
Pfennig, die mit einem Aufschlag von je 5 Pfennig ver 
kauft werden. Das Aufgeld wird zur Unterstützung von Kriegs 
beschädigten verwendet werden. 
(Wieder neue polnische Briefmarken.) Von Polen 
liegt nun schon wieder eine Reihe, von sechs Marken in großem 
länglichem Querformat mit der Inschrift „Sejm 1919 Roku" vor, 
von denen jeder Wert eine neue Zeichnung aufweist. Pade- 
rewskis etwas stark jugendlich geratener Lockenkopf ist auf 
dem gebräuchlichsten Wert zu 15 F (enigow) rot verherrlicht, 
ein Porträt des bekannten Legionsftihrers Pilsuldski erscheint 
auf der 2c F graugrün und der ehemalige Rechtsanwalt Tram- 
pczinski auf der 20 F braun. Die Werte zu 10 F lila und 50 F 
blaugrün zeigen einen Adler, der 1 Mark-Wert violet anscheinend 
einen Pegasus. 
(Die Schweizer Friedensmarken) die wir neulich 
angekündigt haben, gelangten am 1. August zur Ausgabe. Der 
Verkauf der dreiWerte (7V ä , 10 und 15 Centimes) dauert, so 
lange der Vorrat reicht, längstens aber bis Ende des laufenden 
Jahres. DieGültigkeit ist jedoch bis 30. April 1920 verlängert. 
Vorläufig werden diese Marken nur im lnlände verwendet 
werden. 
Plakate. 
(Eine Ausstellung für künstlerische Reklame) 
wird demnächst in Gera seitens der Mitglieder des ,,Künstler 
bundes Ostthüringen" veranstaltet werden. Auf dieser Aus 
stellung sollen in der Hauptsache Graphiker zu Worte kommen. 
Mit der ebenfalls bevorstehenden ersten Programmausstellung 
des genannten Künstlerbundes hat diese Ausstellung nichts 
zu tun. 
Porzellan. 
(Das Porzellan mit der Marke Bischofsmütze) be 
handelt A. Stoehi (Wtirzburg) im 3. bis 5. Heft von „Kunst und 
Handwerk" (XXII. Jahrgang 1919). Stoehr widerspricht der 
Ansicht Jännickes, der Wiirzburg als Hei stellungsort be 
zeichnet, tritt für Ellwangen ein und weist auf die dortige 
Prahlsche Fabrik hin. 
Verschiedenes. 
(Eine Gottfried Keller! Ausstellung in Zürich.) 
Anläßlich des hundertsten Geburtstages Gottfried Kellers 
ist in der Zentralbibliothek in Zürich eine Ausstellung er 
öffnet worden, in der,wie die „Neue Züricher Zeitung" schreibt, 
mit Takt und Liebe die ganze geistige Umwelt Kellers veran 
schaulicht wird. Der Mensch, der Dichter, der Maler; diese 
Dreiteilung gliedert diese zwei Säle der Erinnerung, die 662 
Nummern vereinigen. Man sieht Ehrengaben, Becher und Me 
daillen, die dem Dichter zuteil geworden,Manuskripte von ihm 
und die Erstausgaben seiner Werke. Von der Bibliothek Kellers 
ist ein Hauptbestand zu sehen und an den 'Wänden die Bilder, 
mit denen Keller sich umgab, oder solche, die in seinem Leben 
oder in seinen Werken von seelischc-mBelang waren. Ein eigenes 
Kabinett ist dem Maler Gottfried Keller gewidmet. 
(Neue Sezessionen.) Die radikalen Künstler Darm 
stadt s und der Umgegend haben sich zu einer Sezession zu- 
sammengetan. Ausstellungen sollen veranstaltet und die neueste 
Literatur soll gepflegt werden. Das Programm wünscht das 
dichteste Herantragen derKunstan die werktätige Bevölkerung; 
der Sezession gehören Beckmann. Eberz, Edschmid Hairicht, 
Heuser, Hootger, Meisner an. Eine Versammlung junger 
Hamburger Künstler hat unter dem Namen „Hamburger 
Sezession" eine Vereinigung gegründet, die die jungen Künstler 
der Hansestadt zusammen fassen will. Zum Vorsitzenden wurde 
der Maler Heinrich Steinhagen gew'ählt. Den Vorstand bilden 
die Maler Hugo Johnstonj Willi Davidson, Karl Prahl, Johannes 
Wüsten und Wilhelm Spanier. Im Herbst wird die Hamburger 
Sezession eine Ausstellung veranstalten. 
(Bode über Alois Hauser.) Dem von uns schon ge 
würdigten Restaurator der Berliner Museen, Professor Alois 
Hauser, widmet Generaldirektor Wilhelm v. Bode im Juliheft-
	        
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