Nr. 17
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 127
Die Echtheit des Autogramms ergibt sich aus
beiliegenden Dokumenten, vor allem aber aus der
Provenienz, die sich lückenlos durch fast vier Jahr
hunderte hindurch zurückverfolgen läßt. Luther schenkte
das Buch, offenbar in dem dem Erscheinungsjahre
folgenden Jahre, Heinrich dem Älteren (XVIII.)
Herrn von Reuß-Plauen (1506 bis 1572), der 1535zur
Regierung kam, kursächsischer Lehnsmann, seit 1549
kursächsicher Rat war, immer in naher Beziehung
zum Weimarer Hof und hiedurch auch zu Luther
stand. Nach seinem Tode wurde das Buch immer auf
die jüngeren Söhne vererbt, zunächst an Heinrich V.
von Reuß-Greiz (f 1604), dann an Heinrich V. von
Reuß-Unter-Greiz (f 1667) und Heinrich IV. Graf von
Reuß-Unter-Greiz, der 1675 in Hechingen gestorben
ist, Damals gelangte es wahrscheinlich in den Besitz
der Fürsten von Hohenzollern-Hechingen, zunächst
an Friedrich Wilhqlm (f 1735), dann an Friedrich
Ludwig (| 1750), Joseph Wilhelm (f 1798), Hermann
Friedrich (f 1810), Friedrich Hermann (f 1838) und
Friedrich Wilhelm, der es im Jahre 1839 seiner Braut
Pauline, Herzogin von Sagan-Kurland, schenkte,
deren Name sich auf dem Titel des Buches findet
und deren Exlibris in dem Einbanddeckel des Buches
eingeklcbt ist. Nach ihrem Tode im Jahre 1845 fiel es
wieder an Friedrich Wilhelm, den letzten Sprossen des
Hauses, zurück. Als dieser im Jahre 1869 starb, kam
seine ganze Bibliothek mit der Bibel in den Besitz des
Grafen Friedrich Rothenburg, Majoratsherrn der
Herrschaft Poinisch-Netkow-Rot.henburg, wo sie bis
zum Jahre 1914 verblieb.
Aus der Bibliothek des spanischen Dichters L ope de
Vega stammt ein Exemplar von Titelmanns „Pa-
raphrastica elucidatis in librum Job. Paris 1547“,
aus der des Schweizer Reformators Heinrich Bu Hing er
(1504 bis 1575) ein Sammelband von Werken des Solinus,
Pomponius und Plutarchs. Von Coppee ist eines der
24 auf Whatmannpapier hergestellten Exemplare von
,,La Bataille d’Lernani“ vorhanden.
Gottfried Keller ist mit einem Exemplar seines
„Sinngedichts“ vertreten, das eine Widmung an seine
Freundin, Freiligraths Schwägerin, Maria Melos trägt;
auf einem Exemplar seiner „Gesammelten Gedichte“
an Freiligraths Frau liest man die Worte „Frauen
Ida Freiligrath zur freundlichen Erinnerung an vierzig
Jahre. Zürich, 4. März 1884. Der Verfasser“. Aus
dem Besitze Ottilie von Goethes, der Schwieger
tochter des Altmeisters, rührt ein Exemplar des von
C. H. Kohl 1862 herausgegebenen illustrierten Berichts
über die zweite Thüringsche Gewerbeausstellung mit
Streifblicken auf Thüringens Industrie her. Auf dem
Vorsatz findet sich der eigenhändige Vermerk:-Weih-
nachts Geschenk von Walther von Goethe, erhalten
Wien 6 Januar 1863. Ottilie von Goethe.“
Noch möchten wir der Bücher aus den Biblio
theken Herders, Jakob Grimms, Bodenstedts und
Gutzkows gedenken.
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Münchner Auktionen.
Die Galerie Helbin g in München eröffnet die Reihe ihrer
Herbstauktionen mit der Versteigerung der Sammlung des
Kapellmeisters Franz Beidler., eines Schwiegersohnes
Richard Wagners.
Der überwiegende Teil der Sammlung, vor allem Möbel
und Einrichtungsgegenstände, gehört der Rokoko-, Empire-
und Biedermeierzeit an. Erwähnt sei ein Empiresofa mit
vier Stühlen und Fußschemel (Nr. 179 des Kataloges) sowie
ein derselben Zeit entstammender Konsoltisch mit Spiegel
(Nr. 159). Unter den Antiquitäten findet sich manch gutes
Stück; die Arbeiten in Glas und Metall sind meist Erzeug
nisse aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Eine reiche
Anzahl von Aquarellen, Handzeichnungen und Stichen, eben
falls zum großen Teil Arbeiten des frühen 19. Jahrhunderts,
Gemälde moderner Meister, darunter drei weibliche Porträts
aus der Familie Wagner von Franz von Lenbach, einige
sehr gute Teppiche vervollständigen die Sammlung, zu deren
interessantesten Stücken ein Richard Wagner Manu
skript — handschriftliche Komposition mit Text zu vier
Liedern — gehört.
Außer dieser Sammlung enthält der ungefähr vierhundert
Nummern umfassende Katalog sechs Ludwigsburger Porzellan
gruppen aus süddeutschem Museumsbesitz und eine kleinere
aus Münchner Privatbesitz herrührende Kollektion: Möbel
des 15. bis 19. Jahrhunderts, darunter ein zweitüriger goti
scher Schrank, eine achtzehnteilige holländische Eßzimmer
einrichtung, zwei deutsche Barockschränke, Gemälde alter
und moderner Meister, zwei Arbeiten von August Querfort,
eine vielleicht Friedrich Sustris zuzuschreibende Venus, ein
Altarflügel •—„Anbetung der Könige“, Verkündigung Mariä“
— eine schwäbische Arbeit um 1510.
Den Schluß des Katalogs bilden 43 Nummern der in weite
sten Kreisen bekannten Sammlung Entres: früh- und spät
gotische Holzplastiken 1 sowie Gemälde des 15. und 16. Jahr
hunderts. Unter den Plastiken sind die fränkische, schwäbische,
niederrheinische und oberbaycrische Schule vertreten. Nr. 39^
und 394, St. Wolfgang und St. Bartholomäus, entstammen
dem Stilkreis des Meisters von Rabenden. Eine „Maria mit
Kind“ gehört in den Kreis Riemen Schneiders, ebenso ein
„Heiliger Sebastian“. In der Art des Veit Stoß ist ein Hoch
relief St. Anna selbdritt. Arbeiten des 18. Jahrhunderts
sind „Adam und Eva“, in der Stilisierung an den Dürer'schcn
Stich erinnernd, ein Christkind auf Wolken in der Art Straubs
und drei Engelköpfchen, ebenfalls Münchner Arbeiten, wohl
aus der Werkstatt des Christian Günther. Daran schließen
sich Gemälde, darunter: „Fischmarkt von Bassano“, ein
männliches Brustbild von Georg Geldorp (1593), „Christus
als Gärtner“ von Hendrik Goltzius, der „Heilige Hironymus
von Patinir" 1524, eine „Heilige Familie“ von Bartholomäus
Spranger und zwei Arbeiten Jörg Zieglers, des Meisters
von Meßkirch (1495-—-1559), St. Gangolf und St. Gregorius.
Die Sammlung, die am 19. September und den folgenden
Tagen unter den Hammer kommt, ist in der Galerie Helbing
vom 15. bis 18. September ausgestellt. Der Katalog mit
32 Abbildungstafeln ist zum Preise vom M 8 - — zu beziehen.
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Am 10. September und den folgenden Tagen findet bei
Dr. F. X. Weizinger & Co. in München eine Auktion statt,
die, aus drei verschiedenen Sammlungen entstanden, bedeut
sam durch ihren Umfang und durch die Qualität, vorzüglich
der Keramik und des Glases ist. Unter den Gläsern sind ein
früher Vexierkrug, dann ein Potsdamer Pokal, noch dem
17. Jahrhundert angehörend, von Interesse, ferner Gläser in
den für Sachsen typi chen Formen und ein frühes schlesisches
Flötenglas mit einem Deckelpokal, das Wappen der gleichen
Familie tragend. Von den Gläsern des 19. Jahrhunderts sind
zwei hübsche Überfangbecher und Tischgläser mit Wappen in
graviertem Gold erwähnenswert.
Die Fayence entstammt zumeist den süddeutschen Manu
fakturen; Hanau, Bayreuth, Nürnberg sind gut verriet-,üe